FAQs

Hier haben wir für Sie wichtige Fragen und Antworten zur Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt zusammengestellt. Was ist eine Aufenthaltserlaubnis? Wer darf beschäftigt werden? Antworten auf diese
und andere Fragen finden Sie hier. Nutzen Sie unsere FAQs als Nachschlagewerk zur Arbeitsmarktintegration!

Hintergrund

Warum kommen so viele Flüchtlinge nach Deutschland?

Verschiedene Krisenherde führen dazu, dass Menschen vor Gewalt, Krieg oder Verfolgung aus ihren Heimatländern fliehen. In den Jahren 2015 und 2016 sind 1,2 Millionen Menschen nach Deutschland gekommen, um Schutz vor Verfolgung und Krieg zu suchen. Viele von ihnen werden langfristig in Deutschland bleiben.

Woher kommen die Geflüchteten?

Antragsstärkste Länder in Deutschland seit der verstärkten Zuwanderung im Jahr 2015 sind:

  • Syrien
  • Afghanistan
  • Irak
  • Eritrea
  • Iran
  • Somalia
  • Nigeria
  • Türkei
  • Russische Föderation
  • Guinea

Aktuelle Zahlen zur Zuwanderung finden Sie in den monatlichen Asylgeschäftsberichten des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge.

Wie sieht die Altersstruktur der Geflüchteten aus?

Generell sind die Geflüchteten deutlich jünger als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. Knapp die Hälfte der Geflüchteten, die im Jahr 2016 nach Deutschland kamen, ist zwischen 16 und 30 Jahre alt, ca. ein Viertel der Geflüchteten ist zwischen 31 und 65 Jahre alt. Somit sind fast drei Viertel der Geflüchteten im erwerbsfähigen Alter. Etwa ein weiteres Viertel ist unter 16 Jahre alt, weniger als ein Prozent ist über 65 Jahre alt.

Gut zwei von drei Asylbewerbern in Deutschland sind momentan männlich. Aufgrund des erwarteten Familienzuwachses werden zukünftig auch immer mehr geflüchtete Frauen nach Deutschland kommen.

Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt

Wie lässt sich die Bleibewahrscheinlichkeit von Asylbewerbern einschätzen?

Die Bleibewahrscheinlichkeit beziehungsweise Bleibeperspektive hängt stark vom Herkunftsland der Geflüchteten ab. Die sogenannte „Schutzquote“ beziffert den Anteil der positiv entschiedenen Asylanträge.
Die aktuellen Schutzquoten für Geflüchtete aus den zehn herkunftsstärksten Ländern finden Sie in dem aktuellen Asylgeschäftsbericht des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge.

Für den Zugang zum Arbeitsmarkt und zu Fördermaßnahmen kann zwischen Asylbewerbern mit guter Bleibeperspektive und Asylbewerbern aus sogenannten „sicheren Herkunftsländern“ unterschieden werden, die eine geringe Bleibeperspektive haben.

Was bedeutet „gute Bleibeperspektive“?

Menschen, die aus Herkunftsländern mit einer Schutzquote von über 50 Prozent kommen, haben eine gute Bleibeperspektive. Aktuell trifft dies auf die Herkunftsländer Eritrea, Irak, Iran, Somalia und Syrien zu. Welche Herkunftsländer das Kriterium Schutzquote (>/= 50 %) erfüllen, wird jährlich festgelegt.

Für Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive gelten privilegierte Zugänge zu Förderinstrumenten. Seit Juli 2017 gilt auch für Asylbewerber aus Afghanistan ein privilegierter Zugang zu Förderinstrumenten, obwohl die Schutzquote unterhalb von 50 Prozent liegt.

Was sind sichere Herkunftsländer?

Als „sichere Herkunftsländer“ werden Staaten angesehen, von denen sich aufgrund des demokratischen Systems und der allgemeinen politischen Lage nachweisen lässt, dass dort generell keine staatliche Verfolgung zu befürchten ist und dass der jeweilige Staat grundsätzlich vor nichtstaatlicher Verfolgung schützen kann.

Zu den sogenannten sicheren Herkunftsstaaten gehören die Mitgliedstaaten der

  • Europäischen Union
  • Albanien
  • Bosnien und Herzegowina
  • Ghana
  • Kosovo
  • Mazedonien
  • Montenegro
  • Senegal
  • Serbien

Personen aus sicheren Herkunftsländern haben eine geringe Bleibeperspektive.

