Thema des Monats: Ältere

Mit Erfahrungswissen für Ihren Betrieb

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Alter von 50 Jahren und älter nehmen eine immer wichtigere Rolle in vielen Teams ein. Denn die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre erreichen nach und nach das Rentenalter, und die Zahl der jüngeren Beschäftigten reicht nicht aus, um die Arbeitsplätze der Älteren wieder zu besetzen.

Ältere beschäftigen bringt viele Vorteile

Viele Arbeitgeber vertrauen aus guten Gründen auf die Kompetenz älterer Arbeitskräfte. In ihrer langjährigen Berufserfahrung haben viele von ihnen bereits Führungsaufgaben übernommen, Projekte eigenständig betreut oder gar neue Produkte mit auf den Markt gebracht. Das haben sie vielen jüngeren Kollegen voraus. Eine unschlagbare Qualität der Älteren ist dabei ihre Erfahrung, denn sie bringen oft betriebs- und/oder fachspezifisches Wissen mit, das in keinem Lehrbuch zu finden ist. Über die Jahre haben sie bereits schwierige Situationen gemeistert und gehen routiniert an Aufgaben heran, die gerade jüngere Fachkräfte vor Herausforderungen stellen. In altersgemischten Teams bringt diese Erfahrung Ruhe, was auch den jüngeren Kolleginnen und Kollegen Sicherheit gibt. Wie das funktioniert, zeigt auch das KOFA-Praxisbeispiel der Firma Martin Luck Metallgießerei GmbH: Während die Älteren – teilweise auch Ruheständler – als Expertinnen und Experten ihres Handwerks ihre Erfahrungen an ihre jüngeren Kollegen weitergeben, helfen die Jüngeren dabei, das Geschäftsfeld zu erweitern. Ganz konkret haben sie die Neugestaltung der Unternehmenswebseite übernommen.

Auch die Innovationskraft Ihres Unternehmens kann steigen, wenn Sie ältere und jüngere Mitarbeiter gemeinsam in einem Team beschäftigen. Denn gerade Jüngere bringen viele neue, spannende Ideen mit ins Unternehmen, wissen aber nicht immer, wie sie diese angehen können. Verknüpfen jüngere und ältere Mitarbeiter ihre Ideen und ihre Erfahrung miteinander, können umsetzbare innovative Produkte und Dienstleistungen entstehen. Diese wiederum können Ihnen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.
Ein weiterer Vorteil älterer Beschäftigter ist, dass sie zeitlich recht flexibel eingesetzt werden können. Viele jüngere Mitarbeiter mit kleinen Kindern sind auf die Öffnungszeiten der Kindertagesstätten angewiesen und können entsprechend nicht zu Betreuungsrandzeiten arbeiten, also früh morgens oder am späten Nachmittag. Diese Zeiten können die Älteren besser abdecken und so ihre jüngeren Kollegen entlasten. Eine altersgemischte Belegschaft ist somit für den gesamten Betrieb förderlich.

In altersgemischten Teams voneinander lernen - Lerntandems

Neben altersgemischten Teams kann fachlicher Austausch zwischen den Generationen auch in sogenannten „Lerntandems“ stattfinden. Praxiserfahrung im Betrieb trifft hier auf frisches Wissen von außen. Bei Lerntandems geht es nicht nur um den menschlichen Austausch, sondern darum, voneinander etwas zu lernen. Ein erfahrener und ein neuer Mitarbeiter oder Mitarbeiterin bilden ein Tandem und sind so für eine Zeit ein Lerngespann. In dieser Konstellation können junge Fachkräfte die Älteren beispielsweise mit neuen Techniken und Arbeitsweisen vertraut machen. Gerade im Bereich der Digitalisierung bringen junge Fachkräfte aus ihrer Ausbildung einiges mit. Berufserfahrene hingegen haben altbewährte Arbeitsschritte im Betrieb bereits derart verinnerlicht, dass sie mögliche Fallstricke und Optimierungspotenziale kennen.

Beide Seiten haben also einiges weiterzugeben und sind Expertinnen und Experten für den einen oder anderen Bereich. Beim Miteinander-Lernen können Regeln helfen, den Lernprozess erfolgreich zu gestalten und geben beiden Seiten Raum zur Gestaltung. Trotz der Unterschiedlichkeiten auf Augenhöhe miteinander sprechen zu können ist dies eine wichtige Voraussetzung für Lerntandems. Auch das Zulassen von Fehlern im Prozess und eine gewisse Neugier beider Seiten sollten gefördert werden.

