Digitalkompetenzen im Team stärken: In sechs Schritten zum Erfolg

Praxis-Tipps für KMU vom KOFA-Experten David Meinhard

Sie möchten Ihr Unternehmen fit für die digitale Zukunft machen? Sie fragen sich, welche Kompetenzen Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Zukunft brauchen und wie Sie diese Kompetenzen fördern können? – KOFA-Experte David Meinhard nimmt Sie mit auf den Weg: Schritt für Schritt in Richtung Digitalisierung.

Schritt 1: Strategien festlegen, Kompetenzen definieren

David Meinhard: Sie möchten mit der Digitalisierung Ihres Betriebes starten? – Dann sollten Sie zunächst klären, in welchen Bereichen Ihres Unternehmens digitales Arbeiten in Zukunft eine Rolle spielen kann. Möchten Sie beispielsweise die vorhandenen Vertriebswege durch einen Online-Shop ergänzen (Anmerkung der Redaktion: siehe Video „Holzgespür“)? Oder planen Sie eine verbesserte Zusammenarbeit unterschiedlicher Standorte durch digitale Werkzeuge wie Chats oder kollaborative Software?

Vielleicht denken Sie auch über neue Wege in der Personalentwicklung nach – zum Beispiel durch die Einbeziehung von E-Learning?

Jedes dieser Vorhaben setzt andere digitale Kompetenzen im Team voraus. Überlegen Sie, welche Fähigkeiten Ihre Mitarbeiter brauchen, um Ihre Ziele umzusetzen. Diese Kompetenzen gilt es zu fördern und auszubauen.

Schritt 2: Strategie kommunizieren, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitnehmen

David Meinhard: Verlassen Sie sich nicht darauf, dass die digitalen Kompetenzen im Team sich „automatisch“ mit dem technologischen Wandel entwickeln. Kommunizieren Sie als Geschäftsführer Ihre Unternehmensstrategie klar  gegenüber Ihren Mitarbeitern und unterstreichen Sie die zentrale Bedeutung der Digitalisierung für Ihren Unternehmenserfolg. Holen Sie die Kolleginnen und Kollegen mit ins Boot – und erhöhen Sie die Akzeptanz für den gemeinsamen Veränderungsprozess.

Schritt 3: Vorhandene Kompetenzen aufdecken

David Meinhard: Wer weiß, welche digitalen Kompetenzen er braucht, kann diese in der Belegschaft gezielt abfragen. Fast jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter hat heute ein Smartphone und kann dies bedienen. Die meisten Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger sind in sozialen Netzwerken aktiv oder haben in ihrer Ausbildung Software-Programme kennengelernt. Einige bringen unter Umständen Erfahrung im Bereich Webentwicklung mit. Im Unternehmen sind diese Kompetenzen möglicherweise nicht bekannt, weil sie im beruflichen Kontext bisher nicht gefragt waren. Starten Sie einen offenen Dialog mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und erfahren Sie, welche verdeckten Kompetenzen in Ihrem Team schlummern.

Schritt 4: Digitale Kompetenzen bei Rekrutierung mitdenken

David Meinhard: Einige digitale Kompetenzen können von Ihrem Team nicht ohne weiteres abgedeckt werden? – Überarbeiten Sie Ihre Stellenanzeigen und machen Sie deutlich, welches Know-how Ihnen im Team noch fehlt. Achten Sie dabei auf Begrifflichkeiten: Wer nach abstrakten „Digitalkompetenzen“ fragt, schreckt zukünftige Bewerberinnen und Bewerber möglicherweise ab. Sie wollen Ihren Kunden die Möglichkeit geben, in Zukunft über „Skype“ mit dem Service-Team in Kontakt zu treten? Das Thema „Fernwartung“ von Maschinen steht ganz oben auf Ihrer Prioritätenliste? – Beschreiben Sie Ihre Ziele in der Stellenanzeige konkret. Und machen Sie deutlich, welche Kompetenzen die Bewerberin oder der Bewerber mitbringen sollte.

Stellen Sie Ihre Stellenanzeigen gezielt auf Online-Plattformen und Social Media ein. So erreichen Sie vermehrt Bewerberinnen und Bewerber, die ohnehin eine Affinität zum Internet haben.

Schritt 5: „Gemischte Teams“ für die Digitalisierung

David Meinhard: Die Praxis zeigt: Heterogene Teams sind ein wichtiger Erfolgsfaktor für digitale Projektarbeit. Bringen auch Sie ganz gezielt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit unterschiedlicher Betriebszugehörigkeit und aus unterschiedlichen Fachrichtungen in digitalen Projektgruppen zusammen. Ermuntern Sie Auszubildende und Berufsanfänger ausdrücklich, ihr Wissen zu teilen. So mischen sich möglicherweise die bereits vorhandenen Digitalkompetenzen neuerer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Erfahrungswissen älterer Kolleginnen und Kollegen – eine wichtige Voraussetzung, um Ihre strategischen Ziele bestmöglich zu erreichen.

Schritt 6: Externes Know-how nutzen, den Anfang wagen!

David Meinhard: Der technische Fortschritt wird auch in Ihrem Unternehmen immer wieder Veränderungsprozesse nach sich ziehen – Sie und Ihr Team müssen stets „am Ball“ bleiben. Nutzen Sie auch externe Informationsquellen zum Aufbau und Erhalt des benötigten Wissens. Neben klassischen Weiterbildungsangeboten oder Beratungsleistungen gibt es im Netz viele – teils kostenlose – Lernangebote (E-Learning). Diese können Sie über gängige Suchmaschinen oder Videoplattformen recherchieren. Auch auf der KOFA Plattform sowie durch die Kompetenzzentren Mittelstand 4.0 erhalten Sie weitere wichtige Hinweise zum Thema Digitalisierung und dem Aufbau der benötigten Kompetenzen.

Aus der Betriebspraxis wissen wir: Wer sich in der gleichen Branche zum Thema Digitalisierung vernetzt, kann wertvolle Informationen erhalten, welche Innovationen sinnvoll sind – und von welchen Projekten man besser der Finger lässt. Grundsätzlich gilt: Digitalisierung muss nicht teuer sein! Lassen Sie sich nicht abschrecken und fangen Sie mit einem möglichst greifbaren Projekt als „Pilot“ an.

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