Thema des Monats: Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen

Hatten Sie schon einmal ein ausländisches Zeugnis in der Hand und konnten nicht einschätzen, was dahintersteckt? Haben Sie sich schon einmal gefragt, welche  Ausbildungsinhalte Ihre Mitarbeiterin oder Ihr Mitarbeiter in der Ausbildung im Ausland erlernt hat? So geht es vielen Unternehmen – und das Anerkennungsgesetz hilft seit 2012, diese Fragen zu beantworten.

Allein im Jahr 2015 wurden deutschlandweit über 17.000 Anträge auf berufliche Anerkennung beschieden. Bei den meisten Antragsteller erfolgte die Anerkennung gleich im ersten Anlauf: Bei 74 Prozent der Anträge wurde eine „volle Gleichwertigkeit“ der ausländischen Qualifikation mit dem deutschen Abschluss bescheinigt. Für Sie als Arbeitgeber heißt das, dass Sie die ausländische Fachkraft wie eine deutsche Fachkraft desselben Berufs einsetzen können. Das klingt lohnenswert? Ist es auch!

Auf einen Blick: Wie profitieren Sie als Arbeitgeber von einer beruflichen Anerkennung?

Die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen…

  • …ist ein Instrument für Sie, um Fachkräfte zu finden und Stellen passgenau zu besetzen.
  • …stärkt die Mitarbeiterbindung, da Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die Anerkennung ihrer Qualifikation auch eine Wertschätzung ihres bisher erworbenen Wissens und Könnens erfahren.
  • …kann Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Zugang zu Fortbildungen eröffnen, wie zum Beispiel Aufstiegsfortbildungen mit Meister- oder Technikerabschluss.
  • …fördert die interkulturelle Vielfalt im Betrieb, denn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen bringen neue Perspektiven und Ideen sowie kulturelles Wissen und fremdsprachliche Kompetenz mit ein.
  • …ist gut für Ihr Unternehmensimage gegenüber Kunden, Geschäftspartnern und der Öffentlichkeit und macht Sie als Arbeitgeber für begehrte Arbeitnehmer mit ausländischen Abschlüssen attraktiver.

Für wen ist das Verfahren sinnvoll?

Generell ist das Verfahren für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Bewerberinnen und Bewerber sinnvoll, die im Ausland eine staatlich anerkannte Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen haben.

Für manche Berufe ist die Anerkennung sogar ein Muss, um in Deutschland in diesem Bereich tätig zu sein. Bei diesen Berufen handelt es sich um die sogenannten reglementierten Berufe, deren Ausübung an einen bestimmten Berufsabschluss gebunden ist. Dazu zählen z. B. die Gesundheitsberufe oder Meister im zulassungspflichtigen Handwerk, wie die Friseurmeisterin bzw. der Friseurmeister.

Für nicht-reglementierte Berufe, wie alle dualen Ausbildungsberufe, ist die Anerkennung freiwillig. Für Sie als (potenziellen) Arbeitgeber erleichtert sie aber die Einschätzung der vorhandenen Qualifikationen.

Wie läuft das Anerkennungsverfahren ab?

Bevor es losgeht, ist eine Anerkennungsberatung Ihres Mitarbeiters oder Ihrer Mitarbeiterin sinnvoll. Dafür kann er bzw. sie sich an das Netzwerk Integration durch Qualifizierung (IQ-Netzwerk) wenden. Der Anerkennungsfinder von Anerkennung in Deutschland hilft dabei, herauszufinden, welche zuständige Stelle das Ankerkennungsverfahren, sprich die Gleichwertigkeitsprüfung, durchführt. Im nächsten Schritt stellt der ausländische Mitarbeiter bzw. die ausländische Mitarbeiterin den Antrag bei der zuständigen Stelle. Diese führt eine Prüfung durch, bei der sie das Curriculum der Ausbildung im Ausland mit dem Curriculum des deutschen Referenzberufs vergleicht. Aber auch Berufserfahrung und weitere Nachweise wie Arbeitszeugnisse werden berücksichtigt. Anschließend stellt die zuständige Stelle einen Bescheid aus, der das Ergebnis der Prüfung enthält. Sie als Arbeitgeber können dem Bescheid entnehmen, was Ihre Mitarbeiterin oder ihr Mitarbeiter schon gelernt hat. Zudem erfahren Sie, wo wesentliche Unterschiede zum deutschen Referenzberuf bestehen. Um solche Unterschiede auszugleichen, gibt es in Deutschland verschiedene Qualifizierungsmaßnahmen.

Wie können Unternehmen beim Anerkennungsverfahren unterstützen?

Als Arbeitgeber haben Sie zahlreiche Möglichkeiten, Ihre Mitarbeiterin oder Ihren Mitarbeiter beim Anerkennungsverfahren zu begleiten und zu unterstützen. Die folgende Checkliste dient Ihnen dabei als Wegweiser.

Vor dem Anerkennungsverfahrenberücksichtigt
Gespräch mit der Mitarbeiterin bzw. dem Mitarbeiter führen: Bei Bedarf das Interesse an einer beruflichen Anerkennung klären sowie die Vorteile des Anerkennungsverfahrens besprechen.

