Inklusion als Menschenrecht

Was heißt eigentlich Inklusion? Was steckt hinter dem Begriff „Behinderung“? Welche gesellschaftlichen Bemühungen gibt es, Menschen mit Behinderung zu fördern?

Inklusion: Kein Zauberwort, sondern Menschenrecht

Keinen Menschen außen vor oder zurück zu lassen, das ist schon seit Langem ein gesellschaftliches Ziel. Neu ist allerdings die Strategie, wie wir als Gesellschaft dabei vorgehen möchten. Menschen mit Behinderung wurden in Deutschland lange Zeit in eigenen Einrichtungen wie Sonderschulen oder speziellen Werkstätten gefördert. Das war einerseits gut gedacht, anderseits führte es oft dazu, dass der Kontakt zwischen Menschen mit und ohne Behinderung spärlich war. So gab es zwei Gruppen: Die Menschen MIT und jene OHNE Behinderung. Jede der beiden Gruppen hat eine eigene Lebenswelt. Menschen mit Behinderung hatten es schwer, an unserer Gesellschaft teilzuhaben. Zugleich waren Menschen ohne Behinderung im Umgang mit Behinderungen verunsichert.

Inklusion geht weiter: Unabhängig vom Denken in Gruppen sollen jedem Menschen – ob mit oder ohne Behinderung – die gleichen Rechte in einer gemeinsamen Lebenswelt offen stehen. Das klingt idealistisch. Praktisch bedeutet es, dass junge Menschen mit Behinderung beispielsweise in einer betrieblichen Ausbildung vor Ort unterstützt werden sollen und nicht mehr nur eine Ausbildung in einem rein schulischen Umfeld machen können. Dadurch arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung im Idealfall Hand-in-Hand in Unternehmen zusammen. Die Behinderung eines Menschen wäre dann kein Sonderfall mehr, sondern Teil der Normalität.

Wie wird eine Behinderung definiert?

Aus arbeitsrechtlicher Sicht ist der Begriff „Behinderung“ klar definiert. Menschen haben nach § 2 SGB IX eine Behinderung, „wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist.“ Der Antrag auf Feststellung einer Behinderung muss vom betroffenen Menschen selbst gestellt werden.

In Deutschland wird einem Menschen dann eine Behinderung anerkannt, wenn er oder sie einen Antrag beim Versorgungsamt stellt. Bei der Anerkennung wird von Fachärztinnen und Fachärzten beurteilt, wie stark die Teilhabe eines Menschen beeinträchtigt ist. Zum Beispiel, ob auf Grund einer Gehbehinderung nur noch eine bestimmte Wegstrecke zurückgelegt werden kann. Das Ergebnis wird in „Grad der Behinderung“ angegeben. Dieser reicht von 20 bis 100. Ab einem Grad der Behinderung von 50 wird einer Person eine „Schwerbehinderung“ anerkannt. Eine Anerkennung berechtigt zu Nachteilsausgleichen, die von der Teilnahme am Behindertensport bis hin zu einem erweiterten Kündigungsschutz reichen. Eine Übersicht über die einzelnen Nachteilsausgleiche finden Sie auf der Webseite des beta Instituts für Gesundheitsmanagement, Entwicklung und Forschung in der Sozialmedizin.

Über die sozialrechtliche Bestimmung von Behinderung hinaus gibt es in der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskussion eine weitere Begriffsdefinition. Diese grenzt die körperliche oder psychische Beeinträchtigung einer Person von einer „Behinderung“ ab. Eine Behinderung würde durch ein Umfeld entstehen, das einem Menschen die Teilhabe an einer Situation bewusst oder unbewusst verweigert. Ein blinder Bürokaufmann hätte nach diesem Gedanken keine Behinderung, wenn er oder sie am Arbeitsplatz die gleiche Arbeit ausüben kann wie ein Mensch ohne Sehschwäche. Voraussetzung dafür ist zum Beispiel, dass der Arbeitgeber einen Arbeitsplatz mit einem Screenreader anbietet, der geschäftliche Korrespondenz vorliest, und eine Brailletastatur, mit der geschrieben werden kann. Diese Definition ist aktuell in den Statistiken noch sehr wenig abgebildet. Sie ist aber ein guter Ansatz darüber nachzudenken: „Wie kann ich anderen Menschen helfen, an der Gesellschaft teilzuhaben?“

Was tun wir, um Inklusion in unserer Gesellschaft zu verankern?

