Corona-Krise: „Mein Ziel ist es, unsere Mitarbeiter alle zu halten“

Was die Corona-Krise für die Tischlerei Kapune bedeutet

Julius Kapune hat seine Tischlerei vor zwanzig Jahren gegründet. Seitdem ist das Unternehmen kontinuierlich gewachsen. Mittlerweile beschäftigt der dreifache Familienvater zwanzig Mitarbeiter. Am Telefon hat er dem KOFA erzählt, wie er diese besondere Zeit als Unternehmer erlebt. Ein Lagebericht aus dem Handwerk.

Herr Kapune: Wir haben heute den 18. März 2020. Vier meiner Mitarbeiter sind krankgemeldet. Das ist für uns schon ein hoher Krankenstand – auch wenn die Krankmeldungen im Rheinland nach Karneval ja immer etwas in die Höhe schnellen. Aber zurzeit macht man sich dann natürlich auch Sorgen, ob sich nicht doch jemand aus der Belegschaft mit dem Corona-Virus infiziert hat.

30 Prozent weniger Aufträge

Herr Kapune: Unser Betrieb spürt die Auswirkung der Corona-Krise am Rückgang der Aufträge. Ein Privatkunde hat uns in der vergangenen Woche morgens angerufen, um uns zu mitzuteilen, dass unsere vier Handwerker bitte nicht kommen sollen – er wolle den Auftrag stornieren, um sich nicht überflüssigen Kontaktpersonen auszusetzen. Es ging um ein Budget von 9.000 Euro.

Ein Hotel, das nun selbst ums Überleben kämpft, hat einen Auftrag von 35.000 Euro storniert. Bei einem anderen Hotel haben wir ein Möbelstück, einen Sekretär, zur Aufbereitung in unsere Werkstatt geholt, obwohl die Inhaberin uns mitgeteilt hat, dass sie nicht abschätzen kann, wann sie für die Leistung bezahlen kann. Wir arbeiten jetzt trotzdem an dem Schreibtisch. Mir ist erstmal wichtig, dass meine Leute ausgelastet sind – wir müssen dann eben darauf hoffen, dass auch für das Hotel bessere Zeiten kommen und der Auftrag dann abgegolten werden kann. Insgesamt ist die Auftragslage seit Beginn der Krise um etwa 30 Prozent zurückgegangen.

Kurzarbeitergeld beantragt

Herr Kapune: Ich habe Kurzarbeitergeld beantragt. Das war gar nicht so einfach, weil wir zunächst alle Arbeitsverträge der Mitarbeiter umschreiben mussten. In der Vergangenheit hat das Handwerk ausschließlich mit Mehrarbeit zu tun gehabt. Es bedarf aber einer vertraglichen Zusatzvereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, um das Kurzarbeitergeld zu beantragen. Die Kreishandwerkerschaft hat mich bei diesem Vorgang unterstützt. Das war toll! Die Ansprechpartner dort waren trotz der Krise gut zu erreichen, haben schnell reagiert und uns sofort geholfen.

Meine Mitarbeiter waren von der Zusatzvereinbarung weniger begeistert. Einige haben gesagt: „Da kann ich ja gleich zur Arbeitsagentur gehen“. Da habe ich gesagt: „Nein. Noch haben wir Aufträge. Wir wollen unseren Betrieb am Laufen halten. Wir sind gemeinsam dafür verantwortlich, dass es unsere Werkstatt auch nach Corona noch gibt.“ Zwei Mitarbeiter in der Belegschaft haben befristete Verträge, die hätte ich jetzt auch auslaufen lassen können, um die Personalkosten zu senken. Mein Ziel ist es, aber wirklich die gesamte Mannschaft zusammenzuhalten. Aus sozialer Verantwortung. Aber auch, weil ich darauf vertraue, dass die Krise in 6 bis 9 Monaten vorbei sein wird. Dann fragen unsere Kunden wieder alle bei uns an. Dann sind die Auftragsbücher wieder voll. Und dann möchten wir auch voll einsatzbereit sein.

Geld von Verwandten geliehen

Herr Kapune: Ich habe mir in den letzten Wochen bei Verwandten etwa 35.000 Euro geliehen, um in den nächsten Wochen weiter liquide zu sein. Private Vorsorgen habe ich in Teilen aufgelöst. Bei meinen Banken bin ich bei der Beantragung eines Kredits über 15.000 nicht weiter gekommen. Es ist schwer, die Ansprechpartner überhaupt zu erreichen. Die versprochenen Sicherheiten durch die KfW-Bank haben meine Bankberater nicht interessiert. Der ganze Vorgang war Ihnen zu aufwendig und bürokratisch. Das war eine Enttäuschung. Ich hoffe nun, mit dem Geld aus der Familie erstmal handlungsfähig zu bleiben.

Mitarbeiter messen täglich Fieber

Herr Kapune: Die Stimmung unter den Mitarbeitern ist eigentlich gut. Wir haben sehr strenge Vorschriften zum Gesundheitsschutz. Jeder Mitarbeiter misst vor Dienstantritt Fieber. Wer erhöhte Temperatur oder Erkältungssymptome hat, bleibt zu Hause. Eine Mitarbeiterin von mir, meldete sich telefonisch und berichtete über Husten. Da habe ich gesagt: „Du bleibst jetzt zwei Wochen zuhause.“ Mir ist zurzeit auch egal, ob ich auf den Kosten für diese Ausfallzeit sitzen bleiben. Der Corona-Virus darf sich nicht unter den Kollegen ausbreiten!

Ich lasse mir morgens von jedem Mitarbeiter berichten, wie es ihm geht. Ich dokumentiere das auch. Mir ist wichtig, dass die Mitarbeiter merken: „Der Chef achtet da jetzt drauf.“ Es gibt viele neue Regeln: Wir geben uns nicht die Hand. Autos werden nicht mehr untereinander getauscht und nach jeder Fahrt wir das Lenkrad desinfiziert. Wir arbeiten daran, dass Büroarbeite künftig im Homeoffice erfolgen kann. Wir haben auch versucht, feste Gruppen zu bilden, in denen die Kollegen im Außendienst dann zusammenarbeiten. Das klappt aber nicht so, wie wir zuerst dachten: Bei unseren Außeneinsätzen sind nach wie vor unterschiedliche Kompetenzen gefragt. Da müssen wir in der Teamzusammenstellung dann auch weiterhin flexibel darauf reagieren.

Erschöpfung und Mut

Herr Kapune: Wenn man mit anderen Unternehmern spricht, merkt man, dass alle angespannt und nervös sind. Auch ich bin erschöpft. Man muss Weichen stellen und Entscheidungen für sich und seine Mitarbeiter treffen. Auch privat macht man sich natürlich Sorgen. Ich habe eine Frau und drei Kinder. Wir haben vor zehn Jahren ein Haus gebaut. Es gibt Kredite, die zurückgezahlt werden müssen. Da gibt es viel zu bedenken.

Gleichzeitig spüre ich als Unternehmer zurzeit auch ganz viel Solidarität. Es gibt Privatkunden, die uns ganz bewusst jetzt beauftragen. Die sagen: „Sie sind uns wichtig. Wir möchten, dass Ihr Betrieb durch die Krise kommt.“ – Das macht einem Mut. Für solche Begegnungen bin ich dankbar.

Wir danken Herrn Kapune recht herzlich für das Interview und wünschen ihm alles Gute.

Verfolgen Sie auf dem facebook-Kanal der Tischlerei Kapune, wie der Betrieb sich den Herausforderungen täglich neu stellt.

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