Es ist empfehlenswert, Lern- und Arbeitssituationen voneinander zu trennen, den Tandems für Lernsituationen Zeit zu geben und ihnen zu ermöglichen, sich selbst ruhige, ungestörte Momente zu suchen. Welche Regeln genau man für das Voneinander-Lernen definiert, kann jeder Betrieb für sich klären. Anregungen finden sich beispielsweise in der Broschüre „Wissenstransfer im Tandem“. Im KOFA-Praxisbeispiel verrät die Wilhelm Lambrecht GmbH mehr darüber, wie Lernpartnerschaften bei ihnen organisiert sind.

Ältere mit Führungserfahrung beraten Jüngere: Mentoringprogramme

Haben Ihre älteren Beschäftigten Führungserfahrung gesammelt? Auch das kann der Ausgangspunkt für bestimmte personalpolitische Maßnahmen sein. In Mentoringprogrammen können diese älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre persönliche Erfahrung an Jüngere weitergeben und sie in ihrer Entwicklung zu Führungspersönlichkeiten unterstützen. Wichtig ist, dass die Chemie von beiden Seiten passt. Der ältere Mitarbeiter oder die ältere Mitarbeiterin kann auf Grund seiner Erfahrung den Jüngeren in vielen Bereichen beraten – von der Wahl der richtigen Weiterbildung bis hin zu alltäglichen Arbeitsprozessen. Häufig bekommen die Jüngeren zudem Zugriff auf das berufliche Netzwerk der Älteren. Mentoringprogramme kosten Zeit, bringen für beide Seiten aber einen konkreten Vorteil. Bei den jüngeren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind solche Programme sehr beliebt und oft der entscheidende Schritt in einer Karriere. Älteren hingegen wird durch das Mentoring eine Wertschätzung ihrer Erfahrung entgegengebracht, und sie haben durch die Auseinandersetzung mit ihren jungen Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit, ihre Arbeitsprozesse zu reflektieren und neue Impulse zu erhalten. So werden Mentoringprogramme für beide Seiten zum Gewinn.

Ältere im Betrieb halten

Um diese Vorteile zu nutzen und dauerhaft auf die Arbeitskraft Älterer zurückzugreifen, ist vor allem eines gefragt: Gute Personalarbeit. Vier Handlungsfelder hat eine Studie aus dem Jahr 2012 identifiziert. Was das genau für Ihre Personalarbeit bedeutet:

  1. Arbeitskraft durch gesundheitsförderliche Maßnahmen erhalten
    Für die körperliche und geistige Widerstandsfähigkeit können Unternehmen vorbeugende oder lindernde Angebote zu Stressmanagement und zur richtigen Körperhaltung bereitstellen, und mit zusätzlichen Angeboten wie zum Beispiel Gesundheitstagen und -checks kann das Bewusstsein für Gesundheit geschärft werden. Auch barrierefreie Arbeitsplätze und Wiedereingliederungsmaßnahmen nach Krankheiten können helfen.
  2. Ältere aktiv in die betrieblichen Weiterbildung einbeziehen
    Die beruflichen Fähigkeiten können durch Weiterbildungskurse, aber auch durch informelle Weiterbildungsmaßnahmen wie etwa Job Rotation, aktuell gehalten werden. Ältere Mitarbeite können ihr Erfahrungswissen auch nutzen, um sich in neue Maschinen oder Prozesse einzuarbeiten.
  3. Ein attraktiver Arbeitgeber für alle Generationen sein
    30 Jahre Betriebsbindung bedeuten nicht, dass ein Mitarbeiter von Ihnen keine Aufmerksamkeit mehr erfahren sollte: Ganz im Gegenteil. Motiviert bleiben Mitarbeiter vor allem, wenn ihre Kompetenzen wertgeschätzt und ihre Bedürfnisse anerkannt werden. Hierzu können Unternehmen beitragen, indem sie regelmäßige Feedbackgespräche führen und auf betriebliche oder persönliche Bedürfnisse, wie zum Beispiel flexible Arbeitszeiten zur Betreuung von Familienangehörigen, reagieren.
  4. Führungskräften die Bedeutung älterer Mitarbeiter verdeutlichen
    Eine grundsätzliche Sensibilität der Führungskräfte für alternde Mitarbeiter ist Voraussetzung, um auf Herausforderungen reagieren zu können. Gemeinsam können dann Lösungen entwickelt werden: durch veränderte Arbeitszeiten, andere Arbeitsinhalte, aber auch neue Abläufe im Betrieb und interne Stellenwechsel kann die Arbeitsleistung und Zufriedenheit langfristig erhalten bleiben.

Weiterführende Informationen

Mehr zu diesem Thema auf KOFA.de:

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