Duale Berufsausbildung

Ausbilden im eigenen Betrieb

  • Bilden Sie im eigenen Betrieb aus, um einem Fachkräftemangel vorzubeugen.
  • Neben persönlich und fachlich geeigneten Ausbilderinnen und Ausbildern benötigen Sie betriebliche Voraussetzungen für den jeweiligen Ausbildungsberuf. Für kleinere Unternehmen können Verbundausbildungen eine Alternative sein.
  • Zahlreiche Unterstützungs- und Fördermaßnahmen helfen Ihnen, Ihre Auszubildenden individuell zu fördern.

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Download Checkliste "Zusatzqualifikationen in der Ausbildung" (PDF)

Was ist die duale Ausbildung?

Berufsausbildungen finden im deutschsprachigen Raum meist in einem dualen System statt. Das bedeutet, dass die Auszubildenden neben der Praxis im Betrieb, fachtheoretisches und allgemeinbildendes Wissen in der Berufsschule lernen. Insgesamt gibt es 326 staatlich anerkannte duale Ausbildungsberufe. Im Gegensatz dazu lernen rund ein Viertel aller Auszubildenden die Inhalte bei einer schulischen Ausbildung ausschließlich an der Berufsfachschule. Diese Form der Ausbildung gibt es vor allem bei Gesundheits-, Sozial- oder Medienberufen.

In der Regel dauert eine duale Ausbildung zwei bis dreieinhalb Jahre. In Abstimmung mit der zuständigen Kammer können Sie die Ausbildung verkürzen oder verlängern. Die Berufsausbildung ist im Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelt.

Selbst ausbilden lohnt sich

Für kleine und mittlere Unternehmen lohnt es sich, die Fähigkeiten und Erfahrungen der bestehenden Mitarbeitenden an Auszubildende weiterzugeben, vor allem im Hinblick auf den Fachkräftemangel. Durch eine anschließende Übernahme sind Sie als Unternehmen weniger abhängig vom externen Arbeitsmarkt. Die Einarbeitungszeit verkürzt sich. Sie reduzieren Personalbeschaffungs- und Einarbeitungskosten sowie das Risiko von Stellenfehlbesetzungen. Wenn Sie eine Ausbildung anbieten, steigern Sie auch Ihre Attraktivität als Arbeitgeber. Sie sichern sich langfristige geeignete und loyale Mitarbeitende.

Die Ausbildungsvergütung ist in Paragraf 17 des BBiG geregelt. Je nach Betrieb und Branche unterscheidet sich das Gehalt der Auszubildenden teilweise deutlich. Gezahlt werden muss, was im Tarifvertrag steht. Unternehmen, die keinen Tarifvertrag haben, müssen sich an den gesetzlichen Vorgaben zur Mindestvergütung in der Ausbildung orientieren. Diese gelten seit Januar 2020. Die Vergütung steigt mit den Ausbildungsjahren. Welche Kosten Sie insgesamt für eine Ausbildung einplanen sollten, finden Sie hier.

Wer darf ausbilden?

Jeder Betrieb – unabhängig von der Unternehmensgröße – kann ausbilden, sofern folgende Vorgaben erfüllt sind:

  • Persönlich und fachlich geeignetes Ausbildungspersonal: Meisterinnen und Meister erfüllen ebenso die Voraussetzungen, um auszubilden zu können, wie Techniker und Technikerinnen oder Fachwirte und Fachwirtinnen. Personen mit einer Gesellenprüfung und Akademiker und Akademikerinnen mit einschlägiger Berufserfahrung müssen eine Weiterbildung (AdA = Ausbildung der Ausbilder, Ausbilderschein) absolvieren. Hierzu muss die zuständige Kammer oder Innung die „Zuerkennung der fachlichen Eignung“ bestätigen. Die ausbildenden Mitarbeitenden sollten auf jeden Fall neben berufs- auch arbeitspädagogische Kenntnisse haben und sich bezüglich digitaler Entwicklungen stets weiterbilden. Wie dies gelingen kann, erfahren Sie beim „Netzwerk Q 4.0 -– Netzwerk zur Qualifizierung des Berufsbildungspersonals im digitalen Wandel“.
  • Vermittlung der praktischen Teile: Die zuständige Kammer prüft vorab, ob Sie die Ausbildungsinhalte in Ihrem Betrieb vermitteln können. Zur Vorbereitung finden Sie beim BiBB neben der Ausbildungsordnung auch Tätigkeitsbeschreibungen der einzelnen Berufe.
  • Verbundausbildung: Falls Sie bestimmte Teile in Ihrem Betrieb nicht anbieten können, kann die Kammer oder Innung Sie mit gezielten Lehrgängen in einer überbetrieblichen Ausbildung unterstützen. Oder Sie schließen sich mit anderen Betrieben zu einer Verbundausbildung zusammen. Die Kammern beraten Sie gerne, wenn Sie nicht ganz sicher sind, in welchen Berufen Ihr Betrieb ausbilden kann und wie eine Verbundausbildung funktioniert. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Passende Auszubildende finden