Bitte beachten Sie, dass Personen aus sicheren Herkunftsstaaten, die ihren Asylantrag nach dem 31. August 2015 gestellt haben, generell nicht beschäftigt werden dürfen.

Weitere Informationen zu den „sicheren Herkunftsstaaten“ finden Sie auf der Webseite des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge.

Woher weiß ich, ob ich einen Flüchtling beschäftigen darf?

Für Sie als Arbeitgeber ist der aufenthaltsrechtliche Status des Flüchtlings entscheidend. Diesen erkennen Sie anhand der Ausweisdokumente.

Anerkannte Flüchtlinge sind Personen, deren Asylantrag positiv beschieden wurde. Damit sind sie in Besitz einer Aufenthaltserlaubnis. Anerkannte Flüchtlinge haben einen uneingeschränkten und zustimmungsfreien Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Es sind keine Besonderheiten hinsichtlich einer Beschäftigung zu beachten.

Asylbewerber sind Personen, die einen Asylantrag gestellt haben, sprich das Asylverfahren steht noch aus. Sie erhalten zunächst eine sogenannte Aufenthaltsgestattung. Auch Asylbewerber dürfen nach einer dreimonatigen Wartefrist beschäftigt werden. Hier bedarf es in der Regel der Zustimmung der lokalen Ausländerbehörde sowie der Bundesagentur für Arbeit.

Geduldete sind Personen, deren Asylantrag zwar abgelehnt, deren Abschiebung aber aufgrund bestimmter Umstände ausgesetzt worden ist. Sie erhalten eine Bescheinigung für die Aussetzung der Abschiebung(Duldung). Geduldete können ebenfalls Zutritt zum deutschen Arbeitsmarkt erhalten. Hier bedarf es in der Regel der Zustimmung der lokalen Ausländerbehörde sowie der Bundesagentur für Arbeit.

Was ist eine Aufenthaltserlaubnis?

Eine Aufenthaltserlaubnis ist ein zeitlich befristeter Aufenthaltstitel. Anerkannte Flüchtlinge erhalten eine Aufenthaltserlaubnis zunächst für drei Jahre. Hieran knüpft sich bei der Erfüllung bestimmter Voraussetzungen die zeitlich unbeschränkte Niederlassungserlaubnis (dauerhaftes Aufenthaltsrecht). Eine Niederlassungserlaubnis kann bei herausragender Integration nach drei Jahren ausgestellt werden. Dies ist der Fall, wenn die Person das Sprachniveau C1 beherrscht sowie den eigenen Lebensunterhalt überwiegend selbst sichern kann. Anerkannte Flüchtlinge erhalten eine Niederlassungserlaubnis nach fünf Jahren Aufenthalt, wenn sie mindestens das Sprachniveau A2 beherrschen und den eigenen Lebensunterhalt überwiegend selbst sichern können.

Weitere Informationen zu den unterschiedlichen Sprachniveaus finden Sie in unserer Handlungsempfehlung Berufsbezogene Sprachförderung: Eine Sprache - ein gemeinsames Ziel

Wie sieht der Arbeitsmarktzugang für Personen mit einer Aufenthaltserlaubnis aus?

Anerkannte Flüchtlinge (mit einer Aufenthaltserlaubnis) haben einen uneingeschränkten und zustimmungsfreien Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Es sind keine Besonderheiten hinsichtlich einer Beschäftigung zu beachten.

Was ist eine Aufenthaltsgestattung?

Asylbewerber, die ihren Antrag auf Asyl gestellt haben, erhalten eine Aufenthaltsgestattung.  Eine Aufenthaltsgestattung berechtigt sie dazu, bis zum Ende des Asylverfahrens in Deutschland zu leben.

Wie sieht der Arbeitsmarktzugang für Personen mit einer Aufenthaltsgestattung aus?

Asylbewerber mit Aufenthaltsgestattung dürfen nach einer dreimonatigen Wartefrist beschäftigt werden. Hier bedarf es in der Regel der Zustimmung der lokalen Ausländerbehörde sowie der Bundesagentur für Arbeit.

Was ist eine Bescheinigung für die Aussetzung der Abschiebung (Duldung)?