Möglichkeit der Antragsberechtigung prüfen lassen, z. B. von der zuständigen Kammer oder einer Beratungsstelle des Netzwerks „Integration durch Qualifizierung“ (IQ-Netzwerk)

  • Falls möglich: Anerkennungsverfahren über die zuständige Stelle (z. B. Kammer) in die Wege leiten
  • Falls nicht möglich: Alternativen besprechen, z. B. Externenprüfung oder Berufsausbildung
Ihre Mitarbeiterin bzw. Ihren Mitarbeiter bei der Zusammenstellung der Antragsunterlagen unterstützen: unter anderem Zeugnisse (Original und Übersetzung), Lebenslauf, Identitätsnachweis
optional: finanzielle Unterstützung klären, Fördermöglichkeiten ausfindig machen
bei Bedarf: Bei der Suche nach einer vereidigten Übersetzerin / einem vereidigten Übersetzer unterstützen
Arbeitszeugnis mit detaillierter Tätigkeitsbeschreibung ausstellen
bei Bedarf: Gemeinsam mit Antragstellerin / Antragsteller und zuständiger Stelle klären, welcher deutsche Referenzberuf zu dem ausländischen Abschluss passt bzw. die besten Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt bietet
Während des Anerkennungsverfahrens
Für die zuständige Stelle (z. B. Kammer) als Ansprechpartnerin / Ansprechpartner zur Verfügung stehen
Nach dem Anerkennungsverfahren
Besprechung des Ergebnisses und Abgleich mit den Aufgaben im Unternehmen
vertragliche Rahmenbedingungen ggf. anpassen
prüfen, ob eine Anpassung der Aufgaben durchgeführt werden sollte
Bei Bedarf weitere interne oder externe Qualifizierung ermöglichen
  • bei nicht-reglementierten Berufen: Anpassungsqualifizierung (in enger Rücksprache mit der zuständigen Stelle)
  • bei reglementierten Berufen: Ausgleichsmaßnahme, z. B. Anpassungslehrgang oder Prüfung
Bei negativem Bescheid alternative Möglichkeiten zum Anerkennungsverfahren aufzeigen, z. B. (verkürzte) Berufsausbildung oder Externenprüfung zum Erwerb eines Berufsabschlusses
Bei der Vorbereitung auf die Kenntnis- oder Eignungsprüfung unterstützen; Unterstützungsmöglichkeiten prüfen.

Unterstützungsmöglichkeiten

  • Anerkennungszuschuss: Mit dem Anerkennungszuschuss können ab Dezember 2016 unter bestimmten Voraussetzungen u. a. Kosten für Übersetzungen, Beglaubigungen von Zeugnissen und Abschlüssen sowie Gutachten und Kosten für Qualifikationsanalysen erstattet werden (zur Webseite).
  • KURSNET: Über das Portal für berufliche Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit finden Sie unter dem Stichwort „Anpassung“ bzw. „Anpassungsqualifizierung“ bundesweit Kurse für Maßnahmen bei Bildungsanbietern. Die Kurse richten sich an Antragsteller, die nur eine teilweise Gleichwertigkeit erhalten haben und die fehlenden Bausteine für eine volle Gleichwertigkeit nachholen möchten (zur Webseite).
  • Netzwerk Integration durch Qualifizierung (IQ-Netzwerk): Das Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung“ (IQ-Netzwerk) verfolgt das Ziel, Menschen mit Migrationshintergrund in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dazu führt das Netzwerk unter anderem bundesweit Anerkennungsberatung für Menschen mit ausländischen Berufsabschlüssen durch. Sogenannte IQ-Qualifizierungen vermitteln außerdem das nötige Wissen und die Fähigkeiten, um bei teilweiser Gleichwertigkeit die Unterschiede zum Referenzberuf auszugleichen (zur Webseite).
  • Prototyping Transfer: Wer im Ausland einen Abschluss erworben hat und nicht mehr alle Dokumente hat, kann bei einer sogenannten Qualifikationsanalyse seine beruflichen Kompetenzen praktisch nachweisen. Das Projekt „Prototyping Transfer“ kann die Kosten dafür übernehmen (zur Webseite).
  • Informationen zu weiteren nationalen und länderspezifischen Fördermöglichkeiten sind im BQ-Portal dargestellt (zur Webseite).

Weitere Informationen

  • KOFA-Handlungsempfehlung „Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse“ (zur Handlungsempfehlung)
  • Was das Anerkennungsverfahren mit Employer Branding zu tun hat, wie der passende Referenzberuf ausgewählt wird und wie der Bescheid am Ende des Verfahrens zu lesen ist, verrät Anerkennungsexperte Daniel Wörndl vom BQ-Portal in einem Interview mit dem KOFA (zum Experteninterview).
  • BQ-Portal, das Informationsportal für ausländische Berufsqualifikationen. Im Portal finden Sie auch zahlreiche Praxisbeispielen von Unternehmen, die beim Anerkennungsverfahren unterstützt haben (zur Rubrik Praxisbeispiele).
  • Anerkennung in Deutschland, das Informationsportal der Bundesregierung zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen (zur Webseite).
  • Eine ausführliche Auswertung der amtlichen Statistik zum Anerkennungsgesetz des Bundes für 2015 finden Sie auf der Seite von Anerkennung in Deutschland (zur Webseite) und im BQ-Portal (zur Webseite).

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