Abwerben von Mitarbeitern?

So reagieren Sie richtig

Mitarbeiter werden abgeworben? Das ist mehr als ärgerlich: Gerade hat der Azubi seine Prüfung abgelegt, schon wechselt er zur Konkurrenz. Die schon viele Jahre beschäftigte, eng mit den Betriebsabläufen vertraute Fachkraft wird von einem Headhunter angerufen und möchte von heute auf morgen das Unternehmen verlassen. Wovon man früher hin und wieder hörte, das ist heute in vielen Branchen fast schon alltäglich.

Personal abwerben: Legal, aber mit Grenzen

So schwerwiegend die Folgen für den eigenen Betrieb sein können: Zunächst einmal ist das Abwerben von Mitarbeitern durch Wettbewerber oder Headhunter zulässig. Das ist In Deutschland durch das Grundgesetz geschützt, es gilt die freie Wahl des Arbeitsplatzes. Wer wechseln will, darf wechseln.

Doch auch für Abwerbeversuche gibt es Grenzen. Die Abwerbung darf nicht allein auf die Geschäftsschädigung eines Konkurrenten zielen. Arbeitnehmer dürfen nicht zum Vertragsbruch motiviert werden. Auch wiederkehrende, längere Anrufe oder das massive Ansprechen am Arbeitsplatz sind nicht zulässig. Es gilt: Kein Abwerben mit allen Mitteln und Methoden. In diesen Fällen können Sie juristisch gegen die Abwerbung vorgehen.

Mitarbeiter werden abgeworben: 6 KOFA-Tipps für den richtigen Umgang

Wie reagieren Sie als Firmeninhaber am besten, wenn jemand einen Ihrer Beschäftigten abwerben will, zum Beispiel indem er ein höheres Gehalt in Aussicht stellt? In diesem Beitrag geht es darum, wie Sie richtig reagieren, wenn Sie von einem zulässigen Abwerbeversuch erfahren.

Tipp 1: Suchen Sie das Gespräch mit dem Mitarbeiter, handeln Sie überlegt
Sie haben erfahren, dass einer Ihrer Mitarbeiter von einem Konkurrenten angesprochen wurde. Er will wechseln. Nehmen Sie Ihren Mitarbeiter ernst und bieten Sie ihm ein Gespräch über seine Gründe an. In diesem Gespräch sollten Sie herausfinden, warum Ihr Mitarbeiter zur Kündigung bereit ist. Bekommt er mehr Geld? Gibt es mehr Urlaub, mehr Verantwortung oder flexiblere Arbeitszeiten? Finden Sie heraus, was Ihrem Mitarbeiter bei Ihnen fehlt.

Oft ist der Grund für einen Wechsel, dass Ihr Mitarbeiter beim neuen Arbeitgeber mehr Geld in Aussicht hat. Lassen Sie in diesem ersten Gespräch nicht auf einen Gehaltspoker ein! Machen Sie keine spontanen Zusagen. Signalisieren Sie stattdessen, dass die Botschaft bei Ihnen angekommen ist. Auch wenn der Wechselwunsch nicht am Geld, sondern anderen Dingen liegt, sollten Sie nicht sofort in die Diskussion einsteigen. Überlegen Sie sich in Ruhe, was Sie Ihrem Mitarbeiter bieten können. Geben Sie sich und dem Betroffenen Bedenkzeit und vereinbaren Sie Stillschweigen bis zum nächsten Termin.

Tipp 2: Stellen Sie Fragen
Viele Menschen sind noch nie mit Headhuntern in Berührung gekommen und wissen nicht, wie sie arbeiten. Meist fühlen sich Mitarbeiter geschmeichelt, wenn sie mit neuen Herausforderungen und einem höheren Gehalt gelockt werden.

Fragen Sie sachlich danach, wieviel Ihr Mitarbeiter schon über den möglichen neuen Arbeitgeber weiß. Das Gras in Nachbars Garten mag auf den ersten Blick grüner wirken, aber ist es das auch? Vermeiden Sie es, den neuen Betrieb schlecht zu reden, stellen Sie besser folgende Fragen:

  • Gibt es eine Probezeit?
  • Ist die angebotene Stelle befristet?
  • Was verbirgt sich konkret hinter dem wohlklingenden Jobtitel?
  • Welche Aufgaben sind mit der neuen Stelle verbunden?
  • Welche beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten werden geboten?

