Thema des Monats: Berufe mit Aufstiegsfortbildung

Meister und Techniker – Begehrte Fachkräfte finden und binden

Berufe, die üblicherweise einen Fortbildungsabschluss wie den Meister, Techniker oder Fachwirt voraussetzen, bieten gute Erwerbs- und Karriereperspektiven. Personen mit Fortbildungsabschluss haben derzeit das geringste Risiko, arbeitslos zu werden. Ihre Erwerbslosenquote liegt unterhalb der von Akademikern bei rund 2 Prozent.

Berufliche Aufstiegsfortbildungen qualifizieren für anspruchsvolle Fachaufgaben und Führungsfunktionen. Diese Spezialisten zeichnen sich im Vergleich zu Akademikern durch eine große Praxisnähe und ein breites Tätigkeitsprofil aus und sind so für viele Betriebe unersetzlich.

Unternehmen geraten zunehmend unter Druck

Die Arbeitsmarktsituation hat sich aus Unternehmenssicht in den vergangenen fünf Jahren deutlich verschärft: Gab es im August 2011 noch 22 Engpassberufe, die typischerweise eine Aufstiegsfortbildung voraussetzen, waren es im März 2016 bereits 35 Berufe. Das bedeutet: In jedem dritten dieser Berufe reicht die Zahl der Arbeitslosen nicht aus, um alle offenen Stellen im Bundesgebiet zu besetzen.

Anzahl Engpassberufe mit Aufstiegsfortbildung im Zeitablauf

August 2011 bis März 2016

Quelle: BA, 2016, Sonderauswertungen; eigene Berechnungen


Am stärksten betroffen sind derzeit die Bereiche „Gesundheit, Soziales und Bildung“ mit zehn Berufen sowie die „Bau- und Gebäudetechnik“ mit sechs Engpassberufen. Zu diesen Berufen gehören beispielsweise Elektrotechniker, Meister im Bereich Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik sowie Fachkrankenpfleger. Bei kaufmännischen Berufen, in der Landwirtschaft und selbst in der Informatik gibt es hingegen derzeit keine Engpässe an Spezialisten. 

Ausgeprägte Fachkräfteengpässe im Süden

Unternehmen in Süddeutschland tun sich mit der Rekrutierung von Spezialisten am schwersten. In Baden-Württemberg kommen auf 100 gemeldete offene Stellen in Berufen mit Aufstiegsfortbildung 130 Arbeitslose. In keinem anderen Bundesland sind es weniger. Spezialisten werden hier vor allem in der Pflege sowie in der Metall- und Elektroindustrie gesucht.

Wichtig zu verstehen ist, dass nur etwa jede zweite offene Stelle bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet wird. Das bedeutet: 130 Arbeitslose in Baden-Württemberg reichen nicht aus, um alle 200 offenen Stellen zu besetzen. Auch in Bayern (159 Arbeitslose), Rheinland-Pfalz (177 Arbeitslose) und Hessen (188 Arbeitslose) ist dies der Fall.

Für Betriebe deutlich entspannter gestaltet sich die Gesamtsituation in den ostdeutschen Bundesländern. In Berlin kommen 456 Arbeitslose auf 100 gemeldete Stellen, in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind es 330 beziehungsweise 293 arbeitslos Gemeldete.

Regionale Engpassrelationen in Berufen mit Aufstiegsfortbildung

Relation aus Arbeitslosen und gemeldeten offenen Stellen im Februar 2016, nach Bundesländern

Quelle: BA, 2016, Sonderauswertungen; eigene Berechnungen

Fachkräfteengpässe können entschärft werden, wenn Sie…

  • Ihre Mitarbeiter weiterbilden
    Prüfen Sie, ob eine bereits beschäftigte Fachkraft über die nötigen formalen Voraussetzungen, die fachliche Eignung sowie die erforderliche Motivation und Ausdauer für eine Aufstiegsfortbildung verfügt. Mit der Weiterbildung eigener Mitarbeiter sparen Sie Such-, Informations-, Einarbeitungs- und im schlimmsten Fall Fehlbesetzungskosten im Vergleich zur externen Rekrutierung einer Person mit Fortbildungsabschluss. Unterstützen Sie fortbildungswillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit zeitlicher Freistellung von der Arbeit und finanziellen Zuschüssen. Benennen Sie Mentoren oder ermöglichen Sie einen betriebsinternen Erfahrungsaustausch mit vorhergehenden Prüfungsteilnehmern. Tragen Sie Ihren Teil dazu bei, dass die Abschlussprüfung gelingt. So sorgen Sie selbst für Ihren hochqualifizierten Fachkräftenachwuchs. Mehr Tipps zum Thema Mitarbeiterqualifizierung finden Sie in unserer Handlungsempfehlung Betriebliche Weiterbildung.
  • Ihre Rekrutierungswege ausweiten
    Kleine und mittlere Unternehmen nutzen bisher selten überregionale Rekrutierungsmaßnahmen, um passende Fachkräfte zu gewinnen. Dies kann sich aber lohnen, da Engpässe regional sehr unterschiedlich auftreten. Suchen Sie überregional nach Spezialisten! Motivieren Sie potenzielle Mitarbeiter, beispielsweise indem Sie Unterstützung beim Umzug, bei der Suche nach einer Arbeitsstelle für den Partner oder Kita-Plätzen anbieten. Die überregionale Ausschreibung von Stellen – beispielsweise in Online-Stellenbörsen oder sozialen Netzwerken – sollte immer mitgedacht werden.

Potenziale der Digitalisierung intensiver nutzen
Gerade in einigen Berufen mit andauernden Engpässen kann es sinnvoll sein, stärker in Digitalisierung zu investieren. Wenn Computer und Maschinen einen Teil der Tätigkeiten übernehmen, werden Spezialisten, die auf dem Arbeitsmarkt rar sind, entlastet. So können Sie mit ihren vorhandenen Fachkräften mehr Aufträge annehmen und ausführen. Diese Potenziale dürften für Fortbildungsberufe in der Automatisierungstechnik und Elektrotechnik besonders hoch sein. Hier ist der Anteil an Tätigkeiten, die durch computergesteuerte Maschinen substituiert oder unterstützt werden können, vergleichsweise hoch.

Auch die Politik hat reagiert und verbessert zum 1. August 2016 die finanzielle Förderung im Rahmen des „Meister-BAföG“, der dann zum „Aufstiegs-BAföG“ wird. Ausgebaut werden sollte hingegen die Beratungsinfrastruktur für Fortbildungsinteressierte.

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