Thema des Monats: Mit Teilzeitbeschäftigung gegen den Fachkräftemangel

Bis Mitte 2017 hat sich die Fachkräftesituation noch einmal deutlich verschärft. Die neue KOFA-Studie „Fachkräfteengpässe in Unternehmen – Rezepte gegen den Fachkräftemangel“ zeigt, dass inzwischen 66 Prozent aller offenen Stellen in Engpassberufen ausgeschrieben werden. In 44 Prozent der Engpassberufe liegen dabei anhaltende Engpässe vor die seit mindestens fünf Jahren andauern. Dieser sich verfestigende Fachkräftemangel betrifft dabei am häufigsten Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung. Neben internationalen Fachkräften bieten insbesondere ältere Arbeitnehmer und Frauen ein noch nicht ausgeschöpftes Fachkräftepotenzial. Mit Teilzeitarbeit können Sie Ihr Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber positionieren – insbesondere für Ältere und für Frauen.

Was bedeutet Teilzeitbeschäftigung eigentlich?

Generell gilt eine Beschäftigung als „Teilzeitarbeit“, wenn Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer vereinbarungsgemäß nicht die normalerweise übliche bzw. tarifvertraglich festgelegte volle Arbeitszeit in Anspruch nehmen. Das bedeutet, wenn Ihr Unternehmen üblicherweise eine 38-Stunden-Woche vorsieht, gilt eine Beschäftigung mit 35 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit in Ihrem Unternehmen ebenso als Teilzeitarbeit wie eine Beschäftigung, die lediglich fünf Wochenstunden umfasst.

Welche Formen der Teilzeitbeschäftigung gibt es?

Generell ist zwischen einer sozialversicherungspflichtigen Teilzeitarbeit und einer geringfügigen Beschäftigung (Minijobs) zu unterscheiden. Geringfügig entlohnte Beschäftigungen (sogenannte Minijobs) zählen in der Regel nicht zu den Teilzeitbeschäftigungen, auch wenn sie in der Regel nicht die üblicherweise volle Arbeitszeit umfassen. Bei der sozialversicherten Teilzeitarbeit lässt sich zwischen verschiedenen Modellen differenzieren. Neben dem klassischen Modell, bei dem an fünf Tagen pro Woche eine festgelegte Stundenzahl gearbeitet wird, bestehen verschiedene weitere Teilzeitmodelle:

  • Klassische Teilzeit (z.B. 4h täglich von montags bis freitags)
  • Feste ganze Wochentage (z.B. montags und mittwochs in Vollzeit)
  • Turnusteilzeit (z.B. eine freie Woche folgt auf eine Woche Vollzeitarbeit)
  • Flexible Jahresteilzeitarbeit (z.B. Vollzeitarbeit in Monaten mit hohem Arbeitsanfall, um in Monaten mit niedrigem Arbeitsanfall weniger oder gar nicht zu arbeiten.)
  • Gleitender Einstieg für Nachwuchskräfte (z.B. stufenweiser Einstieg in das Arbeitsleben)
  • Gleitender Ausstieg für ältere Beschäftigte (z.B. via Arbeitszeitkonto)
  • Individuelle Teilzeitarbeit durch Arbeitszeitkonten (Trotz vertraglich reduzierter Arbeitszeit wird weiterhin Vollzeit gearbeitet. Die „Überstunden“ werden auf einem Zeitkonto angespart und können beispielsweise für ein Sabbatical genutzt werden)
  • Gleitzeitarbeit mit und ohne fester Kernarbeitszeit (Beschäftigte können innerhalb eines vorgegebenen Zeitfensters die Lage und Dauer der Arbeitszeit selbst gestalten)
  • Team-Teilzeit (z.B. die Beschäftigten stimmen im Team die jeweilige persönliche Arbeitszeit ab, während Sie als Arbeitgeber nur die Anzahl der Personen vorgeben, die in einem bestimmten Zeitabschnitt anwesend sein müssen)
  • Arbeit auf Abruf (nur benötigte Arbeit wird geleistet und vergütet, aber Vereinbarung einer Mindestarbeitszeit, z.B. drei Stunden täglich)

Insbesondere für Fach- und Führungskräfte bietet sich zudem das Jobsharing an, bei dem sich zwei Beschäftigte zeitlich und/oder inhaltlich einen Arbeitsplatz teilen. Voraussetzung hierfür ist eine regelmäßige Abstimmung und Informationsaustausch. Für Ihr Unternehmen ist Jobsharing besonders dann von Vorteil, wenn Sie für eine bessere Kundenorientierung lange Servicezeiten anbieten möchten, die mit diesem Teilzeitmodell gut realisiert werden können.

