Thema des Monats: Digitalisierung und betrieblicher Alltag

Industrie 4.0, Internet der Dinge, Cloud Computing – das Thema Digitalisierung ist nicht zuletzt durch die diesjährigen Schwerpunktsetzungen der Cebit und der Hannover Messe in aller Munde. Auch die Berichterstattung in Printmedien, TV und Internet greift das Thema fast täglich auf. Doch was genau verbirgt sich eigentlich hinter dem Schlagwort und welche Auswirkungen hat ein zunehmender Grad an digitaler Vernetzung auf Ihren betrieblichen Alltag? Je nachdem in welcher Branche Sie arbeiten, sagen Sie vielleicht abwinkend: Mein Unternehmen betrifft das Thema aktuell nicht. Doch ob Sie wollen oder nicht, ob sie sich bereits in Ihrem beruflichen Alltag niederschlägt oder nicht, die Digitalisierung beeinflusst unser Leben weitreichend. 

Veränderungsprozesse in Kommunikation und Produktion

Die Möglichkeiten der Vernetzung und die Interaktion der Beschäftigten mit intelligenten Maschinen werden die Aufgaben und Arbeitsprozesse deutlich verändern – und diese Entwicklung hat bereits begonnen. Schließlich haben viele Industrieunternehmen schon vor Jahren damit begonnen, in Automatisierungstechnik und Informationssysteme zu investieren. Und eine moderne „Just-in-time Produktion“, also eine genau am Bedarf orientierte Produktion, wäre ohne den Einsatz digitaler Technik nicht denkbar. Der aktuelle Wirbel um das Thema Digitalisierung kommt insbesondere dadurch zustande, dass Informationen mittlerweile durch neue Computersysteme und stetig gewachsene Internetverfügbarkeit jederzeit, überall und von jedermann erfasst, verarbeitet und ausgewertet werden können. Kurzum: Die digitale Vernetzung der bisher separaten IT-Systeme, wie zum Beispiel eine Logistiksoftware- mit dem Buchhaltungsprogramm, ermöglicht Ihnen neue Arten der Produktion. Außerdem beschleunigt und verändert die direkte, sofortige Kommunikation zwischen Herstellern, Zulieferern und Kunden viele Prozesse. Mit diesen Veränderungen sind Vorteile für Sie und Ihre Kunden verbunden: Während Sie als Unternehmen durch eine effizientere und somit günstigere Produktion Kosten sparen können, profitieren Ihre Kunden von einem breiteren Angebot zu günstigeren Preisen. 

Nicht ob, sondern wann Sie dabei sind, ist relevant! 

Ergebnisse des IW-Personalpanels (2014) zeigen, dass sich ein Großteil der befragten Unternehmen noch nicht eingehend mit dem Thema „Industrie 4.0“ befasst: Nur knapp 14 Prozent der Unternehmen haben sich bereits intensiv mit dem Einsatz digitaler Technik in allen relevanten Geschäftsbereichen befasst. Dabei bietet die Entwicklung Chancen für alle Branchen und Unternehmensgrößen.
Der Wandel schlägt sich nicht von heute auf morgen auf Ihren beruflichen und betrieblichen Alltag nieder, aber Sie sollten ihn im Blick behalten und sich aktiv über Chancen für Ihre Firma Gedanken machen. Insbesondere die aktuelle Diskussion um die Sicherheit der Datenströme in der digitalisierten Welt macht deutlich, dass bis zur vollständig vernetzten Produktion und der „smart factory“ (intelligente Fabrik ohne menschliche Eingriffe) noch ein langer Weg beschritten werden muss. Gleichzeitig herrscht aber auch weitgehend Einigkeit darüber, dass sich der Prozess der Digitalisierung nicht aufhalten lässt. Die Hauptfrage für Sie wird sein, in wieweit sich für Sie durch den Einsatz neuer Technik neue Produktions- und Absatzmöglichkeiten ergeben und wie Sie qualifiziertes Personal für die neuen Prozesse beschaffen bzw. qualifizieren.  Unternehmen rechnen in den nächsten 5-10 Jahren insbesondere mit einer Zunahme des erforderlichen technischen und IT-Fachwissens  (IW-Personalpanel, 2014). So ist auch Ihre Personalabteilung gefordert sich mit den neuen Entwicklungen und Veränderungen zu beschäftigen und neue Strategien zu entwickeln - vor allem in den Bereichen Aus- und Weiterbildung. Denn es müssen zur rechten Zeit die richtigen Fachkräfte da sein und das nötige Know-how einbringen – der Faktor Mensch entscheidet über den langfristigen Erfolg Ihres Unternehmens.

