Beschäftigung von Flüchtlingen

Gewinnen Sie kulturelle Vielfalt und nutzen Sie die Möglichkeiten der Weiterbildung

Viele der Geflüchteten, die zu uns kommen, bringen bereits Berufserfahrung aus dem Ausland oder ihrem Herkunftsland mit. In diesem Fall kann eine Beschäftigung für Ihren Betrieb interessant sein. Zudem gibt es viele Möglichkeiten, Geflüchtete im Unternehmen zu qualifizieren und dabei staatliche Unterstützungsangebote zu nutzen.

Aufenthaltsstatus entscheidet über Beschäftigungsmöglichkeiten

AufenthaltsstatusBeschäftigungsmöglichkeiten
Aufenthaltserlaubnis
(anerkannte Flüchtlinge Anerkannte FlüchtlingeDies sind Geflüchtete, deren Asylantrag positiv beschieden wurde. Damit sind sie im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis. Hierzu gehört nicht der kleine Kreis an Personen mit nationalem Abschiebungsverbot, der zwar eine Aufenthaltserlaubnis besitzt, jedoch weiteren Sonderregelungen unterliegt.)
Es sind keine Besonderheiten zu beachten.
Aufenthaltsgestattung
(AsylbewerberAsylbewerber/-innenDies sind Geflüchtete, deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Für die Zeit, bis über ihren Asylantrag entschieden wurde, erhalten sie eine sogenannte Aufenthaltsgestattung)
Eine Beschäftigung ist nur mit Zustimmung der lokalen AusländerbehördeZustimmung der lokalen AusländerbehördeEine Erlaubnis durch die lokale Ausländerbehörde ist in der Regel vor Aufnahme einer Beschäftigung erforderlich. Die Erteilung einer Arbeitserlaubnis ist immer eine Ermessensentscheidung der zuständigen Ausländerbehörde im Rahmen der geltenden rechtlichen Regelungen. möglich. Diese Erlaubnis kann nach drei Monaten beantragt werden. Zudem ist die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit (BA) nötig. Diese Auflage entfällt nach vier Jahren. Für Hochschulabsolventen, deren Gehalt den Voraussetzungen der Blauen Karte EU entspricht (gehaltsgrenze wird jährlich angepasst), entfällt die Zustimmungspflicht der BA vollständig.
Duldung (GeduldeteGeduldeteDies sind Geflüchtete, deren Asylantrag zwar abgelehnt, deren Abschiebung aber ausgesetzt wurde. Mögliche Gründe sind Krankheit oder Passverlust. In diesen Fällen erteilt die Ausländerbehörde eine „Bescheinigung für die Aussetzung einer Abschiebung“, welche Duldung genannt wird)Es gelten weitestgehend die gleichen Bestimmungen wie für Personen mit einer Aufenthaltsgestattung.

BA nimmt Vorrangprüfung und Prüfung der Beschäftigungsbedingungen vor

Die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit zu einer Beschäftigung umfasst die folgenden beiden Bereiche:

  • Bei der VorrangprüfungVorrangprüfungBei der Vorrangprüfung prüft die Bundesagentur für Arbeit, ob bevorrechtigte Arbeitnehmer/-innen (hierzu zählen deutsche Staatsangehörige, Bürger/-innen eines EU- oder eines EWR-Staates oder sonstige Bevorrechtigte, zu denen auch anerkannte Flüchtlinge gehören) für den konkreten Arbeitsplatz zur Verfügung stehen. Gibt es solche Personen, werden diese an den Arbeitgeber vermittelt und genießen Vorrang bei der Stellenbesetzung. Ablehnungen muss der Arbeitgeber gut begründen. Erst wenn alle entsprechenden Kandidatinnen / Kandidaten die Arbeitsstelle ablehnen, können Flüchtlinge mit Aufenthaltsgestattung oder Duldung die Arbeitsstelle annehmen. Mit dem Integrationsgesetz ist die in den meisten Arbeitsagenturbezirken für 3 Jahre ausgesetzt. Eine Deutschlandkarte zeigt auf, wo sie aktuell nicht durchgeführt wird. wird untersucht, ob ein anderer Arbeitnehmer für den konkreten Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Gibt es solche Personen, genießen diese Vorrang und ihnen wird der Arbeitsplatz zuerst angeboten. In den meisten Regionen wird diese Prüfung seit Kurzem ausgesetzt. Dies gilt für 133 von 156 Arbeitsagenturbezirken. Ansonsten entfällt die Vorrangprüfung spätestens nach 15-monatigem Aufenthalt in Deutschland und für bestimmte Personengruppen (z. B. Deutsche, EU-Bürger, Anerkannte Flüchtlinge) bereits früher.
  • Die Prüfung der BeschäftigungsbedingungenBeschäftigungsbedingungen, Prüfung derEs erfolgt eine Prüfung, ob keine Benachteiligung der vorgesehenen Kandidatin / des vorgesehenen Kandidaten zum Beispiel hinsichtlich des Verdienstes oder der Arbeitszeit gegenüber inländischen Arbeitnehmerinnen / Arbeitnehmern besteht stellt sicher, dass gleichwertige Arbeitsbedingungen wie für Personen mit uneingeschränkter Arbeitserlaubnis gegeben sind, beispielsweise bei der Arbeitszeit oder dem Gehalt.

Möglichkeiten der Qualifizierung nutzen

Sehen Sie Bedarf zur Nachqualifizierung, kommen zunächst die regulären Angebote zur beruflichen Weiterbildung in Betracht. Teilqualifikationen ermöglichen außerdem, berufliche Kompetenzen gezielt schrittweise zu fördern und zertifizieren zu lassen. Durch das Ablegen der Externenprüfung kann ein anerkannter Berufsabschluss erworben werden.

Um den finanziellen Aufwand einer Weiterbildung nicht alleine tragen zu müssen, gibt es die Möglichkeit, über die Förderung „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen“ (WeGebAU) eine Kostenerstattung zu erhalten. Auch andere Maßnahmen wie der „Eingliederungszuschuss“ oder die „Betriebliche Maßnahme zur Aktivierung und betrieblichen Eingliederung“ kommen in Frage.

Zudem gibt es zahlreiche regionale und bundesweite Initiativen, die den Einstieg in die Beschäftigung für Geflüchtete unterstützen. Mit Kommit, dem Kooperationsmodell mit berufsanschlussfähiger Weiterbildung, hat die BA gemeinsam mit Partnern ein Modell zur nachhaltigen Integration mit der Möglichkeit der Teilqualifikation geschaffen.

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Download Handlungsempfehlung

Download Bundesländerkarte Umgang mit der Vorrangprüfung nach Arbeitsagenturbezirken

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