Thema des Monats: Familienfreundliche Personalarbeit

Familie oder Beruf? Das ist für die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer keine „Entweder-oder-Entscheidung“. Sie wollen sowohl ein erfüllendes Familienleben als auch Erfolg im Beruf haben. Und diese Beschäftigten sind für Ihr Unternehmen extrem wertvoll: Sie tragen viel Verantwortung, vollführen Tag für Tag organisatorische Höchstleistungen und auch kreatives Handeln wird ihnen abverlangt. Alles Attribute, die im betrieblichen Alltag gefragt sind. Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und anderen unterstützenden Maßnahmen sammeln Sie Pluspunkte bei der Rekrutierung und Bindung dieser Fachkräfte.

Teilzeitarbeit gewinnt an Bedeutung

Teilzeitarbeit liegt im Trend. In den vergangenen Jahren hat sich der Anteil an Teilzeitkräften stark erhöht. Die Gründe hierfür sind vielfältig. In einigen Fällen sind es betriebliche Notwendigkeiten, die mit reduzierten Wochenstunden einhergehen. So erfordert die flexibler werdende Arbeitswelt auch flexiblere Arbeitszeitmodelle. Ein Großteil der Teilzeitkräfte entscheidet sich jedoch ganz bewusst für einen geringeren Erwerbsumfang. Bei Frauen ist die Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Familienangehörigen ausschlaggebend. Männer hingegen befinden sich recht häufig in Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, die keine Vollzeitbeschäftigung erlauben. Der Trend wird mit großer Wahrscheinlichkeit anhalten. Beispielsweise setzt die Bundesregierung mit dem neuen ElterngeldPlus zusätzliche Anreize für Väter und Mütter, eine Teilzeitbeschäftigung zu ergreifen.

Während fast jede zweite Frau in Teilzeit erwerbstätig ist, gilt dies für etwa jeden zehnten Mann. Das spiegelt sich auch bei den Berufen wider. Während Teilzeitbeschäftigungen in Dienstleistungsberufen und kaufmännischen Berufen sehr häufig vorkommen, sind sie im produzierenden Gewerbe nach wie vor die Ausnahme.

Prüfen Sie also, ob in Ihrem Unternehmen bei vakanten Stellen eine Teilzeitbeschäftigung möglich ist. Der Arbeitsumfang lässt sich dabei flexibel gestalten. Immer häufiger besteht der Wunsch nach einer vollzeitnahen Beschäftigung mit circa 30 Wochenstunden. Kommen Sie den Bewerberinnen und Bewerbern sowie der eigenen Belegschaft bei Ihren Wünschen entgegen, steigert das Ihre Familienfreundlichkeit enorm. Bieten Sie zudem Personen, die sich gerne fortbilden möchten, die Möglichkeit eines geringeren Arbeitszeitvolumens an. Auch so präsentieren Sie sich als attraktiver Arbeitgeber, der auf die Bedürfnisse seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeht.

Familienfreundlichkeit – Auch Männer wollen profitieren

Die heutige Generation von Vätern beteiligt sich nach eigenen Angaben deutlich häufiger an der Kindererziehung als die Generationen zuvor. Das Klischee des klassischen „Ernährermodells“ wird mehr und mehr durchbrochen. Doch nach wie vor gibt es für die männlichen Beschäftigten Hürden, ihre Familie und den Beruf unter einen Hut zu bekommen. Beispielsweise wäre fast jeder fünfte Vater gerne in eine Elternzeit gegangen, hat dann jedoch verzichtet. Als Hauptgründe gaben sie Einkommensverluste, berufliche Nachteile und die schwierige berufliche Organisation an. Hier können Sie als attraktiver Arbeitgeber ansetzen, indem Sie die Hürden für Ihre Mitarbeiter reduzieren.

