Thema des Monats: Flexible Arbeitszeiten sind der neue Dienstwagen

Warum flexible Arbeitszeitmodelle für Unternehmen wichtig sind

Das Angebot von flexiblen Arbeitszeitmodellen wird für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer immer relevanter. So zeigen Absolventenbefragungen, dass das Angebot einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung bei der Jobwahl für viele mittlerweile sogar wichtiger als Gehalt und Karrieremöglichkeiten oder eben der klassische Dienstwagen ist.

Vorteile flexibler Arbeitszeiten

Aber auch für Unternehmen bietet ein Verzicht auf starre Regelungen und Kontrolle viele Vorteile. Flexible Arbeitszeiten erhöhen die Eigenverantwortung der Beschäftigten, was sich wiederrum positiv auf ihre Motivation und so letztendlich auch auf ihre Arbeitsergebnisse auswirkt.

Außerdem bieten flexible Arbeitszeitmodelle eine bessere Anpassung an individuelle Lebensphasen. Besonders Beschäftigte mit Familien schätzen eine höhere Flexibilität, da diese die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wesentlich erleichtern. Aber auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Weiterbildungsambitionen kann eine höhere Zeitsouveränität zu einer größeren Zufriedenheit führen, indem sich Weiterbildungen leichter und ohne kompletten Gehaltsverzicht realisieren lassen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nicht mehr in Vollzeit arbeiten können oder wollen, bleiben dem Unternehmen mit Hilfe flexibler Arbeitszeitmodelle länger erhalten und ihr Erfahrungswissen kann so im Betreib gehalten werden. Auch anspruchsvolle Projekte und Führungsverantwortung können im Rahmen eines Jobsharings gut in Teilzeit erfüllt werden. Jobsharing ist eine spezielle Form der Teilzeitarbeit, bei der sich mindestens zwei Arbeitnehmer eine Arbeitsstelle teilen.

Chancen flexibler Arbeitszeitmodelle

  • Erhöhung der Arbeitgeberattraktivität (Employer Branding): Flexible Arbeitszeitgestaltung gehört zu den wichtigsten Kriterien für die Arbeitsplatzwahl
  • Stärkere Mitarbeiterbindung: Mitarbeiter sind produktiver und identifizieren sich stärker mit dem Unternehmen
  • Erhöhung der unternehmerischen Flexibilität: besseres Eingehen auf Auftragslage und Erweiterung der Öffnungs- und Produktionszeiten
  • Geringere Fehlzeiten: Private Verpflichtungen können in den Arbeitsalltag integriert werden.

Wie führen Unternehmen flexible Arbeitszeiten ein?

Entscheidend hierbei ist, dass die Modelle sowohl zu den betrieblichen Erfordernissen passen, als auch zu den Bedürfnissen der Mitarbeiter. Denn: nicht jeder Mitarbeiter hat die gleichen Wünsche und Bedürfnisse und nicht jedes Arbeitszeitmodell passt zu jedem Arbeitsplatz. Es gibt kein Patentrezent der Arbeitszeitgestaltung und es ist nicht sinnvoll angesagte Trends zum Beispiel aus Start-up Unternehmen einfach zu kopieren. Vielmehr ist es nötig Arbeitszeitmodelle zu entwickeln, von denen Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen profitieren.

Bei der Einführung flexibler Arbeitszeitmodellen ist es daher wichtig die betriebliche Situation gründlich zu analysieren und entsprechende maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln.  

1. Bedarfe ermitteln
Als erstes gilt es zu prüfen, welche Modelle zu Ihrem Unternehmen und den Bedarfen Ihrer Mitarbeiter passen. Je nach Ihren betrieblichen Anforderungen kommen unterschiedliche Modelle in Frage. Stellen Sie hierzu Ihre bisherigen Arbeitszeitmodelle auf den Prüfstand und schauen Sie, wo es Flexibilisierungsmöglichkeiten gibt. Gleichzeitig gilt es herauszufinden, welche Bedürfnisse Ihre Mitarbeiter haben. Hierzu eigenen sich Mitarbeitergespräche, Workshops oder eine Mitarbeiterbefragung.
 

2. Zuständigkeiten benennen
Damit die Einführung neuer Arbeitszeitmodelle auch gewinnbringend für Ihr Unternehmen gestaltet werden kann und der Prozess reibungslos abläuft, empfiehlt sich die Benennung klarer Verantwortlichkeiten. Hier kann es Sinn machen eine Projektgruppe zu gründen in der Mitglieder der Geschäftsführung, Führungskräfte, Fachkräfte sowie Mitglieder der Mitarbeitervertretung oder des Betriebsrates sitzen sollten. Die Einbindung der Geschäftsführung ist elementar, da so das Team mit genügend Entscheidungskraft ausgestattet wird.
    

3. Einführung flexibler Arbeitszeitmodelle vorbereiten
Eine Änderung der Arbeitszeitregelung muss gut geplant und vorbereitet werden. Es reicht nicht ein neues Modell anzubieten. Vielmehr muss es eine Unternehmenskultur geben, die auch zur Nutzung der Modelle führt. Informieren Sie Führungskräfte und Mitarbeiter rechtzeitig und halten Sie sie über die Planung und den Fortschritt regelmäßig auf dem Laufenden. Dies steigert die Akzeptanz. Hierzu bieten sich Mitarbeiterversammlungen, Rundbriefe, Aushänge oder persönliche Ansprachen an.
 

