Integration geflüchteter Frauen in den Arbeitsmarkt

Status quo

Aktuell ist nicht einmal jede dritte Asylantragstellerin eine Frau. Dieser Anteil wird sich voraussichtlich, insbesondere durch die Möglichkeit des Familiennachzugs für anerkannte Flüchtlinge, in der nächsten Zeit erhöhen.

Die Integration weiblicher Geflüchteter stellt Unternehmen und Gesellschaft vor besondere Herausforderungen. Die Beschäftigungsquote der geflüchteten Frauen liegt momentan deutlich unter der der Männer. Das heißt: viel weniger weibliche als männliche Flüchtlinge münden in den deutschen Arbeitsmarkt. Auch finden geflüchtete Frauen (noch) nicht den gleichen Zugang zu Integrationskursen wie Männer.

Das hat viele Gründe. Eine mögliche Ursache kann die Familienstruktur der geflüchteten Frauen sein. Anders als bei männlichen Flüchtlingen ist ein Großteil der Frauen im Familienverbund nach Deutschland gekommen. Hierdurch stehen oftmals Pflichten wie die Versorgung minderjähriger Kinder im Vordergrund. Zudem sind die Herkunftsländer häufig von traditionellen Frauen- und Familienbildern geprägt.

Weibliche Geflüchtete verfügen zudem in vielen Fällen über geringere formale Bildungsqualifikationen als Männer. Mehr als jede fünfte Frau konnte in ihrem Herkunftsland keine Schule besuchen. Zum Vergleich: Bei den männlichen Geflüchteten waren dies nur 14 Prozent. Doch nur, weil kein Zeugnis vorliegt, heißt das nicht, dass die Bewerberinnen über keinerlei Berufserfahrungen verfügen. Genau wie männliche Geflüchtete stammen weibliche Geflüchtete aus Herkunftsländern, deren Schul- und Bildungssysteme sich stark von dem in Deutschland unterscheiden. Formelle Zertifikate über Arbeitsleistungen sind eher unüblich. Ein duales Ausbildungssystem, wie wir es kennen, gibt es nicht. Eine Berufsausbildung folgt vielmehr dem Prinzip „learning by doing“. Ausländische Berufsqualifikationen lassen sich daher nur schwer mit deutschen Abschlüssen vergleichen. Trotzdem haben viele geflüchtete Frauen bereits Berufserfahrung erworben, z. B. als Fabrikarbeiterinnen oder im Haushalt.

Der Wunsch vieler Frauen ist es, auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Weibliche Geflüchtete zeichnen sich, genauso wie männliche Migranten, durch eine hohe Motivation und Lerneifer aus. Schaffen Frauen erst einmal den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt, zum Beispiel durch eine berufliche Qualifizierungsmaßnahme, erreichen Sie gute Lernerfolge.

Wie können Sie geflüchtete Frauen unterstützen?

Teilzeitangebote
Geflüchtete Frauen stehen vor besonderen Herausforderungen, da sie oftmals den Spagat zwischen Beruf und Familie bewerkstelligen müssen. Demnach stellt eine 40-Stunden-Woche geflüchtete Frauen oftmals vor unüberwindbare Hindernisse. Teilzeitangebote und flexible Arbeitszeiten können hier die Beschäftigungsmöglichkeiten von geflüchteten Frauen erhöhen.

Kinderbetreuung
Geflüchtete Frauen haben oftmals minderjährige Kinder zu betreuen. Für einen gelingenden Eintritt in den Arbeitsmarkt helfen Angebote für Kinderbetreuung. Das bedeutet nicht, dass Sie als Unternehmen selbst eine Kinderbetreuung anbieten müssen. Vielleicht haben Sie oder ihre Belegschaft aber gute Kontakte zur lokalen Kita und können hier vermitteln.

Berücksichtigung informeller Qualifikationen
Die Bildungssysteme in den Herkunftsländern der geflüchteten Frauen sind anders strukturiert als unser deutsches System. Oftmals kommt formal erworbenen Qualifikationen weniger Bedeutung zu als bei uns. Auch wenn eine geflüchtete Frau über keine durch Zeugnisse nachweisbaren Qualifikationen verfügt, heißt dies nicht, dass sie keine relevanten Kenntnisse hat. Berücksichtigen Sie auch informell erworbene Qualifikationen und testen Sie im Rahmen von Praktika oder Berufsorientierungsmaßnahmen die tatsächlichen Kompetenzen der Frauen. Angebote der Bundesagentur für Arbeit, wie das extra für geflüchtete Frauen geschaffene Programm Perspektiven für weibliche Flüchtlinge (PerF-W), können Sie bei der Kompetenzfeststellung der Frauen unterstützen (weitere Informationen hierzu finden Sie unten).

