Was tun bei Anpassungsbedarfen?

Übersicht zu Ansprechpartnern und möglichen Förderungen 

Wenn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin im Laufe seines Berufslebens eine Behinderung erwirbt oder krank wird, müssen evtl. entsprechende Anpassungen am Arbeitsplatz vorgenommen werden, damit die betreffende Person weiterhin beschäftigt werden kann. Aber wie stellt man das am besten an? Woher weiß ich als Betrieb, welche Veränderungen am Arbeitsplatz sinnvoll und möglich sind? Welche technischen Hilfsmittel gibt es überhaupt?

Im Folgenden werden die Ansprechpartner aufgelistet, die kontaktiert werden können, um Antworten auf diese Fragen zu finden. Wo der Arbeitgeber dazu Hilfe bekommt, finden Sie in der ersten Liste "Wo kann ich mich informieren?".

Darüber hinaus kann der Arbeitgeber Förderungen beantragen, um den ursprünglichen Arbeitsplatz behinderter Beschäftigter entsprechend auszustatten und somit zu sichern. Eine Übersicht über die bestehenden Fördermöglichkeiten findet sich in der zweiten Liste "Was wird gefördert bei Anpassungsbedarfen?".

1. Wo kann ich mich informieren?

AnsprechpartnerKontaktinformationen / Was?
BIH Integrationsämter

Die Integrationsämter fördern die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen. Dafür steht ihnen einen Teil aus dem Budget der Ausgleichsabgabe zur Verfügung.

Bei den jeweiligen Integrationsämter können Sie kostenlos einen technischen Beratungsdienst in Anspruch nehmen. Diese beraten dazu wie man Arbeitsplätze behindertengerecht ausstattet. Darüber hinaus sind dort die Integrationsfachdienste ansässig.

Die Integrationsämter informieren über das BEM. Dort finden Sie auch Checklisten, betriebliche Praxisbeispiele, und relevante Rechtsurteile.

Unter dem folgenden Link finden Sie durch Angabe Ihrer Postleitzahl Ihr zuständiges Integrationsamt:

www.integrationsaemter.de  
REHADAT

Rehadat ist ein Informationsportal zur beruflichen Teilhabe. Zu Rehadat gehören verschiedene Informationsportale rund um das Thema Inklusion.

Auf dem Portal talentplus informiert Rehadat Arbeitgeber unter anderem zum Thema BEM. Außerdem finden Sie dort welche Hilfen im Arbeitsleben gefördert werden.

Außerdem finden Sie dort einen Link zu einer Förderfinder App.

www.rehadat.de
Deutsche Rentenversicherung

Die deutsche Rentenversicherung ist ein Rehabilitationsträger und zuständig bei Rehabilitationsfällen, die nach 15 Jahren Berufsleben passieren.

Die deutsche Rentenversicherung informiert Arbeitgeber über das Betriebliche Eingliederungsmanagement. Es gibt auch ein kostenloses Servicetelefon, dass Unternehmen berät: 0800 1000 4800

www.deutsche-rentenversicherung.de
Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR)

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) e. V. ist ein Zusammenschluss zur Förderung und Koordinierung der Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen.

Insbesondere für rechtliche Hintergründe und vertiefende Informationen empfehlenswert.

www.bar-frankfurt.de
einfach teilhaben

Das Informationsportal des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales „einfach teilhaben“ stellt Informationen rund um das Thema Inklusion zur Verfügung.

Sie finden hier auch Informationen zur stufenweisen beruflichen Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell, zum betrieblichen Eingliederungsmanagement und zu Arbeitsassistenz. Die entsprechenden Gesetzestexte sind verlinkt und es gibt die Möglichkeit per Bürgertelefon Informationen zu erhalten.

Darüber hinaus informiert es auch zum Thema BEM.

www.einfach-teilhaben.de
technischen Jugend- freizeit- und Bildungsgesellschaft (tjfbg)

Wenn Sie wissen möchten, welche Hilfsmittel gesundheitliche Einschränkungen kompensieren können, haben Sie die Möglichkeit sich bei der technischen Jugend- freizeit- und Bildungsgesellschaft gGmbH (tjfbg) zu informieren.

