Schulkooperationen bei der Data One GmbH

Wie sich Schulkooperationen für die Rekrutierung lohnen

„Wir lernen die Schüler bereits kennen, bevor sie als Bewerberinnen und Bewerber auf den Ausbildungsmarkt drängen“, sagt Alina Bastuck. „Das heißt auch: Wir sind die ersten, die sie von einer Ausbildung bei uns überzeugen können.“ Alina Bastuck ist Werkstudentin in der Personalabteilung der Data One GmbH, einer IT-Beratungsfirma aus dem Saarland. Schon seit Beginn ihres Studiums, also seit fast fünf Jahren, unterstützt sie das Unternehmen dabei, Schulkooperationen aufzubauen und zu pflegen. „Schulkooperationen helfen uns bei der Rekrutierung neuer Auszubildender“, erklärt Personalchef Kai Madsack das Engagement der Firma. „Vor allem geben sie Data One aber die Chance, soziale Verantwortung zu übernehmen und sich in der Region zu engagieren.“

Branche: IT-Beratung | Standort: Saarbrücken, Zürich, Luxemburg | Beschäftigte: 110

Stand: Januar 2018

Schulkooperationen anstoßen

Alina Bastuck erinnert sich, wie die Geschäftsführung erstmals den Wunsch formulierte, eine Schulkooperation anzuschieben. Aber wie geht man als Unternehmen dabei vor? „Uns hat der Verein ArbeitsLeben Wirtschaft, Schule (ALWIS) sehr geholfen. Der Verein hat uns den Kontakt zu interessierten Schulen vermittelt“, sagt Bastuck. Mittlerweile hat Data One Partnerverträge mit fünf Gymnasien aus der Region unterschrieben. Mit jeder Schule wurden individuelle Maßnahmen und Zielsetzungen vereinbart: Die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums am Rotenbühl und des Theodor Heuss Gymnasiums  in Sulzbach erhalten Bewerbertrainings, Assessment Center-Trainings und Informatik-Workshops. Das Albert Schweitzer Gymnasiums in Dillingen wird bei der Durchführung einer „Junior-Schülerfirma“ begleitet. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln hier die Idee zur Gründung einer eigenen Firma, entwickeln Produkte und verkaufen diese an echte Kunden. Die Jugendliche sammeln so Praxiserfahrung als Unternehmerinnen und Unternehmer. An zwei weiteren Schulen beraten Data-One-Mitarbeiter Schülerteams in Fragen der IT-Kommunikation, der Projektplanung oder nehmen an Berufsorientierungstagen teil. „Wir haben schnell gemerkt, dass jede Schule andere Bedürfnisse hat“, erklärt Bastuck. „Es ist wichtig, mit den Lehrern offen darüber zu sprechen und dann die passenden Angebote zu vereinbaren.“

© KOFA

Werkstudenten (z. B. Lehramts-Studenten) können Personalverantwortliche bei der Organisation und Durchführung von Schulkooperationen unterstützen. Lehramtsstudenten wissen häufig sehr gut, wie Sie mit Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern am besten kommunizieren.

Schulkooperationen organisieren

In ihrem Arbeitsalltag telefoniert Bastuck mit Lehrkräften und spricht Termine ab. Sie steht vor einer Klasse voller Jugendlicher und erklärt, wie eine Bewerbung aussehen sollte. Sie führt Schülergruppen durch das Unternehmen und organisiert Programmier-Workshops oder Berufsinformationsgespräche mit einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Ich glaube, wenn man mehrere Partnerschulen und Kooperationsformate hat, braucht man einfach eine Mitarbeiterin, die sich hauptsächlich um diese Dinge kümmert“, sagt der Leiter der HR-Abteilung, Kai Madsack, und kommt dann auch auf die Kosten eines solchen Engagements zu sprechen. Es seien vor allem die Personalkosten, die ein Unternehmen tragen müsse. Zum einen für Werkstudentin Alina Bastuck. Zum anderen aber auch für die Fachkräfte in Programmierung und Beratung, die für Aktivitäten im Rahmen der Schulkooperationen abgestellt würden. – Und was hat das Unternehmen davon? „Bekanntheit“, sagt Madsack und lacht. „Andere Unternehmen müssen an den Unis Schnittchen bei ihren Veranstaltungen spendieren, um bei den Studenten im Gedächtnis zu bleiben – uns kennen ganz, ganz viele schon aus der Schulzeit.“

Kai Madsack, Personalleiter

Ich kenne im Mittelstand kein anderes Unternehmen in der Region, das so viele Ressourcen für Schulkooperationen zur Verfügung stellt. Es zahlt sich aus: Die Außenwirkung ist enorm. Wir sind als Arbeitgeber in der Region bekannt.