Etwa ein Jahr vor Ausbildungsbeginn startet bei vielen Unternehmen die Suche nach potenziellen Kandidaten. Die Auszubildenden benötigen keinen formalen Schulabschluss oder ein bestimmtes Alter. Definieren Sie ein klares aber nicht zu eng gefasstes Anforderungsprofil für den zu besetzenden Ausbildungsplatz.

Rekrutierung über soziale Netzwerke
Neben der klassischen Stellenanzeige sollten Sie die sozialen Medien in den Blick nehmen – auch wenn Sie diesen eventuell kritisch gegenüberstehen sollten. Es kann sich für Sie lohnen, die Jugendlichen dort anzusprechen, wo sie oder ihre Eltern viel in ihrer Freizeit unterwegs sind. Worauf Sie bei der Rekrutierung über soziale Medien achten sollten, erfahren Sie in unserem Text „Azubi-Rekrutierung über soziale Netzwerke".

Auszubildende als Botschafterinnen und Botschafter
Nutzen Sie dabei auch Ihre eigenen Auszubildenden als Botschafterinnen und Botschafter für Ihre Lehrberufe. Ausführliche Tipps zum Rekrutierungs- und Auswahlverfahren finden Sie hier.

Worauf Azubis achten
Worauf Azubis bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz achten, erfahren Sie in unserem KOFA-Webinar zum Thema. Die Erkenntnisse daraus können Sie sicher für Ihre Arbeit gebrauchen.

Praktika und Schulkooperationen anbieten
Potenzielle Lehrlinge können Ihr Unternehmen aber auch weit vor der konkreten Bewerbung durch Praktika oder Schulkooperationen kennenlernen. Dies erfordert etwas mehr Arbeit, ist aber auch eine langfristige Investition in Ihre Fachkräftesicherung an Ihrem Unternehmensstandort.

Vor-Ort-Unterstützung bei der Suche nach passgenauen Auszubildenden
Bei der Suche nach passgenauen Auszubildenden erhalten Sie vor Ort Unterstützung, wenn Sie dies wünschen. Die Beraterinnen und Berater der passgenauen Besetzung helfen Ihnen persönlich und vor Ort geeignete Auszubildende zu finden. Bei der Einstellung und Integration von Geflüchteten in Ihrem Betrieb, sind außerdem die Willkommenslotsen Ihrer Region ansprechbar.

Erste Schritte

Schritt 1: Überlegen Sie sich, welche Berufe Sie ausbilden möchten. Wenn Sie sich bezüglich der infrage kommenden Berufe unsicher sind, vereinbaren Sie ein Gespräch mit Ihrer örtlichen Kammer. Berücksichtigen Sie die Entwicklung Ihres Betriebs und überlegen Sie sich, welche Fachkräfte Sie in Zukunft benötigen.

Schritt 2: Prüfen Sie, ob Ihr Betrieb alle Teile der Ausbildung abdecken kann.

Schritt 3: Nehmen Sie Kontakt zur örtlichen Kammer auf. Sie steht Ihnen als Berater, Begleiter und Konfliktlöser zur Seite. Gleichzeitig kontrolliert sie die Ausbildungsbedingungen.

Schritt 4: Klären Sie, welche Mitarbeitenden als Ausbilderinnen und Ausbilder in Frage kommen und wie viele Arbeitsstunden sie dafür benötigen. Stimmen Sie die persönliche und fachliche Eignung mit der IHK oder der Handwerkskammer ab.

Schritt 5: Bilden Sie Mitarbeitende ohne arbeitspädagogische Voraussetzungen weiter (AdA = Ausbildung der Ausbilder).

Schritt 6: Legen Sie die Anzahl der Ausbildungsplätze fest. Als Faustregel gilt: Als Faustregel gilt: 1 Auszubildender pro drei Festangestellte.

Schritt 7: Definieren Sie Details: Die Ausbildungsordnung (sachliche und zeitliche Gliederung der Ausbildung) und der Ausbildungsrahmenplan (zeitliche Einordnung der Ausbildungsinhalte) bieten die Grundlage für einen betrieblichen Ausbildungsplan.

