Tipps für Stellenanzeigen für Frauen

Ein Werkstattbericht aus der Forschungsarbeit des KOFA

Wie erreichen KMU qualifizierte Frauen bei der Bewerbersuche? – An dieser Frage arbeiten zurzeit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des KOFA gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen des „Kompetenzzentrum Frau und Beruf“ (Competentia). „Viele KMU sind händeringend auf der Suche nach Fachkräften und merken, dass sie fast ausschließlich Bewerbungen von Männern erhalten“, erklärt KOFA-Expertin Sibylle Stippler ihr Interesse an diesem Forschungsgebiet. „Die Unternehmen wünschen sich mehr Einsendungen von qualifizierten Frauen. Wir möchten ihnen helfen, diese Frauen zu erreichen.“

Doch auf welchem Weg klappt die Rekrutierung von Frauen? In der Regel werden potenzielle Bewerberinnen über eine Stellenanzeige auf ein Unternehmen aufmerksam. Ein paar Zeilen entscheiden darüber, ob Bewerberinnen Kontakt aufnehmen – oder eben nicht. „Erste Interviews zeigen, dass es für Frauen durchaus eine Rolle spielt, wie eine Stellenanzeige inhaltlich aufbereitet und formuliert ist “, berichtet Sibylle Stippler. „Ziel unserer Forschungsarbeit ist es deshalb, konkrete Tipps für solche Stellenanzeigen zu erarbeiten, die Frauen auch interessieren und ansprechen.“

Workshop: Wie sieht die „perfekte“ Stellenanzeige für Frauen aus?

Mona Marzouk-Scholz ist eine von drei Frauen, die von der Forschungsgruppe des KOFA und Competentia zu einem Workshop zu diesem Thema eingeladen wurde. Sie ist Grafik-Designerin, ist 41 Jahre alt und hat zwei Kinder. Ein Jahr lang war sie nach ihrer Elternzeit auf Jobsuche, bevor sie sich selbstständig gemacht hat. „Stellenanzeigen mit sehr vielen Anforderungspunkten haben mich sofort abgeschreckt“, erzählt sie im Rückblick. „Mein Mann hat immer gesagt: Bewirb dich einfach – es gibt keinen Kandidaten auf der Welt, der all diese Punkte erfüllt. Männer sind da scheinbar selbstbewusster. Ich hatte immer den Anspruch, sämtliche Qualifikationen sehr gut abdecken zu müssen.“

Es sind Aussagen wie diese, die Sibylle Stippler und ihre Kolleginnen während eines Interviews sehr genau notieren. Über einen mehrstufigen Prozess versuchen sie aus den individuellen Aussagen der Grafik-Designerin und zwei weiterer Interview-Partnerinnen, allgemeine Handlungsempfehlungen abzuleiten. „Wir nutzen die Methode des Design-Thinking, die an der Universität in Stanford entwickelt wurde“, erklärt Sibylle Stippler das Vorgehen. „Als Wissenschaftlerinnen versuchen wir unser theoretisches Wissen erstmal über Bord zu werfen und uns wirklich auf die Aussagen der Frauen zu konzentrieren. Sie sind schließlich die Zielgruppe, die am Ende mit passenden Stellenanzeigen angesprochen werden sollen.“

Nach der Interviewphase entstehen die ersten „Prototypen“. Mit Stift und Papier gestalten die Wissenschaftlerinnen Stellenanzeigen nach den individuellen Wünschen der  Interviewpartnerinnen. Diese dürfen wiederum Feedback geben – erst dann reichert das KOFA-Team die Erkenntnisse aus der Praxis mit den neuesten Informationen aus der Forschung an.

Erste Ergebnisse: Was Bewerberinnen anspricht

Bis die Wissenschaftlerinnen ihre endgültige Handlungsempfehlung zu diesem Thema auf der Seite www.kofa.de veröffentlichen werden, wird es noch einige Wochen dauern. „Wir rechnen mit einer Fertigstellung im Sommer 2017“, verrät Sibylle Stippler. Doch zum Glück gibt es erste Erkenntnisse, die die Betriebswirtin schon im Vorfeld teilt. Hier ihre wichtigsten Tipps:

Tipp 1: Fließtext und authentische Fotos

Sibylle Stippler: Formulieren Sie Stellenanzeigen im Fließtext nicht nüchtern, sondern in einer ansprechenden Sprache. Platzieren Sie keine abgedroschenen Fotos von erfolgreichen Menschen, sondern zeigen Sie lieber Bilder von den Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern, mit denen die Bewerberinnen in Kontakt treten.

Tipp 2: Mit guter Arbeitsatmosphäre punkten

Sibylle Stippler: Überlegen Sie sich, was die Arbeitsatmosphäre im Unternehmen ausmacht und beschreiben Sie sie in der Stellenanzeige. Das gleiche gilt für einen typischen Arbeitstag im Unternehmen. Die Unternehmenskultur spielt eine große Rolle.

Tipp 3: Einblick ins Team geben

Sibylle Stippler: Für Bewerberinnen ist es möglicherweise erstmal nicht so entscheidend, ob ein Unternehmen weltweit 14 Standorte hat oder Weltmarktführer ist. Stattdessen interessiert die Kandidatinnen, mit wem sie zusammenarbeiten werden. Versuchen Sie die Zusammensetzung des Teams zu beschreiben.

Tipp 4: Anforderungskatalog genau prüfen

Sibylle Stippler: Formulieren Sie nur die Anforderungen, die sie für unverzichtbar halten. Wer eine ganze Reihe von Qualifikationen einfordert, schreckt einige Bewerberinnen möglicherweise ab.

Tipp 5: Familienfreundliche Angebote wie Teilzeit oder Homeoffice erwähnen

Sibylle Stippler: Nur wenig Unternehmen werben in Ihren Stellenanzeigen bisher mit der Möglichkeit, im Homeoffice oder Teilzeit zu arbeiten. Nutzen Sie diesen Wettbewerbsvorteil. Zeigen Sie, dass Familie und Beruf in Ihrem KMU zusammen gehen.

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