Thema des Monats: Neue Wege der Personalgewinnung

So finden Unternehmen neue Mitarbeiter

Personalgewinnung ist längst kein Selbstläufer mehr, sondern treibt manch einem Personaler und Geschäftsführer den Schweiß auf die Stirn. Je nach Branche oder Region ist es schon heute für viele Unternehmen eine Herausforderung, Stellen adäquat zu besetzen. Zahlen einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verdeutlichen diese Entwicklung: Im Jahr 2010 benötigten Unternehmen in Deutschland im Durchschnitt 70 Tage, um einen Arbeitsplatz neu zu besetzen – 2015 waren es bereits 85 Tage. Mit einer strategischen Personalsuche können diese Vakanzzeiten verkürzt und Kosten gespart werden.

Setzen Sie auf mehr als einen Weg

Welcher Rekrutierungsweg geeignet ist, hängt davon ab, wen Sie suchen. Die meisten Stellen mit geringen und mittleren Qualifikationsanforderungen werden über persönliche Kontakte und über die Vermittlungsdienste der Bundesagentur für Arbeit besetzt. Um sich insbesondere bei jüngeren Bewerbern als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren, bieten sich Schülerpraktika, Informationsveranstaltungen an Schulen und Unternehmenskontaktmessen bei Bildungsträgern und an (Fach-)Hochschulen an.

Akademiker werden häufig über Internet-Jobbörsen eingestellt. Das Internet ist also bei der betrieblichen Suche nach hochqualifiziertem Personal besonders relevant – unter anderem, weil es den Suchradius über die Region hinaus ausweitet. Da an Positionen für Akademiker oft spezielle Anforderungen gestellt werden, sind auch private Dienstleister bei der Vermittlung von hochqualifiziertem Personal erfolgreich. Bisher beauftragen nur wenige Unternehmen private Arbeitsvermittlungen mit der Suche nach geeigneten Kandidaten.

In den meisten Fällen ist es günstig, mehrere Suchkanäle parallel zu nutzen. Möglichst viele Interessierte erreichen Sie beispielsweise mit einer durchdachten Verknüpfung von persönlichen Kontakten, Print-Anzeigen, Inseraten in Online-Jobbörsen und einem Karrierebereich auf Ihrer Unternehmenswebseite. Grundsätzlich gelten für eine online veröffentlichte Stellenanzeige im Wesentlichen dieselben Anforderungen wie für eine „klassische“ Ausschreibung in Zeitungen und Zeitschriften (Checkliste Stellenausschreibung).

Mitarbeiter werben Mitarbeiter

Personalgewinnung über Empfehlungen eigener Beschäftigter hat den größten Erfolg. Von je 100 neu eingestellten Mitarbeitern haben die Unternehmen im vergangenen Jahr 29 über Empfehlungen eigener Beschäftigter oder über persönliche Kontakte gefunden. Berücksichtigt man, dass dieser Suchpfad nur bei jeder zweiten zu besetzenden Stelle beschritten wurde, liegt die Erfolgsquote sogar bei 59 Prozent – höher als bei jedem anderen Weg der Personalsuche. Auffällig ist: Kleine Betriebe setzten bei der Mitarbeitergewinnung fast doppelt so oft auf persönliche Kontakte wie große Firmen.

Für Arbeitgeber bedeutet dies: Wer es schafft, seine Beschäftigten zu Botschaftern des eigenen Unternehmens zu machen, eröffnet sich vielversprechende Fachkräftepotenziale. Über die sozialen Netzwerke im Internet stehen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ständigem Kontakt mit ihren Freunden und Bekannten. Und welcher Werbung vertraut man mehr als einer persönlichen Empfehlung? Es gibt bereits Anbieter, die mit Hilfe digitaler „Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter“-Programme Unternehmen bei der Talentsuche unterstützen. Die wichtigste Voraussetzung ist jedoch: Ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin wird nur dann zum Botschafter seines Arbeitgebers, wenn er sich im Unternehmen wohlfühlt, gefördert und wertgeschätzt wird.

E-Recruiting

Online-Jobbörsen, Soziale Netzwerke, Podcasts, Blogs,… Nicht wenige Personaler fühlen sich von der Vielfalt neuer Rekrutierungsmöglichkeiten unter Zugzwang gesetzt. Dabei ist es weder notwendig noch sinnvoll alle Facetten des E-Recruitings umzusetzen. Prüfen Sie stattdessen einzelne Maßnahmen und wählen Sie jene aus, die am besten zu Ihrem Unternehmen passen. Dennoch gilt: Online-Rekrutierung wird zum Standard – auch für kleine und mittlere Unternehmen (Checkliste Social Media).

