Thema des Monats: Demografiefeste Personalarbeit

Über die Berufsvorbereitung können Unternehmen benachteiligte Jugendliche ohne großen Aufwand unterstützen und als Auszubildende gewinnen. Davon profitieren beide Seiten: Junge Menschen erhalten einen Blick in die Praxis und können testen, ob ein Beruf zu ihnen passt. Sie als Arbeitgeber lernen die Ausbildungsinteressierten in einem längeren Praktikum kennen und können sehen, ob die Zusammenarbeit funktioniert und Sie ihnen einen Ausbildungsplatz anbieten möchten. Denn die Schulnoten allein lassen keinen Rückschluss auf die Motivation und Ausbildungsbereitschaft von Jugendlichen zu. Manch ein Jugendlicher benötigt nach der Schule vielleicht noch ein bisschen Unterstützung, um die nötige Ausbildungsreife zu erlangen. Die Berufsvorbereitung bietet genau an diesem Punkt eine gute Hilfestellung. Im Verlauf der Maßnahme kann sich bei den Jugendlichen Motivation und Freude an der Arbeit sowie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickeln, so dass schließlich erfolgreich mit einer Ausbildung begonnen werden kann.

Wer profitiert? – Unternehmen und Jugendliche!

Für Unternehmen lohnt sich das Engagement in der Berufsvorbereitung aus mehreren Gründen. Hinter vielen jungen Menschen, die erst auf Umwegen ihr Ziel erreichen, stecken starke Persönlichkeiten mit verborgenen Fähigkeiten. Diese jungen Menschen bleiben ihrem Ausbildungsbetrieb nach der Ausbildung oft langfristig verbunden. Indem Sie Hilfestellung bei dem Weg in die Ausbildung leisten, gewinnen Sie als Unternehmen also engagierte und loyale Fachkräfte von morgen. Mehr noch: Sie können junge Menschen auch für Berufe interessieren, die diese vorher gar nicht kannten. Damit können Sie für unbekanntere Berufe passende Auszubildende gewinnen. Nach der längeren Phase des Kennenlernens können Sie sehr gut einschätzen, welche Begabungen und Entwicklungsmöglichkeiten in den Jugendlichen stecken. Auf einer erfolgreichen Berufsvorbereitung kann somit eine Berufsausbildung aufbauen. In der Regel vermitteln Sie während der Berufsvorbereitungsmaßnahme bereits Inhalte, die für eine spätere Ausbildung relevant sind. Kommt es zur Übernahme in ein reguläres Ausbildungsverhältnis, können die bereits gelernten Inhalte häufig angerechnet und die Ausbildung dementsprechend verkürzt werden.

Zielgruppen von berufsvorbereitenden Maßnahmen

Die Zielgruppe sind Schulabgängerinnen und Schulabgänger, die ausbildungsinteressiert sind, aber noch nicht die erforderliche Ausbildungsreife mitbringen. Die Maßnahmen sollen im Idealfall direkt in eine duale Berufsausbildung münden. Dafür sollten Sie in Ihrem Betrieb sicherstellen, dass die Jugendlichen angemessen betreut und gefördert werden. Wählen Sie pädagogisch und fachlich erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Betreuung und Qualifizierung aus. Je nach Förderbedarf der Jugendlichen können Sie zusätzlich auf externe Unterstützung zurückgreifen. Hierfür müssen die jungen Leute in der Regel unter 25 Jahre alt sein. Details zu den Fördermöglichkeiten und -bedingungen finden Sie in der KOFA-Handlungsempfehlung Berufsvorbereitung im Betrieb. 

Maßnahmen der Berufsvorbereitung im Betrieb

Für Ihr Unternehmen kann es interessant sein, sich mit Praktikumsangeboten an einer Berufsvorbereitung zu beteiligen, um so unter anderem neue Zielgruppen für die Ausbildung zu gewinnen. Bei verschiedenen Maßnahmen können Sie sich als Unternehmen vor und während des Praktikums auch externe Unterstützung von der Agentur für Arbeit oder von Bildungsträgern beantragen (siehe Handlungsempfehlung Berufsvorbereitung im Betrieb). 