Die tjfbg vermittelt ausführliche Informationen über behinderungskompensierende Techniken und Technologien für Computer und Internet.

https://www.tjfbg.de/
Bundesagentur für Arbeit

Der technische Beratungsdienst der Agentur für Arbeit hilft Ihrem Unternehmen, die passenden Arbeitsmittel und Hilfen auszuwählen. Die Berater zeigen Ihnen wie ein Arbeitsplatz an die Bedürfnisse behinderter Menschen angepasst werden kann.

www.arbeitsagentur.de

Tel.: 0800 4 555520 (gebührenfrei)

2. Was wird gefördert bei Anpassungsbedarfen? Häufige Beispiele aus der Praxis

Grundsätzlich gibt es eine Reihe von Unterstützungsmöglichkeiten bei Anpassungsbedarfen. Dafür zuständig ist je nach individueller Situation (wann und durch was ist die Behinderung entstanden? Z. B. Unfall, Krankheit) das Integrationsamt/Inklusionsamt oder ein Rehabilitationsträger (vor allem Agentur für Arbeit, gesetzliche Unfallversicherung, Krankenversicherung, Rentenversicherung). Als erster Ansprechpartner bietet sich allerdings das Integrationsamt/Inklusionsamt an. 

Gut zu wissen: Das Inklusionsamt/Integrationsamt kann in Eilfällen die Kosten übernehmen, wenn zum Beispiel die Weiterbeschäftigung ohne die Ausstattung gefährdet ist. Sie regeln dann auch die weiteren Zuständigkeiten.

Was?Beschreibung und Beispiele
Behinderungsgerechte Ausstattung von Arbeitsplätzen und Umgebung

Wenn für einen Arbeitnehmer aufgrund einer Krankheit oder Behinderung Anpassungen beim Arbeitsplatz vorgenommen werden müssen, wird dies teilweise gefördert. Beispiele für die Anpassung des Arbeitsplatzes sind die folgenden:

die Ausrüstung eines Computerarbeitsplatzes mit einer Braillezeile für Menschen mit Sehbehinderung Auffahrrampen für Rollstuhlfahrer

Leistungen bei außergewöhnlichen Belastungen

Wenn die Kollegen einen Mitarbeiter mit Schwerbehinderung während ihrer Arbeitszeit unterstützen, und so weniger Zeit haben ihrer eigentlichen Tätigkeiten nachzukommen, z. B.

  • indem sie ihren Kollegen auf Dienstreisen begleiten,
  • Texte vorlesen oder
  • Sachverhalte erklären,
können so außergewöhnliche Belastungen in Form der entsprechenden Personalkosten entstehen. Dafür müssen alle anderen Hilfsmöglichkeiten, z. B. die behindertengerechte Gestaltung des Arbeitsplatzes zuvor ausgeschöpft sein.
Beschäftigungssicherungszuschuss (BSZ) / LohnkostenzuschussDer Arbeitgeber kann einen Beschäftigungssicherungszuschuss beantragen, wenn ein schwerbehinderter Beschäftigter für längere Zeit mehr als 30 Prozent weniger leisten kann, als es sein Arbeitsvertrag vorsieht.
Prämien zur Einführung eines Betrieblichen EingliederungsmanagementsUnternehmen, die ein BEM zum Beispiel in einer Inklusionsvereinbarung festlegen oder es zum Bestandteil des Gesundheitsmanagements machen, können eine Prämie erhalten. Das BEM sollte deutlich über den allgemeinen Anforderungen an Prävention liegen.
Berufliche Weiterbildung und Qualifizierung

Wenn ein Arbeitnehmer z. B. nach längerer Krankheit nicht auf seinen alten Arbeitsplatz zurück kann, kann dieser eine Weiterbildung oder Umschulung machen, um seine Tätigkeiten zu ändern.

Gefördert werden reguläre Teilnahmegebühren betrieblicher und überbetrieblicher Weiterbildungen
Persönliche ArbeitsassistenzEine Arbeitsassistenz wird ist eine Leistung für den Arbeitnehmer mit Behinderung und wird auch von diesem eigens beantragt. Die persönliche Arbeitsassistenz kann selbst eingestellt werden oder über einen Dienstleister. Der Mensch mit Behinderung entscheidet dies selbst. Somit unterscheidet sie sich von den Leistungen für außergewöhnliche Belastungen. 
Die Assistenzkraft wird vom Beschäftigten mit Behinderung angeleitet. Zu den Tätigkeiten gehören Handreichungen, die der Mitarbeiter aufgrund seiner Behinderung nicht ausüben kann.

Zum Beispiel: Vorlesen von Texten (bei Blindheit/Sehbehinderung), Begleitung auf Dienstreisen (bei Blindheit/Körperbehinderung, überwinden von Hindernissen (Körperbehinderung, Blindheit), einscannen von Dokumenten, Gebärdensprachdolmetschen 
Der Beschäftigter kann von seiner Arbeitsassistenz verlangen, dass er eine Datenschutzerklärung unterschreibt. 
Wichtig:  Gemäß BIH Empfehlung bedarf es einer ausdrücklichen Erklärung des Arbeitgebers/Dienstherrn, dass er mit dem Einsatz einer nicht von ihm angestellten betriebsfremden Assistenzkraft einverstanden ist. 

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