Thema des Monats: Selber ausbilden – aber wie?

Gerade kleine und mittlere Unternehmen sind auf die Fähigkeiten und Erfahrungen jeder und jedes Einzelnen ihrer Mitarbeiter angewiesen. Bei einer dualen Berufsausbildung können Sie selbst Ihre spätere Fachkraft passgenau trainieren und sicherstellen, dass nicht nur graue Theorie sondern auch betriebsspezifisches Wissen vorhanden ist. Aber wie gehe ich das als Unternehmen konkret an, wenn ich zum ersten Mal ausbilden möchte? Was sind die wichtigsten ersten Schritte?

Wann darf ich ausbilden?

Um überhaupt ausbilden zu dürfen, müssen vor allem zwei Kriterien erfüllt sein: Sie müssen einen Ausbilder oder eine Ausbilderin im Betrieb haben und der Betrieb muss die maschinellen und organisatorischen Voraussetzungen erfüllen.

Als Ausbilder sind Sie oder eine andere Person in Ihrem Betrieb geeignet, wenn Sie laut IHK bzw. HWK persönlich und fachlich geeignet sind. Das ist bei einem Meister fachlich immer der Fall. Viele Gesellen, aber auch Akademiker haben eine Prüfung zum Ausbilder und somit einen Ausbilderschein (AdA = Ausbildung der Ausbilder). Auch sie dürfen ausbilden. Bei langjähriger einschlägiger Berufspraxis kann die zuständige Kammer bzw. Innung auch eine "Zuerkennung der fachlichen Eignung" bei einem Mitarbeiter ohne die genannten Voraussetzungen bestätigen. Dann dürfen auch diese Mitarbeiter ausbilden. Keiner der Mitarbeiter sollte schwerwiegend mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sein.

Ihr Betrieb ist „geeignet“, wenn möglichst alle Teile der Ausbildung, die Sie anbieten möchten, bei Ihnen vermittelt werden können. Die zuständige Kammer (IHK oder HWK) vereinbart daher vorab einen Termin mit Ihnen in Ihrem Betrieb. Zur Vorbereitung können Sie sich die Ausbildungsordnung des jeweiligen Ausbildungsberufs anschauen. Diese können Sie auf der Internetseite des Bundesinstituts für Berufsbildung zusammen mit Tätigkeitsbeschreibungen des Berufsprofiles finden.

Aber auch, wenn bestimmte Teile der Ausbildung nicht vor Ort angeboten werden können, können Sie ausbilden. Die Kammer oder Innung kann zum einen eine überbetriebliche Ausbildung für diesen Teil ermöglichen. Das bedeutet, dass die Ausbildungsteile bei einem externen Bildungsdienstleister vermittelt werden. Außerdem kann für Ihren Betrieb zum anderen auch eine Verbundausbildung interessant sein. Hier schließen sich einzelne Betriebe zusammen und Auszubildende wechseln für einzelne Bereiche zwischen den Betrieben. Auf jeden Fall sollten Sie Ihren Ansprechpartner in der zuständigen Kammer oder Innung darauf ansprechen, denn dieser kann für die entsprechenden Bereiche Verbundausbildungen organisieren. Eine Starthilfe zur Orientierung geben die JOBSTARTER-Projekte des BMBF. Darüber hinaus gibt es auch noch andere Netzwerke, zum Beispiel mit der Handwerkskammer oder dem Innovations- und Gründerzentrum IGZ.

Wen darf ich ausbilden?

Eine duale Ausbildung erfordert keinen formalen Schulabschluss und ist an kein bestimmtes Alter gebunden. Grundsätzlich kann jede oder jeder eine duale Ausbildung durchlaufen, auch als zweite Ausbildung oder im höheren Alter.

Daher können Sie auch an- und ungelernten Beschäftigten, die bisher keine Berufsausbildung haben, in Ihrem Unternehmen eine duale Ausbildung anbieten. Auch Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher sind häufig für eine duale Ausbildung zu gewinnen. Wenn Sie Jugendliche unter 18 Jahren eine Ausbildung anbieten, müssen Sie die gesetzlichen Regelungen zum Jugendschutz berücksichtigen. So dürfen Sie in der Regel zum Beispiel am Wochenende keine Jugendlichen beschäftigen.

Wann beginne ich mit der Suche von Auszubildenden?

Etwa ein Jahr vor Ausbildungsbeginn (zum 1. August) können Sie mit der Rekrutierung des neuen Azubi-Jahrgangs starten. Ausführliche Tipps zur Gestaltung des Rekrutierungs- und Auswahlverfahrens von Auszubildenden finden Sie in der entsprechenden Handlungsempfehlung

Was muss ich vor Ausbildungsbeginn klären und vorbereiten?

Sie möchten ausbilden! Wie kommen Sie von diesem Gedanken nun zur konkreten Umsetzung?

