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KOFA-Studie 4/2020: Die Fachkräftesituation in IT-Berufen und Potentiale der Zuwanderung

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Die Fachkräftesituation in IT-Berufen wird angespannter. Seit 2010 ist die Fachkräftelücke in IT-Berufen insgesamt gestiegen. Einen Beitrag zur Schließung dieser Lücke können ausländische Beschäftigte leisten. Die KOFA Studie 4/2020 analysiert die Fachkräftesituation in IT-Berufen und stellt Potentiale der Zuwanderung dar. Die wichtigsten Ergebnisse werden im Folgenden dargestellt.

Starke Engpässe trotz Corona-Pandemie 

Nach wie vor bestehen starke Fachkräfteengpässe im IT-Bereich. Seit 2010 ist die Fachkräftelücke in IT-Berufen insgesamt gestiegen. In den letzten Jahren ist die Lücke zwar wieder leicht gesunken, dennoch ist sie mit rund 20.000 fehlenden Fachkräften nach wie vor sehr hoch. 

Auch in der Corona-Pandemie bestehen immer noch starke Fachkräfteengpässe im IT-Bereich. Die Zahl der offenen Stellen ist zwar seit März dieses Jahrs insgesamt gesunken, dennoch waren auch im Oktober 2020 noch 65 Prozent aller offenen Stellen im IT-Bereich in Engpassberufen ausgeschrieben. So wurden zum Beispiel IT-Fachkräften in den Bereichen Vertrieb, Systemanalyse und Netzwerktechnik stärker nachgefragt.  

Es fehlen vor allem Akademikerinnen und Akademiker. Für knapp die Hälfte aller gemeldeten Stellen in IT-Berufen werden Expertinnen und Experten gesucht. Die Fachkräftelücke liegt für dieses Anforderungsniveau bei 16.972 und damit fast zehn Mal höher als bei den Fachkräften, bei denen sie 1.771 beträgt. Der Beruf mit den stärksten Engpässen sind die Expertinnen und Experten für Informatik, von denen im Jahresdurchschnitt 8.729 fehlen.

Internationale Fachkräfte als ein Rezept gegen den Fachkräftemangel in der IT 

Mehr als jeder Zehnte der 816.458 Beschäftigten in den IT-Berufen hatten im Jahr 2019 eine ausländische Staatsangehörigkeit. Davon stammen 64 Prozent aus dem außereuropäischen Ausland, die meisten aus Indien, Russland und der Türkei. Auch aus den acht Hauptasylherkunftsländern stammen viele IT-Fachkräfte.  

Die Potenziale der Zuwanderung von beruflich qualifizierten Fachkräften sollen künftig besser ausgeschöpft werden. Von insgesamt 57.309 Verfahren zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen im Jahr 2019 entfielen nur 420 Verfahren auf den IT-Bereich. Im Bereich der Berufsausbildung werden somit die Potenziale der Zuwanderung noch nicht umfassend ausgeschöpft. Dabei ist die Berufsausbildung im IT-Bereich in einigen Ländern sehr relevant.  

Informationen über Zuwanderungsmöglichkeiten helfen im In- und Ausland. Um die Erwerbspotenziale von internationalen Fachkräften besser zu nutzen, sind sowohl die Politik als auch Unternehmen gefragt. Von politischer Seite aus sollten die erweiterten Zuwanderungsmöglichkeiten des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes verstärkt kommuniziert werden, wie es beispielsweise im Rahmen des Portals Make it in Germany geschieht. Dabei helfen auch Informationen und Unterstützungsangebote zur Einschätzung ausländischer Berufsqualifikationen, die das BQ-Portal, als Informationsportal für ausländische Berufsqualifikationen, bereitstellt.  

Unternehmen sollten ihre Sichtbarkeit und Attraktivität für ausländische Beschäftigte steigern. Viele Unternehmen sind grundsätzlich offen für ausländische Beschäftigte, beklagen jedoch einen Mangel an Bewerberinnen und Bewerbern. Um die Zahl der Bewerbungen zu steigern, können Unternehmen ausländische Fachkräfte noch gezielter ansprechen, indem sie ihre Stellenanzeige zum Beispiel auf ausländischen Online-Stellenbörsen veröffentlichen. Dabei sollten sie ihre Offenheit für Bewerbungen und Kontaktaufnahme aus dem Ausland ausdrücken und zeigen, dass internationale Fachkräfte die Möglichkeit haben sich gut in das Unternehmen zu integrieren.

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