Thema des Monats: Ihr Weg zum KMU 4.0

Digitalisierung – in aller Munde und doch oft schwer greifbar. Einen Überblick über die wichtigsten Aspekte bietet unser Thema des Monats:

Neue Geschäftsfelder

Die Digitalisierung bietet Ihnen nicht nur die Möglichkeit, bestehende Geschäftsfelder effizient weiterzuentwickeln, sondern eröffnet Ihnen auch völlig neue Geschäftsfelder, die es in dieser Form noch gar nicht gab oder die in Ihrem Unternehmen in dieser Form bislang nicht mitgedacht wurden. So kommt es, dass beispielsweise viele Automobilhersteller eigene Car-Sharing-Angebote entwickelt haben, auf welche die Kunden von jedem Ort (digital!) zugreifen können. Durch diese Neudefinition des Geschäftsfeldes kommen die Unternehmen dem individuellen Kundenbedürfnis nach „Mobilität“ also noch näher, als das in der vor-digitalen Zeit mit der reinen Autoproduktion je möglich war.

Auch für kleinere und mittlere Unternehmen bietet sich durch die Digitalisierung die Chance, einmal innezuhalten und zu reflektieren, welche die für das eigene Unternehmen essentiellen Geschäftsfelder sind. In welche Richtung entwickeln sich die relevanten Absatzmärkte? Steht die reine Produktion einer Ware oder die Bereitstellung einer Dienstleistung noch im Zentrum oder muss das Geschäftsfeld grundlegend neu definiert werden? Im Folgenden werden einige Themenfelder beleuchtet, die gerade auch kleinen und mittleren Unternehmen Anhalts- und Ansatzpunkte bieten, um die digitale (R)Evolution zu meistern.

Technische Voraussetzungen

Digitalisierung baut darauf auf, dass Daten ausgetauscht und verarbeitet werden — zwischen Maschinen und Menschen, zwischen Maschinen untereinander, zwischen Werkstücken und Maschinen, aber auch zwischen Unternehmen und Kunden bzw. Herstellern und Zulieferern (z. B. Big Data/Smart Data). Damit Daten allerdings überhaupt erst einmal ausgetauscht werden können, ergeben sich ganz konkrete technische Voraussetzungen, die dafür erfüllt sein müssen.

Ohne Zugang zu leistungsfähigem, schnellem Internet lösen sich die Träume von neuen Märkten und effizienteren, kostengünstigen Herstellungsprozessen schnell in Luft auf. Nur mit Breitbandanschluss (50 Mbit aufwärts) sind Sie langfristig in der Lage, individuell und zeitnah mit Ihren Kunden und Zulieferern zu kommunizieren und passgenau auf deren Wünsche einzugehen. Aus diesem Grund hat der Ausbau von Breitband-Internetverbindungen auch höchste Priorität: Denn Digitalisierung ohne die Möglichkeit „digital“ zu arbeiten ist von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Dabei kommt vor allem der Frage der verwendeten Schnittstellen eine große Bedeutung zu. Denn nicht nur Unternehmen stehen immer intensiver durch Online-Angebote und verbundene Netzwerke miteinander in Kontakt. Gleichzeitig kommunizieren im „Internet der Dinge“ auch Maschinen untereinander bzw. mit den zu bearbeitenden Werkstücken. Schon heute gibt es häufig Insellösungen, d. h. kleinere vernetzte Einheiten im Betrieb, die Daten austauschen. Durch eine weitergehende Digitalisierung der Produktion entlang der kompletten Wertschöpfungskette – von Kundenauftrag bis zur Ablieferung inklusive Buchhaltung – ergeben sich neue Herausforderungen, um den Datenaustauch zwischen den häufig noch eigenständigen Teilsystemen zu gestalten. Dabei kommt es in letzter Konsequenz nicht nur auf die Schnittstellen zwischen den Systemen im eigenen Unternehmen an, sondern diese müssen darüber hinaus auch anschlussfähig an die Systeme der Zulieferer und Kunden sein.

Rekrutierung und Arbeitgeberattraktivität

Wie wichtig das Internet nicht nur in der Herstellung von Gütern und Dienstleistungen ist, zeigt sich auch mit Blick auf die Bereiche Mitarbeitergewinnung und Arbeitgeberattraktivität. Die Herausforderungen im Recruiting haben sich in den letzten Jahren stark verändert und sind komplexer geworden – insbesondere auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der Digitalisierung: Personaler werden sich daran gewöhnen müssen, dass die Unternehmen selbst nun in der Position des Bewerbers sind. Die Digitalisierung ist hierbei ein willkommenes Werkzeug, das Sie gezielt nutzen können, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren und Bewerbungsprozesse schneller, aktueller, günstiger, rund um die Uhr verfügbar und mit einer viel größeren Reichweite zu gestalten.

