Inklusion – Menschen mit Behinderung erfolgreich rekrutieren

Wieso Sie auf die Rekrutierung von Menschen mit Behinderung setzen sollten

Menschen mit Behinderung zu rekrutieren und zu beschäftigen ist Teil einer modernen Personalstrategie. Aufgrund des demografischen Wandels wird es immer wahrscheinlicher, dass Beschäftigte im Laufe der Zeit beispielsweise durch Krankheiten oder Unfälle eine Behinderung erwerben. Denn: Nur knapp drei Prozent der Behinderungen sind angeboren! Dabei ist eine Behinderung nicht immer sichtbar, zum Beispiel bei psychischen Erkrankungen oder wenn innere Organe betroffen sind.  

In vielen Personalabteilungen spielt das Thema aber immer noch eine untergeordnete Rolle. Dabei arbeiten 88 Prozent aller Beschäftigten mit einer Schwerbehinderung auf dem freien Arbeitsmarkt mindestens auf Fachkräfteniveau. Die häufigste Hürde bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung aus Unternehmenssicht ist dabei das Fehlen von Informationen. Zum Beispiel ist nicht immer klar, wie der Betrieb in Kontakt mit Menschen mit Behinderung treten kann. So berichten viele Betriebe davon, nur wenige Bewerbungen von Menschen mit Behinderung zu erhalten.  

Zukunftsorientierte Unternehmerinnen und Unternehmer aber entscheiden sich heute gezielt dafür, Menschen mit Behinderung in das Unternehmen zu holen. Denn auch das Thema Vielfalt wird immer wichtiger und bringt verschiedene Vorteile mit sich, wie mehr Innovationen, häufig eine höhere Produktivität und ein positives Image des Betriebs. Darüber hinaus kann der aktuelle Digitalisierungsschub in vielen Unternehmen dazu führen, dass es für Menschen mit Behinderung in Zukunft leichter wird, auch von zu Hause in den Arbeitsprozess eingebunden zu werden. 

Stellenanzeigen "barrierefrei" gestalten 

Die Basis eines jeden guten Rekrutierungsprozesses ist die zielgenaue Stellenanzeige. Sobald Ihnen klar ist, für welche Position Sie eine Fachkraft benötigen, sollten Sie sich an die Formulierung der Stellenanzeige machen. Diese sollten grundsätzlich sehr bewusst gewählt werden.  

Tipp: Lesen Sie hier ein Interview mit dem Marketing-Manager der Online-Stellenbörse Indeed zu den wichtigsten Tipps, um eine gute Stellenanzeige zu formulieren.  

Bei einer Anzeige, mit der Sie gezielt Menschen mit Behinderung ansprechen möchten, sollten Sie darüber hinaus einige Punkte zusätzlich beachten: 

  1. "We want you“ Zunächst einmal sollten Sie immer darauf hinweisen, dass Bewerbungen von Menschen mit Behinderung ausdrücklich gewünscht sind. Zeigen Sie dies auch in der Stellenanzeige und drücken Sie explizit Offenheit aus! Dabei wirken Sie noch authentischer, wenn Sie kurz verdeutlichen, wie Inklusion im Unternehmen bereits gelebt wird, zum Beispiel durch die Einrichtung barrierefreier Arbeitsplätze.  
     
  2. Zeigen Sie, was Sie der Bewerberin bzw. dem Bewerber bieten! Dies gilt immer: Die Anzeige sollte verdeutlichen, was das Unternehmen den Bewerbenden bietet. Zu den allgemeinen Vorzügen der Stelle sollten Sie auch die Besonderheiten, die für Menschen mit Behinderung von Interesse sind, betonen. Dazu gehören zum Beispiel Informationen zur Work-Life-Balance, zum Homeoffice, zum gesundheitsförderlichen Arbeitsklima und zu eventuell erforderlichen Hilfsmitteln. Dabei ist Glaubwürdigkeit sehr wichtig. Die Anzeige sollte nur Unterstützungsangebote enthalten, die entweder bereits vorhanden oder in konkreter Planung sind.  
     
