Praxisbeispiel: berufsbegleitendes Studium für Fachkräfte

Die Firma SMF finanziert ihren Fachkräften ein Studium – und bindet so Mitarbeiter

Wer seine Fachkräfte selbst ausbildet und fördert, gewinnt nicht nur ein Team mit genau der gewünschten Qualifikation. Die Mitarbeiter bei SMF wissen es zu schätzen, dass ihr Arbeitgeber ihnen ein berufsbegleitendes Studium finanziert. An einen Arbeitgeberwechsel denkt kaum einer.

Branche: IT-Branche | Standort: Dortmund (NRW) | Beschäftigte: 78

Stand: 2015

Die fertig ausgebildete und studierte Fachkraft, die möglichst noch fünf Jahre Berufserfahrung hat, gibt es nicht so ohne weiteres. Zumindest nicht für kleinere IT-Firmen. Das hat Diethard Feuerstein festgestellt, Geschäftsführer der Dortmunder IT-Beratungsfirma SMF GmbH & Co. KG. Seit Jahren ist man bei SMF dazu übergegangen, die Fachkräfte selbst auszubilden. Und zwar gerne bis zum Hochschulabschluss: Die Firmenleitung fördert deshalb das berufsbegleitende Studium der Mitarbeiter. SMF-Berater Tim Eisenblätter hat das Angebot genutzt. Der 27-jährige Masterabsolvent im IT-Management und sein Chef erzählen von den Vorteilen und Herausforderungen des berufsbegleitenden IT-Studiums.

Herr Feuerstein, wie sieht die Fachkräftesituation für Ihren Betrieb aktuell aus?

Feuerstein: Wir stehen hier in Konkurrenz mit den großen Namen unserer Branche, die eine Sogwirkung auf die IT-Absolventen haben. Gute Bewerber werden von den großen Beratungskonzernen meist schon an den Hochschulen abgegriffen. Weil wir deshalb nicht die Qualität bekommen, die wir gerne hätten, hatten wir schon sehr früh die Idee, uns unsere Mitarbeiter selbst auszubilden.

Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen?

Feuerstein: Zunächst sind wir stark in die duale Ausbildung gegangen. Mit inzwischen 78 Mitarbeitern bilden wir heute durchgängig sechs bis neun Auszubildende in IT-Berufen aus. Wir haben schnell erkannt, dass die Mitarbeiter, die wir selbst ausgebildet und übernommen haben, eine sehr starke Verbundenheit mit dem Unternehmen haben. Als es dann immer mehr Angebote fürs berufsbegleitende Studium gab, haben wir das aufgegriffen: Jedem Mitarbeiter ab dem Azubi im dritten Ausbildungsjahr bieten wir an, seine Qualifikation mit einem Hochschulabschluss zu verbessern. Primär geht es uns dabei um Bachelorabschlüsse.


Mit welchem Ziel fördern Sie das Studium Ihrer Mitarbeiter?

Feuerstein: Uns geht es um Themen wie Abstraktionsvermögen und eine verbesserte Problemlösungskompetenz. Für die Weiterentwicklung vom Berater zum Projektmanager ist die Hochschule hilfreich, denn hier werden die Mitarbeiter sehr gut darin ausgebildet, Probleme aus einer höheren Ebene zu betrachten und zu entscheiden, welche Strategie sich eignet.


Weshalb haben Sie die Doppelaufgabe Studium und Beruf angenommen, Herr Eisenblätter?

Eisenblätter: Ich möchte künftig Führungskraft sein. Ein Studium ist dafür in unserer Branche das Maß aller Dinge. Nach meiner dualen Ausbildung bei SMF habe ich deshalb meinen Bachelor in Wirtschaftsinformatik gemacht und dann den Master im IT-Management.

Und nebenbei weiter Vollzeit gearbeitet?

Eisenblätter: Das war für ein paar Jahre ein gewisser Dreiklang: Ich habe 5 Tage die Woche bei einem unserer Kunden in Köln gearbeitet, war unter der Woche abends und samstags in Essen an der Hochschule und habe in Dortmund gewohnt. Da kam es vor, dass ich eine Klausur nicht bestanden habe. Das habe ich bei meinem Arbeitgeber offen angesprochen, der mir dann erlaubt hat, auch mal auf der Arbeit zu lernen.


