Überregionale Rekrutierung von Fachkräften

  • Überregionale Rekrutierung bedeutet: Sie rekrutieren gezielt in anderen Regionen, um Ihren Fachkräftebedarf zu decken.
  • Nutzen Sie hierfür überregionale Tageszeitungen und Online-Stellenbörsen und planen Sie für den Rekrutierungsprozess mehr Zeit ein als üblich.
  • Ermöglichen Sie Pendlern flexible Arbeitszeiten und Home Office.
  • Wird ein Umzug nötig, sollten Sie den neuen Arbeitnehmerdabei unterstützen. Zum Beispiel durch Hilfe bei der Suche nach Wohnraum oder Betreuungsangeboten für Kinder.

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Vorteile

  • Passgenauere Fachkräfte: Je größer der Suchradius, desto mehr Zuschriften erhalten Sie und umso eher werden Sie Fachkräfte mit den gewünschten Qualifikationen finden, die zu Ihrem Unternehmen passen. Der anfänglich höhere Aufwand zahlt sich auf lange Sicht aus.
  • Innovation: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Erfahrungen aus anderen Regionen bringen auch neue Ideen in Ihr Unternehmen ein und können Ihre Produktivität steigern.
  • Motivierte, produktive Mitarbeiter: Wenn Sie Ihre neuen Fachkräfte beim Ankommen in der neuen Region unterstützen, gewinnen Sie motivierte und produktive Beschäftigte und erreichen eine hohe Mitarbeiterbindung und geringere Fluktuation.

Überregionale Sichtbarkeit

Das wichtigste bei der überregionalen Rekrutierung ist, dass Sie sich dafür öffnen und die speziellen Belange von Arbeitssuchenden aus anderen Regionen berücksichtigen. Alles beginnt mit einer Bekanntmachung Ihrer offenen Stelle in einem überregionalen Medium, etwa einer überregionalen Tageszeitung oder Online-Stellenbörse. Auch das kostenlose Angebot der Arbeitsagenturen sollten Sie nutzen. Machen Sie in Ihrer Ausschreibung deutlich, dass Sie Bewerbungen von außerhalb wünschen und welche Unterstützungsmaßnahmen Sie anbieten.

In anderen Regionen sind viele Firmen häufig unbekannt. Deswegen ist es gut, wenn Sie eine Unternehmenswebseite haben, auf der man sich über Ihr Unternehmen informieren kann und Sie sich als Arbeitgeber vorstellen. Ein zeitgemäßer Internetauftritt sorgt für einen guten ersten Eindruck. Lesen Sie in unserer Handlungsempfehlung Employer Branding, wie Sie Ihr Unternehmen zu einer starken Marke entwickeln und in nah und fern als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden.

Mit Vorlauf planen

Über größere Entfernungen kann die Stellenbesetzung länger dauern als üblich – deshalb sollten Sie mit Vorlaufzeit ausschreiben. Damit Sie Ihren Personalbedarf rechtzeitig erkennen, sollten Sie eine vorausschauende Personalbedarfsplanung entwickeln. Dadurch vermeiden Sie auch Auftrags- und Umsatzeinbußen wegen unbesetzter Stellen.

Pendeln und Homeoffice

Eine Beschäftigung in einer anderen Region setzt bei Ihren neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entweder die Bereitschaft zum Pendeln oder die Bereitschaft für einen Umzug voraus. Manche Bewerber von außerhalb sind an ihre Region gebunden, meist über die Familie, und ein Umzug kommt für sie nicht in Frage. Eine Beschäftigung in Ihrem Betrieb wird für diese Personen nur interessant, wenn die Entfernung zu Ihrem Betrieb über Pendeln zu überbrücken ist. Pendeln kostet Ihre Fachkräfte jedoch Zeit und Geld. Sie können die Bereitschaft erhöhen, indem Sie ein Jobticket oder einen Dienstwagen anbieten und so die Kosten für die Fachkraft mindern. Auch die zeitliche Belastung können Sie minimieren. Wenn Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Fahrt arbeiten können, etwa per Laptop im Zug, können Sie dies auf die Arbeitszeit anrechnen. Flexible Arbeitszeiten kommen zudem den Unwägbarkeiten des Verkehrs entgegen. Auch das fallweise Arbeiten von Zuhause in Form von Telearbeit bzw. Homeoffice hilft bei der Vermeidung von Fahrtzeiten. Manche Aufgaben können aus der Ferne erledigt werden und erfordern keine tägliche Präsenz. Vielleicht können Sie auch eine kostengünstige Unterkunft für die Arbeitstage stellen oder zumindest bei der Suche unterstützen. Alles, was Sie unternehmen, um die Mobilitätskosten zu senken, wird die Chancen erhöhen eine geeignet qualifizierte Fachkraft von außerhalb erfolgreich anwerben zu können.

Wenn eine Beschäftigung in Ihrem Betrieb für Ihre neuen Fachkräfte jedoch einen Umzug bedeutet, müssen Sie etwas Zeit dafür einplanen. Wenn die Kündigungsfrist für die Wohnung beispielsweise die üblichen drei Monate beträgt, sollten Sie den Bewerbern diese Zeit auch geben oder sie bei der Überbrückung unterstützen. Nicht jeder hat die Rücklagen, um doppelt Miete zahlen zu können.