  3. Beschreiben Sie genau, worum es geht! Ein nächster wichtiger Aspekt ist Transparenz. Die Anzeige soll so konkret wie möglich die genauen Tätigkeiten beschreiben, welche die Interessierten am Arbeitsplatz erwartet sowie die dafür notwendigen Kompetenzen. Dabei sollten Sie die Stellenanzeigen so formulieren, dass schwerbehinderte und behinderte Bewerberinnen und Bewerber bei den Anforderungen nicht benachteiligt werden. Denn zum Anwendungsbereich des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG), das unter anderem Menschen mit Behinderung vor Benachteiligung schützt, gehören auch die Auswahlkriterien für einen Arbeitsplatz. Für schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen gilt darüber hinaus das Benachteiligungsverbot des Schwerbehindertenrechts in § 164 SGB IX. Eine Benachteiligung kann zum Beispiel entstehen, wenn die Stellenausschreibung Anforderungen nennt, die das Äußere betreffen. Auf solche Beschreibungen sollten Betriebe am besten grundsätzlich verzichten.  
     
  4. Vergessen Sie nicht die Barrierefreiheit! Bei der Gestaltung sollte darauf geachtet werden, die Stellenanzeige barrierefrei zu gestalten. Dazu gehört zum Beispiel, mindestens Schriftgröße 12 zu nutzen. Nutzen Sie außerdem barrierefreie PDF und bei Print-Anzeigen mattes Papier sowie kontrastreiche Farben (mehr Informationen zur Gestaltung finden Sie hier).
     
  5. Alles verständlich und lesbar? Am Ende sollte die Stellenausschreibung von Mitarbeitenden mit Behinderung sowie von Mitarbeitenden, die die Stelle kennen, gegengelesen werden. Falls Sie (noch) keine Mitarbeitenden mit Behinderung haben, können Sie auch Menschen mit Behinderung in Ihrem Familien- oder Freundeskreis um eine zweite Meinung bitten. 

Checkliste für Stellenanzeigen mit Behinderung

Wo kann ich die Stellenanzeige online inserieren?

Zunächst einmal sollte die Stellenanzeige auf der eigenen Karriereseite zu finden sein. Dabei empfiehlt es sich, die Stellenanzeige nicht in ein PDF einzubinden. Denn zentrale Übersichtsseiten wie Google for Jobs, Indeed oder Kimeta können auf Stellenanzeigen nicht zugreifen, wenn diese in einem PDF eingebunden sind und führen diese nicht auf ihrem Angebot. Das ist schade und kostet Ihnen Reichweite für Ihre Stellenanzeige. Achten Sie dabei darauf, dass neben der Stellenanzeige auch die Karriereseite barrierefrei ist. Denn nur so können Menschen mit Behinderung überhaupt Zugriff auf Ihre Seite bekommen.  

Darüber hinaus sollte die Stellenanzeige auch in einer Online-Stellenbörse inseriert werden. Tipps dazu, welche Stellenbörsen grundsätzlich geeignet sind, finden Sie in unserer Handlungsempfehlung „Rekrutierung“.

Weiterhin gibt es auch Online-Stellenbörsen, die explizit Menschen mit Behinderung ansprechen. Dafür gibt es verschiedene Portale zur Auswahl:  

  1. Die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit. Dort können auch Stellenangebote ausschließlich für Schwerbehinderte oder gleichgestellte Bewerberinnen und Bewerber gemeldet werden.  

  2. Das Stellen- und Bewerberportal deutscher Berufsförderungswerke, Berufsbildungswerke und beruflicher Trainingszentren integrationsverbund.de

  3. Die Jobbörse von  "MyHandicap", die von der gemeinnützigen Organisation MyHandicap gGmbH betrieben wird.  

  4. Die inklusive Jobplattform  myAbility.jobs, die zu dem österreichischen Social Enterprise myAbility gehört. Zu myAbility gehört seit Kurzem auch die deutsche Jobplattform Capjob.