Tatsächlich scheint sich das nachhaltige Engagement der Firma auszuzahlen. Nicht selten, so berichten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Personalabteilung, gehen Bewerbungen ein, die sich auf längst vergangene Ereignisse beziehen. Auf den Girls-Day 2012, auf einen Programmierworkshop 2014, auf angeregte Gespräche beim letzten Berufsinformationstag. „Das ist schon ein schönes Gefühl zu sehen, dass unsere Arbeit bei den Jugendlichen haften bleibt – dass sie sich auch Jahre später an unser Informationsangebot erinnern und dann möglicherweise auch bei uns arbeiten möchten“, so Madsack.

Die besten Bewerbungen abgreifen

Drei Ausbildungsplätze bietet das Unternehmen jedes Jahr an. Kaufleute für Büromanagement, Fachinformatiker und Fachinformatikerinnen für Anwendungsentwicklung und Systementwicklung kommen bei Data One als Nachwuchskräfte aus dem eigenen Haus. Alina Bastuck hat mittlerweile ein gutes Gespür dafür, welche Schülerinnen und Schüler aus dem Klassenzimmer später auch bei Data One gute Leistungen abrufen könnten. Das seien nicht immer zwangsläufig die mit den besten Schulnoten, erzählt sie. „Es gab einen Kandidaten, der die letzte Schülerfirma wirklich ‘gerockt‘ hat“, sagt sie. Von klein auf habe der sich fürs Programmieren interessiert – die Schule fand er weniger interessant. „Bei den Lehrkräften galt er als unzuverlässig, als jemand der häufig krank war und keinen Spaß am Unterricht hatte. In unserer Schulkooperation habe ich ihn dann ganz anders kennengelernt.“ Mittlerweile arbeitet der Jugendliche als Werkstudent im Unternehmen. Mittlerweile kann Alina Bastuck auf eine ganze Reihe erfolgreicher Rekrutierungsgeschichten verweisen.

Wie man die Schüler erreicht

Die Kooperationsverantwortliche kennt aber auch Montagmorgen in der Klasse – wenn die Schüler noch ans Wochenende denken, sich aber eigentlich auf die Zukunft konzentrieren sollen. „Ich mache den Schülern dann deutlich, was sie von meinem Besuch haben: Ich kann ihnen im Bewerbungstraining erzählen, worauf eine Personalabteilung wirklich achtet. Im Grunde gebe ich Insiderwissen weiter“. Mit dieser Botschaft scheint Alina Bastuck durchzudringen. Am Ende gebe es immer zahlreiche Schüler, die sie darum bitten, die eigenen Bewerbungsunterlagen nochmal zu prüfen. Und manchmal sagt Alina Bastuck dann: „Ich würde mich freuen, wenn du deine Bewerbung auch an uns schickst.“ Für einige ist das der erste Schritt in Richtung Ausbildung.

Auch einzelne Maßnahmen lohnen sich

Die Data One hat mit ihren Schulkooperationen viel erreicht: Die unterstützte Schülerfirma des Albert-Schweitzer-Gymnasiums gewann 2017 bei den Schülerfirmen-Wettbewerben der IW JUNIOR gGmbH auf Landesebene Gold und auf Bundesebene Bronze. Das Saarländische Kultusministerium gratulierte dem Unternehmen im Sommer zum fünfjährigen Jubiläum der Schulkooperationen. Zahlreiche Medien berichteten über das besondere Engagement der Firma. „Aber der Gang ins Klassenzimmer lohnt sich meiner Meinung nach auch, wenn es vor allem um die eigenen Nachwuchssicherung geht“, meint Madsack. Gerade kleine Unternehmen seien als Arbeitgeber wenig bekannt. „Viele Schulen sind total dankbar, wenn sich die lokale Gärtnerei oder der Handwerksbetrieb um die Ecke einfach mal auf einem Berufsinformationstag vorstellen“, sagt Madsack. Der Aufwand dafür sei überschaubar. Und man habe die Zielgruppe, die als zukünftige Auszubildende in Frage komme, direkt vor sich sitzen: „Unmittelbarer kann man die Jugendlichen nicht erreichen“, meint er. „Ein Schulbesuch ist besser als jede Zeitungsanzeige oder Facebook“.

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