Karrierewebseite

Bewerberinnen und Bewerber erwarten zunehmend, Stellenangebote potenzieller Arbeitgeber im Internet finden zu können. Auf einer gut strukturierten Unternehmenswebsite möchten sie sich über den möglichen zukünftigen Arbeitgeber informieren. Eine attraktive Website, auf der ein Unternehmen nicht nur seine Produkte und Leistungen, sondern auch sich selbst präsentiert, ist heute ein „Muss“.

Gestalten Sie Ihre Karrierewebsite authentisch und stellen Sie Ihre Besonderheiten als Arbeitgeber heraus. Können Sie interessante Tätigkeiten anbieten, die ein Bewerber vielleicht nicht mit Ihrem Unternehmen in Verbindung gebracht hätte? Können Sie mit besonderen Sozialleistungen punkten? Haben Sie einen außergewöhnlich starken Zusammenhalt in Ihrer Belegschaft? Machen Sie dem potenziellen Bewerber Lust darauf, genau bei Ihrem Unternehmen arbeiten zu wollen.

Bewerberinnen und Bewerber lesen Stellenanzeigen mit steigender Tendenz auf Smartphones oder Tablets. Damit Nutzer Karriereseiten, Stellenanzeigen und Online-Bewerbungsformulare auch unterwegs ohne Mühe lesen können, sollten Sie den Inhalt Ihrer Stellenanzeige auf das Wesentliche reduzieren (Stichwort: Responsive Design). Firmen, die sich zügig auf mobile Endgeräte einstellen, verschaffen sich im Rekrutierungswettbewerb einen deutlichen Vorsprung (Checkliste Karrierewebsite).

Blick ins eigene Unternehmen

Grundsätzlich können Organisationen nicht nur auf dem externen, sondern auch auf dem internen Arbeitsmarkt rekrutieren. Zu häufig wird beim Thema Stellenbesetzung der Blick nach außen gerichtet.

  • Nutzen Sie das Potenzial, das in Ihren Mitarbeitern liegt und fordern Sie geeignete Kandidatinnen und Kandidaten gezielt auf, sich auf interne Stellenausschreibungen zu bewerben. Mitarbeiter können zum Beispiel durch Coaching für neue Aufgaben geschult werden oder durch gezielte Weiterbildung auf bestimmte Stellenanforderungen vorbereitet werden.
  • Nutzen Sie eine Personalbedarfsplanung, um frühzeitig zu bestimmen, wie viele Arbeitskräfte mit welcher Qualifikation zum Planungszeitpunkt zur Verfügung stehen müssen, um die Unternehmensziele zu erreichen. So behalten Sie auch im Blick, welche Stellen durch den Renteneintritt der bisherigen Stelleninhaber neu besetzt werden müssen. Mit einer Nachfolgeplanung gewinnen Sie zeitliche Spielräume.

Kreative Wege

Herkömmliche Kanäle der Personalgewinnung wie Stellenanzeigen in Zeitungen haben zwar nicht ausgedient. Sie entsprechen aber immer weniger dem Puls der Zeit und bringen oft nicht den gewünschten Erfolg. Viele Unternehmen haben erkannt, dass eine erfolgreiche Personalsuche zukünftig neue und kreative Wege beschreiten muss.

Das Internet bietet Werkzeuge, die Unternehmen gezielt nutzen können, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren und Bewerbungsprozesse schneller, aktueller, günstiger, rund um die Uhr und mit einer viel größeren Reichweite zu gestalten.

Arbeitgeber, die heute begehrte Bewerber von sich überzeugen wollen, müssen aktiv werden und potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten dort ansprechen, wo sie sich aufhalten. Prüfen Sie, welche Wege zu Ihrem Unternehmen passen und werden Sie kreativ. Auch wenn es mit Aufwand verbunden und noch wenig vertraut ist, digitale Rekrutierungswege aufzubauen und zu pflegen: für die Mitarbeitergewinnung ist dieser Bereich von großer Bedeutung und wird in Zukunft immer wichtiger werden. Und eines sollten Sie stets im Blick behalten: Kein Rekrutierungsweg ist so erfolgversprechend wie die Empfehlung Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 

Weitere Informationen und Anregungen finden Sie in folgenden Handlungsempfehlungen und Praxisbeispielen:

Downloadübersicht der Checklisten

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