Thema des Monats: Unternehmensnetzwerke

Große Unternehmen beschäftigten Stäbe zur Strategieentwicklung, Profis für Personalmanagement und eine Rekrutierungsabteilung. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stemmen diese Aufgaben ohne hausinterne Spezialistinnen und Spezialisten.

Diesen strukturellen Nachteil können KMU ausgleichen: durch Vernetzung!
In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Arten von Unternehmensnetzwerken es gibt, wie Sie Mitglied eines Netzwerks werden können und was Sie tun müssen, um davon zu profitieren.

Warum lohnt sich die Zusammenarbeit in einem Netzwerk?

Früher setzten sich Unternehmen mit ähnlichen Interessen zusammen an einen „runden Tisch“ oder gründeten einen „Arbeitskreis“, heute bilden sie ein Netzwerk. Das Ziel: Einen gemeinsamen Mehrwert schaffen. Im Unterschied zu sozialen Netzwerken, die sich weitgehend selbst organisieren, gibt es in Unternehmensnetzwerken in der Regel eine aktive Koordinatorin oder einen Koordinator.

Die Beteiligten haben durch die Netzwerkorganisation eine Stellung, die ohne die Zusammenarbeit nicht erreichbar wäre. Netzwerke ermöglichen Erfahrungsaustausch, Interessenvertretung und Projektarbeit. Es geht darum, Kräfte zu bündeln.

Erfolgsfaktor Kooperation

Innerhalb der Netzwerke gibt es einen intensiven Austausch von Information und Wissen (Know-how). Das bedeutet jedoch nicht, dass Kooperation auf allen Ebenen stattfindet. Durch ein gemeinsames Vorgehen in vereinbarten Bereichen – zum Beispiel Mitarbeiterschulungen, Imagekampagnen etc. – können Kosten gesenkt werden. Dadurch wird es möglich, dass auch miteinander im Wettbewerb stehende Unternehmen von einer Kooperation profitieren können.

Ihre Vorteile im Überblick:

  • Sie gewinnen Zugang zu relevanten Informationen.
  • Sie bauen wertvolle Kontakte auf.
  • Sie erhalten ganz konkrete Hilfestellungen.
  • Sie erhöhen die Sichtbarkeit Ihres Unternehmens.

Fachkräftesicherung in der Region

Gerade im Wettbewerb um Talente bietet sich die Zusammenarbeit in Form von Netzwerken mit anderen Unternehmen, Lieferanten, Verbänden und auch Institutionen wie Bildungszentren, Universitäten und Forschungseinrichtungen an.

Gemeinsam lassen sich Konzepte für ganz unterschiedliche Fragestellungen entwickeln: Zum Beispiel eine Strategie zu Mitarbeiterqualifizierung angesichts des digitalen Wandels, die in konkreten Weiterbildungsangeboten im Verbund mündet. Oder eine gemeinsame Kampagne zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf in der Region.

Branche? – egal!

Netzwerke zur Fachkräftesicherung widmen sich unterschiedlichen Handlungsfeldern, zum Beispiel:

  • Berufsorientierung
  • Aus- und Weiterbildung
  • Arbeitgeberattraktivität
  • Zuwanderung und Integration
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Demografischer Wandel
  • Gesundheit und Pflege
  • Digitalisierung

Beispiele für thematische Netzwerke:
Wirtschaft und Schule: Netzwerke zur Berufsorientierung

In vielen Regionen organisieren Netzwerke von Unternehmen und Schulen einen „Tag der Ausbildung“, der Jugendlichen einen ersten Einblick in unterschiedliche Berufe bietet und mit den Arbeitgebern vor Ort in Kontakt bringt. Ein Beispielnetzwerk zur frühzeitigen Ansprache neuer Mitarbeiter in Schulen ist das „Telgter Modell“. Gegründet wurde es von acht Unternehmen und einer Hauptschule mit Unterstützung der städtischen Wirtschaftsförderung. Heute sind alle weiterführenden Schulen und Grundschulen sowie über 90 Unternehmen aktive Kooperationspartner. Ziel ist, dass Schüler möglichst viele Berufe kennenlernen und Kontakte zu Firmen aufbauen, bevor sie ihre Berufswahl treffen. Das Netzwerk spricht Schüler, Eltern und Lehrer gleichermaßen an.

Vergleichbare Netzwerke zwischen Schule und Wirtschaft gibt es inzwischen in vielen Regionen Deutschlands, zum Beispiel:

Netzwerke mit dem Ziel der Ausbildung

Eine Verbundausbildung ist für Betriebe interessant, die eine Ausbildung nicht allein stemmen können, etwa weil sie zu klein sind.

Die Verbundausbildung hat Vorteile für alle Beteiligten:

  • Die Kooperationspartner verbessern den Erfahrungsaustausch in der gemeinsamen Ausbildung und sichern die Qualität der Ausbildung.
  • Unternehmen, die bisher nicht ausgebildet haben, können leichter in die Ausbildung einsteigen.
  • Mehrere Lernorte stärken Selbstständigkeit und Flexibilität der Auszubildenden und machen die Ausbildung vielfältiger.
  • Die Auszubildenden erweitern ihren Erfahrungshorizont und lernen verschiedene Unternehmenskulturen kennen.

