Kontakt zu Flüchtlingen

Die Wege, wie sie Geflüchtete erreichen können, sind sehr vielfältig. Die vorliegende Übersicht verdeutlicht grafisch, welche Wege Ihnen zur Verfügung stehen, um Kontakt zu Geflüchteten aufzubauen. Grundsätzlich lässt sich kein Weg als die beste Vorgehensweise beschreiben. Sie müssen für Ihr Unternehmen entscheiden, welche Vorgehensweise die geeignetste ist.

Schulen

Ein guter Ansprechpartner für Unternehmen, um mit Geflüchteten in Kontakt zu kommen, sind örtliche Schulen. Sowohl in allgemeinbildenden Schulen als auch in Berufsschulen gibt es häufig spezielle Willkommensklassen für Flüchtlinge, in anderen Schulen werden Geflüchtete in regulären Klassen unterrichtet. Viele Sprachschulen bieten für Personen mit Migrationshintergrund Integrationskurse an. In diesen Kursen erwerben Geflüchtete nicht nur Deutschkenntnisse, sondern bekommen auch Informationen über die kulturellen Gepflogenheiten sowie ihre Rechte und Pflichten in Deutschland. Flüchtlinge erhalten zudem eine berufliche Orientierung. Die Lehrkräfte an den Schulen haben ihre Schülerinnen und Schüler über eine längere Zeit kennengelernt und können ihre Stärken und Schwächen daher gut einschätzen. Wenn Sie über Schulen Kontakte zu Flüchtlingen aufbauen möchten, wenden Sie sich an das Sekretariat einer örtlichen Schule. Ein Gespräch mit den dortigen Lehrkräften kann ein guter Einstieg sein, um zu erfahren, ob es unter ihren Schülerinnen und Schüler junge Menschen gibt, die für eine Ausbildung in Ihrem Unternehmen in Frage kommen. Gegebenenfalls können die Lehrkräfte Ihnen auch sagen, bei welchen fachlichen Inhalten ein geflüchteter Mensch noch Unterstützung braucht.

Haben Sie gute Erfahrungen mit einer Schule gemacht, kann der Aufbau einer längerfristigen Kooperation mit einer örtlichen Schule der richtige Weg sein, um auch zukünftig Nachwuchskräfte für Ihr Unternehmen zu gewinnen. Eine Schulkooperation kann ganz unterschiedlich gestaltet sein: Sie können regelmäßig Praktikumsplätze anbieten, den Unterricht in Unterrichtsbesuchen über den Alltag in Ihrem Unternehmen berichten oder Betriebsbesichtigungen für Klassen anbieten. Haben Sie bereits einen Flüchtling angestellt, kann er oder sie an diesen Aktivitäten teilnehmen und so andere geflüchtete Jugendliche motivieren, in Ihren Unternehmen ihr Potenzial zu zeigen.

Private Initiativen

Es gibt eine Vielzahl an privaten Initiativen, die Flüchtlinge unterstützen. Organisiert werden sie von privaten Personenkreisen, aber auch von örtlichen Gruppen wie Sport- oder Musikvereinen, Kirchen oder Sozialverbänden. Die Engagierten in diesen Initiativen haben einen direkten Kontakt zu Flüchtlingen und sind hochmotiviert, diese zu unterstützen. Ein weiterer Vorteil für Sie als Unternehmen ist, dass Sie häufig auch einen externen Ansprechpartner finden, der Sie in den ersten Wochen und Monaten der Beschäftigung bei der Integration unterstützt. Informationen zu örtlichen Initiativen finden Sie in Berichten lokaler Zeitungen oder im Internet. Die Bundesregierung hat dazu in einer Projektkarte hilfreiche Initiativen abgebildet. Möglicherweise sind auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ihnen bereits in einer Initiative engagiert und können Kontakt aufnehmen. Die meisten Engagierten in Initiativen handeln ehrenamtlich. Eine professionelle Einschätzung der schulischen und beruflichen Kompetenzen von Flüchtlingen können Sie daher nicht erwarten. Dafür können sie die Motivation und das soziale Verhalten gut beurteilen – Eigenschaften, die gerade in der Ausbildung zentral sind.

Diese Grafik können Sie hier als PDF herunterladen.

Klassische Rekrutierungswege

Eine „klassische“ Rekrutierung über Stellenanzeigen ist auch möglich. Grundsätzlich ist bei der Formulierung einer Stellenanzeige das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz zu berücksichtigen. Das heißt zum Beispiel, dass Menschen verschiedener Nationalitäten oder Männer wie Frauen nicht im Vorfeld ausgeschlossen werden. Bei der Ausschreibung von Ausbildungsstellen können Sie Ihren Wunsch, Flüchtlinge für Ihr Unternehmen zu gewinnen, mit einem Satz wie „Wir freuen uns über Bewerbungen von Menschen aller Nationalitäten“ zum Ausdruck bringen. Sie können Ihre Stellenanzeigen an Plätzen aushängen, die von Flüchtlingen regelmäßig besucht werden, etwa an schwarzen Brettern in Schulen mit Willkommensklassen.

Einen weiteren klassischen Rekrutierungsweg stellt die örtliche Arbeitsagentur beziehungsweise das Jobcenter dar. Wollen Sie als Arbeitgeber Ausbildungsstellen für Flüchtlinge anbieten, können sich kostenlos telefonisch an den gemeinsamen Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcenter unter der Rufnummer 0800 4 55 55 20 wenden. Sie können sich auch direkt an Ihre lokale Arbeitsagentur wenden.

