Thema des Monats: Menschen mit Behinderung ausbilden

Worum geht's beim Thema Inklusion?

Der Begriff Inklusion ist in aller Munde. Jeder Mensch soll unabhängig von seinen Voraussetzungen die gleichen Chancen haben an unserer Gesellschaft teilzunehmen. Und das ist gut so – denn je mehr Menschen sich mit ihren Talenten und Fähigkeiten einbringen können, desto mehr profitieren alle Beteiligten davon!  Das gilt auch für den Mittelstand. Viele kleine und mittlere Unternehmen bilden bereits heute Menschen mit Behinderung aus.

Junge Menschen mit Behinderung passen in keine Schublade: Sie werden in allen Schulformen ausgebildet, haben ganz unterschiedliche Berufswünsche. Es gibt keine allumfassende Statistik wie viele junge Menschen mit einer Behinderung in Deutschland leben. Nicht zuletzt, da niemand angeben muss, ob er oder sie eine Behinderung hat. Daher kann es sein, dass Menschen mit Behinderung in Ihrem Unternehmen beschäftigt sind, Sie aber keine Kenntnis davon haben.

Daten und Fakten

Ein Blick in die Statistik der schwerbehinderten Menschen erlaubt es die Gruppe dennoch grob einzuordnen. Die Statistik bezieht sich aber nur auf Menschen, die vom Versorgungsamt eine Behinderung von einem Grad von mindestens 50 bestätigt bekommen haben. Sie gibt Aufschluss über Art und Zeitpunkt der Entstehung der schwersten Behinderung einer Person. Dabei steigt der Anteil von Menschen mit Behinderung in einer Altersgruppe mit zunehmenden Alter. In allen Altersgruppen sind Behinderungen am Häufigsten Folge einer Krankheit, wie zum Beispiel Krebs oder Diabetes. Allerdings haben fast ein Viertel aller jungen Menschen mit Behinderung ihre Behinderung bereits von Geburt an.

Quelle: Statistik schwerbehinderten Menschen, 2014, eigene Berechnungen

Junge Menschen mit Behinderung unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich der Ursache, sondern auch aufgrund der Art ihrer Behinderung.

Quelle: Statistik schwerbehinderten Menschen, 2014, eigene Berechnungen

Der Anteil geistig-seelischer Behinderungen, wie beispielsweise eine Intelligenzminderung, ist bei Jugendlichen deutlich höher, nicht zuletzt da diese häufig bereits angeboren sind. Funktionseinschränkungen des Bewegungsapparates, wie zum Beispiel Lähmungen, sind in allen Altersgruppen hinweg am Häufigsten vorzufinden, treten jedoch meistens erst im Laufe des Lebens auf. Eine Beeinträchtigung der Funktionen innerer Organe, wie zum Beispiel als Folge von Herzinfarkten, ist bei acht Prozent aller Menschen mit einer Schwerbehinderung zwischen 15 und 24 Jahren die Ursache. Sinnesbehinderungen, wie zum Beispiel eine Hörbehinderung, sind bei sechs Prozent die Ursache.

Potenziale von Jugendlichen mit Behinderungen

Auszubildende mit Behinderung bringen mit ihrer Vielfalt neue Perspektiven in den Arbeitsalltag ein, zum Beispiel wenn es darum geht Produkte auch für sie passend zu gestalten. Zudem sind sie häufig sehr loyal und bleiben Ihrem Unternehmen auch nach der Ausbildung als Fachkräfte erhalten.

Sie können Menschen mit Behinderung in verschiedenen Ausbildungsformen ausbilden. Neben einer Ausbildung in einem regulären drei- bzw. dreieinhalbjährigen und die theoriegeminderten zweijährigen Ausbildungsberuf steht Ihnen außerdem die Möglichkeit einer Fachpraktikerausbildung nach §66 BBiG und §42m HwO offen. Diese Ausbildungsoption  bietet jungen Menschen mit Behinderung, die reguläre Ausbildungsberufe nicht absolvieren können, eine Möglichkeit zum Einstieg in den Beruf. Die Ausbildungsinhalte werden in Abstimmung mit den zuständigen Stellen vor Ort bestimmt und lehnen sich an die Inhalte regulärer Ausbildungsberufe an. Ein hoher Anteil fachpraktischer Tätigkeiten sichert die spätere Einsatzfähigkeit im Betrieb. Eine Voraussetzung für Ihr Unternehmen ist über die reguläre Ausbildungsberechtigung hinaus der Erwerb einer Zusatzqualifikation (ReZa). Diese wird von den Kammern angeboten und umfasst Lerninhalte zu Themen wie psychologische Aspekte oder pädagogischer Diagnostik.