Wie fördert SMF neben flexibler Zeiteinteilung das Studium ihrer Mitarbeiter?

Feuerstein: Wir übernehmen grundsätzlich die Studiengebühren. Im Gegenzug verpflichten sich die Mitarbeiter, im Anschluss ans Studium für mindestens drei Jahre bei uns zu bleiben oder anderenfalls die Gebühren zumindest teilweise zurückzuzahlen. Wir nutzen vor allem die Angebote der Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) in Essen, da sie sich stark an den Bedürfnissen der Wirtschaft ausrichtet. Für ein Bachelorstudium mit einer Regelstudienzeit von sieben Semestern zahlen wir knapp 14.000 Euro. Ein Master ist für uns zwar nicht strategisch notwendig, aber den persönlichen Einsatz der Mitarbeiter zu diesem abschließenden Schritt unterstützen wir mit weiteren 1.000 Euro pro Semester. Auch, weil wir festgestellt haben, dass wir so eine noch stärkere Bindung ans Unternehmen erreichen.


Was ist, wenn die Mitarbeiter ihr Studium nicht in der Regelstudienzeit schaffen?

Feuerstein: Wir führen regelmäßig Gespräche, um zu wissen, wie es im Studium läuft. Wenn jemand nicht in der vorgegebenen Zeit abschließt, hat das immer einen Grund, ob es nun Stress im Arbeitsprojekt oder private Situationen sind. Darauf gehen wir ein, indem in solchen Fällen das Studium ausgedehnt oder auch der Startzeitpunkt verschoben werden kann.


Wie geht es nach dem Studium für Sie weiter, Herr Eisenblätter?

Eisenblätter: Ich habe vor knapp einem Jahr meinen Master gemacht und fand es danach wichtig, noch drei Jahre im Unternehmen bleiben zu können, mich also nicht noch um einen neuen Job kümmern zu müssen. Jetzt bin ich 27 Jahre alt und habe ein paar Jahre vor mir, um Berufserfahrung zu sammeln. Weiter geht es dann wahrscheinlich als Junior-Projektmanager und irgendwann vielleicht als Projektleiter mit Verantwortung für andere Mitarbeiter.

Hilft Ihnen im Arbeitsalltag, was Sie im Studium gelernt haben?

Eisenblätter: Ich habe gelernt, mich zu organisieren und Probleme besser einschätzen zu können. Wenn es zum Beispiel um Dokumentation geht, erstelle ich zuerst eine Road Map, eine Skizze. So stecke ich meine Ziele ab: Was möchte ich bearbeiten, welche Infos wiedergeben? Auch in der Rhetorik und in Methodiken, sich selbst besser kennenzulernen, habe ich viel gelernt. Und fachlich habe ich mindestens durch meine Unterlagen Rückhalt zu vielen Themen des IT-Managements.

Herr Feuerstein, würden Sie anderen Unternehmen raten, das Studium ihrer Mitarbeiter zu unterstützen?

Feuerstein: Ganz klar: ja. Nicht nur die Projektakquise fällt uns leichter, wenn zum Beispiel Herr Eisenblätter einen „M. Sc.“ auf der Visitenkarte stehen hat. Wer sich wie wir intensiv um den eigenen Nachwuchs kümmert, seine Fachkräfte selbst ausbildet und an den Hochschulen weiter ausbilden lässt, baut sich eine Mannschaft mit hoher Kontinuität auf. Die Fluktuation ist tatsächlich viel geringer als bei Menschen, die ich mir von der Hochschule hole. In den vergangenen fünf Jahren haben bei uns zwei Mitarbeiterinnen und zehn Mitarbeiter mit unserer Unterstützung studiert, zehn der Absolventen gehören noch heute fest zur Mannschaft.

Eisenblätter: Ein berufsbegleitendes Studium lohnt sich ja auch für die Mitarbeiter selbst. Ich musste mir nicht wie andere Studenten Gedanken um mein Einkommen machen, da ich weiter mein Geld verdient habe. Ich musste nur sehen, dass ich im Studium am Ball bleibe. Für die Möglichkeit bin ich meinem Arbeitgeber dankbar.

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