Zu den bundesweit bekanntesten Angeboten mit einer großen Praxisnähe zählen:

  • Erstmals ab dem Ausbildungsjahr 2015/2016 bieten die Agenturen für Arbeit und die Jobcenter die Assistierte Ausbildung (AsA) an. Die Assistierte Ausbildung bietet die Möglichkeit, vor eine Ausbildung eine Vorbereitungsphase vorzuschalten. Benachteiligten Jugendlichen und Ihnen als Betrieb kann so vor und während der betrieblichen Berufsausbildung individuell aus einer Hand geholfen werden. Eine Vorbereitungsphase ist grundsätzlich bis zu sechs Monate lang und dient zur Berufsorientierung, zum Bewerbungstraining und zu berufspraktischen Erprobungen. Außerdem bietet die Assistierte Ausbildung eine individuelle Unterstützung des Teilnehmers und Ihres Betriebs bei der Ausbildungsstellenakquise sowie Unterstützung beider Seiten bei Formalitäten vor und beim Vertragsabschluss. Die Assistierte Ausbildung soll damit nicht nur mehr Jugendliche in und durch die Ausbildung bringen, sondern auch Sie als Unternehmen dazu ermutigen, sich an die Berufsausbildung benachteiligter Jugendlicher heranzuwagen.
  • Die Einstiegsqualifizierung (EQ) gibt Jugendlichen die Chance, während eines sechs- bis zwölfmonatigen Praktikums ihr Können im Betrieb unter Beweis zu stellen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verbringen mindestens 70 Prozent ihrer Qualifizierungszeit im Unternehmen. Sie werden dabei auf einen konkreten Ausbildungsberuf vorbereitet. In der Regel können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der EQ mit den Auszubildenden des ersten Lehrjahres gemeinsam die Ausbildungsinhalte lernen. Dies fördert die Integration der jungen Menschen. Wenn die Jugendlichen nicht mehr der Berufsschulpflicht unterliegen, kann sogar die gesamte Qualifizierungszeit im Unternehmen erfolgen.
  • Während der Einstiegsqualifizierung Plus (EQ Plus) erhalten Jugendlichen, die fachlichen oder sozialen Nachholbedarf haben, während der Einstiegsqualifizierung weitere Unterstützung wie beispielsweise ausbildungsbegleitende Hilfen (abH). Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Jugendlichen ihr Langzeitpraktikum erfolgreich absolvieren und in eine Berufsausbildung übernommen werden.
  • Die berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB) der Arbeitsagenturen starten nach Beginn des Ausbildungsjahres. Die jeweilige Maßnahme kann je nach Bedarf der Jugendlichen bis zu zehn Monate dauern, bei Jugendlichen mit einer Behinderung bis zu elf Monate. Maximal die Hälfte dieser Zeit verbringen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der EQ im Unternehmen, um sich auf eine Ausbildung vorzubereiten. Zusätzlich vermittelt ein Bildungsträger fachliches Know-how, soziale Kompetenzen sowie weitere berufliche Grundfertigkeiten (zum Beispiel IT- und Medienkompetenz, Sprachförderung, Persönlichkeitsbildung), um eine erfolgreiche Qualifizierung in Ihrem Unternehmen zu unterstützen. Es gibt drei verschiedene Formen von BvB mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten: Die Maßnahmen können Jugendlichen eine erste berufliche Orientierung geben, sie auf einen Ausbildungsberuf vorbereiten oder bereits konkrete Ausbildungsinhalte vermitteln.
  • Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen mit produktionsorientiertem Ansatz (BvB-Pro): Das Praktikum sollte wenigstens vier Wochen und kann bis zu sechs Monaten dauern. Wie bei den BvB gibt es drei Formen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die Jugendlichen in BvB-Pro haben bereits in einer Produktionsschule Qualifikationen erworben, wo sie in Werkstätten unter betriebsnahen Bedingungen Waren herstellen oder Dienstleistungen organisieren und diese an die örtliche Wirtschaft verkaufen (siehe Arbeitshilfen)
  • In einem dualisierten Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) arbeiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Regel ein Jahr lang an jeweils drei Wochentagen im Betrieb und besuchen an den anderen beiden Wochentagen die Berufsschule. Ähnlich wie bei der Einstiegsqualifizierung werden sie dabei auf einen konkreten Ausbildungsberuf vorbereitet. Auch hier empfiehlt es sich, dass die Jugendlichen mit den Auszubildenden des ersten Lehrjahres, so vorhanden, gemeinsam die Ausbildungsinhalte lernen.

Bereiten Sie sich jetzt vor

Die meisten Maßnahmen der Berufsbildung starten nach Beginn des Ausbildungsjahres im Oktober. Insbesondere wenn Sie Ihre Ausbildungsstellen nicht mit genügend geeigneten Bewerbern besetzen konnten, kann die Beteiligung an der Berufsvorbereitung für Sie eine gute Möglichkeit sein, für Ihr Unternehmen neue Zielgruppen für die Ausbildung zu gewinnen. Also nutzen Sie die Zeit, sich über mögliche Maßnahmen zu informieren und die Vorbereitungen zu beginnen!

Ausführliche Informationen erhalten Sie in unserer neuen Handlungsempfehlung Berufsvorbereitung im Betrieb.

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