Thema des Monats: Ausbildung als Chance für Geflüchtete und Betriebe

Sie als Ausbildungsbetrieb haben Schwierigkeiten Ihre Ausbildungsstellen zu besetzen? Vielen Ihrer Wettbewerber geht es ganz ähnlich. Der Grund liegt darin, dass die Zahl der Schulabgängerinnen und -abgänger sinkt und sich immer weniger Jugendliche für eine betriebliche Ausbildung interessieren. Die meisten hegen den Wunsch, ein Studium zu beginnen. Dabei verkennen viele die zahlreichen Karrieremöglichkeiten, die eine duale Ausbildung bietet – für einheimische ebenso wie geflüchtete Jugendliche. In letzter Zeit kamen viele Menschen zu uns, die neben einem sicheren Leben auch die Chance auf eine berufliche Zukunft in Deutschland suchen. Geflüchtete sind häufig bereit, vollen Einsatz zu bringen und diese Chance zu ergreifen. Sie bringen andere Erfahrungen und Voraussetzungen mit als übliche Bewerber.

Sie haben nicht immer von Anfang an fortgeschrittene Deutschkenntnisse und können auf der Flucht traumatische Erfahrungen gemacht haben. Mitunter müssen sie auch schulische Kenntnisse noch aufholen. Aber sie bringen meist eine Menge mit: Motivation, Durchhaltevermögen, Erfahrung im Umgang mit schwierigen Situationen und eine große persönliche Reife. Oft können sie zusätzlich mit praktischen Berufserfahrungen punkten, die sie in ihrem Heimatland gemacht haben. Und das zahlt sich aus!

So finden Sie Flüchtlinge für einen Ausbildungsplatz

Um geeignete Nachwuchskräfte zu finden, gibt es mehrere Möglichkeiten. Grundsätzlich haben alle Kontaktmöglichkeiten ihre Vor- und Nachteile. Sie müssen für Ihr Unternehmen entscheiden, welche Vorgehensweise die geeignete ist. Häufig bietet sich auch die Kombination verschiedener Wege an. Die zielführendsten Optionen haben wir für Sie in einer Grafik zusammengestellt (diese können Sie hier als PDF herunterladen):

Außerdem haben wir eine detailliertere Beschreibung der Kontaktwege mit Ansprechpartnern und mehr Tipps zum genaueren Vorgehen erstellt.

Was Sie bei der Einstellung beachten sollten

Die gute Nachricht zuerst: Rechtlich ist bei der Ausbildung Geflüchteter erstaunlich wenig zu beachten, sofern es sich um anerkannte Flüchtlinge handelt. Aber auch bei Geduldeten und Asylbewerbern gibt es viele Möglichkeiten für eine Ausbildung. Genaueres finden Sie in unserer Übersicht „Ausbildung von Flüchtlingen“.

Haben Jugendliche ihre Schulzeit in Deutschland verbracht, können erfahrene Ausbilderinnen und Ausbilder ihren Kenntnisstand in der Regel gut einschätzen. Viele Flüchtlinge haben jedoch Teile oder sogar ihre gesamte Schulzeit im Ausland verbracht. Dort haben sie mitunter sogar schon eine schulische oder berufliche Ausbildung absolviert oder an einer Universität studiert. Der Umfang und die Inhalte dieser Bildungsangebote können sich von Angeboten in Deutschland stark unterscheiden. Auf www.bq-portal.de finden Sie zahlreiche Informationen zu den Bildungssystemen der Herkunftsländer, wie Syrien, Afghanistan oder dem Irak. Diese helfen Ihnen dabei, die erworbenen Kenntnisse Ihrer Kandidatinnen und Kandidaten besser einzuschätzen.

Hinzu kommt, dass Flüchtlinge nicht immer alle Zeugnisse und Zertifikate bei der Flucht mitnehmen konnten. Andere Neuankömmlinge haben die Schule in ihrem Heimatland wiederum nur wenige Jahre besucht. Für Ausbildungsverantwortliche ist es daher im Vorhinein schwer einzuschätzen, auf welches Vorwissen sie bei diesen Jugendlichen aufbauen können und welche Bereiche besonders zu fördern sind. Insbesondere ausreichende Sprachkenntnisse sind Grundvoraussetzung, um in eine Ausbildung starten zu können.

Für ausbildende Unternehmen ist es notwendig, Informationen zu dem Bildungshintergrund und dem Sprachniveau der Geflüchteten zu haben. Besonders hervorzuheben ist hierbei die Einschätzung des Sprachniveaus. Wie Sie dieses einschätzen und wie Sie Auszubildende unterstützen können, ihre Deutschkenntnisse weiter zu verbessern, finden Sie ebenfalls auf unserer Homepage. Bedenken Sie bei der Einschätzung, dass auch deutsche Auszubildende vor Ausbildungsbeginn nicht alle Fachbegriffe kennen. Seien also zu Beginn nachsichtig, wenn nicht jedes Wort zu hundert Prozent sitzt. Eine Ausbildung ist für Geflüchtete eine große Chance den Umgang mit der deutschen Sprache zu verfestigen.

