Fachkräfte – unser wichtigster „Betriebsstoff“

KOFA-Regionalkonferenz mit dem BVMW in Ostthüringen

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) Ostthüringen weiß um die Fachkräfteengpässe, die viele seiner Mitglieder umtreiben. Neben dem demografischen Wandel stellen veränderte Lebensmodelle von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und vermeintlich neuen Anforderungen der sogenannten Generation Y Betriebe vor neue Herausforderungen. Um seinen Mitgliedern konkrete Handlungsoptionen aufzuzeigen, hat der BVMW Ostthüringen eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) auf die Beine gestellt. Mehr als 80 Unternehmensvertreterinnen und Unternehmensvertreter folgten der Einladung und kamen am 20. Januar in Zeulenroda-Triebes zusammen.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) habe die Risiken von Fachkräfteengpässen für Unternehmen erkannt und biete insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) passgenaue Unterstützung durch das KOFA, so Kerstin Kramer vom BVMW Kreisverbandes Landkreise Greiz und Saale-Orla in ihren Begrüßungsworten. Dies sei auch die Mission ihres Verbandes – ganz nach dem Motto: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unser wichtigster „Betriebsstoff“! „Und eben diese Fachkräfte wachsen nicht auf den Bäumen und wir können sie uns auch nicht backen!“, bekräftigte Ulrich Winterstein, Leiter des BVMW Ostthüringen, seine Kollegin. Bereits jetzt könne jede fünfte Stelle nicht besetzt werden.

Demografiefeste und lebensphasenorientierte Personalarbeit

Den ersten Fachvortrag hielt Dr. Regina Flake, IW-Wissenschaftlerin und stellvertretende Leiterin des KOFA. Ihre Botschaft: Demografiefeste Personalarbeit muss lebensphasenorientiert sein. Davon profitierten Unternehmen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichermaßen und Fachkräfteengpässen könne entgegengewirkt werden. Dabei sei es wichtig, nicht erst zu handeln, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Ein gutes Instrument, um auf die jeweiligen Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen, seien flexible Arbeitszeitmodelle - sei es für junge (alleinerziehende) Eltern, die Beruf und Familie oder die Pflege von Angehörigen unter einen Hut bekommen möchten, Mitarbeiter, die Freiraum für Weiterbildung wünschen, oder Ältere, deren Erfahrungswissen gehalten werden soll. Flexible Arbeitszeitmodelle könnten einen wertvollen Beitrag zur Mitarbeitergewinnung und Mitarbeiterbindung leisten.

Mit einem Augenzwinkern gegen Fachkräfteengpässe

Eingerahmt wurde das Programm der gemeinsamen BVMW/KOFA-Veranstaltung in bewährter Form durch ein Dreiergespann des Kölner Improvisationstheaters Frizzles. Gekonnt griffen die Frizzles  unter Einbezug des Publikums immer wieder die verschiedenen Themen des Abends auf: mal komödiantisch, mal dramatisch, mal musikalisch – und immer mit viel Humor. So zeigten sie zur großen Erheiterung der Gäste die Grenzen flexibler Arbeitszeiten auf – „Chef, 48 Urlaubstage reichen wirklich nicht…“ und brachten mit Süßigkeiten und Sektfrühstück noch weitere mehr oder weniger ernstgemeinte Alternativvorschläge mit ein, um die Mitarbeiter bei der Stange zu halten.

Gen Y sucht nach Sinnhaftigkeit

Tatsächlich treibe die viel diskutierte Generation Y das Thema Work-Life-Balance verstärkt um, bestätigt Dr. Michael Zibrowius vom IW Köln im zweiten Fachvortrag des Abends. Personen der Geburtenjahrgänge 1980 bis 1995 seien jedoch gar nicht so anders als vorherige Generationen. Das „Y“ – im Englischen ausgesprochen „Why“ (Warum) -  sei für die Personengruppe bezeichnend. Junge Berufstätige suchten heute verstärkt in dem, was sie tun, nach der Sinnhaftigkeit. Berücksichtige man jedoch, dass die Gen Y andere Voraussetzungen mitbringe als vorherige Geburtenjahrgänge, beispielsweise hätten viel mehr junge Leute studiert und auch die die Erwerbsbeteiligung der Frauen sei in jüngeren Generationen größer, seien die Unterschiede zwischen den Generationen gar nicht mehr so groß. Im Umgang mit dieser Zielgruppe könnten Unternehmen zum Beispiel verstärkt den Sinn von Tätigkeiten vermitteln, um diese für sich zu gewinnen, erklärt der IW-Experte. Grundsätzlich müssten Unternehmen jedoch eher auf globale Trends wie veränderten Anforderungen bei der Rekrutierung von Fachkräften reagieren, als auf die spezifischen Bedürfnisse dieser einzelnen Generation.

Die Frizzles ließen dies natürlich nicht unkommentiert und starteten eine Generationenanalyse im Publikum: Dort habe man bereits die Generation S entdeckt, scherzten die Schauspieler. Das Publikum war begeistert und setzte nach Ende des offiziellen Programms angeregt Diskussionen fort.

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