Urlaubsplanung in Unternehmen

Tipps für Arbeitgeber zu Arbeitsrecht und Personalarbeit während Corona

Britta Redmann ist als Rechtsanwältin und als Coach in den Bereichen Corporate Development & HR tätig. In unserem Experteninterview gibt Sie Arbeitgebern Tipps für die Urlaubsplanung während der Corona-Pandemie.

Frau Redmann, erleben Sie, dass das Thema Urlaub für Arbeitgeber und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem Jahr andere Fragen aufwirft als zuvor?

Redmann: Allerdings. Zu Beginn der Corona-Pandemie habe ich erlebt, dass viele Arbeitnehmende den Wunsch hatten, bereits bewilligten Urlaub zurückzugeben. Schließlich stellen sich in Bezug auf den Urlaub ja viele Fragen: Wohin kann ich fahren? Ist Urlaub mit Mundschutz und Abstandsregeln überhaupt erholsam? Mit wievielen Einschränkungen muss ich am Urlaubsort rechnen? – Urlaub zurückgeben, können Beschäftigte aber nur, wenn der Arbeitgeber zustimmt.

Gleichzeitig habe ich in diesem Jahr vermehrt erlebt, dass Arbeitgeber den Wunsch hatten, ihrem Personal den Urlaub vorzuschreiben. So nach dem Motto: „Wir haben jetzt wenig zu tun, deshalb nimmst Du jetzt deinen Urlaub“. Das geht aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht. Der Arbeitgeber darf einem einzelnen Beschäftigten keinen Zwangs-Urlaub verordnen!

Darf der Arbeitgeber Betriebsferien für die gesamte Belegschaft verordnen?

Redmann: Da ist der Fall ein bisschen anders. Es müssen aber schon dringende betriebliche Gründe vorliegen, um Werksferien einzuführen. Sofern es einen Betriebsrat im Unternehmen gibt, muss dieser zustimmen. Und es bedarf auch einer ausreichenden Ankündigungsfrist. Von heute auf morgen Betriebsferien ankündigen und damit die Urlaubspläne der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu durchkreuzen – das geht nicht.

Wie gelingt es, Anreize für einen Sommerurlaub zu schaffen?

Redmann: Es ist wichtig, sich jetzt in die Köpfe seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hineinzuversetzen. Fernreisen sind ja zurzeit kaum möglich. Wie schaffe ich es jetzt als Arbeitgeber, der Belegschaft Urlaub in der Region schmackhaft zu machen?

Dies kann zum Beispiel gelingen, in dem man gezielt über Urlaubsangebote in der Region informiert. Für schulpflichtige Kinder beginnen nun die Sommerferien. Und im Umland gibt es zahlreiche Aktivitäten, die für Familien attraktiv sind. Schon in den letzten Jahren ist Wanderurlaub immer beliebter geworden. Für solche alternativen Urlaubspläne können Unternehmen z. B. im Mitarbeiterportal werben und Ideen einspeisen.

Urlaub kann für Mitarbeitende außerdem eine gute Gelegenheit sein, Liegengebliebenes zu erledigen. Während des Corona-Lockdowns ist bei vielen Menschen der Wunsch entstanden, Haus und Garten neu zu gestalten. Ich empfehle Arbeitgebern, Gutscheine an diejenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszugeben, die ein solches Vorhaben in den Sommermonaten realisieren möchten. Ein Gutschein für Baumarkt oder Gartencenter sollte mindestens 150 Euro betragen, um tatsächlich als Urlaubs-Anreiz zu dienen.

Nicht alle wollen in den Sommermonaten zuhause bleiben. Wie ist es, wenn Mitarbeitende ihre private Reise in ein Corona-Risikogebiet planen?

Redmann: Grundsätzlich geht den Arbeitgeber die private Reiseplanung seiner Mitarbeitenden nichts an. Auf der anderen Seite haben Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht. Und im Rahmen dieser Fürsorgepflicht finde ich es durchaus statthaft, auf die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts für Reisen zu verweisen. Außerdem ist es nur fair, über die Konsequenzen einer Reise zu informieren, die in ein Land führt, das mit einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes belegt ist:

Wenn der Mitarbeitende sich in einem solchen Land ansteckt, kann er keine Lohnfortzahlung im Krankheitsverfall erwarten. Dies gilt auch, wenn er oder sie nach dem Urlaub in Quarantäne muss und die Tätigkeit nicht aus dem Homeoffice ausführen kann.

Eine solche Information sollte keinesfalls als „Drohung“ ausgesprochen werden. Man kann das Thema auch „leicht verpacken“. So nach dem Motto: Die Sommerferien stehen an. Wir möchten unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfassend über Reisen zu Corona-Zeiten informieren.

Viele Eltern haben einen Großteil ihres Urlaubs bereits für die Kinderbetreuung während des Lockdowns opfern müssen. Können Arbeitgeber dieser Mitarbeitergruppe bei der weiteren Urlaubsplanung entgegenkommen?

Redmann: Gute Arbeitgeber haben ein Interesse daran, dass ihre Beschäftigten Stress abbauen und leistungsfähig bleiben. Erholungsurlaub trägt dazu in besonderem Maße bei. Insofern kann es im Sinne des Unternehmens sein, in dieser speziellen Zeit einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr Urlaubstage zu gewähren.

Man muss dabei allerdings rechtlich aufpassen. Wer einzelnen Mitarbeitenden mehr Urlaubstage gewährt, muss diese Urlaubstage sachlich begründen können. Es ist ratsam, eine solche Sonderleistung einmalig auszusprechen oder zeitlich zu befristen. Individuell vereinbarter, zusätzlicher Urlaub kann aber mit Sicherheit eine gute Lösung sein, damit Eltern dieses anstrengende Pandemie-Jahr gut meistern können.

Wir danken Frau Redmann für das Gespräch.

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