Flexible Arbeitszeitmodelle als ein Schlüssel

Das Angebot an Teilzeitstellen ist nur eine Maßnahme, um familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu schaffen. Alleine im Bereich der Arbeitszeitmodelle sind die Möglichkeiten breit gestreut:

 

  • Gleitzeitmodelle: Ihrer Belegschaft ist es in einem gewissen Rahmen selbst überlassen, wann der Einzelne seine Arbeit beginnt oder beendet. Möchten sich ihre Beschäftigten spontan am Frühstückstisch etwas mehr Zeit für ihre Familie nehmen, ist dies also kein Problem.
  • Vertrauensarbeitszeit: Sowohl eine Zeiterfassung als auch eine Anwesenheitskontrolle entfallen. Die Erfüllung der vorgegebenen Ziele steht im Mittelpunkt. Der Ort der Arbeit kann oft frei gewählt werden, wovon Beschäftigte mit familiären Verpflichtungen stark profitieren.
  • Jobsharing: Mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teilen sich eine Vollzeitstelle. Hier sind unterschiedliche Modelle denkbar: Beispielsweise können zwei Personen halbtags arbeiten oder sich mit den Arbeitstagen abwechseln. Individuelle Absprachen zwischen den Personen können ein hohes Maß an zeitlicher Flexibilität mit sich bringen.
  • Telearbeit: Beschäftigte erledigen ihre Aufgaben an einem Arbeitsort ihrer Wahl - in der Regel zu Hause. Auch hiervon kann die Familie profitieren, da die Personen ihre Arbeitszeiten freier einteilen können. Zudem entfallen die Wege zur Firma.

Weitere Wege zu einem familienfreundlichen Unternehmen

Neben flexiblen Arbeitszeitmodellen können Sie Ihre Beschäftigten auch auf anderen Wegen entlasten und Ihr Unternehmen als familienfreundlichen Arbeitgeber präsentieren. Hierzu gehören unter anderem:

  • Termine und Weiterbildungen zu familienfreundlichen Zeiten: Achten Sie bei Meetings und dem Angebot von Weiterbildungsmaßnahmen auf die Uhrzeit. Bieten Sie bei letzterem neben ganztägigen Veranstaltungen oder abendlichen Sitzungen auch Alternativen zu familienfreundlicheren Zeiten an.
  • Rückkehr nach Auszeit erleichtern: Haben sich Eltern oder andere Fachkräfte für einen zeitlich begrenzten Ausstieg aus dem Berufsleben entschieden, können Sie Ihnen ihre spätere Rückkehr erleichtern. Die Einarbeitung durch Kollegen und Vorgesetzte ist dabei das A und O. Auch Weiterbildungen helfen, um Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den aktuellsten Wissensstand zu bringen. Gerade dann wenn familiäre Verpflichtungen bestehen, können flexible Arbeitszeitmodelle vielen Rückkehrern den Einstieg erleichtern.
  • Bereitstellung von Belegplätzen: Sie können für die Kinder ihrer Beschäftigten in ortsnahen Betreuungseinrichtungen, wie Krippen und Kindergärten, ein Kontingent an Belegplätzen reservieren. Die nötigen Aufwendungen können Sie gegenüber dem Finanzamt in der Regel steuermindernd geltend machen.
  • Eigene Betriebskita: Eine eigene Betriebskita ist für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen zu kostspielig. Aus dem Grund fördert das Bundesfamilienministerium Unternehmen bei der Einrichtung betrieblicher Betreuungsplätze mit dem Förderprogramm "Betrieblich unterstützte Kinderbetreuung". Arbeitgeber bekommen bis zu zwei Jahre lang einen monatlichen Zuschuss in Höhe von 400 Euro je Ganztagsplatz.
  • Notfallbetreuung: Werden Kinder kurzfristig krank oder die Kinderbetreuung fällt unerwartet aus, kann eine Notfallbetreuung, beispielsweise in Form eines Eltern-Kind-Raumes, helfen. Auch das Arbeiten von zu Hause ist eine Alternative, die Eltern in so einer Situation gerne ergreifen.
  • "audit berufundfamilie": Das Audit unterstützt Sie als Arbeitgeber dabei, eine familienbewusste Personalpolitik zu implementieren. Ziel ist es eine Gesamtstrategie für das jeweilige Unternehmen zu entwickeln und umzusetzen. Am Ende des Prozesses steht die Übergabe eines Zertifikates, mit dem Sie sich öffentlichkeitswirksam als attraktiver Arbeitgeber präsentieren können.

Weiterführende Informationen

Initiative berufundfamilie

Förderprogramm "Betriebliche Kinderbetreuung"

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