KOFA schult Willkommenslotsen

„Die zentrale Frage ist doch: Wie sag ich’s meinem Unternehmer?“ Mit diesem Satz brachte eine der Teilnehmerinnen das Ziel der ersten Willkommenslotsen-Schulungen auf den Punkt. Bis zu 150 Willkommenslotsen wird das Bundeswirtschaftsministerium in den kommenden drei Jahren über sein Programm „Passgenaue Besetzung“ für die Integration von Flüchtlingen in kleinen und mittleren Unternehmen finanzieren. Die Schulung des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) bereitet die Willkommenslotsen auf ihre Aufgabe vor. Die ersten 12 Teilnehmer haben nun die Pilotschulung besucht.

Mit den Schulungen am Institut der deutschen Wirtschaft Köln, dem Sitz des KOFA-Teams, bereiten die KOFA-Experten die vorwiegend an Kammern und Bildungswerken der Wirtschaft angestellten Willkommenslotsen systematisch auf ihre Rolle als Mittler zwischen Unternehmen und Flüchtlingen sowie weiteren Vermittlungs- und Förderinitiativen vor. Inhalt der Schulung sind rechtliche Grundlagen, Angebote zur Sprachförderung, Wege der Rekrutierung, geeignete Qualifizierungs- und Beschäftigungsformen, aber auch die Fragen „Wie motiviere ich Unternehmen zur Integration von Flüchtlingen, und wie helfe ich ihnen beim Aufbau einer Willkommenskultur?“.

Direkter Draht in die Unternehmen

„Sie sind das Scharnier zwischen Unternehmen und Flüchtlingen mit direktem Draht in die Unternehmen. Sie informieren Ihre Unternehmen, welches Rüstzeug ihnen bei der Beschäftigung von Flüchtlingen zur Verfügung steht“, sagt Schulungsreferentin Desirée Holz. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer machen sich Notizen, als Holz über die Voraussetzungen für Unternehmenspraktika, Ausbildung sowie eventuelle Vergütungen und öffentliche Fördermöglichkeiten hinweist. Immer wieder tauchen Fragen auf: Welche Flüchtlinge dürfen im Einzelnen eine Einstiegsqualifizierung (EQ) – eine spezifische Qualifizierung mit dem Ziel Ausbildung – machen? Und wie können Unternehmen ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) der Bundesagentur für Arbeit für Flüchtlinge nutzen? Am Ende ist allen klar: In der Gesetzgebung ist zurzeit sehr viel in Bewegung. Die Qualifizierung und Beschäftigung anerkannter Flüchtlinge ist zwar meist ohne Probleme möglich. Bei allen anderen Gruppen, also Geduldeten und Asylbewerbern im noch laufenden Verfahren, gibt es dagegen bisweilen sehr detaillierte Regelungen und Grenzen. Da ist es gut zu wissen, dass das KOFA die Willkommenslotsen unterstützt und auch nach der Schulung noch Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch schafft.

Gegen Schulungsende sind die Tafeln mit bunten Zetteln gespickt: „Ziele“ und „Herausforderungen“ sind die Überschriften auf einer, darunter stehen Wörter wie „Sprache“, „Administration“, „Integration“, „helfen“. Auf die Tafel daneben ist ein großer Werkzeugkasten gemalt. „Recht“ steht auf einem Kärtchen, „es gibt Sprachförderung“ auf einem anderen. Vor den Tafeln stehen Grüppchen und diskutieren; es ist Kaffeepause – ein passender Abschluss, nachdem es gerade um Anregungen fürs Netzwerken ging.

Informationen kanalisieren und strukturieren

Ein Willkommenslotse aus Mecklenburg-Vorpommern hat bereits seine eigenen Erfahrungen zum Thema Netzwerken gemacht: „Bei uns gibt es mehrere Initiativen, die Flüchtlinge betreuen. Aber die geben aus Angst um ihre Daseinsberechtigung keine Daten zu Flüchtlingen raus, die ich den Unternehmen vermitteln könnte.“ So heißt Netzwerken für ihn wohl erstmal dicke Bretter bohren. Schließlich geht es darum, Unternehmen und Flüchtlinge so zusammenzubringen, dass beide Seiten davon profitieren. In anderen Regionen mit mehr Flüchtlingen scheint das besser zu klappen. „Ich mache bereits viel Netzwerkarbeit, zum Beispiel arbeite ich eng mit dem Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur zusammen“, sagt Jan Bökenfeld von der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf aus dem Münsterland.

Aus der Schulung durch das KOFA-Team nimmt er zweierlei mit: „Es ist wichtig zu wissen, welche Möglichkeiten der Förderung es gibt. Zum Beispiel, dass die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) auch für anerkannte Flüchtlinge zugänglich sind.“ Zum anderen sei ihm bewusst geworden, dass es für das künftige Aufgabenfeld der Willkommenslotsen „ganz viel gibt, das noch nicht strukturiert ist. Eine wichtige Aufgabe von uns wird es daher sein, dass wir die Informationen und Fördermöglichkeiten in unserer Region strukturieren und kanalisieren, damit es für alle Sinn macht.“ Tatsächlich, sagt KOFA-Expertin Sarah Pierenkemper, sei es am ersten Schulungstag sehr viel darum gegangen, wie die Rolle als Willkommenslotse auszugestalten sei. „Dazu kommt, dass die Willkommenslotsen ganz unterschiedliche Hintergründe mitbringen: Manche wurden erst vor einer Woche eingestellt, andere haben schon länger Erfahrung in der Vermittlungsarbeit.“

Mit neuen Ideen zurück an die Arbeit

Gabriele Seifert von der IHK Leipzig ist eigentlich Ausbildungsberaterin. „Wir haben unsere Willkommenslotsenstelle noch gar nicht besetzen können.“ Dafür nehme sie für die künftige Kollegin oder den künftigen Kollegen wichtige Informationen mit: „Die Schulung hat mir wichtige Anregungen gegeben, zum Beispiel dazu, wie ich ein Netzwerk aufbaue. Sehr hilfreich finde ich auch den rechtlichen Leitfaden, den wir mitbekommen haben.“ Netzwerkausbau und Erfahrungsaustausch – das erhofften sich wohl alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Pilotschulung. Und gehen wie Uta Behr vom Bildungsverband Handwerk der Altmark mit vielen neuen Ideen zurück an die neue Aufgabe. „Ich werde morgen mal beim Landesmigrationsamt nachfragen, das kann mir sicher Auskunft über Flüchtlinge und ihre berufliche Anerkennung geben. Diese Informationen kann ich dann an ein Forschungszentrum bei uns weitergeben, das immer gute Mitarbeiter sucht.“

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