Praxisbeispiel: An- und Ungelernte weiterbilden

DGW entwickelt Weiterbildungskonzept zur Fachkräftesicherung

Die DGW nutzt die Weiterbildung von An- und Ungelernten, um den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften auszugleichen. Dabei setzt das Unternehmen auf arbeitsplatznahe Lernkonzepte.

Branche: Herstellung von chemischen Erzeugnissen | Standort: Dortmund (NRW) | Beschäftigte: 170

Stand: 2014

Lernort Arbeitsplatz

Neue Technologien und eine Arbeitsorganisation, die sich stärker am Produktionsprozess ausrichtet, haben die Anforderungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutlich erhöht. Vor allem An- und Ungelernte mussten ihre Kompetenzen stark ausbauen. Mit Befragungen ermittelte die DGW den konkreten Weiterbildungsbedarf. Das Ergebnis: vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fehlte eine fundierte Chemieausbildung. Ein Drittel der Belegschaft hatte entweder keinen oder einen tätigkeitsfremden Berufsabschluss. Die DGW entwickelte eigens für diese Zielgruppe ein Weiterbildungskonzept. Kernbestandteil ist eine freiwillige Weiterbildung: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sich direkt am Arbeitsplatz zur Chemiebetriebswerkerin oder zum Chemiebetriebswerker oder zur Produktionsfachkraft Chemie schulen lassen. Die reguläre Ausbildungsdauer wurde von zwei Jahren auf ein Jahr verkürzt. Die DGW engagierte zwei Berufsschullehrer, um auf die Lernbedürfnisse der eher schulfernen Belegschaft einzugehen. Zwei bis dreimal pro Woche kamen die Lehrer für jeweils vier Unterrichtsstunden ins Unternehmen. Die DGW stellte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die Hälfte der Weiterbildungsphase frei, die andere Hälfte fand in ihrer Freizeit statt. Die letzte Hürde auf dem Weg zum neuen Titel war die IHK-Prüfung.

Susanne Kleibömer, Managementbeauftragte

Beschäftigte mitten im Berufsleben werden noch mal zu Schülerinnen und Schülern. Im Anschluss an die Weiterbildung sind sie in der Lage, viel eigenständiger zu arbeiten. Dadurch steigt die Prozessqualität beträchtlich.

Weiterbildung lohnt sich

Pro Ausbildungsgang bildete die DGW zehn bis zwölf Beschäftigte jeden Alters weiter. In den letzten acht Jahren schlossen insgesamt fünf Weiterbildungsjahrgänge erfolgreich ab. Bis auf zwei Ausnahmen erwarben alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihren Abschluss. Damit gewann die DGW ohne eine einzige Stellenausschreibung rund 50 neue Fachkräfte.

Die Vorteile: Steigerung der Arbeitsqualität

Die DGW hat erkannt, dass Weiterbildung ein wichtiges Instrument gegen den Fachkräftemangel ist. An- und Ungelernte wurden in den Kompetenzen qualifiziert, die im Unternehmen gebraucht werden und sind in Zukunft flexibler einsetzbar. Ein großer Vorteil hierbei ist, dass die Beschäftigten das Unternehmen und deren Abläufe bereits kennen. Insgesamt kann die Arbeits- und Produktqualität im Unternehmen durch Weiterbildung gesteigert werden. Zudem ist der IHK-Abschluss für die vormals An- und Ungelernten ein deutliches Signal der Wertschätzung und erhöht die Arbeitgeberattraktivität.

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