Personen, die einen negativen Asylbescheid erhalten haben, deren Abschiebung aber ausgesetzt wurde, erhalten von der Ausländerbehörde eine Bescheinigung für die Aussetzung der Abschiebung. Diese wird als Duldung bezeichnet. Gründe hierfür sind beispielsweise Reiseunfähigkeit im Krankheitsfall, Passlosigkeit oder fehlende Verkehrswege. Eine Duldung wird in der Regel für sechs Monate ausgestellt und anschließend verlängert. Eine Ausnahme bietet die Ausbildungsduldung, die für die Gesamtdauer der Ausbildung ausgestellt wird.

Wie sieht der Arbeitsmarktzugang für Personen mit einer Bescheinigung für die Aussetzung der Abschiebung (Duldung) aus?

Personen mit einer Duldung dürfen ebenfalls beschäftigt werden. Hier bedarf es in der Regel der Zustimmung der lokalen Ausländerbehörde sowie der Bundesagentur für Arbeit.

Worauf stützt sich die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit zur Beschäftigung bei Asylbewerbern und Geduldeten?

Die Zustimmung der Arbeitsagentur stützt sich in der Regel auf zwei Kriterien:

  • Vorrangprüfung
  • Prüfung der Beschäftigungsbedingungen

Was ist eine Vorrangprüfung?

Bei der Vorrangprüfung wird geprüft, ob ein deutscher oder ein anderer Arbeitnehmer aus der EU (hierzu gehören auch anerkannte Flüchtlinge) für den konkreten Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Wenn es solche Personen gibt, genießen diese Vorrang und der Arbeitsplatz wird ihnen zuerst angeboten. Erst wenn alle diese Kandidaten die Arbeitsstelle ablehnen, können Flüchtlinge mit Aufenthaltsgestattung oder Duldung die Arbeitsstelle annehmen. Je konkreter die Stellenanzeige formuliert ist, desto weniger alternative Bewerber kommen in Frage. Die Vorrangprüfung entfällt nach 15 Monaten.

 

Durch das Integrationsgesetz wird die Vorrangprüfung für Asylbewerber und Geduldete in 133 Arbeitsagenturbezirken für drei Jahre ausgesetzt.

Was ist die Prüfung der Beschäftigungsbedingungen?

Die Prüfung der Beschäftigungsbedingungen stellt sicher, dass gleichwertige Arbeitsmarktbedingungen (zum Beispiel Gehalt und Arbeitszeit) wie für Personen mit uneingeschränkter Beschäftigungserlaubnis gewährleistet sind. Die Prüfung der Beschäftigungsbedingungen entfällt nach 48 Monaten.

Kontaktaufnahme mit Geflüchteten

Wie kann ich als Unternehmen Kontakt zu Flüchtlingen aufnehmen?

Um Kontakt mit Geflüchteten aufzunehmen, stehen Ihnen unterschiedliche Wege zur Verfügung. Grundsätzlich kann man nicht sagen, dass es einen besten Weg gibt. Jedes Unternehmen muss für sich selbst entscheiden und ausprobieren, welcher Weg der Beste ist, um Kontakt zu potenziellen Arbeitnehmern aufzunehmen.
Mögliche Wege der Kontaktaufnahme sind z. B.:

  • Bildungsinstitutionen
  • Kammern und Verbände
  • Klassische Rekrutierungswege
  • Staatliche Programme und Initiativen 
  • Willkommenslotsen
  • Online-Angebote
  • Private Initiativen

Sie möchten gerne mehr zur Kontaktaufnahme erfahren? Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie in unserem Text Kontakt zu Flüchtlingen

Wie kann ich geeignete Bewerber auswählen?

Viele Flüchtlinge haben Teile oder sogar ihre gesamte Ausbildungs- und bisherige Arbeitszeit im Ausland verbracht. Einige haben bereits eine Berufsausbildung oder ein Studium begonnen und abgeschlossen oder Arbeitserfahrung gesammelt. Umfang und Inhalte der Bildungsgänge sowie technische und soziale Standards können sich von den Angeboten in Deutschland stark unterscheiden. Hinzu kommt, dass Flüchtlinge nicht immer alle Zeugnisse und Zertifikate bei der Flucht mitnehmen können.

Für Personalverantwortliche sind daher Kompetenzen und Vorkenntnisse sowie der vorhandene Förderbedarf oftmals schwierig einzuschätzen. Hier können Ihnen Potenzialanalysen oder Kompetenzfeststellungen von Berufsberatern oder eine Probearbeit im Betrieb helfen.

