Thema des Monats: Fachkräfteengpässe und Ältere

Gutes Personal ist schwer zu finden

Für Unternehmen verläuft die Personalsuche optimal, wenn offenen Stellen zügig mit Fachkräften besetzt werden können, die den Anforderungen genau entsprechen. Meist sieht die Realität jedoch anders aus.

Sind Sie auf der Suche nach Informatikern, Mechatronikern oder Zerspanungsmechanikern und erhalten wenige oder gar keine Bewerbungen, ist das wenig verwunderlich. Viele Wettbewerber in Ihrer Branche werden ähnliche Probleme haben. Im September 2014 gab es 139 Engpassberufe. Die drei genannten gehören zu denjenigen mit den stärksten Knappheiten. Engpässe treten sowohl bei Fachkräften mit abgeschlossener Berufsausbildung als auch bei Meistern und Technikern sowie Personen mit Hochschulabschluss auf. Besonders in naturwissenschaftlich-technischen Berufen und im Gesundheitsbereich ist Personal knapp.

Herausforderung Personalgewinnung: Vor allem für mittelständische Unternehmen 

Etwa zwei Drittel aller Fachkräfte in Deutschland arbeiten in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). In vielen Engpassberufen sind es sogar deutlich mehr. 99 Prozent aller Hörgeräteakustiker arbeiten in KMU. Bei Klempnern, Altenpflegern und Berufskraftfahrern sind es mehr als acht von zehn Beschäftigten. Die Engpässe in diesen Berufen treffen somit vor allem KMU, die oftmals an sich schon Wettbewerbsnachteile gegenüber größeren Unternehmen haben: Sie sind bei Bewerbern zumeist weniger bekannt, können sich seltener eine spezialisierte Personalabteilung leisten und sind teilweise in weniger beliebten Regionen angesiedelt. Mit einer gelungenen Personalpolitik können KMU aber gegensteuern und ihre Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen – damit auch die Chancen auf qualifizierte Bewerbungen.

Die ausscheidende Babyboomer-Generation wird Probleme verstärken

Die Erwerbsquoten älterer Männer und Frauen sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Vor dem Hintergrund knapper Arbeitskräfte ist es sehr erfreulich, dass dadurch immer mehr ältere Fachkräfte dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Allerdings werden viele von ihnen in den kommenden Jahren in Rente gehen. Große Teile der Babyboomer-Generation aus den 50er und 60er Jahren stehen am Ende ihres Erwerbslebens. Für die Personalpolitik der Unternehmen stellt dies eine besonders Herausforderung dar. Etwa jede dritte Fachkraft in Deutschland ist bereits heute 50 Jahre und älter und muss in den kommenden Jahren ersetzt werden. Das gilt vor allem in den Berufen, die sich nicht durch Maschinen oder bessere Produktionsverfahren ersetzen lassen: Die Sanitärinstallation, das Legen elektrischer Leitungen sowie die Entwicklung modernster Kraftfahrzeuge sind nur ein paar Beispiele.

Ist Ihr eigener Fachkräftebedarf für die Zukunft gedeckt?

Um den zukünftigen Fachkräftebedarf einschätzen zu können, ist eine Personalbedarfsplanung notwendig. So können Sie mögliche Unter- aber auch Überkapazitäten frühzeitig erkennen und verhindern. 

  • Mithilfe einer Altersstrukturanalyse decken Sie nötige Handlungsfelder auf. Beispielsweise bekommen Sie einen besseren Überblick darüber, welche Positionen im Unternehmen zukünftig neu zu besetzen sind. Stehen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit wertvollem betrieblichen Wissen kurz vor der Rente, empfiehlt sich zudem ein rechtzeitiges Übergangsmanagement, in dem Erfahrungswerte an jüngere Kollegen weitergegeben werden. 
  • Personalkennzahlen bilden die Grundlage für eine gelungene Personalbedarfsplanung. Wie alt sind Ihre Beschäftigten in den einzelnen Abteilungen? Wie viele Neueinstellungen sind geplant? Bilden Sie aus und wenn ja, wie viele Azubis sind in Ihrem Unternehmen? Wie hoch war die Mitarbeiterfluktuation in den letzten Jahren? Nur auf Basis solchen Daten lässt sich der zukünftige Personalbedarf realistisch abschätzen.
  • Haben Sie immer ein offenes Ohr für Ihre Belegschaft. Viele Informationen erhalten Sie in der täglichen Zusammenarbeit. Eventuell benötigen ältere Mitarbeiter mehr Unterstützung, damit ihre Beschäftigungsfähigkeit erhalten bleibt, zum Beispiel durch Weiterbildungen oder gesundheitsfördernde Maßnahmen. Regelmäßige Mitarbeitergespräche helfen Ihnen dabei, solche Informationen zu erhalten.

Lösungsstrategien für Ihr Unternehmen  

Sollten Sie feststellen, dass Sie zukünftig mehr oder neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigen, helfen mehrere Bausteine dabei, ihren Fachkräftebedarf dauerhaft zu sichern. Grundsätzlich sollten Sie zunächst bestrebt sein, Ihr vorhandenes gutes Personal zu binden. Die Erschließung neuer Zielgruppen ermöglicht zusätzliches Personal zu gewinnen: 

  • Halten Sie älteres Personal so lange wie möglich. Mit ihrer Erfahrung und unternehmensspezifischem Wissen sind sie eine wichtige Stütze Ihres Unternehmens. Erhalten die Mitarbeiter Ihre Wertschätzung und haben nicht das Gefühl zum „alten Eisen“ zu gehören, werden sie es mit hoher Motivation zurückzahlen. Erleichtern Sie diesen Mitarbeitern zudem die tägliche Arbeit, beispielsweise wenn gesundheitliche Einschränkungen dies erfordern. Individuell abgestimmte Arbeitszeitmodelle können bei der Bindung älterer Beschäftigter ebenfalls helfen. So lassen sich auch Personen, die das Rentenalter bereits erreicht haben, eventuell noch für interessante Aufgaben gewinnen.  
  • Über vier Millionen Personen arbeiten in Deutschland in Berufen, die keinen Berufsabschluss erfordern. Unternehmen, die solche Mitarbeiter beschäftigen sollten eingehend prüfen, ob  die Möglichkeit besteht dieses Personal stärker zu fördern und eine Ausbildung zu ermöglichen. Dies kann beispielsweise durch Teilqualifikationen erfolgen, mit denen sich die Beschäftigten schrittweise fortbilden. 
  • In vielen Fällen hilft auch der Blick über die Landesgrenzen hinaus. Fachkräfte aus dem Ausland bringen Fachwissen, kulturelle Vielfalt und andere Denkweisen in Ihr Unternehmen.  Scheuen Sie den Aufwand nicht und nutzen Sie die kostenlose Unterstützung, die Ihnen  beispielsweise mit Initiativen wie dem Internetportal „Make it in Germany“ und das BQ-Portal geboten werden.
  • Immer mehr Frauen nehmen am Erwerbsleben teil. Indem Sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglich steigern Sie auch für Frauen und Eltern Ihre Attraktivität als Arbeitgeber. So bleiben Ihnen auch werdende Eltern eher erhalten.

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