Vielversprechende Formen der Ausbildung

Wenn ein Geflüchteter die Anforderungen an eine Ausbildung in Ihrem Unternehmen nicht von Anfang an erfüllt, muss das kein Ausschlusskriterium sein. Mit der Einstiegsqualifizierung (EQ) besteht eine äußerst vielversprechende Möglichkeit, Kandidatinnen und Kandidaten über einen längeren Zeitraum im Rahmen eines Praktikums kennenzulernen und auf eine Ausbildung vorzubereiten. Sechs bis maximal zwölf Monate sind die Auszubildenden in Ihrem Betrieb. In dieser Zeit lernen Sie Ihren Betrieb und einen von Ihnen angebotenen Ausbildungsberuf unverbindlich kennen. Die lokale Arbeitsagentur übernimmt hierbei in der Regel bis zu 231 Euro der monatlichen Vergütung als auch einen Teil der Sozialversicherungsbeiträge. Und das Beste: Wenn die Einstiegsqualifizierung erfolgreich verläuft und es zu einem Ausbildungsvertrag kommt, rechnet sich dies auch in der Ausbildung. Die Zeit der Maßnahme kann häufig auf die Ausbildungszeit angerechnet werden. Mehr zum Thema Einstiegsqualifizierung finden Sie unserer Handlungsempfehlung zur Berufsvorbereitung im Betrieb.

Ein guter Einstieg können auch zweijährige Ausbildungsberufe sein. Gerade dann, wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihre Nachwuchskraft noch die ein oder anderen theoretischen Grundlagen nachholen muss. Einige Tätigkeiten können mit den Inhalten einer zweijährigen Ausbildung problemlos bewältigt werden. Und so mancher Auszubildender blüht während einer zweijährigen Ausbildung auf und macht im Anschluss das dritte Ausbildungsjahr mit links. So kann beispielsweise auf den Maschinen- und Anlagenführer im Anschluss eine Ausbildung zum Industrie- oder Werkzeugmechaniker aufbauen. Eine Übersicht aller zweijährigen Ausbildungsberufe und passende Anschlussmöglichkeiten finden Sie auf dem Informationsportal „Planet Beruf – Mein Start in die Ausbildung“ der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Unterstützungsmöglichkeiten für Arbeitgeber

Ob die Kammern vor Ort, Berufsschulen oder die Jugendhilfe – in jeder Ausbildung haben Sie Partner an Ihrer Seite. Bilden Sie Geflüchtete aus, können Sie sogar auf weitere Unterstützung bauen. Hierzu gehören allen voran die Willkommenslotsen. Ihre Aufgabe: Sie beraten kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten in allen praktischen Fragen der betrieblichen Integration von Flüchtlingen – und damit auch bei Fragen der betrieblichen Ausbildung. Sie erhalten so vor Ort die wichtigsten Informationen zu rechtlichen Rahmenbedingungen und erfahren, wo Sie weiterführende Informations- und Unterstützungsmöglichkeiten finden. Willkommenslotsen unterstützen Sie außerdem dabei, mögliche Vorbehalte und Unsicherheiten in Ihrer Belegschaft abzubauen. Weitere Informationen zu den Willkommenslotsen gibt es hier.

Mit dem ESF-Bundesprogramm „Integration von Asylsuchenden und Flüchtlingen“ (IvAF) existiert ein bundesweites Netzwerk aus einzelnen Projekten, deren Ziel darin besteht, möglichst viele Geflüchtete in den Arbeitsmarkt und in Ausbildung zu integrieren. Die einzelnen Projekte sehen sich dabei als Ansprechpartner sowohl für Geflüchtete als auch für Unternehmen, Ehrenamtliche und Arbeitsagenturen. Jedes Projekt besitzt unterschiedliche Handlungsschwerpunkte – sei es die Vermittlung in Arbeit und Ausbildung, die Akquise von interessierten Betrieben oder die Vernetzung der einzelnen Akteure. Von einigen Projekten werden auch Schulungen für Betriebe angeboten, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die interkulturellen Herausforderungen, potenzielle Beschäftigungsformen sowie staatliche Fördermöglichkeiten informiert werden. Über die Liste aller regionalen IvAF-Projektträger können Sie Kontakt zu dem Netzwerk aufbauen.

Im Programm „Perspektive für junge Flüchtlinge im Handwerk“ werden ab April 2016 bis zu 10.000 junge Menschen unter 25 Jahre dabei unterstützt, eine Ausbildung im Handwerk beginnen zu können. Die Geflüchteten müssen hierfür bereits eine erste Berufsorientierung und grundlegende Sprachkenntnisse vorweisen können. Durch eine Kombination aus einer vertieften Berufsorientierung in den Bildungszentren des Handwerks gepaart mit Praxisphasen werden Sie für eine Ausbildung im Handwerk fit gemacht. Die Praxisphasen finden in Unternehmen statt. Dies bietet Ihnen die Gelegenheit Kontakte zu knüpfen und potenzielle Nachwuchskräfte im Arbeitsalltag kennenzulernen. Wenden Sie sich an Ihre örtliche Handwerkskammer und bringen Sie in Erfahrung, ob diese an dem Programm teilnimmt und Sie als Praktikumsbetrieb für die Maßnahme aufnimmt.

Auch die Industrie- und Handelskammern sowie deren Bildungswerke unterstützen Unternehmen bei der Integration Geflüchteter. Je nach Kammer stehen unterschiedliche Projekte zur Verfügung. So können Ihnen diese Projektmitarbeiter beispielsweise bei der Vermittlung von Einstiegsqualifizierungen und Ausbildungsplätzen helfen, geeignete Bewerberinnen und Bewerber identifizieren sowie Ihren Betrieb während der Ausbildungszeit beraten. In einer aktuellen Broschüre sind alle Projekte und Aktivitäten der IHK-Organisationen zur Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Beschäftigung zu finden. Fragen Sie bei Ihrer örtlichen Kammer nach, ob es entsprechende Aktivitäten gibt und wie diese gestaltet sind.

Weitere Informationen erhalten Sie hier:
KOFA-Dossier zum Thema „Flüchtlinge integrieren“
Weitere Informationen zu den Willkommenslotsen auf kofa.de

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