Praxisbeispiel: Auszubildende aus Europa im Elektrohandwerk

HBS Elektrobau bildet mit Jugendliche aus Rumänien, Ungarn, Bulgarien und Spanien aus.

Die HBS Elektrobau GmbH wächst. Und das am liebsten mit Nachwuchsfachkräften aus dem eigenen Haus. Weil die inländischen Bewerbungen nicht ausreichen, sucht die Thüringer Handwerksfirma auch in Europa nach Auszubildenden. Damit die jungen Menschen sich schnell zu Hause fühlen, unterstützt ihr Ausbilder sie im Betrieb, aber auch bei Behördengängen oder der Suche nach dem Sportverein.

Branche: Elektroinstallation, Elektrohandwerk | Standort: Oettersdorf (Thüringen) | Beschäftigte: 309

Stand: 2015

Zu wenig Bewerberinnen und Bewerber

Die HBS Elektrobau GmbH wächst seit Jahren, ebenso der Bedarf an Fachkräften. Um sie von Anfang an nach den eigenen betrieblichen Bedürfnissen auszubilden, sucht HBS besonders Berufsanfänger. Die sind im Inland allerdings nicht leicht zu finden: Denn die Elektroindustrie hat ohnehin Nachwuchsprobleme, und das Unternehmen sitzt zudem noch in einer ländlichen Region. Die Geschäftsführung sucht  deshalb auch im Ausland nach Auszubildenden. Inzwischen kommt gut die Hälfte der Auszubildenden bei der HBS Elektrobau aus Ländern wie Rumänien, Ungarn, Bulgarien und Spanien.

Danny Schindler, Geschäftsführer:

Unser Ziel ist es, unsere internationalen Auszubildenden so willkommen zu heißen, dass sie sich hier sehr wohl fühlen.

Jugendliche sollen sich zu Hause fühlen

Sind die Jugendlichen in Deutschland, hilft ihr Ausbildungsbetrieb ihnen beim Ankommen. „Unser wichtigstes Ziel war, die Jugendlichen so willkommen zu heißen, dass sie eigentlich nicht mehr nach Hause möchten“, beschreibt Geschäftsführer Danny Schindler das Ziel. Bevor die eigentliche Ausbildung startet, steht für die angehenden internationalen Fachkräfte ein dreiwöchiges Praktikum an. So lernen sie die Betriebsabläufe an ihrem neuen Arbeitsplatz kennen und erkunden die Region Oettersdorf. Bei Grillabenden oder anderen Aktivitäten können sie zudem mit den neuen Kolleginnen und Kollegen erste Kontakte knüpfen. Von Anfang an begleitet sie zudem ein fester Ansprechpartner in beruflichen wie privaten Angelegenheiten.

Ob Behördenbesuche, die Einbindung in den Betrieb oder die Freizeitgestaltung: HBS Elektrobau geht auf die Bedürfnisse jeder und jedes jungen Auszubildenden ein. So nimmt das Unternehmen Kontakt zu den örtlichen Sportvereinen auf, bei Bedarf auch zu bestimmten Religionskreisen. Um mobil zu sein, können die internationalen Auszubildenden in ihrer Freizeit ein Gemeinschaftsfahrzeug nutzen. Und die Wohnungssuche ist dank eines betriebseigenen Wohnheims auch kein Problem. Das befindet sich inzwischen ganz in der Nähe der Lehrwerkstatt, die von der Niederlassung in Dittersdorf in das Aus- und Weiterbildungszentrum nach Schleiz umgezogen ist, wo auch der schulische Teil der Ausbildung stattfindet.

Besonders der gute Kontakt zur Belegschaft ist HBS wichtig: Gemeinsames Fußballspielen oder andere Freizeitaktivitäten sollen dabei helfen. Außerdem arbeiten und lernen die inländischen und ausländischen Jugendlichen in der Lehrwerkstatt zusammen. Durch den direkten Kontakt bleibt für Vorurteile kein Raum. Im Gegenteil: Die gemeinsame Arbeit an einem Ziel stärkt das Vertrauen auf beiden Seiten. Die Geschäftsführung und der Ausbildungsleiter sensibilisieren die Stammbelegschaft für die verschiedenen Kulturen und Mentalitäten: Sowohl der Umgang mit kulturellen Unterschieden als auch die Vorteile einer vielfältigen Belegschaft sind dabei Thema. Wie wichtig die Integration des ausländischen Nachwuchses ist, zeigt sich am guten Betriebsklima.

Mehr Bewerbungen aus dem Ausland   

Nach dem Berufsabschluss werden die internationalen Fachkräfte unbefristet übernommen. Damit haben beide Seiten ihre Probleme gelöst – HBS kann seinen Fachkräftebedarf trotz seiner ländlichen Lage decken, und die internationalen Jugendlichen haben einen sicheren Job und können ihre Zukunft planen. Das spricht sich besonders in den vom Unternehmen beworbenen Regionen herum, wie die steigende Bewerberzahl aus dem Ausland zeigt. Die Geschäftsführung hat das Konzept deshalb weiter ausgebaut, indem sie mit zwei weiteren ungarischen Partnern kooperiert.

Für ihr Engagement für internationale Fachkräfte wurde die HBS Elektrobau GmbH im Februar 2013 mit dem Unternehmenspreis des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie „Vielfalt. Wachstum. Wohlstand – Unternehmenspreis für mehr Willkommenskultur“ ausgezeichnet.

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