4. Neues Arbeitszeitmodell einführen
Wenn Sie sich für ein neues Modell entschieden haben, kann es durchaus sinnvoll sein dieses erst einmal in bestimmten Abteilungen oder Teams zu testen. Während dieser Testphase können alle Beteiligten Stärken und Schwächen des neuen Modells testen und an die Projektgruppe zurückmelden. Seien Sie hierbei offen und flexibel für die Rückmeldung und passen Sie das Modell bei Bedarf an. Denn nur so finden Sie ein Modell, das sowohl den betrieblichen Belangen, als auch den Wünschen und Bedürfnissen Ihrer Mitarbeiter entspricht.
 

5. Evaluieren und Weiterentwickeln der Arbeitszeitmodelle
Mit der einmaligen Einführung ist es noch nicht getan. Arbeitszeitmodelle sind dynamisch und müssen immer wieder an den aktuellen Bedarf des Unternehmens und der Belegschaft angepasst werden.
Hierzu sollten Sie sich regelmäßig fragen:    

  • Wie entwickeln sich meine betrieblichen Anforderungen weiter?
  • Was sind die Wünschen und Bedürfnisse meiner Beschäftigten?
  • Erfüllt unser Arbeitszeitmodell diese Anforderungen?
  • Können wir unsere Arbeitszeiten noch besser an die Bedürfnisse anpassen?

Ohne flexible Arbeitszeitmodelle werden Unternehmen im Wettbewerb um Fachkräfte langfristig nicht bestehen können. Wer sich hier nicht bewegt, verliert. Welche Arbeitszeitmodelle es gibt, was bei ihrer Einführung zu beachten ist und mit welchen Chancen und Risiken diese verbunden sind, erfahren Sie in unserer Handlungsempfehlung Flexible Arbeitszeitmodelle.

Flexible Arbeitszeitmodelle: Beispiele aus der Praxis

Viele Unternehmen setzen schon heute auf flexible Arbeitszeitmodelle in ihrer Praxis. In diesen Texten berichten kleine und mittlere Unternehmen von ihren Erfahrungen:

Mehr zu diesem Thema auf KOFA.de:

Flexible Arbeitszeiten

Flexible Arbeitszeitmodelle wie Teilzeit, Gleitzeit, Telearbeit sind bei KMU verbreitet. Was eine flexible Arbeitszeitgestaltung bringen kann erfahren Sie hier. mehr

Umfeldanalyse

Bei der Umfeldanalyse werden Daten aus der Unternehmensumwelt ausgewertet, die für die Fachkräftesicherung von Bedeutung sind. mehr

Personalkennzahlen

Hier erfahren Sie wie Personalkennzahlen Fachkräftesicherung und Fachkräftebindung erleichtern und den Erfolg Ihres Unternehmens sichern. mehr

Demografiefeste Personalarbeit bei HASEC

Flexible Arbeitszeitmodelle, demografiefeste Personalarbeit – Personalleiter Karsten Meye und Personalreferentin Katharina Thamm geben Einblick in ihre Arbeit bei HASEC-Elektronik. mehr

Flexible Arbeitszeiten bei der ise GmbH

Was tun, wenn Mitarbeiter flexible Arbeitszeiten einfordern? Die ise GmbH aus Oldenburg hat die neue Arbeitszeitregelung ausprobiert. Wie das Experiment ausgegangen ist, lesen Sie hier. mehr

Unterstützung für pflegende Angehörige

Berufstätige mit pflegebedürftigen Angehörigen brauchen Hilfe. Dr. R. Pfleger zahlt den Beschäftigten deshalb eine Pflege-Beratung und ermöglicht ihnen flexible Arbeitszeiten. mehr

Qualifizierung für die digitale Zukunft

Bereits ein Drittel aller Unternehmen beschäftigt sich hierzulande intensiv mit dem Thema Digitalisierung und ist sich der großen Bedeutung des Internets für ihre Geschäftsaktivitäten bewusst. mehr

"I made it" - Anca, Pflegekraft (Rumänien)

Fachwissen aus der ganzen Welt und deutsche Unternehmen – eine gelungene Mischung. Die Pflegekraft Anca aus Rumänien erzählt hier über Leben und Arbeiten in Deutschland, von ihren Erfahrungen und gibt Tipps für ein internationales Miteinander. mehr

Vertrauensarbeitszeit

Wie verändert Vertrauensarbeitszeit den Arbeitsalltag und das Arbeitsklima in einem Unternehmen? Ulrike Kenkenberg, Personalreferentin am Institut der deutschen Wirtschaft Köln, berichtet über ihre Erfahrungen. mehr

März 2015 - Mit Frauen geht es besser

Thema des Monats: Im Wettbewerb um Fachkräfte sind attraktive Arbeitsbedingungen Trumpf. mehr

Januar 2016 - Flexible Arbeitszeitmodelle

Thema des Monats: Flexible Arbeitszeitmodelle. Lesen Sie, wie sowohl Ihr Unternehmen, als auch Ihre Mitarbeiter von flexiblen Arbeitszeiten profitieren können. mehr

Feedback geben