Eine geeignete Möglichkeit, eine Kandidatin oder einen Kandidaten und seine oder ihre Vorkenntnisse kennenzulernen, bietet ein betriebliches Praktikum. Weitere Infos hierzu erhalten Sie in der KOFA-Handlungsempfehlung „Praktika für Flüchtlinge“.

Praktika für Flüchtlinge

Warum lohnt es sich, einen Praktikanten mit Fluchthintergrund zu beschäftigen?

Die Einstellung eines Praktikanten mit Fluchthintergrund ist nicht nur ein humanitärer Beitrag zur Integration, sondern kann eine Reihe von Vorteilen für Ihr Unternehmen mit sich bringen:
Sie können…

  • Ihren Fachkräftenachwuchs sichern
  • sehr motivierte Beschäftigte gewinnen
  • Kompetenzen des Praktikanten beziehungsweise der Praktikantin feststellen
  • das Unternehmensimage steigern
  • die kulturelle Vielfalt im Unternehmen stärken

Weitere Informationen, wie Ihr Unternehmen von der Einstellung Geflüchteter als Praktikanten profitieren kann, finden Sie in der KOFA-Handlungsempfehlung „Praktika für Flüchtlinge“.

Wer darf ein Praktikum absolvieren?

Anerkannte Flüchtlinge dürfen ohne weitere Zustimmung ein Praktikum aufnehmen. Es sind keine Besonderheiten zu beachten.

Asylbewerber dürfen ab dem vierten Monat ihres Aufenthaltes ein Praktikum aufnehmen. In der Regel ist hierfür die Zustimmung der lokalen Ausländerbehörde sowie je nach Praktikumsart und -dauer der lokalen Arbeitsagentur notwendig.

Geduldete dürfen ein Praktikum aufnehmen. In der Regel ist hierfür die Zustimmung der lokalen Ausländerbehörde sowie je nach Praktikumsart und -dauer der lokalen Arbeitsagentur notwendig.

Personen aus sicheren Herkunftsstaaten, deren Asylantrag nach dem 31. August 2015 gestellt wurde, dürfen nicht beschäftigt werden. Hierunter fällt auch das Absolvieren eines Praktikums.

In der KOFA-Übersicht „Praktika für Flüchtlinge“ finden Sie Informationen, welche Art von Praktikum Unternehmer Geflüchteten anbieten können und welche Rahmenbedingungen jeweils zu beachten sind.
Weitere Informationen zu den jeweiligen Praktikumsformen finden Sie in der KOFA-Handlungsempfehlung „Praktika für Flüchtlinge“.

Weitere Informationen hinsichtlich der Absolvierung von Praktika erteilt Ihnen Ihre lokale Agentur für Arbeit oder der Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit unter der Rufnummer 0800 - 455 55 20.

Ausbildung von Flüchtlingen

Warum lohnt es sich einen Auszubildenden mit Fluchthintergrund zu beschäftigen?

Die Einstellung eines Auszubildenden mit Fluchthintergrund ist nicht nur als humanitärer Beitrag zur Integration anzusehen, sondern kann eine Reihe von Vorteilen für Ihr Unternehmen mit sich bringen:
Sie können…

  • Ihren Fachkräftenachwuchs sichern
  • sehr motivierte Beschäftigte gewinnen
  • die kulturelle Vielfalt im Unternehmen stärken
  • das Unternehmensimage steigern

Genauere Informationen, wie Ihr Unternehmen von der Einstellung Geflüchteter als Auszubildende profitieren kann, finden Sie in der KOFA-Handlungsempfehlung „Ausbildung von Flüchtlingen“.

Wer darf eine Ausbildung absolvieren?

Anerkannte Flüchtlinge dürfen ohne weitere Zustimmung eine Ausbildung aufnehmen. Es sind keine Besonderheiten zu beachten.

Asylbewerber dürfen ab dem vierten Monat ihres Aufenthaltes eine betriebliche Ausbildung aufnehmen. Hierfür ist die Zustimmung der lokalen Ausländerbehörde notwendig.

Geduldete dürfen eine betriebliche Ausbildung aufnehmen. Hierfür ist die Zustimmung der lokalen Ausländerbehörde notwendig.

