Praxisbeispiel: Familienfreundliche Maßnahmen im Metallbau

Spielzimmer und familienfreundliche Arbeitszeiten bei der Schönberger Stahlbau & Metalltechnik

Das Unternehmen Schönberger Stahlbau & Metalltechnik verbessert mit familienfreundlichen Maßnahmen die Work-Life-Balance der Beschäftigten, senkt den Krankenstand und die Fluktuation. Das macht die Firma als Arbeitgeber attraktiv: Schönberger zählt 30 Prozent mehr Initiativbewerbungen.

Branche: Metallbau | Standort: Schwarzach (Bayern) | Beschäftigte: 30

Stand: 2012

Fluktuation führt zum Umdenken

Wettbewerber im Einzugsgebiet von Schönberger werben mit attraktiven Arbeitsbedingungen wie einer 35-Stunden-Woche um Fachkräfte. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) können da schwer mithalten. Auch das 1962 gegründete Metallbauunternehmen verlor Fachkräfte. Wegen der langen Ausbildungszeit für spezialisierte Facharbeiterinnen und Facharbeiter wiegen die Verluste im Handwerk besonders schwer. Schönberger beschloss, sich durch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie von den Wettbewerbern abzuheben.

Sabine Schönberger, kaufmännische Geschäftsführerin:

Familienfreundlich zu sein, kostet kaum Geld, aber der Nutzen fürs Unternehmen ist gewaltig.

Montageeinsätze lassen für Familie kaum Zeit

Stahlbauer, Monteure und Schweißer müssen teilweise rund um die Uhr arbeiten, auch an Wochenenden und Feiertagen. Zudem erwarten Kunden im Ausland für die Installation und Instandhaltung Personal vor Ort. Bei solchen Bedingungen ist es schwer, gut ausgebildete Spezialisten langfristig zu binden.

Familienfreundlichkeit bindet Mitarbeiter

Schönbergers familienfreundliche Maßnahmen ermöglichen es deshalb, über Lebensarbeitszeitkonten während intensiver Montageeinsätze Stundenguthaben aufzubauen, die die Mitarbeiter für bezahlte Auszeiten nutzen können. Unterschiedliche Lebensphasen und familiäre Belange berücksichtigt das Unternehmen auch bei der Baustellenplanung: Auslandseinsätze übernehmen vor allem alleinstehende Monteure. Ihr Anteil im Betrieb beträgt gut ein Drittel. Monteure, die Nachwuchs erwarten, werden ab dem sechsten Schwangerschaftsmonat der Partnerin von Auslandseinsätzen freigestellt.

Spielplatz und Spielzimmer für die Kinder

Im Notfall können die Kinder auch mit in den Betrieb gebracht werden. Auf dem Betriebsgelände hat Schönberger einen Spielplatz bauen lassen und im Bürogebäude ein Spielzimmer eingerichtet. Die Beschäftigten übernehmen abwechselnd die Aufsicht im Spielzimmer, oft sogar die Chefin selbst. Planungs-, Kalkulations- oder Konstruktionsarbeiten können bei Bedarf im Home-Office erledigt werden. Das Unternehmen unterstützt junge Familien auch bei der Kindergartensuche und beteiligt sich an den Betreuungskosten. Wird das Kind eingeschult oder hat es Geburtstag, kann die oder der Beschäftigte ohne Anrechnung von Urlaubstagen freinehmen.

Niedriger Krankenstand, konstante Belegschaft

Die familienfreundlichen Arbeitsbedingungen bedeuten wenig finanziellen oder personellen Aufwand. Die Vorteile sind umso vielfältiger: Die Beschäftigten fühlen sich wertgeschätzt, weil sie bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt werden, zeitliche Zugeständnisse erhalten oder den Einsatzplan aktiv mitgestalten können. Dank der Unterstützung haben sie den Kopf wieder für ihren Beruf frei. Auch das Betriebsklima hat sich verbessert, der Krankenstand liegt bei gerade einmal 1,8 Prozent und die Fluktuation geht gegen null – obwohl im nahen Umfeld ein großer Automobilhersteller Fachkräfte sucht. Die Konstanz in der Belegschaft stärkt wiederum die Kundenbindung, da so hochspezialisierte und eingespielte Montageteams die Aufträge zuverlässig erledigen können.

30 Prozent mehr Initiativbewerbungen

Das Engagement spricht sich herum, auch, weil Schönberger zahlreiche Auszeichnungen für Familienorientierung und das Engagement in der Frauenförderung erhalten hat. 30 Prozent mehr Initiativbewerbungen sprechen für sich. Zahlreiche Berichte im Rundfunk, in regionalen und bundesweiten Fernsehsendungen, Fachzeitschriften, überregionalen Tageszeitungen, Magazinen und in der ausländischen Presse haben sicher dazu beigetragen.

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