Inklusion von Menschen mit Behinderung in der dualen Berufsausbildung

Knapp ein Jahr nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung fand am 2. März 2016 in Berlin die zweite KOFA-Veranstaltung zur Inklusion von Menschen mit Behinderung in der dualen Berufsausbildung statt.

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Herr Werner, Projektleiter des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA), die zentralen Ergebnisse einer repräsentativen Unternehmensumfrage aus dem IW-Personalpanel vor. Die Umfrage nimmt begünstigende Faktoren und Hemmnisse der Ausbildung von Jugendlichen mit Behinderung nach verschiedenen Behinderungsarten aus Unternehmensperspektive in den Blick. Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen mit Behinderung bereits häufig in Unternehmen ausgebildet und beschäftigt werden, und dass sich dabei Unternehmen, die bereits Erfahrungen mit der Zielgruppe haben, auch häufiger in der Ausbildung engagieren. Die Befragung liefert zudem zahlreiche Hinweise darauf, was sich Unternehmen an Unterstützung für die Ausbildung wünschen.

Nach der Vorstellung der Studienergebnisse folgte ein Beitrag aus der Praxis vom Familienunternehmen Cölner Hofbräu P. Josef Früh. Der Personalleiter Herr Fussel berichtete, wie in seinem Unternehmen Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen ausgebildet und beschäftigt werden. Ein Kollege mit Behinderung begleitete ihn und berichtete über seine Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation aus erster Hand. Herr Pieper sprach offen über seine Alltagserfahrungen als Beschäftigter mit Autismus in einer Personalabteilung. Herr Pieper hat alle Hürden gemeistert und ist nun fest beim Familienunternehmen angestellt.

In themenbasierten Workshops wurde daraufhin diskutiert, welche Rahmenbedingungen und Unterstützungen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) für die Ausbildung von Menschen mit Behinderung benötigen, damit es noch mehr solcher Erfolgsgeschichten geben kann:

  • Workshop I beschäftigte sich mit der Kontaktanbahnung zwischen Unternehmen und Menschen mit Behinderung. Zentrale Herausforderungen sind die Einbeziehung der Eltern in den Berufswahlprozess, die räumliche Gebundenheit von Menschen mit Behinderung, aber auch der Bedarf, Menschen mit Behinderung während des Bewerbungsvorgangs aktiv zu unterstützen.
  • Workshop II beschäftigte sich mit Unterstützungsangeboten für die Ausbildung von Menschen mit Behinderung. Hierzu können externe Partner wie die Berufsschule, ein Bildungsträger oder eine Hotline sowie Informationsangebote und Wissensvernetzung beitragen. Aber auch die Förderung der Eigenkompetenz der Betroffenen selbst spielt eine wichtige Rolle, so dass diese unabhängiger von externer Hilfe agieren können.
  • Workshop III beschäftigte sich mit der Frage, wie Unternehmen für eine verstärkte Ausbildung von Menschen mit Behinderung gewonnen werden können. Die Antworten darauf waren zahlreich, betonten aber vor allem die folgenden beiden Punkte: Zum einen wurde auf die Bedeutsamkeit eines zentralen Ansprechpartners für Unternehmen verwiesen. Zum anderen wurde häufig genannt, dass eine langfristige Finanzierung guter Projekte nicht gesichert ist, was sowohl für die Unternehmen als auch die Betroffenen Unsicherheiten mit sich bringt. Von Unternehmensvertretern wurde betont, dass bei der Investition in Ausbildung auch Kosten und Nutzen eine Rolle spielen, was verlässliche externe Unterstützung erfordere.

Die Ergebnisse der drei parallelen Workshops wurden anschließend im Plenum lebhaft diskutiert. Einen runden Abschluss fand die Veranstaltung Tag mit den Schlussworten von Unterabteilungsleiter Boris Petschulat aus dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi). Er betonte die gesellschaftliche Bedeutung der Inklusion von Menschen mit Behinderung und zeigte auf, in welchen Feldern das BMWi dazu einen Beitrag leistet. Er befürwortete, dass das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung das Thema Inklusion auch künftig begleiten und vertiefen sollte, um kleine und mittlere Unternehmen verstärkt für die Zielgruppe zu sensibilisieren und zu motivieren.

Die Ergebnisse der Veranstaltung fließen nun in eine neu zu entwickelnde Handlungsempfehlung des KOFA ein, die im Spätsommer 2016 veröffentlicht werden soll. Sie wird praxisnahe Tipps enthalten, wie kleine und mittlere Unternehmen Inklusion als Chance zur Fachkräftesicherung erfolgreich gestalten können.

Vortrag und Programm

KOFA-Handlungsempfehlungen zum Thema

KOFA-Studie zum Thema

Weitere Informationen

  • YouTube-Video: Gelebte Inklusion in der dualen Berufsausbildung bei Cölner Hofbräu P. Josef Früh

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