Personen aus sicheren Herkunftsstaaten, deren Asylantrag nach dem 31. August 2015 gestellt wurde, dürfen nicht beschäftigt werden. Hierunter fällt in der Regel auch die Aufnahme einer Ausbildung.
In unserer KOFA-Übersicht „Ausbildung von Flüchtlingen“ finden Sie grundlegende Informationen, welche Rahmenbedingungen bei der Einstellung von Geflüchteten als Auszubildende im Unternehmen zu beachten sind.

Weitere Informationen zu den jeweiligen Ausbildungsformen und Fördermaßnahmen finden Sie auch in unserer KOFA-Handlungsempfehlung „Ausbildung von Flüchtlingen“.

Was ist die Ausbildungsduldung („3+2-Regelung“)?

Wird der Asylantrag eines Asylbewerbers während einer Ausbildung abgelehnt, erhält der Auszubildende eine Duldung für die Gesamtdauer der Ausbildung. Als Arbeitgeber können Sie sich demnach sicher sein, dass Ihr Auszubildender eine Bleibeperspektive für die Gesamtdauer der Ausbildung hat. Eine Duldung wird nicht erteilt, wenn bereits vor Ausbildungsbeginn konkrete Maßnahmen zur Aufenthaltsbeendigung getroffen worden sind. Ein Termin zur Abschiebung geht also der Aufnahme einer Ausbildung vor.

Nach erfolgreichem Abschluss wird für die Ausübung einer der Qualifikation entsprechenden Tätigkeit eine Aufenthaltserlaubnis für die Dauer von zwei Jahren erteilt. Wenn nach erfolgreichem Abschluss keine Weiterbeschäftigung im Ausbildungsbetrieb erfolgt, wird die erteilte Duldung um sechs Monate zum Zweck der Suche nach einer, den erworbenen beruflichen Qualifikationen entsprechenden, Beschäftigung verlängert.

Wird die Ausbildung abgebrochen, sind Sie als Ausbildungsbetrieb verpflichtet, dies unverzüglich (in der Regel innerhalb einer Woche) der zuständigen Ausländerbehörde schriftlich mitzuteilen. Kommt ein Betrieb dieser Verpflichtung nicht nach, kann dies mit einer Geldbuße von bis zu 30.000 Euro geahndet werden.

Welche Unterstützung gibt es während der Ausbildung?

Wenn Betriebe und Geflüchtete die Herausforderungen in der Ausbildung nicht alleine bewältigen können und zum Beispiel besonderer Förderbedarf in der Berufsschule besteht, bietet der Staat und insbesondere die Agentur für Arbeit zahlreiche Fördermaßnahmen an. Die Fördermaßnahmen sind in der Regel kostenlos und reichen von sozialpädagogischer Begleitung über Nachhilfeunterricht bis hin zu finanziellen Hilfen.
Einen kurzen Überblick über die wichtigsten Unterstützungsmaßnahmen während der Ausbildung bietet folgende Tabelle:

Benötigte UnterstützungGeeignete Maßnahme
Vorbereitung auf die Ausbildung sowie durchgängige sozialpädagogische, fachliche und sprachliche UnterstützungAssistierte Ausbildung (AsA)
Punktuelle sozialpädagogische, fachliche und sprachliche UnterstützungAusbildungsbegleitende Hilfen (abH)
Finanzielle Unterstützung von AuszubildendenBerufsausbildungsbeihilfe (BAB)

Weiter Informationen zu öffentlichen Fördermaßnahmen in der Ausbildung finden sie hier.

Die KOFA-Maßnahmenkette bietet Ihnen eine Übersicht über die relevanten Förderungsmaßnahmen vor, während und nach der Ausbildung.

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Fördermaßnahmen erhalten Sie in der KOFA-Handlungsempfehlung „Ausbildung von Flüchtlingen“.

Weitere Informationen hinsichtlich einer Unterstützung während der Ausbildung erteilt Ihnen Ihre lokale Agentur für Arbeit oder der Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit unter der Rufnummer 0800 - 455 55 20.

Wer kann eine Ausbildungsförderung erhalten?

Die Möglichkeit einer Ausbildungsförderung richtet sich nach dem Aufenthaltsstatus der Geflüchteten.
Anerkannte Flüchtlinge erhalten die gleiche Förderung wie jeder deutsche Auszubildende oder EU-Bürger.
Unter den Asylbewerbern wird zwischen Asylbewerbern mit guter Bleibeperspektive (aktuell: Eritrea, Irak, Iran, Somalia und Syrien) und sonstigen Asylbewerbern unterschieden.

Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive und Asylbewerber aus Afghanistan können Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) und eine Assistierte Ausbildung (AsA) nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland wahrnehmen, Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) nach 15 Monaten.

Sonstige Asylbewerber erhalten keine Förderung.

Geduldete können nach zwölf Monaten Aufenthalt Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) und Assistierte Ausbildung (AsA) beanspruchen und nach 15 Monaten Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) für eine Berufsausbildung beanspruchen.

Keine Förderung besteht für Menschen aus sicheren Herkunftsländern.

Beschäftigung von Flüchtlingen

Warum lohnt es sich, Geflüchtete zu beschäftigen?

Durch die Beschäftigung von Geflüchteten können Sie sowohl einen Beitrag zur Integration leisten, als auch vorhandene Fachkräftepotenziale für ihr Unternehmen nutzen.
Flüchtlinge stellen eine Potenzialgruppe zur Fachkräftegewinnung dar, durch die Sie ihre Rekrutierungsbasis erweitern können.

Oftmals sind Flüchtlinge in Ihrem Herkunftsland einer Beschäftigung nachgegangen und können Ihr Wissen und Ihre Fähigkeiten gewinnbringend in Ihrem Unternehmen einsetzen. Zudem kann eine vielfältige Belegschaft dazu beitragen, neue Sichtweisen auf Dinge zu bekommen und so die Innovationsfähigkeit Ihres Unternehmens fördern.

Wer darf beschäftigt werden?

Anerkannte Flüchtlinge dürfen ohne weitere Zustimmung eine Beschäftigung aufnehmen. Es sind keine Besonderheiten zu beachten.

Asylbewerber dürfen ab dem vierten Monat ihres Aufenthaltes eine Beschäftigung aufnehmen. Hierfür ist die Zustimmung der lokalen Ausländerbehörde sowie der lokalen Arbeitsagentur notwendig.

Geduldete dürfen eine Beschäftigung aufnehmen. Hierfür ist die Zustimmung der lokalen Ausländerbehörde sowie der lokalen Arbeitsagentur notwendig.

Personen aus sicheren Herkunftsstaaten, deren Asylantrag nach dem 31. August 2015 gestellt wurde, dürfen nicht beschäftigt werden.

In der KOFA-Übersicht „Beschäftigung von Flüchtlingen“ finden Sie mehr Informationen darüber, welche rechtlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen bei der Beschäftigung von Geflüchteten zu beachten sind.
Weitere Informationen zur Beschäftigung von Flüchtlingen finden Sie auch in der KOFA-Handlungsempfehlung „Beschäftigung von Flüchtlingen“.

Eine Übersicht über die verschiedenen Unterstützungsangebote im Bereich Beschäftigung bietet die KOFA-Maßnahmenkette.

Weitere Informationen hinsichtlich der Beschäftigung von Flüchtlingen erteilt Ihnen Ihre lokale Agentur für Arbeit oder der Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit unter der Rufnummer 0800 - 455 55 20.

Gilt der Mindestlohn auch für Flüchtlinge?

Ja. Seit dem 1.1.2015 gilt für alle in Deutschland beschäftigten Arbeitnehmer/innen der Mindestlohn in Höhe von aktuell (seit 01.01.2017) 8,84 € je Zeitstunde. Bei tarifgebundenen Arbeitgebern und Beschäftigten geht der tarifvertragliche Lohn vor, wenn er höher ist als der Mindestlohn.

Der allgemeine Mindestlohn ist nicht zu zahlen für:

  • Arbeitnehmer/innen unter 18 Jahre ohne abgeschlossene Berufsausbildung
  • Auszubildende
  • Pflichtpraktikantinnen und -praktikanten
  • Berufsorientierungspraktika oder zur Orientierung zur Aufnahme eines Studiums (bis zu drei Monaten)
  • Berufs- oder studienbegleitende Praktika (bis zu drei Monaten)

Bitte beachten Sie, dass bei einem Berufsorientierungspraktikum oder berufs- oder studienbegleitenden Praktika über drei Monaten der Mindestlohn ab dem ersten Tag des Praktikums zu zahlen ist (nicht erst ab dem 4. Monat des Praktikums).

Wie sind Flüchtlinge unfallversichert?

