Thema des Monats: Unternehmensnachfolge

Firmenübernahmen rechtzeitig planen und gestalten

Bis zum Jahr 2018 sollen in Deutschland etwa 620.000 Betriebe an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger übergeben werden. Das entspricht jedem sechsten mittelständischen Unternehmen.

Die erfolgreiche Übertragung eines Unternehmens ist mit großen Herausforderungen für den Altinhaber, seinen zukünftigen Nachfolger und die gesamte Belegschaft verbunden. Gegenüber einer Neugründung bringt die Übernahme eines bestehenden Unternehmens aber auch besondere Vorteile mit sich: Das Unternehmen ist auf dem Markt bereits etabliert. Beziehungen zu Kunden und Lieferanten sind aufgebaut, die Beschäftigten bilden ein eingespieltes Team und der Nachfolger kann auf den Erfahrungen des Vorgängers aufbauen.

Diese Vorteile kommen dann zum Tragen, wenn Unternehmen bestimmte Erfolgsfaktoren beachten (siehe Grafik).

Dennoch machen sich viele Mittelständler erheblich zu spät Gedanken über das Thema Nachfolge oder unterschätzen den Zeitbedarf, wie die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in einer aktuellen Studie feststellt. Ein Drittel aller Unternehmen, bei denen in den nächsten drei Jahren eine Übergabe ansteht, hat sich bisher nur wenig oder noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt. 40 Prozent der Nachfolgeinteressenten unterschätzen die Anforderungen an die Übernahme eines Betriebes, wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) berichtet.

Es gibt eine Reihe von Gründen, die Unternehmensübertragung frühzeitig anzugehen. Nur dann ist genügend Zeit, sich umfassend zu informieren, zu planen, Alternativen zu prüfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen oder notfalls Korrekturen vorzunehmen.

Eine Unternehmensnachfolge stellt Führungskräfte und Belegschaft vor vielschichtige Herausforderungen:

  • Wie können Unternehmerinnen und Unternehmer das Unternehmen und sich selbst auf die Übergabe vorbereiten?
  • Was sollten die Nachfolgerinnen und Nachfolger beachten?
  • Wie gelingt eine gute Einarbeitung der Nachfolgerin oder des Nachfolgers?
  • Wie gelingt es, den Rückhalt durch die Beschäftigen aufrecht zu halten?

Infos für den Übergeber: Frühzeitig an die Nachfolge denken

Neben den komplexen finanziellen und rechtlichen Aspekten beinhalten Unternehmensübergaben auch eine starke emotionale Komponente. Auch wenn der Altinhaber aufgrund von rationalen Überlegungen die Notwendigkeit einer Übergabe des Unternehmens erkannt und den Übergabeprozess geschäftsmäßig vorbereitet hat, kostet es Überwindung, sich von seinem Lebenswerk zu lösen und einem anderen seinen Platz zu überlassen.

Falls Sie ein Unternehmen übergeben möchten ist es hilfreich, sich schon frühzeitig zu überlegen, wie Sie die Zeit nach vollzogener Übergabe gestalten wollen. Definieren Sie die Übergabe und Ihre Rolle dabei als ein neues Projekt, das Sie mit Ihrer unternehmerischen Klarheit und Weitsicht planen und umsetzen. Es geht jedoch dabei nicht um neue Märkte oder neue Produkte, sondern das Ziel heißt: Loslassen.

Gut zu wissen: Das Thema Nachfolgeregelung spielt bei Ratingverfahren eine wichtige Rolle. Das bedeutet: Banken machen die Kreditvergabe und die Kreditkonditionen auch davon abhängig, inwieweit der Unternehmer Vorsorge für seine Nachfolge getroffen hat.

Notfallplan parat haben

Das Thema Nachfolge gilt aber nicht nur für Unternehmer, die in die Jahre gekommen sind. Auch junge Unternehmer können erkranken oder durch einen Unfall plötzlich nicht mehr dazu in der Lage sein, die Geschäfte weiterzuführen. Nicht nur Banken erwarten, dass für solche Notfälle vorgesorgt wird: Es sollte im Interesse jedes Unternehmers sein, einen qualifizierten Nachfolger für den Notfall parat zu haben, der über Geschäfte und Interna informiert und eingeweiht ist.