Ein wichtiger Bestandteil digitaler Fachkräftesicherung ist das sogenannte E-Recruiting, das sich in vielen Facetten zeigt: Soziale Netzwerke, Podcasts, Blogs, mobile Rekrutierung, Karrierebereich auf der firmeneigenen Homepage und vieles mehr. Auch wenn diese Vielfalt dazu führen kann, dass Personaler sich unter Druck gesetzt fühlen, jedes Instrument auch anwenden zu müssen: Es ist nicht notwendig, alle Maßnahmen des E-Recruitings umzusetzen. Um zielgerichtet handeln zu können, geht es darum, die einzelnen Maßnahmen zu prüfen und dabei jene auszuwählen, die am besten zu Ihrem Unternehmen passen.

Neben den Potentialen, die sich Ihnen bei der Rekrutierung durch die Digitalisierung bieten, sollten sie auch die neuen Möglichkeiten nutzen, die Ihnen dadurch im Bereich Employer Branding entstehen. Ein gepflegter Internetauftritt Ihres Unternehmens, der auch für mobile Endgeräte optimiert ist, ist Pflicht: Hier bietet sich Ihnen die Gelegenheit, sich Ihren Kunden und dem potentiellen Fachkräftenachwuchs zu präsentieren und sich gegenüber der Konkurrenz zu profilieren. Überlegen Sie, auch soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter zu bedienen, um für Ihr Unternehmen zu werben und gerade die Digital Natives zu erreichen – aber nur dann, wenn es zu Ihrem Unternehmen passt und Sie Pflege dieser Werkzeuge gewährleisten können.

Auch wenn es mit Aufwand verbunden ist, digitale Rekrutierungs- und Imagewerkzeuge aufzubauen und zu pflegen, ist dieser Bereich für die Mitarbeitergewinnung von großer Bedeutung und wird in Zukunft immer wichtiger werden. Die Frage lautet daher nicht, ob Sie auf diesen bereits fahrenden Zug aufspringen, sondern wann und wie.

Aus- und Weiterbildung

Eine immer weiter digitalisierte Wirtschaft erfordert auch eine Belegschaft, die sich in diesem Umfeld zurechtfindet – von der Chefetage bis zur Hilfskraft. Unabhängig davon, ob komplette Produktionsprozesse digitalisiert werden oder lediglich der Online-Vertrieb ausgebaut werden soll: Ihre Belegschaft muss das dafür nötige Wissen erwerben, um die Chancen der Digitalisierung auch bestmöglich nutzen zu können. Für Sie stellt sich daher die Frage, welche Tätigkeitsfelder von der Digitalisierung in welchem Umfang betroffen sind bzw. sein werden und in welchem Umfang Ihre Beschäftigten bereits die dafür nötigen Kenntnisse besitzen. Während Unternehmen langfristig beispielsweise im Bereich der betrieblichen Ausbildung individuelle Schwerpunkte setzen können, um dem Nachwuchs das relevante Know-how zu vermitteln, ist für die bestehende Belegschaft das Thema Weiterbildung von hoher Bedeutung. Dabei ist es besonders wichtig, die Beschäftigten individuell auf dem Gebiet zu stärken, wo möglicherweise noch Defizite herrschen und entsprechend der schon vorhandenen Stärken diejenigen Weiterbildungsangebote zu wählen, die Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch tatsächlich voranbringen. „One size fits all“-Angebote sind daher voraussichtlich weniger zielführend als maßgeschneiderte, persönliche Angebote, die in ein System des lebenslangen Lernens bzw. der lebensphasenorientierten Personalpolitik eingebettet sind.

Wissenstransfer

Eng verbunden mit dem Thema der Wissensgewinnung im Rahmen von Aus- und Weiterbildung ist auch das Thema des Wissenstransfers. Wie schaffen es Unternehmen, die unterschiedlichen Talente ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und das in der Belegschaft vorhandene Wissen effizient einzusetzen, um teure Doppelungen zu vermeiden? Wie können sich Digital Natives mit den „alten Hasen“ austauschen? Hier bieten sich durch die Digitalisierung neue, innovative Möglichkeiten. Der Einsatz von Videoaufzeichnungen, die im Firmennetzwerk in einer Wissensdatenbank hinterlegt sind, erlaubt es beispielsweise den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das benötigte Wissen zur Bedienung oder Wartung einer Maschine überall und zu jeder Zeit über mobile Endgeräte nutzen zu können. Auch Wikis, FAQs, wichtige Kundeninformationen etc. können auf diese Weise zentral hinterlegt werden – und das auch mit individuellen Freigaben, so dass sensible Daten nicht allen Beschäftigten in gleicher Weise zugänglich sind. Somit ist sowohl der unternehmensinterne Wissenstransfer als auch der Datenschutz gewährleistet.