Für wen ist eine Teilzeitbeschäftigung attraktiv?

Während eines Studiums oder einer (berufsbegleitenden) Fortbildung ist eine Teilzeitbeschäftigung häufig erwünscht und bietet Ihrem Unternehmen die Möglichkeit, zukünftige Fachkräfte frühzeitig für Ihr Unternehmen zu gewinnen. Abbildung 1 zeigt, dass etwa15 Prozent der Männer und fast 30 Prozent der Frauen bis 30 Jahre sozialversicherungspflichtig in Teilzeit beschäftigt sind. Zudem bietet eine Teilzeit-Ausbildung insbesondere auch jungen Müttern die Möglichkeit, erfolgreich eine Berufsausbildung abzuschließen.

Neben der Attraktivität für neue Mitarbeiter stärkt Teilzeitarbeit – als meist genutzte Variante lebensphasenorientierter Arbeitszeiten – auch die Mitarbeiterbindung. Durch Teilzeit können Sie Ihre Beschäftigten darin unterstützen, private Wünsche und Pflichten mit ihrem Erwerbsleben in Einklang zu bringen. Während der Familienphase beispielsweise – also nach der Geburt eines Kindes – bleiben Frauen nach wie vor häufig zuhause. Teilzeitbeschäftigung erleichtert ihnen den Wiedereinstieg mit zunächst reduziertem Stundenumfang. Wie die Abbildung zeigt, bleiben viele Frauen und Männer über 65 Jahren mit reduzierter Arbeitszeit zudem länger im Betrieb. Da Teilzeitarbeit die Flexibilität erhöht, entspricht sie nicht nur den Wünschen der Arbeitnehmer sondern auch den betriebswirtschaftlichen Erfordernissen Ihres Unternehmens.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Seit 2001 haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland einen gesetzlichen Anspruch auf (unbefristete) Teilzeitbeschäftigung. Voraussetzung für diesen Anspruch ist, dass das Beschäftigungsverhältnis bereits seit mehr als sechs Monate besteht und dass Ihr Unternehmen regelmäßig mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigt. Ein Rückkehranspruch in Vollzeitarbeit besteht zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Die Verteilung der verringerten Arbeitszeit soll laut Gesetz im Einvernehmen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer festgelegt werden. Dabei darf die Teilzeitbeschäftigung an sich oder ihre Ausgestaltung nicht zu einer wesentlichen Beeinträchtigung der Organisation, des Arbeitsablaufs, der Sicherheit im Betrieb oder zu unverhältnismäßig hohen Kosten für den Arbeitgeber führen.

Weitere Informationen über rechtliche Rahmenbedingungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber finden Sie im Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) sowie in der Broschüre „Teilzeit – Alles was Recht ist“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Wo erhalte ich weitere Informationen?

Detaillierte Informationen zum Fachkräftesituation in Deutschland und Ihrer Region finden Sie in der KOFA-Studie „Fachkräfteengpässe in Unternehmen – Rezepte gegen den Fachkräftemangel“.

Weitere Informationen sowie Checklisten, die Ihnen dabei helfen, Teilzeitarbeit und andere Formen flexibler Arbeitszeiten in Ihrem Unternehmen zu etablieren, finden Sie in der KOFA-Handlungsempfehlung „Flexible Arbeitszeitmodelle“.

In der KOFA-Handlungsempfehlung „Familie und Beruf“ finden Sie weiterführende Informationen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wie z.B. der Elternzeitgestaltung oder der Kinderbetreuung.

Weitere Tipps für die gezielte Rekrutierung von Frauen finden Sie in einem Werkstattbericht auf www.kofa.de.

Zudem finden Sie in der Handlungsempfehlung „Ältere - Profitieren von der Generation Erfahrung“ Informationen zur Rekrutierung und Förderung älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

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