"Wir sind vom Krisenmodus in den Integrationsmodus gewechselt"

Rückblick auf das dritte Jahrestreffen der Willkommenslotsen

Welche Erfolge wurden bei der Integration von Flüchtlingen erreicht? Welche Hürden gilt es weiter zu überwinden? Und wie lässt sich der Ausbildungserfolg von Geflüchteten in den Unternehmen nachhaltig sichern? – Mit diesen Fragen beschäftigten sich rund 180 Willkommenslotsen auf ihrem Jahrestreffen, das am 25. und 26. Juni 2018 im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in Berlin stattfand. Willkommenslotsen sind die zentralen Ansprechpartner für Unternehmen bei der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten. Sie beraten Unternehmen in allen praktischen Fragen der betrieblichen Integration von Geflüchteten. „Uns ist natürlich bewusst, dass die Willkommenslotsen im dritten Jahr ihrer Arbeit vor anderen Herausforderungen stehen als zu Beginn ihrer Tätigkeit“, berichteten zwei der Organisatorinnen der Veranstaltung, Sarah Pierenkemper und Annette Dietz vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA). „Unser Ziel war es, einen Rahmen zu schaffen, in dem Willkommenslotsen sich austauschen, von- und miteinander lernen, offen über Erfolge und Probleme sprechen sowie Lösungen erarbeiten können.“

Tag 1: Erfolge würdigen, Hürden überwinden

Dr. Matthias Köhler, Unterabteilungsleiter im BMWi, sprach zum Auftakt des Jahrestreffens ein Grußwort. Er betonte die bisher erreichten Erfolge und die weitere Notwendigkeit der Arbeit der Willkommenslotsen im Hinblick auf eine erfolgreiche und nachhaltige Integration der Geflüchteten in Arbeitsmarkt und Gesellschaft. Anschließend präsentierte Thorsten Lübbers von der Ramboll Management Consulting GmbH die Ergebnisse der Programm-Evaluation. „Rund fünfzig Prozent der Unternehmen sehen einen deutlichen Beitrag der Willkommenslotsen zur erstmaligen Auseinandersetzung mit der Beschäftigung Geflüchteter“, berichtete Lübbers. Darüber hinaus lasse sich ein deutlicher Effekt zwischen der Beratungstätigkeit der Willkommenslotsen und der Wahrscheinlichkeit nachweisen, dass Unternehmen Geflüchtete beschäftigten. Die Projektverantwortlichen von BMWi, des Bundesamt für Wirtschaft und Warenausfuhrkontrolle (BAFA), dem Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) und des Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) informierten über den aktuellen Stand des Programms und beantworteten Fragen aus dem Publikum.

Nach der Präsentation dieser Erfolgszahlen stand der Nachmittag im Zeichen des gegenseitigen Austauschs und der Diskussion. Hierzu wurden verschiedene Themen unter der Anleitung und des fachlichen Inputs einzelner Willkommenslotsen und anderer externer Akteure in Workshops angeboten. Die folgende Bildershow führte thematisch in diese Workshops (Barcamps) ein:

Tag 2: Nachhaltigkeit in der Ausbildung fördern

„Die Willkommenslotsen sind in ihrer Arbeit vom Krisenmodus in den Integrationsmodus gewechselt“, erklärte Sarah Pierenkemper. „Die Menschen, die in der ersten großen Fluchtwelle 2015/16 zu uns gekommen sind, haben mittlerweile Sprach- und Integrationskurse besucht und kommen jetzt in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Für die Willkommenslotsen geht es aktuell darum, diesen Prozess nachhaltig zu unterstützen.“

Wie dies gelingen kann, zeigte auf dem Jahrestreffen die Integrationsgeschichte von Abbas Baghlani in die Metallbau Windeck GmbH. Der Kontakt zwischen dem jungen Iraner und dem Unternehmen wurde über Holger Münster, Willkommenslotse an der Handwerkskammer Potsdam, hergestellt. Der Geflüchtete überzeugte das Unternehmen nicht nur durch sein handwerkliches Talent und sein Vorwissen, sondern auch durch die sehr guten Sprachkenntnisse. Mittlerweile durchläuft er in der Firma das zweite Lehrjahr zum Metallbauer Konstruktionstechnik. „Abbas Baghlani hatte nach seiner Ankunft in Deutschland zunächst keine Möglichkeit, einen Sprachkurs zu besuchen und hat sich dann Deutsch als Autodidakt über YouTube beigebracht“, berichtete Sandra Damaschke, Bereichsleiterin Personal und Ausbildung bei der Metallbau Windeck GmbH. „Das Beispiel macht deutlich, dass es junge Menschen mit Fluchthintergrund gibt, die die Motivation und das Potenzial mitbringen, sich selbst die deutsche Sprache zu erschließen. Es gibt aber eben auch andere, die Fördermaßnahmen u. a. zum Lernen der deutschen Sprache unbedingt brauchen. Es zeigt sich nämlich, dass der Zugang zu Sprachkursen und anderen Unterstützungsmöglichkeiten ein wesentliches Erfolgskriterium dafür ist, ob die Ausbildung von Geflüchteten gelingt“, erklärte KOFA-Referentin Sarah Pierenkemper.

Herausforderungen politischer Rahmenbedingungen

Unter den Willkommenslotsen wurde an diesem Tag auch viel über politische Rahmenbedingungen gesprochen, die die Integrationsarbeit in der Praxis erschwerten. So sei es ein großes Problem, dass viele Geflüchtete in Ausbildung Maßnahmen wie ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) aufgrund ihres Herkunftslandes nicht in Anspruch nehmen können. Auch Michael van der Cammen, Leiter des Bereiches Migration und Geflüchtete der Bundesagentur für Arbeit, betonte in seinem praxisnahen Impulsvortrag die Notwendigkeit von Unterstützungsmaßnahmen.

Einige Willkommenslotsen berichteten außerdem von Fällen, in denen Geflüchtete trotz der sogenannten „Ausbildungsduldung“ in ihr Heimatland abgeschoben wurden. Willkommenslotsen fragen sich in manchen Fällen, wie sie Unternehmen bei einer erfolgreichen Integration von Geflüchteten beraten und begleiten können, wenn es zum Teil am Zugang zu Fördermöglichkeiten und einer klaren Bleibeperspektive fehlt. Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der viele Akteure eine Rolle spielen. Trotz dieser Schwierigkeiten ist es positiv, dass es nach wie vor viele Unternehmen gibt, die sich für die Integration von Geflüchteten engagieren. Um dieses Engagement zu unterstützen, stellt das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung in dem Dossier „Flüchtlinge integrieren“ weitreiche Informationen für kleine und mittelständische Betriebe bereit.

Das Abschlusswort des Jahrestreffens übernahm Vera Werker, Leiterin des Referats „Bildungspolitik, Berufliche Aus- und Weiterbildung“ des BMWi. Sie dankte allen Willkommenslotsen für die geleistete Arbeit und gab einen Ausblick auf die Weiterführung.

Ein Dankeschön an alle Beteiligten
Die Jahrestagung der Willkommenslotsen wurde von vielen Akteuren unterstützt. Ein besonderes Dankeschön geht an:
-    BQ-Portal
-    Gemeinsam in die Ausbildung
-    Landesamt für Bürger und Ordnungsangelegenheiten Berlin (LABO)
-    Max Taut Berufsschule
-    NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge (NUiF)
-    Sprachschule WIPA
-    Stark für Ausbildung

Tipp: Lesen Sie auch das Interview mit den beiden Willkommenslotsen Gabriele Wörner und Timo Walther „Die Herausforderungen der Integration haben sich verändert“.

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