Bei finanziell schwächeren Bewerbern, wie etwa zuvor Arbeitslosen, übernehmen manche Arbeitsagenturen einen Teil der anfallenden Umzugskosten. Die Arbeitsagentur muss der Kostenübernahme jedoch vor Durchführung von Reisen und Umzug zustimmen. Wenn Sie hier in Vorleistung gehen, wird die Arbeitsagentur die Kostenübernahme ablehnen. Bleiben ungedeckte Kosten übrig, können Sie immer noch einspringen. Für die Behördengänge sollten Sie den Bewerbern entsprechend etwas Zeit einräumen.

Vorstellungsgespräch

Für ein Vorstellungsgespräch in einer entfernten Region muss von den Bewerbern eine Reise organisiert werden. Je nach Entfernung brauchen die Bewerber gegebenenfalls auch eine Unterkunft oder Kinderbetreuung. Gleiches gilt, wenn Sie die Bewerber Probearbeiten lassen wollen. Sie können dies erleichtern, indem Sie mit der Organisation helfen, die Erstattung der Anreisekosten anbieten oder eine Unterkunft stellen.

Eine unkomplizierte Möglichkeit, einen Eindruck von den Bewerbern zu gewinnen, ist ein erstes Gespräch per Video-Telefonie. Hierfür gibt es zahlreiche kostenlose Softwareanwendungen bzw. Apps.

Unterstützung bei der Wohnungssuche

Anders als Ihre neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen Sie sich in Ihrer Heimatregion aus. Teilen Sie dieses Wissen mit ihnen und helfen Sie ihnen dabei sich in Ihrer Region zurechtzufinden. Die neuen Fachkräfte werden sich etwa fragen, wo ein gutes Wohnviertel für sie ist. Beraten Sie sie und helfen Sie bei der Wohnungssuche. Insbesondere in angespannten Wohnungsmärkten werden sie diese Hilfe brauchen und zu schätzen wissen. Eventuell wird eine Zwischenunterkunft benötigt, die Sie stellen können.

Wenn Kinder mit umziehen, muss in der Regel eine neue Kinderbetreuung, eine neue Schule und vieles mehr gefunden werden. Auch hier können Sie die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen, indem mit Ihrem Netzwerk Kontakte und Anlaufstellen vermitteln. Gleiches gilt für einen eventuellen Partner, der mit umzieht und ebenfalls einen neuen Job sucht. Denken Sie immer die Familie mit. Wenn Sie Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch abseits des Betriebs zur Seite stehen, wird das ihre Motivation erhöhen und sie an Sie binden. In Zeiten des Wettbewerbs um Fachkräfte ist dies ein wichtiger Faktor. Die persönliche Note hebt Sie auch von den großen Unternehmen ab.

Soziale Integration

Die gewohnte Umgebung und sein soziales Umfeld zu verlassen fällt vielen schwer. Diesen Schritt können Sie erleichtern, indem Sie Ihren neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der sozialen Integration in Ihre Region helfen. Eine informelle Firmenkultur kann helfen, über die betrieblichen Kontakte Anschluss zu finden, etwa über einen monatlichen Feierabendstammtisch. Informieren Sie Ihre neuen Fachkräfte auch über die regionalen Freizeitangebotewie, beispielsweise Sportvereine oder schöne Ausflugsziele.

Finden Sie schon im Bewerbungsgespräch heraus, was den neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wichtig ist und stellen Sie dar, was Sie und Ihre Region ihm zu bieten haben. Besprechen Sie auch konkret, wie Sie Ihre Fachkraft außerhalb der Arbeit unterstützen wollen. Schaffen Sie eine offene Atmosphäre und bieten Sie einen Mentor als festen Ansprechpartner für alle Fragen, nicht nur zum Job, sondern auch zur Region an. Je schneller sich die neuen Fachkräfte heimisch fühlen, desto motivierter werden sie sein und sich langfristig einrichten. Am Ende ist ein Umzug auch immer eine Bauchentscheidung. Wenn Sie den neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Anfang an das Gefühl geben, nicht allein zu sein, wird es ihnen leichter fallen, sich für Ihr Unternehmen und Ihre Region zu entscheiden.

Langfristige Perspektive

Der erhöhte anfängliche Aufwand bei der überregionalen Rekrutierung lohnt sich für beide Seiten nur, wenn das resultierende Beschäftigungsverhältnis von Dauer ist. Sie sollten sich deswegen auch klar machen, was Sie langfristig mit Ihren neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erreichen wollen. Bieten Sie ihnen eine langfristige Beschäftigungsperspektive, gegebenenfalls auch einen Karriereweg inklusive Fortbildungen. Je stabiler den neuen Fachkräften der neue Job erscheint, desto eher werden sie die kurzfristigen Umstände und Kosten eines Umzugs auf sich nehmen. Auf eine lange Probezeit sollten Sie verzichten.

Lassen Sie sich vom anfänglichen Aufwand nicht abschrecken. Die Überregionale Rekrutierung ist ein vielversprechender Weg zur Fachkräftegewinnung, den Sie für sich nutzen sollten – insbesondere wenn passende Fachkräfte in Ihrer Region bereits rar sind.

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