Ältere Arbeitnehmer: Weiterbildung mit 50plus

So fördern Unternehmen ältere Beschäftigte mit Weiterbildung

Die Expertise und jahrelange Berufserfahrung der älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer macht sie zu wertvollen und attraktiven Fachkräften. Die Generation 50plus, die sogenannten Best Ager, stellte laut dem statistischen Bundesamt im Jahr 2019 rund ein Drittel der Beschäftigten dar . Indem Sie ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Ihrem Betrieb kontinuierlich weiterbilden, erhalten Sie dieses Potenzial optimal. Denn in einer Wissensgesellschaft ist lebenslanges Lernen die Grundlage für den Erfolg Ihres Unternehmens.

Investition in Weiterbildung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer lohnt sich

Einige Unternehmen befürchten, dass sich Weiterbildung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aufgrund der vermeintlich kürzeren Verweildauer im Unternehmen nicht mehr lohnt. Das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Deutschland lag im Jahr 2019 für Männer bei 64,0 Jahren und bei 64,5 Jahren für Frauen. Durch die Einführung der Rente mit 67 ist zu erwarten, dass auch das durchschnittliche Renteneintrittsalter weiter ansteigen wird. Wenn Sie in die Weiterbildung von Mitarbeitenden Anfang 50 investieren, können Sie deren neu erworbenes Wissen also noch mehr als zehn Jahre nutzen. In den letzten Jahren stieg zudem der Anteil von rentenberechtigten Mitarbeitenden, die weiterhin in Unternehmen arbeiten. Besonders kleine und mittlere Unternehmen beschäftigen Mitarbeitende gern über die Rentengrenze hinweg und können so das Wissen Ihrer Mitarbeitenden auch nach Renteneintritt weiter nutzen.

Was Sie bei Ihren Überlegungen zur Weiterbildung der Best Ager zusätzlich berücksichtigen sollten, ist ihre geringere Wechselbereitschaft. Die Best Ager wechseln seltener den Arbeitsplatz als jüngere Kolleginnen und Kollegen. Sehr häufig können Sie daher die in Weiterbildungen erworbenen Fähigkeiten Ihrer älteren Mitarbeitenden noch lange nutzen. Die Investition in die Weiterbildung älterer Mitarbeitender lohnt sich daher – gerade für kleine und mittlere Unternehmen.

Weiterbildung mit 50plus optimal gestalten

Die Sorge, dass sich die Weiterbildung von älteren Beschäftigten finanziell nicht rentiert, ist aber nur ein Grund für die geringe Teilnahmequote von Best Agern an betrieblicher Weiterbildung. Häufig sind auch negative Altersstereotype ein Grund für mangelnde Personalentwicklungsmaßnahmen für die Generation 50Plus. Dabei ist diese Generation häufig gekennzeichnet durch Leistungsbereitschaft, Kreativität und die Fähigkeit Neues zu lernen! Wenn die Best Ager durch ihre bisherige Tätigkeit, ihr bereits bestehendes Vorwissen, ihre Interessen oder ihre Lebenserfahrung bereits mit dem Lernstoff in Berührung gekommen sind, haben sie einen Lernvorteil. Sie können den Lernstoff besser in ihr bisheriges Wissen integrieren und für die tägliche Arbeit besonders relevante Elemente einer Weiterbildung leichter erkennen. Durch ihre Erfahrung wollen ältere Mitarbeitende aber auch als Wissende ernst genommen werden. Eine Bevormundung bei der Auswahl der Weiterbildung kann daher der Lernmotivation und somit dem Lernerfolg im Wege stehen. Folgende Tipps können Ihnen dabei helfen, das Potenzial der Weiterbildung der Generation 50Plus optimal zu nutzen:

  • Beziehen Sie die Best Ager in die Auswahl der gewünschten Weiterbildung mit ein und lassen Sie sie mitentscheiden, welche Kompetenzen sie sich aneignen möchten. So respektieren Sie den Erfahrungsschatz der Kolleginnen und Kollegen und erhöhen ihre Lernmotivation.
  • Lernen ist oft keine Frage des Alters, sondern der Übung. Geben Sie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unabhängig von Alter und Qualifikationsniveau die Chance, sich neue Lerntechniken anzueignen und lebenslang zu lernen.
  • Achten Sie bei der Konzeption Ihrer Weiterbildungen auf eine gute didaktische Struktur. Hierdurch können Sie Mitarbeitenden, die eventuell länger keine Weiterbildung gemacht haben oder nicht so lernerprobt sind, zu besseren Lernerfolgen verhelfen.
  • Nutzen Sie digitale Lehr- und Lernmethoden. Bei vielen E-Learning-Formaten kann das Lerntempo selbst bestimmt werden. Mitarbeitende können Lernstoff, den sie bereits aus ihrem bisherigen Berufsleben kennen, überspringen und sich dann für neue Lerninhalte mehr Zeit nehmen. Dadurch, dass die digitalen Lernformate direkt am Arbeitsplatz genutzt werden, kann die Verknüpfung des Gelernten mit bisherigen Erfahrungen noch leichter fallen. Auch die zeitliche Integration in den Berufsalltag kann so leiter sein. 
  • Bilden Sie Lerntandems zwischen jüngeren und älteren Mitarbeitenden, die gemeinsam eine Weiterbildung besuchen. So können beide Seiten Ihre – eventuell auch generationenspezifischen – Kompetenzen einbringen und vom anderen profitieren. Auch die spätere Zusammenarbeit im Unternehmen kann dadurch neue Impluse bekommen.
  • Belohnen Sie Mitarbeitende, die kontinuierlich lernen, und schaffen Sie so Anreize, lebenslang zu lernen. Dies kann durch die Vergabe neuer, spannender Aufgaben erfolgen oder auch in Form eines internen Wettbewerbs: Die Person, die im Jahr die meiste Lernzeit aufweisen kann, wird zum „Lernenden des Jahres“ gekürt und erhält eine kleine Aufmerksamkeit, beispielsweise einen Essensgutschein.
  • Geben Sie allen Beschäftigten, unabhängig vom Alter, fordernde Aufgaben und zeigen Sie Wertschätzung für ihre tägliche Arbeit.

Fördermöglichkeiten für die Weiterbildung

Sie möchten gerne in die Weiterbildung älterer Beschäftigter investieren? Das Qualifizierungschancengesetz (Erweiterung des WeGebAu Programms) bietet verschiedene Möglichkeiten, die Weiterbildung Ihrer Mitarbeitenden zu unterstützen und Sie als Unternehmen finanziell zu entlasten. Der Fokus liegt auf den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, deren Tätigkeiten von der Digitalisierung und sonstigen strukturellen Veränderungen betroffen sind. Ab dem 01. Oktober 2020 wurden die Förderleistungen für besonders vom Strukturwandel betroffene Beschäftigte und Betriebe durch das Gesetz zur Förderung der beruflichen Weiterbildung im Strukturwandel und zur Weiterentwicklung der Ausbildungsförderung (Arbeit-von-morgen-Gesetz) noch weiter verbessert. Unter anderem wurden die Zuschüsse zu Lehrgangskosten und Arbeitsentgelt erhöht und die Fördermöglichkeiten für Weiterbildung während Kurzarbeit ausgebaut. Die Lehrgangskosten für Mitarbeitende ab 45 Jahren können beispielsweise bei kleinen und mittleren Betrieben bis zu 100 Prozent übernommen werden. Das Arbeitsentgelt während der Weiterbildung kann bei dieser Betriebsgröße bis zu 65 Prozent gefördert werden.

Weitere Informationen zu diesen und weiteren Fördermöglichkeiten finden Sie auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Neben Fördermöglichkeiten auf Bundesebene gibt es noch zahlreiche regionale Unterstützungsangebote für Weiterbildung. Informationen hierzu finden Sie beispielsweise beim Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Arbeit, bei den Industrie- und Handelskammern bzw. Handwerkskammern oder den regionalen Wirtschaftsförderungen.

Tipp: Wie das Unternehmen msg seine Beschäftigten permanent weiterentwickelt, erfahren Sie in unserem Praxisbeispiel "Weiterbildung in der digitalisierten Arbeitswelt". Warum Weiterbildung Unternehmen attraktiv macht, erfahren Sie in dem Experten-Interview mit Dr. Susanne Seyda (IW Köln).

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