Unterstützung beim Spracherwerb

Weibliche Geflüchtete verfügen oftmals über geringere Sprachkenntnisse als Männer, was einerseits an ihrer geringeren Schulbildung im Heimatland, aber auch an einem Mangel an sozialen Kontakten in Deutschland liegt. Sie können weibliche Geflüchtete durch gezielte (Sprach-)Nachhilfe und das Bilden von Sprachtandems unterstützen. Außerdem kann das gezielte Einbeziehen in soziale Aktivitäten den Spracherwerb nachhaltig unterstützen. Wichtig ist allerdings auch hier, dass Sie auf die Vereinbarkeit mit familiären Pflichten, zum Beispiel durch das Anbieten von Kinderbetreuungsangebote, achten. Aber auch Onlineangebote und Apps ermöglichen den Spracherwerb zeit- und ortsunabhängig. Weitere Informationen zur Sprachförderung erhalten Sie hier.

Mentoring
Arbeitsprozesse und -strukturen unterscheiden sich erheblich von denen im Herkunftsland. Im Rahmen eines betrieblichen Mentoringprogramms können Sie Vertrauenspersonen an die Seite stellen, die dabei helfen, einen Einblick in die Arbeitsprozesse und -inhalte zu bekommen und die Strukturen und Regeln der deutschen Arbeitswelt besser kennenzulernen. Dies erleichtert den Einstieg in den Arbeitsmarkt und hilft dabei, anfängliche Unsicherheiten erfolgreich zu überwinden. Hier empfiehlt sich nach Möglichkeit eine weibliche Mentorin, da diese in der Regel besser ein Vertrauensverhältnis aufbauen kann und die geflüchtete Frau sich leichter öffnet.

Berufsorientierung und Schnuppertage
Gerade da die Bildungssysteme in den Herkunftsländern anders aufgebaut sind, bieten Schnuppertage und Berufsorientierungsangebote eine gute Gelegenheit, geflüchteten Frauen einen Einblick in die deutsche Arbeitswelt zu geben sowie eigene Interessen zu testen und auszubauen. Gleichzeitig erhalten Sie als Arbeitgeber die Möglichkeit, die vorhandenen Kom-petenzen der Frauen zu prüfen. Eine Möglichkeit ist es auch, im Rahmen von Angeboten der Jobcenter und Arbeitsagenturen Betriebsbesichtigungen und Unternehmenspraktika anzubieten. Auf diese Weise können Sie viele geflüchtete Frauen kennenlernen und geeignete Kandidatinnen auswählen, die Sie in ihrem Betrieb beschäftigen möchten. Ihre lokale Ar-beitsagentur gibt ihnen hierzu gerne weitere Informationen. Außerdem ist es möglich, mit die-sen beiden Projekten zu kooperieren:

  1. Perspektive für weibliche Flüchtlinge (PerF-W)
    In dieser Maßnahme der Bundesagentur für Arbeit werden Frauen und Mütter inner-halb von 16 Wochen in Teilzeit (20 Stunden) an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt herangeführt. Wesentliche Inhalte sind die Kompetenzstärkung und der berufsbezoge-ne Spracherwerb. Während der Maßnahme werden die Frauen durch regionale Ver-bände bei der Organisation der Kinderbetreuung unterstützt. Gesucht werden Unter-nehmen, die einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz anbieten können.

  2. „Stark im Beruf“
    In diesem Projekt, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie dem Europäischer Sozialfonds (ESF) gefördert wird, werden Informationen zu arbeitsmarktrelevanten Fragen bereitgestellt und Kompetenzerfassung, Coaching sowie berufliche Orientierung angeboten. Zielgruppe sind vor allem geflüchtete erwerbsfähige Mütter, die zum Beispiel auf Kinderbetreuung angewiesen sind. Sie sollen nachhaltig in existenzsichernde Beschäftigung gebracht werden. Das Angebot für geflüchtete Mütter stellt eine Erweiterung des Projekts für Mütter mit Migrationshintergrund dar. An 35 Kontaktstellen bundesweit wird die Starthilfe in den Berufseinstieg für geflüchtete Mütter angeboten.

Weitere Informationen finden Sie außerdem in der Broschüre "Perspektiven bieten - So gelingt der Berufseinstieg geflüchteter Frauen in Ihr Unternehmen" des DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag) und BMFSFJ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend). 

Integration geflüchteter Frauen in den Arbeitsmarkt

Die Asylantragszahlen der Jahre 2012 - 2016 zeigen: aktuell ist weniger als ein Drittel aller Asylantragsteller weiblich. Dieser Anteil könnte sich durch die Möglichkeit des Familiennachzugs für anerkannte Flüchtlinge in der nächsten Zeit erhöhen. Geflüchtet Frauen sind dabei in der Regel jünger als geflüchtete Männer. Fast jede zweite Asylantragstellerin ist jünger als 16 Jahre.

Weibliche Flüchtlinge finden nur schwer Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Fast die Hälfte aller geflüchteten Frauen ist aktuell nicht erwerbstätig oder auf Arbeitssuche, bei den Männern sind es hingegen nur sieben Prozent. Dies liegt sicherlich auch daran, dass nur ein Drittel der weiblichen Geflüchteten, vor ihrem Zuzug nach Deutschland berufstätig waren.

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