Unterstützung für eine Ausbildung ohne Barrieren

Die Ausbildung von jungen Menschen ist nie ein Selbstläufer, sondern erfordert ein hohes Engagement auf beiden Seiten; das weiß jede Ausbilderin und jeder Ausbilder. Menschen mit Behinderung benötigen aber häufig eine zusätzliche Unterstützung. Ihr erster Ansprechpartner ist dabei Ihr junger Auszubildender, denn er oder sie weiß häufig am besten was benötigt wird. Darüber hinaus profitieren Auszubildende mit Behinderung von den gleichen Merkmalen guter Ausbildung, wie Auszubildende ohne Behinderung: Wertschätzung, Feedback und eine individuelle Betreuung helfen dabei!

Aber es gibt auch zusätzliche Unterstützungsangebote - das fängt beim Arbeitsplatz an. Ob ein verstellbarer Schreibtisch für junge Menschen mit Rückenleiden oder eine Leselupe für Auszubildende mit einer Sehbehinderung – oft bringen bereits kleine Anpassungen große Wirkung. Das örtliche Integrationsamt berät Sie kostenlos bei der Gestaltung eines Arbeitsplatzes. Häufig ist die Bereitstellung am Ende für Sie sogar kostenneutral.

Während der Ausbildungszeit können Sie kostenlose ausbildungsbegleitende Hilfen für ihren Auszubildenden nutzen. Diese umfassen unter anderem:

  • Nachhilfeunterricht
  • Prüfungsvorbereitung 
  • Sozialpädagogische Begleitung

Bei Interesse wenden Sie bzw. Ihr Auszubildender sich an die örtliche Arbeitsagentur. Eine kontinuierliche Unterstützung in diesen Punkten über die gesamte Ausbildungszeit können Sie über eine „assistierte Ausbildung“ erreichen. Auch hier ist die örtliche Arbeitsagentur Ihr Ansprechpartner.

Möchten Sie erst einmal in die Ausbildung eines Menschen mit Behinderung reinschnuppern, können Sie auch eine Kooperation mit einem Berufsbildungswerk in Ihrer Nähe eingehen. Alle administrativen Tätigkeiten und die sozialpädagogische Betreuung werden dann von einem Bildungsträger übernommen, auch eine Ausbildungsvergütung fällt für Sie nicht an. Als Gegenleistung bieten Sie einem jungen Menschen mit Behinderung die Möglichkeit einen Teil seiner Ausbildung bei Ihnen zu verbringen – und lernen so vielleicht eine zukünftige Fachkraft für Ihr Unternehmen kennen. Bei Interesse kontaktieren Sie ein örtliches Berufsbildungswerk.

Mit Menschen mit Behinderung in Kontakt treten

Grundsätzlich werden Menschen mit Behinderung unter Ihren regulären Bewerbungen für eine Ausbildungsstelle zu finden sein – Sie werden sie aber häufig auf den ersten Blick nicht erkennen, da eine Behinderung in der Regel nicht im Lebenslauf angegeben werden muss. Möchten Sie gezielt Menschen mit Behinderung ansprechen, können Sie sich an örtliche Partner wenden. Das sind zum einem die Vertreter von Förderschulen, die mit unterschiedlichen Schwerpunkten junge Menschen mit Behinderung unterrichten. Neben den bereits erwähnten Berufsbildungswerken gibt es auch Werkstätten für behinderte Menschen. Dort arbeiten häufig junge Menschen mit Behinderung, die noch keine betriebliche Erstausbildung durchlaufen haben, aber bereits praktische Kenntnisse in einem Berufsfeld besitzen. Zusätzlich gibt es regional auch Selbsthilfegruppen von Menschen mit Behinderung, wie zum Beispiel die Deutsche Rheuma-Liga oder die Aktion-Multiple-Sklerose-Erkrankter. Diese Selbsthilfegruppen haben Kontakt zu jungen Mitgliedern und können Ihnen hier als Vermittler dienen. Zusätzlich sollten Sie auch in jeder Stellenanzeige ausdrücklich betonen, dass Sie sich über die Bewerbung von Menschen mit Behinderung freuen und diese bei Bedarf gezielt unterstützen werden.

Weitere Informationen erhalten Sie hier:

IW-Trends: Menschen mit Behinderung in der dualen Ausbildung – Begünstigende und hemmende Faktoren

Rehadat-Bildung: Das Angebot des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, bietet für junge Menschen mit Behinderung und Arbeitgeber. Junge Menschen mit Behinderung erhalten Informationen umfangreiche Informationen zur Berufswahl. Arbeitgeber einen Überblick über Ansprechpartner, die wichtigsten rechtlichen Regelungen und finanzielle Förderung.  [Stand: 27.11.2015]

Initiative Inklusion gelingt: Auf der gemeinsamen Seite der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, des deutschen Industrie- und Handelskammertages und des Zentralverbands des deutschen Handwerks finden Sie Praxisbeispiele und Informationen über regionale Projekte von Kammern und Arbeitgeberverbänden.  [Stand: 27.11.2015]

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