Online-Angebote

Viele Geflüchtete können Sie auch online erreichen – beispielsweise über ihr Smartphone. Neben gängigen Online-Stellenbörsen, wie der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, gibt es mit www.workeer.de eine Jobbörse, die speziell für Geflüchtete eingerichtet wurde. Dort können Sie als Arbeitgeber Ihre Ausbildungsplätze anbieten und nach passenden Bewerbern in Ihrem Umkreis Ausschau halten. Gleichzeitig können Sie Stellengesuche durchsehen, die Geflüchtete dort veröffentlichen. Darüber hinaus kann sich der Weg über soziale Medien anbieten, in denen Geflüchtete ebenfalls häufig vertreten sind. Sie können für Ihr Unternehmen in sozialen Netzwerken auf offene Stellen hinweisen. Eine entsprechende Seite zu erstellen ist häufig kostenfrei. Wichtig ist, Informationen in sozialen Medien laufend zu pflegen und zu aktualisieren. Weitere Informationen zu Wegen der Online-Rekrutierung erhalten Sie auch in der entsprechenden KOFA-Handlungsempfehlung.

Staatliche Programme und Initiativen

In den vergangenen Monaten sind immer mehr staatliche Programme und Initiativen gestartet, um die Integration Geflüchteter in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu fördern. An vielen Projekten können Sie als Arbeitgeber direkt mitwirken, etwa indem Sie Flüchtlingen Praktika anbieten. Neben bundesweiten Projekten existieren auch landesweite und kommunale Initiativen, an denen eine Vielzahl von Akteuren beteiligt ist.

Mit dem ESF-Bundesprogramm „Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen“ (IvAF) existiert ein bundesweit gespanntes Netzwerk aus einzelnen Projekten, deren Ziel darin besteht, möglichst viele Geflüchtete in den Arbeitsmarkt und in Ausbildung zu integrieren. Die einzelnen Projekte sehen sich dabei als Ansprechpartner sowohl für Geflüchtete als auch für Unternehmen, Ehrenamtliche und Arbeitsagenturen. Jedes Projekt besitzt unterschiedliche Handlungsschwerpunkte – sei es die Vermittlung in Arbeit und Ausbildung, die Akquise von interessierten Betrieben oder die Vernetzung der einzelnen Akteure. Über die Liste aller regionalen IvAF-Projektträger können Sie Kontakt zu dem Netzwerk aufbauen.

Mit dem Projekt „PerF- Perspektiven für Flüchtlinge“ wird von Seiten der Bundesagentur für Arbeit eine Maßnahme bereitgestellt, die Geflüchteten mit guter Bleibeperspektive auf eine Beschäftigung vorbereiten soll. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, in welche Richtung diese Beschäftigung gehen soll. Daher werden die Kompetenzen der Teilnehmer in Gesprächen aber auch praktischen Tätigkeiten festgestellt. Die praktischen Tätigkeiten werden vorwiegend im betrieblichen Arbeitsalltag ausgeführt und dauern bis zu sechs Wochen. Indem Sie sich mit Ihrem Unternehmen an dem Programm durch die Bereitstellung eines Arbeitsplatzes beteiligen, haben Sie die Chance, einen ersten Eindruck von potenziellen Kandidaten für eine Ausbildung zu gewinnen. Die Akquise der Betriebe obliegt den Maßnahmeträgern, welche beispielsweise Bildungsträger sind. Melden Sie sich bei Ihrer lokalen Arbeitsagentur, um in Erfahrung zu bringen, welcher Bildungsträger in Ihrer Nähe die PerF-Maßnahme durchführt.

Die Maßnahme „PerjuF – Perspektiven für junge Flüchtlinge“ ebnet insbesondere jungen Geflüchteten unter 25 Jahren den Weg in eine Ausbildung. Hierfür werden sie vier bis sechs Monate über 30 Wochenstunden auf eine Ausbildung vorbereitet. Während dieser Zeit sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Fähigkeiten und Interessen, beispielsweise in Bereichen der Holz- und Metallbearbeitung oder der Hauswirtschaft, erproben. Dies geschieht auch in betrieblichen Phasen. Auch hier können Sie sich mit Ihrem Unternehmen beteiligen und so Geflüchtete kennenlernen, die perspektivisch für eine Ausbildung in Ihrem Betrieb in Frage kommen. Melden Sie sich bei Interesse bei Ihrer lokalen Arbeitsagentur.

Im Programm „PerjuF-H – Perspektiven für junge Flüchtlinge im Handwerk“ erhalten junge Geflüchtete Orientierung in mindestens drei verschiedenen handwerklichen Berufsfeldern. Durch eine Kombination aus einer vertieften Berufsorientierung in den Bildungszentren des Handwerks gepaart mit Praxisphasen werden die Geflüchteten für eine Ausbildung im Handwerk fit gemacht. Die Praxisphasen finden auch hier in Unternehmen statt. Wenden Sie sich an Ihre örtliche Handwerkskammer, um weitere Informationen zu erhalten.

In Deutschland gibt es mehr als 450 Jugendmigrationsdienste (JMD), die junge Menschen mit einem gesicherten Aufenthaltsstatus und junge Flüchtlinge, die rechtmäßig in Deutschland leben, beraten und begleiten. Die JMD werden vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. Für Sie als Unternehmen sind die JMD eine gute Möglichkeit, mit Geflüchteten in Kontakt zu kommen. Eine Deutschlandkarte zeigt, wo sich in Ihrer nächsten Nähe JMDs befinden.

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