Eine Starthilfe zur Orientierung geben die JOBSTARTER-Projekte des BMBF.
Pro regio beispielsweise unterstützt als gemeinnütziger Verein Unternehmen und Kommunen kostenlos bei Fragen zur Ausbildung im Verbund im Raum Hannover.

In vielen Regionen bieten zudem die Kammern Arbeitskreise an, die sich mit grundsätzlichen und aktuellen Themen rund um die Berufsausbildung beschäftigen und den persönlichen Erfahrungsaustausch zwischen Ausbilderinnen und Ausbildern fördern; zum Beispiel die IHK Region Stuttgart.

Erfolgsfaktor Employer Branding: Beziehung wichtiger als Wettbewerb

KMU haben gemeinsame Werte: Unternehmertum, Eigenständigkeit, Verantwortung, Flexibilität und persönliche Nähe. Dennoch fühlen sie sich im Wettbewerb um Fachkräfte gegenüber großen Unternehmen oft benachteiligt. Im Verbund können die Stärken kleinerer Betriebe besonders wirkungsvoll hervorgehoben werden. Es lohnt sich, Erfahrungen auszutauschen, vom Wissen der anderen zu profitieren, sich gegebenenfalls sogar professionelle Unterstützung zu suchen und die Probleme gemeinsam anzugehen.

Die DEBA (Deutsche Employer Branding Akademie) organisiert regelmäßig kostenlose regionale Austauschtreffen.

Netzwerke zur Integration von Flüchtlingen in Deutschland

Die Integration von Flüchtlingen ist nicht nur von gesellschaftlicher Bedeutung, sondern kann auch für Ihren Betrieb ein Mehrwert sein. Die Schwerpunkte der Initiativen sind vielfältig und reichen von Sprachkursen über Praktika bis hin zu Maßnahmen der Kompetenzfeststellung. Die wichtigsten bundesweiten und regionalen Initiativen zur Integration von Flüchtlingen in die Arbeitswelt finden Sie hier.

Das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge ist eine Initiative des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), gefördert durch das Bundeswirtschaftsministerium. Es bietet seinen Mitgliedern kostenfrei Informationen sowie die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und zur Kooperation.
Wir zusammen“ ist ein Netzwerk für alle Unternehmen in Deutschland, die sich mit einem Integrationsprojekt für Flüchtlinge engagieren. „Wir zusammen“ bietet Austausch und Öffentlichkeitsarbeit.

Mehr organisierte Zusammenarbeit!

Noch vernetzen sich KMU zu wenig, um Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Bei knappen Ressourcen kann im Verbund gemeinsamer Mehrwert geschaffen werden, um sich im Wettbewerb mit Großunternehmen besser zu positionieren und Wettbewerbsvorteile im Hinblick auf die Rekrutierung und Bindung von Talenten zu erlangen.

5 Tipps für erfolgreiches Netzwerken

  • Koordination: Benennen Sie einen Verantwortlichen für die Koordination von Terminen und Inhalten!
  • Feedback: Konsumieren Sie Informationen und Inhalte nicht nur. Geben Sie Feedback! Regen Sie Themen an, die Sie aktuell beschäftigen! Bennen Sie Experten, die Sie gerne für Impulsvorträge einladen möchten!
  • Vertrauen und Engagement: Bringen Sie sich aktiv mit Ihren Erfahrungen ein! Ein Netzwerk profitiert von den Beiträgen aller, nicht nur einiger weniger!
  • Zeit: Diskutieren Sie offen, welcher Tageszeitpunkt für die Zusammentreffen geeignet ist: Ein Unternehmensfrühstück vor Arbeitsbeginn? Der späte Nachmittag? Oder ein Stammtisch am Abend?
  • Ort: Wo möchten Sie sich treffen? Gute Erfahrungen machen Netzwerkkoordinatoren mit einem rollierenden Verfahren, bei dem sich die Gruppe reihum bei den unterschiedlichen Netzwerkmitgliedern trifft.

Nützliche Webseiten für mittelständische Unternehmen

Das Innovationsbüro „Fachkräfte für die Region“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales unterstützt regionale Ansätze zu Vernetzung, unter anderem mit Best-Practice-Leitfäden und Beratung.

Das Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ ist die zentrale Plattform für Unternehmen in Deutschland, die sich für familienbewusste Personalpolitik interessieren oder bereits engagieren. Es ist eine gemeinsame Initiative des Bundesfamilienministeriums sowie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags.

Die regionalen Partnernetzwerke der Offensive Mittelstand bringen Menschen zusammen, die gemeinsam die Arbeitsqualität im Mittelstand fördern und den Mittelstand darin unterstützen, den demografischen Wandel als Wettbewerbsvorteil zu nutzen.

Die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ermöglicht die einfache Recherche nach Fördermitteln, auch für Unternehmensnetzwerke.

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