Betrieblichen Ausbildungsplan erstellen

Didaktisch sinnvoller Einsatz digitaler Medien

Digitalisierung ist auch in der Ausbildung wichtig. Mit einfachen Mitteln können Sie Ihr Ausbildungsangebot erweitern. Klassische Arbeitsblätter können Sie beispielsweise durch Lernvideos, Online-Lernkurse oder digitale Lernplattformen ersetzen. Ob digitale Schulungsunterlagen oder Fachliteratur, Videokonferenzen, Online Kurse oder Learning-Management-Systeme (LMS): Wie Sie Ihre Ausbildung mit E-Learning auf dem neuesten digitalen Stand halten finden Sie hier

Auch aus organisatorischer Sicht lässt sich einiges digitalisieren, wie das Online-Berichtsheft. Weitere Informationen finden Sie im Dossier zur Digitalen Bildung

Auszubildende fördern - Ausbildungsabbrüche vermeiden

Ein Viertel aller Auszubildenden beendet die Ausbildung nicht. Die Gründe dafür sind vielfältig: Falsche Berufswahl, zwischenmenschliche Hürden oder private Probleme. Eine solche Situation ist für den Betrieb und die Auszubildenden gleichermaßen schwierige und bedeutet Unsicherheit für alle. Mit offenen Feedbackgesprächen und externer Unterstützung können Sie kritische Situationen erkennen und lösen. Wenn Sie das Thema vertiefen möchten, dann hören Sie unsere Podcast-Folge zum Thema Ausbildungsabbrüche vermeiden. 

Feedbackgespräche

Tauschen Sie sich regelmäßig mit Ihren Auszubildenden aus, vor allem während der Probezeit. Gerade am Anfang einer Ausbildung zweifeln junge Menschen an ihrer Berufswahl und der Übergang von Schule ins Berufsleben kann schwerfallen. In regelmäßigen Gesprächen können Sie Probleme frühzeitig erkennen oder Entwicklungsmöglichkeiten individuell anbieten. Holen Sie auch Ideen und Anregungen von den Jugendlichen ein.

Staatliche Fördermaßnahmen

Informationen zu staatlichen Fördermaßnahmen finden Sie hier.

Zusatzqualifikationen

Sie können die Fachkompetenz Ihrer Auszubildenden um Spezialwissen und methodische oder persönliche Kompetenzen erweitern. Gerade für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler ist dies ein großer Anreiz für eine Ausbildung. Die Datenbank AusbildungPlus bietet Ihnen eine gute Übersicht über mögliche Zusatzqualifikationen. Weitere Tipps finden Sie in unserer Checkliste. Auch ein Auslandsaufenthalt während der Ausbildung ist möglich, um interkulturelle Kompetenzen und Fremdsprachenkenntnisse zu erweitern.

 

Digitale Kompetenzen fördern

Fördern Sie während der Ausbildung auch die digitalen Kompetenzen Ihrer Auszubildenden. Wichtig sind dabei Fachkompetenzen im Umgang mit Hardware und Software sowie soziale Kompetenzen, wie vernetztes Denken. Passen Sie die Berufsausbildung inhaltlich an digitale Themen an und probieren Sie, digitale Medien in den Ausbildungsalltag zu integrieren. Nutzen Sie Kooperationen und Netzwerke wie das Netzwerk Q 4.0, um sich zur digitalen Ausbildung zu informieren und auszutauschen.

Weitere Informationen und Anregungen finden Sie hier

Soziale Kompetenz

Im Arbeitsleben sind soziale Kompetenzen im persönlichen Miteinander unerlässlich. Seien Sie selbst Vorbild und stärken Sie die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitenden. Weitere Informationen finden Sie hier.

Teilzeitausbildung

Sie können auch eine Ausbildung mit reduzierten Arbeitsstunden anbieten. Die Arbeitszeit legen Sie in Abstimmung mit den Auszubildenden individuell zwischen 20 und 35 Stunden wöchentlich fest. Die Zeit in der Berufsschule wird nicht verkürzt. Weitere Informationen zur Ausbildung in Teilzeit finden Sie hier. Diese Form der Ausbildung ist besonders interessant für Auszubildende, die ein Kinde erwarten oder betreuen müssen. Profitieren können außerdem geflüchtete Auszubildende, die mit der deutschen Sprache noch nicht gut zurechtkommen.

 

Ausbildung von Menschen mit Behinderung

Lassen Sie sich bei der örtlichen Kammer oder der Agentur für Arbeit über Fördermaßnahmen beraten. Technische Hilfsmittel, Nachhilfeangebote und Experten unterstützen Sie bei der Inklusion. Lesen Sie hier mehr dazu.

 

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