Ausbildung – technologieoffen und handlungsorientiert

Nun könnte man meinen, dass neue Ausbildungsberufe her müssen, um die Herausforderungen und Veränderungsprozesse durch die Digitalisierung aufzufangen. Dabei existieren zahlreiche, vor allem in den Berufsgruppen der IT-, Elektro- und Metallberufe, die bereits systemorientiert und auf branchenübergreifende Zusammenarbeit ausgelegt sind. Fachkräfte sollen in der Lage sein, über ihren eigenen Einsatzort hinaus Prozesse zu erfassen und die Auswirkungen, die sich aus Änderungen einzelner Arbeitsschritte ergeben, „mitzudenken“. Was aber laut ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V.) noch fehlt, ist eine strukturierte Übersicht über die neuen relevanten Qualifikationsprofile, die zur Anpassung an den technischen Fortschritt notwendig sind. Die für die Digitalisierung der Arbeitsprozesse  benötigten Fähigkeiten sollten für die nachkommende Generation bereits früh in der Schule und während der Ausbildung vermittelt werden.

Moderne Fachkräfteentwicklung – betriebliche Weiterbildung

Besonders über die Weiterbildung und die Anpassung der Inhalte eröffnet sich der bedeutendste Weg zur Anpassung an die neuen Bedarfe – versorgen Sie Ihre Beschäftigten durch konstante Weiterbildung im Sinne des lebenslangen Lernens mit dem neuesten Wissen. Denn bei all der Fokussierung auf neue Technologien sollten Sie nicht vergessen, dass Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diejenigen sind, die die Innovationen tragen und umsetzen. Mit rechtzeitigen Fort- und Weiterbildungen bereiten Sie Ihre Fachkräfte auf die Herausforderungen der Digitalisierung vor und begegnen zudem Personalengpässen. Dabei könnte sich die arbeitsprozessorientierte Weiterbildung (APO) als besonders geeignet herausstellen, die ursprünglich aus dem IT-Bereich kommt. Gemeint ist dabei das Lernen in Echtzeit am Arbeitsplatz anhand realer Aufgaben und Projekte. Anders als bei bisherigen Weiterbildungen in Form von Kursen oder Seminaren lernen die Beschäftigten also in ihrem Arbeitsumfeld und Team direkt in den neuen Arbeitsprozessen. Diese können Sie als Unternehmen den eigenen Erfordernissen entsprechend anpassen. Das zeitlich wie räumlich flexible Modell ist gleichermaßen prozessorientiert und integriert Arbeit und Lernen. 

Mehr Digitalisierung – weniger Mensch?

Wie genau allerdings die Digitalisierung das Angebot und die Nachfrage nach Fachkräften zukünftig verändern wird, lässt sich zum heutigen Tage noch nicht exakt abschätzen. Während bei Unternehmen ein verstärkter Bedarf an technisch qualifizierten Arbeitskräften absehbar ist, bleibt die Frage nach dem „Wie“ der Ausbildung offen. So ist noch unklar, ob Hochschulabsolventen zukünftig genug Praxiswissen mitbringen, um direkt in die betrieblichen Handlungsabläufe eingebunden zu werden. Gleichzeitig ist aber auch nicht sichergestellt, dass Ausbildungsabsolventen auch automatisch über den notwendigen prozessualen oder kaufmännischen Hintergrund verfügen, um alle Abläufe der vernetzten Fabrik sofort zu durchdringen. Auch hier lautet das Zauberwort daher „Weiterbildung“ und Durchlässigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Denn nur mit gut ausgebildeten Fachkräften lassen sich die Herausforderungen der Digitalisierung meistern und die Chancen nutzen. 

 

Quelle: IW-Personalpanel (2014), Erste ausgewählte Befunde

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