Unfallversicherungsschutz besteht immer, wenn zwischen Unternehmen und Praktikant ein Vertrag geschlossen wurde. Der gesetzliche Unfallversicherungsschutz besteht somit bei allen Praktikumsarten außer bei der Hospitation, da während der Hospitation keine Arbeitsleistung erbracht wird. Die Hospitanten können nur privat unfallversichert werden. Ein Versicherungsschutz besteht vom ersten Arbeitstag an, unabhängig davon ob und in welcher Höhe ein Arbeitsentgelt gezahlt wird. Hierzu hat das Unternehmen den Praktikanten bei dem für ihn zuständigen Unfallversicherungsträger zu melden. Teilnehmer an Maßnahmen der Arbeitsagentur sind über den jeweiligen Maßnahmenträger versichert.

Ab wann können Flüchtlinge ein Bankkonto eröffnen?

Seit September 2015 können Flüchtlinge in Deutschland ein Basiskonto eröffnen. Dies gilt unabhängig vom Aufenthaltsstatus, also für Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis, Geduldete und Asylbewerber gleichermaßen. Banken müssen nun alle Dokumente akzeptieren, die den Briefkopf einer deutschen Ausländerbehörde tragen und Identitätsangaben wie Foto, Name, Geburtsort, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit und Anschrift enthalten. Außerdem müssen die Dokumente das Siegel der Ausländerbehörde und die Unterschrift des Ausstellers tragen. Der Nachweis eines festen Wohnsitzes ist KEINE Voraussetzung, um ein Girokonto zu eröffnen. Die o.g. Dokumente reichen als Grundlage zur Eröffnung eines so genannten Guthaben- und Basiskontos – unabhängig von der Bonität. Es gibt keine Überziehungsmöglichkeiten aber Ein- und Auszahlungen, Lastschriften, Daueraufträge, Überweisungen oder Kartenzahlungen lassen sich damit bewerkstelligen.
Weitere Informationen erhalten sie zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale.

Sprachförderung

Wie kann ich das Sprachniveau von Geflüchteten feststellen?

In vielen Bewerbungen werden für die Beschreibung des Sprachniveaus Abkürzungen in Form von Buchstaben und Ziffern angegeben. Diese beziehen sich in der Regel auf den sogenannten Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER). Haben Sie eine Bewerbung von einer Person erhalten, die beispielsweise das Sprachniveau B1 beherrscht, hilft Ihnen ein Blick in den GER. Dieser gilt für alle in Europa gesprochenen Sprachen und teilt sich in drei Stufen ein:

  • Stufe A steht für eine grundlegende Sprachverwendung und kann als Anfängerniveau bezeichnet werden.
  • Stufe B steht für die selbstständige Sprachverwendung und zeichnet ein fortgeschrittenes Niveau aus.
  • Stufe C steht für eine kompetente Sprachverwendung, die eine Kommunikation in nahezu allen Situationen zulässt.

Diese drei Stufen werden noch einmal jeweils in zwei Niveaus unterteilt. Eine genaue Beschreibung, welche Kenntnisse sich hinter dem jeweiligen Niveau verstecken, können Sie der folgenden Tabelle entnehmen:

NiveauBedeutung
A1Die Person kann alltägliche, vertraute Ausdrücke sowie ganz einfache Sätze verstehen und verwenden. Hierzu gehören beispielsweise die Frage und Beantwortung nach dem Wohnort.
A2Die Person ist in der Lage, Sätze und häufig gebrauchte Ausdrücke zu verstehen, die mit den wesentlichen Bereichen des unmittelbaren Alltags zu tun haben. Hierzu gehört beispielsweise die Beschreibung des eigenen Arbeitsplatzes beziehungsweise der Ausbildung.
B1Die Person versteht die wichtigsten Inhalte bei Verwendung einer klaren Standardsprache, wenn es um vertraute Dinge bei der Arbeit, Schule oder Freizeit geht. So kann sich die Person in einfacher Form und zusammenhängend über vertraute Themen und persönliche Interessengebiete äußern, beispielsweise darüber welche Ziele der Mensch verfolgt.