  1. Schritt: Kontakt zur IHK aufnehmen
    Rolle der Innung bzw. Kammer: Berater, Begleiter, Konfliktlöser/Mediator, Kontrolle
  2. Schritt: Welcher Beruf soll und kann ausgebildet werden?
    Elärung mit der Innung bzw. Kammer; dabei berücksichtigen: Wie entwickelt sich mein Betrieb und welche Beschäftigten werden in Zukunft gebraucht?
  3. Schritt: Können alle Teile der Ausbildung im Betrieb abgedeckt werden?
  4. Schritt: Wer kommt als Ausbilder bzw. Ausbilderin in Frage?
    Prüfen (mithilfe der Innung bzw.  Kammer), wer fachlich und persönlich in Frage kommt
    Klären: Wie viele Stunden pro Wochen geben wir dem Ausbilder für die Ausbildung?
  5. Schritt: Bei Bedarf Weiterbildung zum Ausbilder / zur Ausbilderin (AdA-Schein, Ausbildung der
    Ausbilder) anstoßen.
  6. Schritt: Anzahl der Ausbildungsstellen festlegen
    Wie groß ist mein Unternehmen und wie viele Ausbildungsstellen möchte bzw.  kann ich anbieten? Als Faustregel gilt maximal ein Auszubildender pro drei Festangestellte.
  7. Schritt: Die Details klären und festlegen
    Auf Grundlage der Ausbildungsordnung (regelt die sachliche und zeitliche Gliederung der Ausbildung) und des Ausbildungsrahmenplans (ordnet die Ausbildungsinhalte zeitlich ein) einen betrieblichen Ausbildungsplan (siehe unten) entwickeln.

Nachdem Sie die vorausgegangenen Schritte gegangen sind, geht es nun mit Schritt 7 in die Fragen des Alltags. Hier sind praktische Hilfen besonders wertvoll. Einen guten Einstieg erhalten Sie über unsere Handlungsempfehlung Duale Berufsausbildung, in der Sie unter anderem Informationen zum Vertragsabschluss, zur Dauer und Form der Ausbildung, zur Vergütung und zu Urlaubsansprüchen finden.

Wie sieht der Alltag aus? – Der betrieblicher Ausbildungsplan

Ein betrieblicher Ausbildungsplan dient vor allem dazu, die betriebliche Ausbildung fachlich und zeitlich zu strukturieren: Welche Bereiche soll die oder der Auszubildende in welcher Reihenfolge durchlaufen? Welche fachlichen Kenntnisse und Fertigkeiten, welche Arbeitsmethoden und -techniken sollen die oder der Auszubildende erlernen? Wie lange sollen die einzelnen Ausbildungsschritte dauern? Wie wollen Sie Lernfortschritte beobachten?

In einer betrieblichen Ausbildung sind Ihnen nicht alle Inhalte vorgegeben, Sie haben einen gewissen Freiraum, was Sie dem Auszubildenden konkret vermitteln wollen. So können spezifische Anforderungen in Ihrem Unternehmen berücksichtigt werden. Beispielsweise können Sie Ihren Auszubildenden den Umgang mit einer in Ihrem Unternehmen wichtigen Maschine oder einem Computerprogramm beibringen. Dabei ist es für alle Beteiligten vorteilhaft, wenn Ihre Auszubildenden einen breiten Überblick über alle Tätigkeiten in Ihrem Unternehmen bekommen und dadurch im Anschluss an die Ausbildung vielfältig einsetzbar sind.
Ein Beispiel für die Umsetzung eines betrieblichen Ausbildungsplans finden Sie hier.

Rechte und Pflichten

Als Ausbildungsbetrieb sind Sie ebenso wie die Auszubildenden an bestimmte Pflichten gebunden. Gleichzeitig haben beide Seiten aber auch feste Rechte. Durch die Regelungen des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) wird die duale Berufsausbildung für alle Beteiligten planbar. In den §§ 13 bis 16 des BBiG (PDF - 130 KB)  finden Sie genauere Informationen.

Während der Ausbildung sind Ausbildungsnachweise (Berichtsheft) zu führen. Hier sollen die Auszubildenden kurz berichten, was sie im Rahmen der Ausbildung in Ihrem Betrieb und in der Schule gelernt haben. Das Berichtsheft darf neuerdings sowohl elektronisch als auch schriftlich geführt werden. Die vereinbarte Form muss ab dem 01. Oktober 2017 allerdings im Ausbildungsvertrag festgehalten werden (§11 Nr. 10 BBiG). Der gesamte Ausbildungsnachweis muss bei der Anmeldung zur Prüfung sowohl durch den Auszubildenden als auch durch den Ausbilder persönlich unterschrieben werden bzw. mit einer elektronischen Signatur versehen werden. Ausbildende sind zudem angehalten, die Ausbildungsnachweise regelmäßig durchzusehen.

Zur Sicherung des Ausbildungserfolgs ist die Zusammenarbeit mit der Berufsschule sehr wichtig. Knüpfen Sie Kontakt mit den Lehrerinnen und Lehrern Ihrer Auszubildenden, um bei Problemen gemeinsam reagieren zu können. Schauen Sie sich die Berufsschulzeugnisse an und unterstützen Sie die Jugendlichen notfalls mit Stütz- oder Nachhilfeunterricht dabei, Wissenslücken zu schließen.

Führen Sie möglichst nach jedem Ausbildungsabschnitt ein Feedbackgespräch. So können Sie frühzeitig erkennen, welche Neigungen und Entwicklungsmöglichkeiten Ihre Auszubildenden haben. So können Sie auch gezielt Zusatzqualifikationen anbieten. Eine Übersicht der möglichen Zusatzqualifikationen für Azubis finden Sie in der Datenbank AusbildungPlus.

Wo bekomme ich Hilfe und Unterstützung?

Nicht immer können Sie als Betrieb oder auch die Jugendlichen selbst alle Herausforderungen in der Ausbildung alleine stemmen. Etwa wenn der Auszubildende besonderen Förderbedarf in der Berufsschule hat, es Schwierigkeiten im Team gibt oder sprachliche Hürden den Ausbildungsalltag erschweren. Staat und Bundesagentur für Arbeit bieten aus diesem Grund zahlreiche Fördermaßnahmen, die für Sie in der Regel kostenfrei sind.

Weitere Informationen

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