Die Bundesrepublik Deutschland hat sich 2006 mit dem „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung“ verpflichtet, zusammen mit 160 weiteren Ländern Menschen mit Behinderung bei einem selbstbestimmten Leben zu unterstützten. Die Inhalte dieses völkerrechtlichen Vertrages können Sie im übersetzten Originaldokument auf der Webseite der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen nachlesen. Um den Vertrag schrittweise umzusetzen, hat die Bundesregierung 2011 einen nationalen Aktionsplan mit insgesamt 200 Maßnahmen beschlossen. Mittlerweile gibt es einen zweiten Aktionsplan, den Sie bald auf der Webseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales nachlesen können. Die Umsetzung des Übereinkommens wird durch die Wissenschaft und Zivilgesellschaft begleitet. Mehr Informationen finden Sie auf den Webseiten des Deutschen Instituts für Menschenrechte und der Allianz der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK-Allianz).

Neben den staatlichen Initiativen kann jede und jeder Einzelne etwas tun, um Inklusion zu ermöglichen – auch Sie als Unternehmen. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Bieten Sie einem  Jugendlichen mit Behinderung ein Praktikum an. Oder einen Ausbildungsplatz. Beschäftigen Sie einen Menschen mit Behinderung als Fachkraft. Oder als Angelernten. Bieten Sie älteren Fachkräften mit Behinderung Unterstützung an. Werden Sie aktiv mit unseren Handlungsempfehlungen:

Mehr zu diesem Thema auf KOFA.de:

Menschen mit Behinderung

Sie suchen Fachkräfte? Nutzen Sie das Potential von Menschen mit Behinderung. Hier gibt’s Hinweise zur Rekrutierung von Menschen mit Behinderung. mehr

Wiedereingliederung

Wiedereingliederung nach Krankheit oder Unfall: Ein betriebliches Eingliederungsmanagement unterstützt Betroffene bei der Rückkehr ins Arbeitsleben. mehr

Überregionale Ausbildungsmobilität

Leisten Sie Unterstützung für Ihre überregional rekrutierten Nachwuchskräfte. Hilfestellungen zu Beginn der Ausbildung erleichtern die Eingewöhnung. mehr

Chancen für Förderbedürftige

Über Schulkooperationen sucht die Albert Koch Maschinen- und Vorrichtungsbau GmbH den Kontakt zu möglichen Auszubildenden. Auch Jugendliche mit Förderbedarf spricht das Unternehmen an. mehr

Fachkräfte mit Behinderung rekrutieren

Die Reinert Kunststofftechnik GmbH & Co KG rekrutiert gezielt Menschen mit Behinderung. Die gemischten Teams fördern eine gute Arbeitsatmosphäre. mehr

Inklusiv und innovativ

Geschäftsführer Josef Brunner hat in behindertengerechte Arbeitsplätze investiert. Was er dafür bekommen hat? Engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ein gutes Betriebsklima und Innovation in der Produktion. mehr

Ausbildungssituation in deutschen Unternehmen

Der Bedarf an Auszubildenden wächst – das sagen zwanzig Prozent der KMU. Hier finden Sie Daten und Fakten zum Thema. mehr

Beschäftigte mit Behinderung

Menschen mit Behinderung stellen ein großes und derzeit oft ungenutztes Fachkräftepotenzial dar. Fakten zum Thema erhalten Sie hier. mehr

Januar 2013 - Menschen mit Behinderung

Thema des Monats: Erfahren Sie, welche Vorteile die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung für Ihr Unternehmen bringen kann. mehr

Feedback geben