Thema des Monats: Europäische Jugendliche ausbilden

Zum Ausbildungsstart 2013 werden eine Reihe von Lehrstellen unbesetzt bleiben: Es wird für die Unternehmen schwieriger, geeignete Auszubildende zu finden. Ein wesentlicher Grund hierfür ist der demografische Wandel, der die Zahlen der Schulabgänger zurückgehen lässt.
Engpassanalysen zeigen, dass in Deutschland vor allem beruflich qualifizierte Fachkräfte fehlen. Andererseits besteht – im Gegensatz zu Deutschland – in vielen anderen EU-Ländern eine hohe Jugendarbeitslosigkeit. Das deutsche duale Ausbildungssystem hingegen genießt ein auch international sehr hohes Ansehen und ist die Grundlage der niedrigen Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland.
Um Ihr Nachwuchsproblem zu lösen, können auch Sie junge Europäerinnen und Europäer in Deutschland dual ausbilden. Wie Sie als kleines oder mittelständisches Unternehmen dies schaffen können, zeigt Ihnen die Handlungsempfehlung „Europäische Jugendliche ausbilden“. Sie profitieren zweifach: Sie lösen Ihre Ausbildungs- und Nachwuchsprobleme, und gleichzeitig erhöht sich die Vielfalt innerhalb Ihrer Belegschaft.

Erfolgreiche Pioniere

Die Idee ist noch relativ neu, doch einige Unternehmen sind bereits erfolgreich: In Thüringen bildet beispielsweise ein Elektrohandwerksbetrieb gleich 17 europäische Jugendliche aus. Bei dieser Gruppengröße lohnt es sich sogar, ein eigenes Wohnheim für sie einzurichten und ihnen für die Freizeit ein Fahrzeug zur Verfügung zu stellen. Geschäftsführer Danny Schindler sagt: „Die Erfahrungen mit unseren ausländischen Auszubildenden sind hervorragend. Sie kommen auf der Baustelle gut an und auch am Wohnort klappt die Integration.“
Andere Betriebe und Regionen ziehen nach, zum Beispiel:

  • 44 junge Spanierinnen und Spanier kommen ins Rhein-Main-Gebiet.
  • 28 Südeuropäer beginnen ihre Ausbildung im Nordwesten.
  • In Lörrach am Oberrhein werden spanische Auszubildende begrüßt.
  • Adelante – Die IHK Hannover bietet Ausbildungs- und Berufsperspektiven für spanische Jugendliche.
  • Im Freistaat Thüringen beginnen 26 Auszubildende aus Ungarn und Polen eine Ausbildung.

Gemeinsam gelingen Ausbildung und Integration

Als ausbildungswilliges Unternehmen können Sie auf Unterstützung von Kammern, Arbeitsagenturen, der ZAV, Wirtschaftsförderungen und Gebietskörperschaften zählen. Sie suchen gezielt nach ausbildungsinteressierten Jugendlichen in Europa, organisieren die Anreise für das vorgeschaltete Praktikum, kümmern sich um Sprachkurse oder vermitteln zwischen den künftigen Auszubildenden und den Unternehmen.

Zu Ihrer Unterstützung stehen darüber hinaus deutschlandweit mehr als 180 Beraterinnen und Berater bereit, die Ihnen im Rahmen des Programms „Passgenaue Vermittlung“ (PV) bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen mit in- und ausländischen Auszubildenden sowie bei der Integration von ausländischen Fachkräften mit Rat zur Seite stehen. Sie können über Ihre Kammer erfahren, wie Sie diese sogenannten PV-Beraterinnen und -Berater erreichen.

Zusätzliche Unterstützung, etwa für einen vorbereitenden Sprachkurs und die Begleitung junger EU-Bürgerinnen und EU-Bürger während der Ausbildung, können Sie über das Programm MobiPro EU im Rahmen einer Projektförderung erhalten, sofern Sie sich für die Teilnahme als Projektträger entscheiden. Mehr Informationen zum Auswahlverfahren und den Teilnahmebedingungen finden Sie auf der Website „The Job of my Life“.

So willkommen heißen, dass sie bleiben wollen

Geschäftsführer Danny Schindler vom Thüringer Unternehmen HBS bringt es auf den Punkt: „Unser Ziel ist es, unsere internationalen Auszubildenden so willkommen zu heißen, dass sie sich hier sehr wohl fühlen“. Wenn Ihnen gelingt, die europäischen Auszubildenden in dieser Form von Anfang an einzubinden, sind gute Voraussetzungen für die erfolgreiche Ausbildung geschaffen. Wie es gelingt, erzählen die Ausbilder des Elektrobetriebs: Für sie da zu sein, bei Behördengängen mitzugehen, bei Telefonverträgen zu helfen, Freizeitangebote zu vermitteln und vieles mehr. Das Engagement der HBS Elektrobau GmbH bei der Gewinnung und Integration internationaler Fachkräfte hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Februar 2013 mit dem Unternehmenspreis des „Vielfalt. Wachstum. Wohlstand - Unternehmenspreis für mehr Willkommenskultur“ ausgezeichnet.
Das Beispiel belegt: Internationale Fachkräfte integrieren sich schneller und besser, wenn Sie in Ihrem Unternehmen eine Willkommenskultur etablieren. Viele hilfreiche Tipps dazu finden Sie in der Handlungsempfehlung „Willkommenskultur“.

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