Weisen Sie darauf hin, diese Versprechungen mit dem Unternehmensprofil abzugleichen. Klären Sie Ihren Mitarbeiter sachlich und ruhig darüber auf, dass Headhunter kurzfristig arbeiten und Prämien bekommen. Zeigen Sie Ihrem Arbeitnehmer auch die negativen Seiten eines Wechsels auf.

Tipp 3: Bieten Sie Perspektiven, um das Abwerben von Mitarbeitern zu verhindern
Wenn Sie wissen, warum jemand kündigen will, sind Sie schon einen wichtigen Schritt weiter. Nun liegt der Ball bei Ihnen. Können Sie auf die Gründe eingehen? Zeigen Sie Ihrem Mitarbeiter, warum es sich lohnen kann zu bleiben. Vielleicht möchte er mehr Verantwortung übernehmen oder sich weiterbilden? Oder geht es um eine bessere Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben oder eine andere Arbeitsplatzausstattung?

Auch wenn es auf den ersten Blick so wirkt: Arbeitnehmer gehen heute nicht wegen jeder Lohnerhöhung. Kriterien wie die Arbeitsatmosphäre, die Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Kollegen und als sinnvoll empfundene Aufgaben werden zunehmend wichtiger.

Tipp 4: Sprechen Sie über Geld
Sie haben intensiv mit Ihrem Mitarbeiter gesprochen und ihm Möglichkeiten aufgezeigt, wenn er bleibt? Dann ist jetzt doch der Moment gekommen, über Geld zu sprechen. Achten Sie darauf, dass das Gehaltsgefüge im Betrieb fair bleibt. Eine Gehaltserhöhung sollten Sie begründen können, ohne auf den Wechselwunsch einzugehen. Sonst holen Sie sich den nächsten Konflikt in den Betrieb.

Eine weitere Möglichkeit ist, steuerfreie Sachleistungen, mehr Freizeit etc. anzubieten. Hören Sie genau hin, womit Sie Ihren Mitarbeiter gewinnen können.

Tipp 5: Das Abwerben war erfolgreich? – Halten Sie die Tür für eine Rückkehr offen
Ihre Bleibeverhandlungen sind erfolglos geblieben? Dann halten Sie die Tür für eine mögliche Rückkehr offen. In einem Austrittsgespräch können Sie betonen, dass der Mitarbeiter zurückkommen kann, falls es im neuen Betrieb nicht so läuft wie gedacht.

Tipp 6: Mit guten Arbeitsbedingungen Wechselbereitschaft vorbeugen
Meist sind Arbeitnehmer weniger wechselfreudig als befürchtet. Mit einem Jobwechsel kann man schließlich nicht nur gewinnen, sondern man gibt auch etwas Vertrautes auf. Etwas anderes ist es, wenn in Ihrem Unternehmen die Rahmenbedingungen nicht (mehr) stimmen. Eine große Zahl auch kleiner Betriebe bietet den Beschäftigten inzwischen Flexibilität bei Arbeitszeiten und -orten an. Es ist ratsam, sich neuen Formen der Arbeitsorganisation nicht aus Prinzip zu verschließen, sondern ein offenes Ohr für die Bedarfe der Mitarbeiter zu haben.

Ganz wichtig: Sie und Ihre Führungskräfte haben großen Einfluss darauf, ob Arbeitnehmer wechseln. Vertrauensvolle Beziehungen immunisieren sozusagen gegen Abwerbeversuche. Führen Sie regelmäßig Mitarbeitergespräche mit allen Beschäftigten, um ein gutes Bild von der Stimmung im Betrieb und von den Bedürfnissen Ihrer Beschäftigten zu bekommen.

Mit Angeboten wie Zuschüssen zur Kinderbetreuung oder zu Sportangeboten können Sie sich ohne großen Verwaltungsaufwand als attraktiver Arbeitgeber positionieren. Es gilt: Zufriedene Mitarbeiter sind treue Mitarbeiter und weniger anfällig für Abwerbeversuche.

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