Die Geschäftsübergabe planen

Entwickeln Sie gemeinsam mit Ihrem Nachfolger eine Übergabestrategie. Seien Sie sich bewusst: Reibungen gehören dazu. Nutzen Sie Gegensätze konstruktiv und legen Sie Wert darauf, Entscheidungen im Dialog und im Interesse des Unternehmens zu fällen.
Legen Sie einen konkreten Fahrplan fest, in dem Sie Ihre beiderseitigen Ziele aufeinander abstimmen. Der Plan sollte enthalten:

  • den Eintrittszeitpunkt des künftigen Unternehmers
  • Angaben zur zukünftigen Rolle des Altinhabers
  • den Austrittszeitpunkt des Altinhabers
  • Aufgaben, Kompetenzen, Verantwortungsbereiche des Nachfolgers wie des Übergebenden
  • die einzelnen Schritte des Übergangs
  • notwendige begleitenden Maßnahmen bis zur endgültigen Übernahme

Planen Sie von Anfang an schriftlich. Und berücksichtigen Sie die Mitarbeiter des Unternehmens als kritischen Faktor des Unternehmensübergangs.

Wichtig: Denken Sie bei Ihren Entscheidungen auch an die Konsequenzen für Ihre Mitarbeiter und deren Familien.

Gemeinsam die Geschäftsübergabe umsetzen

Eine Unternehmensübertragung ist ein Gemeinschaftsprojekt. Ob das Unternehmen erfolgreich weiter bestehen kann, hängt in erster Linie von den unternehmerischen Fähigkeiten des Nachfolgers ab. In erheblichem Maße hängt das Gelingen aber vom Altinhaber, von dessen Familie, von den Beschäftigten und Geschäftspartnern ab.

Eine Unternehmensübergabe verlangt von allen Beteiligten ein hohes Maß an Offenheit, Einfühlungsvermögen und Kommunikationsfähigkeit. Informieren Sie so offen wie möglich. Beziehen Sie die Mitarbeiter mit ein, wo es machbar ist. So schaffen Sie Vertrauen. Prüfen Sie, wann Gesellschafter, Führungskräfte oder Meister und die übrige Belegschaft informiert werden müssen und wann der Nachfolger bei diesen persönlich eingeführt werden sollte.

Sie haben die Möglichkeit, Unternehmens-, Steuer- und Rechtsberater für die Gespräche zwischen Unternehmer, Nachfolger, Familie, Führungskräften und Mitarbeitern als Moderatoren hinzuzuziehen. Dies hilft, Konflikte zu vermeiden oder rasch beizulegen.

Auch ein Beirat für die Nachfolgeregelung kann hilfreich sein. Dieser kann bei weitreichenden Entscheidungen zurate gezogen werden oder bei Konflikten als Schiedsstelle fungieren. Zum Beirat können Steuer-, Rechts-, Unternehmens- und Finanzberater der Hausbank gehören, aber auch interne oder externe Kommunikationsberater.

Unternehmenskultur

Der Altinhaber hat den Betrieb geprägt und hatte mit seiner Art der Unternehmensführung Erfolg. Der Nachfolger wird seine eigenen Vorstellungen von Unternehmensführung in den Betrieb einbringen wollen.

Der scheidende Chef sollte die nun getroffene Entscheidungen weder kritisieren noch in die Unternehmensführung eingreifen. Leider untergraben viele Unternehmer so die Autorität ihres Nachfolgers – und setzen unter Umständen die Zukunft ihres Betriebes aufs Spiel.

Besprechen Sie mit einer Person Ihres Vertrauens, die zu kritischem Rat fähig ist, welche Verhaltensweisen dem Nachfolger gegenüber für Sie als scheidenden Unternehmer angemessen sind. Vermeiden Sie es, bei anscheinend weitreichenden Fehlentscheidungen des Nachfolgers autoritär durchzugreifen. In solchen Fällen ist es ratsam, einen von beiden Seiten akzeptierten Moderator hinzuzuziehen. Dabei versteht es sich von selbst, dass solche Konflikte nicht vor der Belegschaft ausgetragen werden.

Beratung und Unterstützung bei der Firmenübernahme

Unternehmensübergaben sind kein Alltag. Daher ist im Unternehmen oft kein Erfahrungswissen vorhanden, auf das zurückgegriffen werden kann. Auf einmal stellen sich Fragen, die nie zuvor bedacht werden mussten.

