Thema des Monats: Kompetenzen feststellen

Kein Zertifikat. Trotzdem Talent?
Wie Sie Kompetenzen richtig einschätzen können

Stellen Sie sich folgende Situation in einem Bewerbungsgespräch vor: Vor Ihnen sitzt eine Bewerberin oder ein Bewerber, sympathisch, interessiert – aber: Ihr oder ihm fehlen die Papiere, an denen Sie Schul- oder Ausbildungsabschluss feststellen können.

Sie kennen solche Situationen? Das ist nicht verwunderlich. Denn: Die Zuwanderung ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, und insbesondere Geflüchteten fehlen oftmals die Papiere. Zum Teil mussten sie diese vor der Flucht zurücklassen, oder aber sie haben besonders im Falle einer Ausbildung kein Zeugnis. Und selbst wenn zum Beispiel Schulzeugnisse vorliegen: Die internationalen Bildungssysteme unterscheiden sich zum Teil stark voneinander. Für Sie als potenzieller Arbeitgeber ist die Vergleichbarkeit und Bewertung von Abschlüssen aus dem Ausland schwierig.

Daneben gibt es auch Menschen, die schon lange in Deutschland leben oder hier geboren sind, denen aber ein formaler Abschluss fehlt. Häufig sind sie in sogenannten Helfertätigkeiten angestellt, also in Beschäftigungen, für die ein anerkannter Berufsabschluss nicht erforderlich ist.

Auch ohne Zeugnisse und Zertifikate: Für Sie als Betrieb gibt es Möglichkeiten, Kompetenzen von Bewerbern einzuschätzen.

Ein gründlicher Blick in die Bewerbungsunterlagen sagt schon viel aus. Nehmen Sie zum einen den Lebenslauf. Hieraus können Sie entnehmen, in welchen Tätigkeiten eine Person angestellt war, was die Arbeit beinhaltete oder welche Branchenerfahrungen ein Bewerber oder eine Bewerberin mitbringen. Das Anschreiben gibt darüber Aufschluss, mit welcher Motivation sich die Person für Ihren Betrieb und den entsprechenden Beruf interessiert. Vielleicht liegen den Unterlagen auch andere Kompetenzzertifikate bei: In den letzten Jahren wurden verschiedene Instrumente entwickelt, um Kompetenzen zu erfassen. „Check.work“ und „myskills“ sind Beispiele. In der Regel wird in verschiedenen Testformaten die Eignung für einen bestimmten Beruf geprüft. Häufig erhalten die Teilnehmer anschließend ein Zertifikat.

Waren die Unterlagen von Interesse ist das Bewerbungsgespräch eine hervorragende Möglichkeit, um weitere Informationen über den Bewerber zu erhalten. Kamen Ihnen beim Lesen der Bewerbungsunterlagen Fragen? Dann nutzen Sie die Gelegenheit im Gespräch Klarheit zu schaffen und – soweit möglich - herauszufinden, ob die Person fachlich geeignet ist. Darüber hinaus können Sie nach konkreten fachlichen Vorkenntnissen fragen. So machen Sie sich ein besseres Bild vom Erfahrungsschatz des Bewerbers oder der Bewerberin.

Im Betriebsalltag Kompetenzen einschätzen

Den besten Eindruck von einer Person und ihren Fähigkeiten gewinnen Sie durch die gemeinsame Arbeit. Um sich im Betriebsalltag ein konkretes Bild vom Können einer Person zu machen, bieten sich folgende Beschäftigungsformen an:

  • Praktikum zur Berufsorientierung: Praktika richten sich an Personen, die weder eine Berufsausbildung noch ein Studium abgeschlossen haben und die in ein Berufsfeld „hineinschnuppern“ möchten. Wenn eine Person einen ausländischen Berufs- oder Studienabschluss mitbringt, der (noch) nicht anerkannt wurde, und die Person in Deutschland erneut eine Berufsausbildung aufnehmen möchte, kann ein Praktikum zur Berufsorientierung auch in Frage kommen.
  • Probebeschäftigung: Eine Probebeschäftigung, oder umgangssprachlich „Schnupperpraktikum“, ist ein auf maximal sechs Monate befristetes reguläres Arbeitsverhältnis. Ziel ist, die Eignung der Person für eine konkrete Arbeitsstelle festzustellen. Daher übernimmt diese Person die Tätigkeiten probeweise.
  • Betriebliche Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung (MAG): Die MAG ist eine Maßnahme, die der Feststellung der beruflichen Eignung in Bezug auf einen Zielberuf und der Erweiterung vorhandener beruflicher Kenntnisse dient. Die Maßnahme wird bei einem Arbeitgeber durchgeführt. Zuständig sind die Arbeitsagenturen und Jobcenter.

Falls die vorhandenen Kompetenzen für die Stellenanforderung (noch) nicht ausreichen, gibt es verschiedene Fördermaßnahmen zur Berufsvorbereitung oder Nachqualifizierung. Diese können Sie beantragen. In unserem Online-Text „Fördermaßnahmen für die Personalarbeit“ stellen wir Ihnen die Maßnahmen kompakt in Steckbriefen vor.

Tipp: Hören Sie zu dem Thema auch unseren Podcast "KOFA auf dem Sofa, Folge 4: Kompetenzen feststellen". Außerdem empfehlen wir Ihnen das Interview mit Helmut Stangl, Chefredakteur des Meramo Verlags zu "Kompetenzen feststellen mit check.work".

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