B2

Die Person kann die wichtigsten Inhalte komplexer Texte verstehen und versteht im eigenen Spezialgebiet, beispielsweise in der Berufsschule, auch Fachdiskussionen. Die Person ist in der Lage sich so spontan und fließend zu verständigen, dass ein Gespräch mit Muttersprachlern ohne größere Anstrengung auf beiden Seiten gut möglich ist.
C1Die Person versteht ein breites Spektrum an anspruchsvollen, längeren Texte und kann auch implizite Bedeutungen wahrnehmen, die nicht offen ausgedrückt werden. Zudem ist die Person in der Lage spontan und fließend – beispielsweise am Arbeitsplatz - zu sprechen und sich über komplexe Themen zu äußern.
C2Die Person kann praktisch alles, was sie liest und hört ohne Mühe verstehen. Sie kann sich spontan, sehr flüssig und genau ausdrücken.

Weiterführende Informationen finden Sie hier.

Weitere Informationen zur Einschätzung von Sprachkenntnissen und Sparförderung erhalten Sie hier.

Welche Möglichkeiten der Sprachförderung gibt es?

Es existiert in Deutschland ein breites Netz an Angebote zur Sprachförderung. Neben öffentlich geförderten Angeboten, wie die Berufsbezogene Deutschsprachförderung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) existiert in Deutschland ein flächendeckendes Netz an Bildungsdienstleistern, wie beispielsweise die Volkshochschulen, die ebenfalls Sprachkurse anbieten. Je nach Region gibt es unterschiedliche Ansprechpartner. Über die Webseite der Bundesagentur für Arbeit können Sie mit der Suchfunktion Angebote in Ihrer Nähe finden. Die angebotenen Deutschkurse haben in der Regel einen Berufsbezug und werden auf unterschiedlichen Niveaustufen angeboten, sodass auf die individuellen Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiterin beziehungsweise Ihres Mitarbeiters eingegangen werden kann. Die Kurse finden in Voll- oder Teilzeit statt. Mitunter existieren auch Online-Kurse, die sich gerade bei einer eingeschränkten Mobilität der Teilnehmenden eignen können.

Nicht immer ist ein Kurs vor Ort die beste oder alleinige Möglichkeit, um eine Sprache zu lernen. Es gibt viele weitere – häufig kostenlose – Angebote, die ein Geflüchteter oder ein Mensch mit Migrationshintergrund über das Internet oder über eine Handy-App nutzen kann – und zwar vollkommen unabhängig von einer festen Zeit.

Weitere Informationen zur Sprachförderung finden Sie in der entsprechenden KOFA-Handlungsempfehlung zu Berufsbezogener Sprache.

Hinweis

An dieser Stelle finden Sie häufig gestellte Fragen. Bitte beachten Sie: Das KOFA kann keine Rechtsberatung leisten. Für solche Fragen gibt es Experten, die Ihnen fachkundig weiterhelfen und Ihnen auch rechtsverbindliche Auskünfte erteilen können. Im Folgenden haben wir einige wichtige Ansprechpartner für Sie zusammengestellt:

  • Das Bundesamt für Flüchtlinge und Migration (BAMF) hilft Ihnen insbesondere bei Fragen zum Aufenthaltsstatus sowie zum Arbeitsmarktzugang weiter. Die Service-Hotline erreichen Sie Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr unter der 0911 94 36 39 0. Des Weiteren bieten die bereitgestellten FAQs viele Antworten auf Fragen zum Arbeitsmarktzugang für geflüchtete Menschen.
  • Beim Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Arbeit erhalten Sie Informationen zu allen Fragen rund um den Arbeitsmarktzugang von geflüchteten Menschen aber auch zu diversen BA-getragenen Förderprogrammen. Die kostenlose Servicehotline erreichen Sie unter der 0800 4 55 55 20.  Auch Ihr Jobcenter vor Ort berät Sie gerne.
  • Ihre lokale Ausländerbehörde berät Sie zum Rechtsstatus und zur Bleibeperspektive von Flüchtlingen. Generell kann Ihnen Ihre lokale Ausländerbehörde bei konkreten Anfragen fachkundig weiterhelfen und verbindliche Aussagen treffen.
  • Bei Fragen zum Versicherungsschutz erteilt Ihnen der jeweilige Versicherungsträger gerne Auskunft.

Hinweis: Gesetze und Richtlinien ändern sich. An dieser Stelle sind die zum jetzigen Zeitpunkt (Stand: August 2017) gültigen Grundlagen genannt. Aktuelle Gesetzestexte finden Sie zum Beispiel unter dem kostenlosen Angebot der Bundesregierung: www.gesetze-im-internet.de.

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