So sind mit den genannten Problemen und Fragestellungen Aufgaben verbunden, die Sie wahrscheinlich alleine nicht bewältigen können – und auch nicht sollen. Für die meisten Themen stehen Ihnen Berater und Institutionen wie beispielsweise die zuständige Kammer, Banken und Sparkassen, Fachverbände, Seniorberater oder auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaften zur Verfügung. Beziehen Sie diese frühzeitig mit ein, um gemeinsam die recherchierten Ergebnisse bewerten und den Übergang zu gestalten.

Weitere Informationen

Übrigens: Beratungen können durch finanzielle Zuschüsse gefördert werden.

Unternehmensbörse:

  • nexxt-change: Übergabewillige Unternehmer und nachfolgeinteressierte Existenzgründer finden hier einen Treffpunkt (zur Webseite).

    Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Existenzgründerinnen und -gründer können dazu in den Inseraten der Börse recherchieren oder selbst Inserate einstellen. nexxt-change ist eine Internetplattform des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, der KfW Bankengruppe, des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken und des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands in Zusammenarbeit mit den Partnern der Aktion "nexxt".

Informationsbroschüre:

  • Unternehmensnachfolge – Die optimale Planung (Download PDF): Der ausführliche 104-seitige Leitfaden zur Unternehmensnachfolge bietet zahlreiche Informationen und praktische Tipps für Unternehmer und ihre Nachfolger. Mit der Initiative "nexxt" will das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ein günstiges Klima für den unternehmerischen Generationswechsel schaffen und dazu beitragen, dass sich Unternehmerinnen und Unternehmer rechtzeitig mit dem Thema befassen.

Informationsportale:

Mehr zu diesem Thema auf KOFA.de:

Mitarbeiterbefragung

Eine Mitarbeiterbefragung lohnt sich für jedes Unternehmen. Lesen Sie hier welchen Effekt Befragungen für Ihr Unternehmen haben können und wie Sie sie durchführen. mehr

Personalkennzahlen

Hier erfahren Sie wie Personalkennzahlen Fachkräftesicherung und Fachkräftebindung erleichtern und den Erfolg Ihres Unternehmens sichern. mehr

Umfeldanalyse

Bei der Umfeldanalyse werden Daten aus der Unternehmensumwelt ausgewertet, die für die Fachkräftesicherung von Bedeutung sind. mehr

Die Kunst loszulassen –

Für Geschäftsführerin Rantje Jans aus Eutin steht das Thema Unternehmensnachfolge ganz Oben auf der Agenda. Dabei möchte Sie erst in zehn Jahren in den Ruhestand gehen. Sie ist überzeugt: Eine erfolgreiche Übergabe braucht Zeit. mehr

Vertrauensvoll, vielfältig, produktiv

Personelle Vielfalt erhöht die Attraktivität als Arbeitgeber. Bei der Pumacy Technologies AG arbeitet eine vielfältige Belegschaft erfolgreich zusammen. mehr

Mitarbeiter geben ihrem Unternehmen ein Gesicht

„Wir machen viele tolle Sachen, aber zu wenige wissen das.“ Der Automobilzulieferer Carcoustics hat beschlossen, eine Arbeitgebermarke zu entwickeln. mehr

Interview Unternehmensnachfolge

Jeder „Senior“ prägt sein Unternehmen. Dies gilt es für den Nachfolger zu berücksichtigen, rät Sibylle Stippler. mehr

Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit

Interview mit Dr. Oliver Stettes, Familienökonom im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. mehr

November 2016 - Mitarbeiterbefragung

Nutzen Sie die wichtigste Quelle für strategische Personalarbeit – Ihre Mitarbeiter mehr

Dezember 2016 - Anerkennung

Welche Qualifikationen bringt ein ausländischer Bewerber mit? Ein Anerkennungsverfahren kann Klarheit bringen. Erfahren Sie, wie Sie von einer beruflichen Anerkennung profitieren. mehr

Spiegel der Personalpolitik

Sie möchten Ihre Stärken und Schwächen ausloten, um Ihre Personalpolitik weiterzuentwickeln? Nutzen Sie den interaktiven Unternehmensvergleich. mehr

Feedback geben