Gesundheitsmanagement und lebensphasenorientierte Personalpolitik

Die Digitalisierung kann im Arbeitsalltag generell zu neuen Herausforderungen führen. Zunehmender Termin- und Leistungsdruck ist vor allem bei denjenigen verbreitet, die im Job häufig moderne Kommunikationstechnologien nutzen. Dabei wird es vermehrt wichtig werden, die Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (weiter) zu entwickeln, um sie krisenfest zu machen und auf die hohen Anforderungen einer digitalen Arbeitswelt vorzubereiten. Führungskräfte, Belegschaft aber auch die Unternehmen selbst werden in Zukunft zunehmend die Fähigkeit benötigen, unvorhersehbare Ereignisse aktiv anzugehen und möglichst gestärkt daraus hervorzugehen, also resilient zu sein. Individuelle und organisationale Resilienz wird zu einem wesentlichen Faktor in der Arbeitswelt der Zukunft.

Damit Sie Ihren wichtigsten Erfolgsfaktor, nämlich Ihre Beschäftigten, nicht verlieren, wird es von zentraler Bedeutung werden, sie darin zu unterstützen, ihre Widerstandsfähigkeit auf- und auszubauen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden so befähigt, ihre individuellen Bewältigungsstrategien für die verschiedenen Anforderungen zu entwickeln und trotz vieler Unwägbarkeiten handlungsfähig in unterschiedlichen Situationen zu sein. Unterstützen können Sie Ihre Beschäftigten durch guten Rahmenbedingungen, die es ihnen ermöglichen, eine Balance zwischen Flexibilität und Stabilität zu entwickeln.

Ein Konzept, das eben solche Rahmenbedingungen bietet, ist die lebensphasenorientierte Personalpolitik, die auf die Bedürfnisse der Beschäftigten ausgerichtet ist. Flexible Arbeitszeitmodelle ermöglichen Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Arbeit und Privatleben miteinander zu vereinbaren. Dabei können Ihre Beschäftigten von den Möglichkeiten der Digitalisierung profitieren. Dank moderner Informations- und Kommunikationstechnologien ist die Arbeit außerhalb des Arbeitsortes problemlos möglich. Die sogenannte Telearbeit („Homeoffice“) ist besonders dann beliebt, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Ihre Beschäftigten gewinnen nicht nur an Flexibilität, sondern auch an Zeit, sobald der Arbeitsweg wegfällt. Dies bietet mehr Freiraum für Familienzeit oder die Pflege von Angehörigen.

Ganz wichtig für eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie: Binden Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv bei Fragen der Digitalisierung in Ihrem Unternehmen ein! Nur so schaffen Sie es, die Herausforderungen der Digitalisierung erfolgreich zu meistern.

Kooperationen und Netzwerke

Neue Geschäftsfelder, technische Voraussetzungen, Weiterbildung der Belegschaft, veränderte Personalarbeit: Können Sie all diese Themen überhaupt alleine angehen? Die Herausforderungen der Digitalisierung beschäftigen nicht nur Sie. Der Umgang mit „der Digitalisierung“ wird umso einfacher, wenn Sie sich in Netzwerken zusammenschließen und mit Forschungseinrichtungen und anderen Partnern kooperieren – auch und insbesondere über Branchengrenzen hinweg. Das Bundeswirtschaftsministerium hat in diesem Jahr zur besseren Vernetzung von KMU sogenannte „Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren“ ins Leben gerufen, die digitale Lösungen und Innovationen auch kleineren Unternehmen zugänglich machen sollen. Nutzen Sie neue Erkenntnisse und tauschen Sie sich mit anderen aus – auf diese Weise bleiben Sie am Puls der Zeit und bekommen Anregungen, wie auch Sie von der Digitalisierung profitieren können.


Im Experteninterview beantwortet Dr. Vera Demary vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln unter anderem die Fragen, was Digitalisierung für KMU bedeutet und wie sich Betriebe auf eine digital vernetzte Arbeitswelt vorbereiten können.

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