Willkommenslotsen übernehmen wichtige Vermittlungsrolle bei der Ausbildung

Rund 20 Prozent aller Auszubildenden mit Fluchthintergrund hatten Kontakt mit Willkommenslotsen

Etwa 170 Willkommenslotsen in Deutschland unterstützen Unternehmen bei der Integration von Geflüchteten. Und das mit großem Erfolg! Dies belegen die offiziellen Zahlen, die die Vermittlungsquote der Willkommenslotsen offen legen. Die erfreuliche Nachricht. Die Vermittlungsquote in Bezug auf die Ausbildung ist 2018 um 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (absolute Zahl: 2858 Vermittlungen). Bei der Vermittlung in Beschäftigungsverhältnisse gab es einen Anstieg um 51 Prozent (absolut 1224 Vermittlungen in 2018). Weitere Zahlen sind in der Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums nachzulesen.

Sarah Pierenkemper ist Integrations-Expertin am Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung und bildet gemeinsam mit ihrer Kollegin Annette Dietz seit 2016 Willkommenslotsen aus. Im Interview erklärt sie die Hintergründe zu der Erfolgsmeldung.

Frau Pierenkemper, wie bewerten Sie den enormen Anstieg der Vermittlungszahlen im vergangenen Jahr?

Pierenkemper: Zunächst einmal belegen diese Zahlen, dass die Willkommenslotsen eine hervorragende Arbeit leisten. Besonders schön ist, dass die Vermittlungszahlen in den Bereichen Ausbildung und Beschäftigung so stark gestiegen sind – immer mehr Geflüchtete sind nicht mehr in Qualifizierungsmaßnahmen sondern sind wirklich im Arbeitsmarkt angekommen. Das ist eine äußerst positive Entwicklung.

Ende 2018 wurden insgesamt 14.000 Ausbildungsstellen in ganz Deutschland mit Geflüchteten besetzt. Knapp 3.000 Ausbildungsstellen wurden von Willkommenslotsen vermittelt. Das bedeutet: Bei 20 Prozent aller Ausbildungsplätze, die mit Geflüchteten besetzt wurden, haben Willkommenslotsen unterstützt. Ich finde, das ist eine tolle Erfolgszahl.

Wie beliebt ist die duale Berufsausbildung unter Geflüchteten?

Pierenkemper: Die Willkommenslotsen mussten Aufklärungsarbeit leisten, um aufzeigen, welche enormen Chancen in einer dualen Berufsausbildung liegen. Vielen Geflüchteten war das deutsche Ausbildungsmodell aus ihrem Heimatland gar nicht bekannt. Und auch die vergleichsweise geringe Ausbildungsvergütung kann natürlich eine Hürde sein.

Mittlerweile haben aber die meisten Geflüchtete erkannt, dass eine Berufsausbildung eine wichtige und nachhaltige Investition in die eigene Zukunft ist. (Anmerkung der Redaktion: Lesen Sie hierzu auch unser Praxisbeispiel über die Ausbildung einer geflüchteten Iranerin als Hotelfachfrau).  

Welche anderen Faktoren haben zum Anstieg der Vermittlungszahlen beigetragen?

Pierenkemper: Ganz sicher hat es auch damit zu tun, dass immer mehr Geflüchtete ausbildungs- bzw. beschäftigungsreif sind. Viele Geflüchtete, die 2015 nach Deutschland kamen, haben Integrationsmaßnahmen abgeschlossen und Sprachkurse durchlaufen.

Die Deutschkenntnisse der Geflüchteten sind viel besser als im Jahr zuvor. Das belegt auch der aktuelle IAB-Kurzbericht (3/2019). Die verbesserten Sprachkompetenzen führen dazu, dass mehr Geflüchtete im Arbeitsleben Fuß fassen.

In der Praxis bleibt Sprache für die Willkommenslotsen aber weiterhin ein ganz wichtiges Thema. Sie sensibilisieren Unternehmen und Geflüchtete dafür, dass es auch während einer Beschäftigung oder einer Ausbildung sinnvoll sein kann, Angebote zur Sprachförderung zu nutzen. Denn eine gemeinsame Sprache ist für den gemeinsamen Arbeitserfolg einfach wichtig.

Welche Herausforderungen beschäftigen die Willkommenslotsen außerdem?

Pierenkemper: Wir haben tolle Vermittlungsquoten im Bereich der Ausbildung – nun geht es darum, dass die Ausbildungsverhältnisse auch Bestand haben. Die Ausbildungslösungsquote liegt bei deutschen Auszubildenden bei 25 Prozent. Bei Geflüchteten ist diese Quote nicht geringer.

Es ist Aufgabe der Willkommenslotsen, die Unternehmen und die Geflüchteten engmaschig zu betreuen, Fördermöglichkeiten in der Ausbildung aufzuzeigen und bei Konflikten zu vermitteln. Auch das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung informiert über Fördermöglichkeiten, die Unternehmen und Flüchtlinge in der Ausbildung nutzen können.  

Wir danken Frau Pierenkemper für das Gespräch.

Die Arbeit eines Willkommenslotsen in der Windeck GmbH

Mehr Informationen zu diesem Praxisbeispiel finden Sie hier.

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