  5. Unterstützung bei der Gestaltung von Stellenausschreibungen für Akademiker bekommen Arbeitgeber auch vom Arbeitgeber-Service für schwerbehinderte Akademiker der ZAV.  

 Mit Hilfe von Social Media Menschen mit Behinderung erreichen

Gehen Sie gezielt dorthin, wo sich Ihre Zielgruppe virtuell tummelt. Denn: Stellenanzeigen können auch auf Social Media gepostet werden. Der Vorteil von Social Media ist, dass Sie mit Ihrer Zielgruppe in Kontakt treten können und Ihre Stellenausschreibung so gezielter verbreitet wird. Auf Facebook, Twitter, Instagram und Co. gibt es zum Beispiel eine Menge (regionale) Austauschgruppen von Menschen mit verschiedenen Behinderungen. Dort können Sie diese direkt erreichen. Sprechen Sie doch die Betreiber einer solchen Gruppe an und fragen Sie diese, ob sie Ihre Stellenausschreibung posten. Dann brauchen Sie noch nicht einmal einen eigenen Social-Media-Account.   

Es empfiehlt sich, darüber hinaus aber auch selbst in den sozialen Medien aktiv zu werden. Denn dann haben Sie als Betrieb die Möglichkeit, Interessentinnen und Interessenten einen authentischen Einblick in Ihren Arbeitsalltag zu geben und zu zeigen, wie Inklusion bei Ihnen gelebt wird. Die positiven Inhalte, die Sie in der Stellenausschreibung formuliert haben, werden Ihnen dann noch besser geglaubt. Ihr Engagement wird überzeugen, nicht nur Menschen mit Behinderung. Informationen, wie Sie in sozialen Medien zum Beispiel Auszubildende finden, erhalten Sie hier.

Auch bei den Veröffentlichungen in den sozialen Medien sollten Sie auf die Barrierefreiheit achten. Wenn Sie zum Beispiel ein YouTube-Video produzieren, sollten bei den Videos Untertitel für Gehörlose ergänzt werden. Zusätzlich gibt es die Option leichte Sprache zu verwenden, wie die Initiative "Barrierefrei Posten" empfiehlt. Mehr Infos dazu, was sie beachten sollten, wenn Sie barrierefreien posten möchten, finden Sie hier.

Kontakt zu Menschen mit Behinderung außerhalb des Internets herstellen

Natürlich gilt nicht nur die Online-Suche als erfolgreich. Am besten ist eine Mischung aus online und offline. Denn häufig werden Bewerberinnen und Bewerber offline informiert, schauen dann aber für genaue Informationen noch mal im Internet nach. Auf der anderen Seite werden vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen immer noch viele Stellen über persönliche Kontakte besetzt. 

Hier finden Sie eine Reihe von Möglichkeiten, in Kontakt mit Menschen mit Behinderung zu treten, wie zum Beispiel Werkstätten für Menschen mit Behinderung oder Berufsbildungswerke. Darüber hinaus können auch Kontakte zu verschiedenen Gruppen über die der Belegschaft hergestellt werden. Hat eventuell einer Ihrer Mitarbeitenden Kontakte zu Selbsthilfegruppen oder Sportgruppen für Menschen mit Behinderung? Dann scheuen Sie sich nicht davor, diese zu nutzen! 

Trudeln die ersten Bewerbungsschreiben ein, folgen die nächsten Schritte des Rekrutierungsprozesses, wie Einstellungsgespräche, Auswahl und Onboarding. Das KOFA hält im Dossier „Inklusion gestalten“ alle wichtigen Informationen zur Rekrutierung von Menschen mit Behinderung bereit. Auch Informationen zur Inklusion in den Betrieb finden Sie beim KOFA, zum Beispiel welche Besonderheiten die verschiedenen Behinderungsarten mit sich bringen und welche Förderungsmöglichkeiten für Hilfsmittel existieren. Einen umfassenden Wegweiser zur Inklusion im Betrieb, den das KOFA gemeinsam mit der Aktion Mensch erstellt hat, finden Sie ebenfalls im Dossier.  

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