Thema des Monats: Betriebliche Weiterbildung – für alle ein Gewinn

Warum in Weiterbildung investieren?

Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter kommt zu Ihnen und möchte über die Möglichkeit einer Meisterfortbildung sprechen. Sind Sie begeistert, intern eine Nachfolge aufbauen zu können oder reagieren sie ablehnend? Dass es häufig gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) schwierig ist, die personellen und damit zeitlichen Ressourcen für Weiterbildung zur Verfügung zu stellen, ist verständlich. Dennoch: Die Investition in lohnt sich - vor allem, wenn Sie in einem Bereich tätig sind, in dem Fachkräfte knapp sind. Qualifizieren Sie Ihre Beschäftigten weiter, damit Sie nicht erst lange nach passenden Fachkräften suchen müssen. Dies gilt besonders dann, wenn Sie in Ihrem Betrieb spezielle Kompetenzanforderungen haben.

Beide Seiten profitieren

Neben der Sicherung Ihrer Fachkräfte gibt es weitere positive Effekte auf den Unternehmenserfolg. Mithilfe von Weiterbildungen können Sie eine höhere Wertschöpfung für Ihr Unternehmen erzielen, eine gesteigerte Produktivität erreichen und die Innovationsfähigkeit Ihrer Firma stärken. Mindestens ebenso wichtig sind motivierte Mitarbeiter, die zufrieden mit ihrem Arbeitgeber sind und somit gern bei Ihnen bleiben. Denn aus Sicht Ihrer Beschäftigten investieren sie auch deshalb immer mehr private Zeit in ihre Weiterbildung, weil sich dadurch nicht nur ihre beruflichen Chancen erhöhen und sie mehr Geld verdienen können, sondern sie auch mehr Sicherheit im Unternehmen haben und höhere Positionen erreichen können (s. u. IHK-Befragung). Nutzen Sie diese Motivation Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Erreichung Ihrer Unternehmensziele.

Schwierigkeiten überwinden

Es ist auf den ersten Blick erstaunlich, dass sich KMU im Hinblick auf Hemmnisse von Weiterbildung kaum von den großen unterscheiden. Als Hauptunterschied benennt die IW-Weiterbildungserhebung 2014, dass kleine Unternehmen (1 - 49 Beschäftigte) deutlich häufiger angeben gar keinen Weiterbildungsbedarf zu haben. Wenn sie aber weiterbilden, tun sie dies besonders intensiv, so dass der Stundenaufwand über dem der mittleren Unternehmen (50 - 249 Beschäftigte) liegt. Unabhängig davon, was bei Ihnen die betriebliche Weiterbildung erschwert, gibt es durch die verschiedenen Weiterbildungsarten vielfältige Möglichkeiten einem Weiterbildungswunsch nachzukommen oder direkt ein Weiterbildungssystem in Ihrem Unternehmen zu implementieren. 

Verschiedene Arten der betrieblichen Weiterbildung nutzen

Als betriebliche Weiterbildung werden alle Aktivitäten in Ihrem Unternehmen bezeichnet, die Sie für Ihre Belegschaft zur kontinuierlichen oder aufbauenden Qualifizierung anbieten. Dabei sind informelle Maßnahmen wie Informationsveranstaltungen, Lernen im Prozess der Arbeit und selbstgesteuertes Lernen mit Medien ebenso eingeschlossen wie formelle eigene und externe Lehrveranstaltungen.

Nutzen Sie die Arten der betrieblichen Weiterbildung, die für Ihren Zweck und Ihre vorhandenen Möglichkeiten am besten passen und umzusetzen sind:

  • Wissens- und Erfahrungstransfer:
    Mit den verschiedenen Maßnahmen des Wissens- und Erfahrungstransfers können Sie nicht nur das Wissen beim Austritt von Beschäftigten bewahren, sondern auch für einen aktiven Wissensaustausch innerhalb Ihrer Belegschaft sorgen. Hiervon profitieren alle Beschäftigten, aber vor allem jüngere und neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Stellennachfolger. Zudem bleiben betriebsspezifische Informationen erhalten oder ruhen auf mehreren Schultern.
  • Aufstiegsfortbildung:
    Sie haben einen neuen Bedarf für Ihr Unternehmen identifiziert und finden auf dem externen Arbeitsmarkt nicht die geeignete Fachkraft? Haben Sie sich in Ihrem Betrieb nach Personen umgesehen, die Sie über eine Weiterbildung anschließend bedarfsgerecht einsetzen könnten? Hier können große Potentiale schlummern. Vor allem Personen mit erstem Berufsabschluss sind für diese Fortbildungsart interessant. Hochschulinteressierte können Sie außerdem mit einem berufsbegleitenden Studium höherqualifizieren.
  • Umschulung:
    Eine Umschulung bietet sich insbesondere dann an, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter einen erlernten Beruf aufgrund von Einschränkungen, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen, nicht mehr ausüben kann. 
  • Anpassungsfortbildung:
    Diese Fortbildungsart nimmt die bereits vorhandenen beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten als Basis, und erweitert oder passt diese an neue oder veränderte Anforderungen an. Dies spielt vor allem bei technischen Weiterentwicklungen am Arbeitsplatz eine Rolle.

Weiterbildungsatmosphäre wichtig für den Erfolg

„Ich schäme mich nicht, zuzugeben, was ich nicht weiß.“ (Marcus Tullius Cicero)

Diese Aussage kann Ihnen als gute Grundlage für Ihre Maßnahmen dienen, wenn Sie sich erstmalig systematisch mit dem Thema Weiterbildung in Ihrem Unternehmen beschäftigen wollen. Denn ihr Wissen werden die Beschäftigten nur teilen und vermehren, wenn die Arbeitsatmosphäre von Vertrauen und konstruktivem Miteinander geprägt ist.

Überprüfen Sie daher, ob die folgenden Punkte in Ihrem Unternehmen erfüllt sind:

  • Die betriebliche Weiterbildung steht allen Beschäftigten offen.
  • Die Beschäftigten werden in die Weiterbildungsplanung einbezogen und der individuelle Bedarf wird regelmäßig abgefragt, zum Beispiel über Mitarbeitergespräche.
  • Die Mitarbeiter werden regelmäßig über Weiterbildungsangebote informiert.
  • Weiterbildung ist Bestandteil des Unternehmensleitbildes.
  • Der zukünftige Weiterbildungsbedarf im Unternehmen wird systematisch erfasst und die notwendigen Qualifizierungsmaßnahmen werden gezielt zur Verfügung gestellt. 
  • Weiterbildung ist Bestandteil der strategischen Personalplanung/ -entwicklung.

Weiterführende Informationen

Daten und Fakten zum Thema Weiterbildung im Mittelstand

Fachkräfteengpässe in Unternehmen 2015 – Die Altersstruktur in Engpassberufen

IHK-Befragung von Absolventen der IHK-Weiterbildungsprüfungen im Januar und Februar 2014

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