Praxisbeispiel: Vielfalt als Unternehmenskultur

Teckentrup: Wie Diversity-Management zu einer lebendigen Unternehmenskultur beiträgt.

Der Tür- und Torproduzent Teckentrup hat durch einen partizipativen und wertschätzenden Umgang mit seiner multikulturellen Belegschaft das Gemeinschaftsgefühl gestärkt und den Unternehmenserfolg gesteigert. Hochglanzbroschüren und Plakate allein bewirken wenig. Diversity-Management muss aktiv in die Unternehmenskultur eingebunden werden. Die Geschäftsführung hat das erkannt und setzt deutliche Signale für Fairness und Toleranz.

Branche: Produktion von Türen und Toren aus Stahl | Standort: Verl (NRW) | Beschäftigte: 850

Stand: 2013

Erfolgreiches Pilotprojekt im Export

Der Ausbau des Exportgeschäfts Anfang 2000 stellte das Unternehmen vor neue Herausforderungen. Um die Kommunikation mit der ausländischen Kundschaft zu verbessern, die Kundenbindung im Weltmarkt zu stärken und insgesamt den Exportumsatz zu erhöhen, stellte das 1932 gegründete Familienunternehmen multinationale Teams auf, die sprachlich und kulturell auf die jeweiligen Länder abgestimmt sind. Diese sogenannten „Area Manager“ agieren als „Mentalitätsübersetzer“ zwischen dem Unternehmen und den Kunden in anderen Ländern. Ihre Kenntnis der regionalen Märkte und Geschäftsgebräuche hat wesentlich zu einer verbesserten Zusammenarbeit mit den lokalen Geschäftspartnern beigetragen: Das Umsatzwachstum im Export hat sich verdoppelt.

Diese Erfolge sensibilisierten für die Grundidee von Diversity-Management. Teckentrup hat durch einen partizipativen Umgang mit Kultur- und Sprachunterschieden den Unternehmenserfolg gesteigert. Daher wurde der Diversity-Ansatz, der die Vielfalt von Menschen als Potenzial und Chance begreift, auch in andere Geschäftsbereiche integriert.

Kai Teckentrup, Geschäftsführer:

Es kostet viel mehr, sich nicht mit Vielfalt zu beschäftigen, als es zu tun.

Mit Kultur- und Sprachunterschieden richtig umgehen

Insbesondere die Produktionswerke in Ostwestfalen und Sachsen-Anhalt standen im Fokus, denn dort liegt der Anteil der Beschäftigten mit Migrationshintergrund bei über 25 Prozent. Die Mentalitätsunterschiede und Sprachbarrieren verunsicherten die Beschäftigten und erschwerten es, Wünsche und Bedürfnisse gegenüber der Führungsebene zu äußern. Viele Migrantinnen und Migranten isolierten sich auch von der restlichen Belegschaft und verbrachten ihre Pausen allein. Um die Kommunikation in beide Richtungen zu unterstützen, wurde auf das bewährte Modell der "Area Manager" in abgewandelter Form zurückgegriffen: Repräsentanten, sogenannte "Vorsprecher", die fehlende Deutschkenntnisse ausgleichen sollen, sind aktiv auf die Migrantenbeschäftigten zugegangen. Diese Kommunikationsbrücke wurde von der internationalen Belegschaft gut angenommen und hat eine Vertrauenskultur geschaffen. Auch das aktive Bewerben von Sprachkursen durch die "Vorsprecher" war sehr erfolgreich – aus zwei Gründen: Zum einen, da Fragen zu dem Kursangebot in der Muttersprache der oder des Interessierten geklärt werden konnten, zum anderen, weil die Hemmungen von Personen, mangelnde Deutschkenntnisse einzugestehen, gegenüber den „Vorsprechern“ niedriger waren.

Attraktiver als Arbeitgeber

Die Unternehmenskultur des Integrierens bei Teckentrup hat sich herumgesprochen: Die Zahl der Bewerbungen nahm erheblich zu, von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. In den Produktionswerken verbesserte sich die Kommunikation deutlich. Die Beschäftigten begreifen sich als kollegiale Familie, und die Mitarbeiterzufriedenheit ist spürbar gestiegen. Das belegt auch der gesunkene Krankenstand. Das zeigt: Für den Unternehmenserfolg ist eine Atmosphäre der Offenheit wichtig. Die Beschäftigten können ohne Diskriminierung zu ihrer Anschauung oder Orientierung stehen, und fehlende Sprachkenntnisse stellen keine unüberwindbare Hürde dar.

Teckentrup hat bereits im Jahr 2006 die Selbstverpflichtung "Charta der Vielfalt" unterzeichnet, eine Unternehmensinitiative zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen unter der Schirmherrschaft der Bundeskanzlerin. Seit 2009 engagiert sich Teckentrup auch regional im Netzwerk "Unternehmen VIELFALT OWL". Gemeinsam organisieren die Betriebe Fußballspiele mit 20 Unternehmensmannschaften unter dem Motto "Toleranz-Cup" oder „Rote Karte für Intoleranz“ und setzen so Zeichen für eine Unternehmenskultur ohne Diskriminierung.

Zur Unternehmenswebseite

Links

  • Unternehmensinitiative "Charta der Vielfalt" (zur Webseite)
  • Online-Dossier „Inklusiv, offen und gerecht? Deutschlands langer Weg zu einer Willkommenskultur“ (zum Dossier)
  • BEN Europe-Institute – Institut für Integration von Fachkräften aus Europa (zur Webseite)

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