Dezember 2014 - Thema des Monats: Wiedereingliederung

Erfahrungswissen sichern – Fachkräfte wiedereingliedern

Vom frisch übernommenen Auszubildenden bis zur langjährigen Führungskraft – von einer chronischen Krankheit oder einem Unfall kann jeder betroffen sein. Von heute auf morgen kann Ihrem Unternehmen eine wichtige Fachkraft in der Wertschöpfungskette fehlen.
Doch Eigeninitiative lohnt sich: Mit der richtigen Strategie können Sie Fachkräfte frühzeitig dabei unterstützen, ihre Arbeitskraft zu erhalten. Und sollte eine berufliche Pause einmal zwingend notwendig sein, können Sie Ihre Beschäftigten auf dem Weg zurück ins Berufsleben begleiten und so langfristig von ihrer Arbeitskraft profitieren.

Betriebliches Eingliederungsmanagement – Vertraulichkeit ist Trumpf

Wenn eine Arbeitnehmerin oder Arbeiternehmer länger als sechs Wochen innerhalb eines Jahres krank ist, sind Sie gesetzlich dazu verpflichtet, Unterstützung anzubieten. Suchen Sie das persönliche Gespräch mit der oder dem Betroffenen. Wichtig ist: Ihre Mitarbeiterin oder Ihr Mitarbeiter entscheidet selbst, ob sie oder er Ihr Angebot zur Wiedereingliederung annehmen möchte. Niemand ist dazu verpflichtet, seinem Arbeitgeber von seinem oder ihrem persönlichen Gesundheitszustand erzählen.
Die Bereitschaft zu einem Gespräch erhöht sich stark, wenn Sie als Arbeitgeber Vertraulichkeit zusichern. Sprechen Sie die Person unter vier Augen an und schließen Sie während des Gesprächs die Tür.
Sie können sich bei einem Gespräch an den folgenden Leitfragen orientieren:

  • Gibt es Faktoren am Arbeitsplatz, die die Arbeitsfähigkeit einschränken (zum Beispiel Lärm, Stress oder körperliche Belastung)?
  • Würde der Arbeitsalltag Ihrer Fachkraft durch Hilfsmittel einfacher werden (zum Beispiel Stehhilfen)?
  • Gibt es einzelne Tätigkeiten, die für Ihre Fachkraft besonders anstrengend sind?
  • Keine die Wiedereingliederung betreffende Information darf Dritten zugänglich sein. Nutzen Sie für die Dokumentation einen eigenen, geschützten Ordner im Firmennetzwerk.

Konkrete Maßnahmen und Hilfsangebote

Das betriebliche Eingliederungsmanagement umfasst im Idealfall Präventions-, Integrations- und Rehabilitationsmaßnahmen. Was ist damit gemeint?

  • Präventionsmaßnahmen dienen der Vorbeugung erneuter Arbeitsunfähigkeit, zum Beispiel: Arbeitsplatzbezogene Gesundheitsberatung, Gesundheitsprogramme für ältere oder chronisch kranke Beschäftigte, Suchtberatung, vorbeugender Unfallschutz
  • Integrationsmaßnahmen dienen dem Erhalt des Arbeitsplatzes, zum Beispiel: Einrichtung von Telearbeitsplätzen, ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, Coaching, individuelle Arbeitsgestaltung (Arbeitszeiten, Pausenregelung)
  • Rehabilitationsmaßnahmen dienen der Überwindung von Arbeitsunfähigkeit, zum Beispiel: Maßnahmen der medizinischen und beruflichen Rehabilitation, stufenweise Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess („Hamburger Modell“), Wiedereinstieg des Mitarbeiters durch Belastungserprobung oder Arbeitstraining

Die individuelle Gestaltung von Arbeitsplatz und -zeit wird im Folgenden näher beschrieben.

So gestalten Sie einen barrierefreien Arbeitsplatz

Ein Arbeitsplatz ist dann barrierefrei, wenn auch eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter mit einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung ihn optimal nutzen kann. Betriebsärzte, Integrationsämter und häufig auch die Kammern bieten hier Beratung für den Einzelfall an.
Sie haben die folgenden Gestaltungsmöglichkeiten:

  • Einsatz von Hilfsmitteln
    Bereits mit einfacher Technik können Sie häufig viel erreichen. Ein Telefon mit einem verstärkten Lautsprecher oder ein in der Höhe feststellbarer Schreibtisch erleichtert allen Ihren Beschäftigten den Arbeitsalltag – ob mit oder ohne Behinderung.
  • Anpassung der Arbeitszeit
    Flexible Arbeitszeitmodelle können gerade bei der Rückkehr einer Fachkraft in den Beruf entscheidend sein. Schritt für Schritt kann so der Wiedereinstieg bis zur vollen Arbeitsleistung gestaltet werden. Teilzeit, Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit – die Möglichkeiten sind vielfältig.
  • Personelle Unterstützung
    Wenn einzelne Arbeitstätigkeiten nicht mehr alleine durch Ihre Mitarbeiterin oder Ihren Mitarbeiter zu erfüllen sind, ist Hilfe oft nur einen Antrag entfernt. Menschen mit einer Schwerbehinderung können bei den Integrationsämtern einen Antrag auf eine Arbeitsassistenzkraft beantragen. Die Kosten werden in der Regel erstattet.
  • Veränderung der Arbeitsinhalte
    Wenn eine Fachkraft das bisherige Aufgabenspektrum nicht mehr schafft, gehen Sie am besten pragmatisch vor. Sprechen Sie mit Ihrer Fachkraft und nutzen Sie stärker Fähigkeiten und Fertigkeiten, die bisher vielleicht nicht im Fokus standen. Auch Weiterbildungen bieten sich an.

Wertschätzung erhält vorhandene Fachkräftepotenziale

Für die Mitarbeiterin oder den Mitarbeiter ist es während der Wiedereingliederung besonders wichtig, dass sie Verständnis bei Rückschlägen und Wertschätzung bei Fortschritten erfahren. Von einer gelungen Wiedereingliederung profitiert langfristig auch das persönliche Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrer Fachkraft. Ihr Engagement spricht sich im Kollegenkreis herum, was die Mitarbeiterbindung stärkt. In Zeiten von zunehmenden Fachkräfteengpässen ist es entscheidend, nicht nur neue Fachkräfte zu gewinnen, sondern alles zu tun, die vorhandenen Fachkräftepotenziale im Unternehmen zu erhalten.

zur internen Seite

Feedback geben