Thema des Monats: Die Stehauf-Kompetenz

Ihr Unternehmen soll auch in belastenden und unvorhersehbaren Situationen funktions- und leistungsfähig bleiben? Dreh- und Angelpunkt sind dabei die Menschen, die in Ihrem Betrieb arbeiten. Haben Sie Ihre Mitarbeiter im Fokus und stärken Sie deren Widerstandsfähigkeit? So kann die Crew Ihres Unternehmens auch in stürmischer See einen kühlen Kopf behalten und das gemeinsame Ziel erreichen.

Neue Wege der Personalarbeit

Weniger – älter – bunter, mit diesen drei Schlagworten lassen sich die Auswirkungen des demografischen Wandels auf Unternehmen in Deutschland beschreiben. Die Auswirkungen haben inzwischen viele Unternehmen zu spüren bekommen. Zukunftsgerichtete Unternehmen haben erkannt, dass sie ein strategisches, ganzheitliches und lebenszyklusorientiertes Konzept brauchen, um demografisch bedingte Herausforderungen zu meistern.

Gesundheitsmanagement bringt Wettbewerbsvorteile

Dass sich gute Personalarbeit lohnt, belegen weniger Fehltage und höhere Erträge, wie eine Befragung von mehr als 1.500 Unternehmen im Rahmen der Studie „Lebensphasenorientierte Personalpolitik“ ergab (IW, Juli 2014). Dabei gewinnt der Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) zunehmend an Bedeutung. Das zeigen auch die Ergebnisse der „Trendstudie Betriebliches Gesundheitsmanagement“, die Wissenschaftler der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin durchgeführt haben. Demnach gehen 92,5 Prozent der Befragten davon aus, dass der Stellenwert des BGM in Zukunft steigen wird. Dass das Thema Gesundheit zunehmend in den Fokus der Arbeitgeber rückt, führen die Befragten auf den demografischen Wandel und einen künftigen Fachkräftemangel zurück.

BGM ist weitaus mehr als nur ein Trend. Wer heute schon vorsorgt, sich mit einem ganzheitlichen Personalmanagement auf die demografische Entwicklung einstellt und Gesundheitsmanagement ernst nimmt, hat gegenüber anderen Unternehmen morgen Wettbewerbsvorteile. Solche Unternehmen werden als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen. Maßnahmen der Gesundheitsförderung spielen für die Motivation und Produktivität der Beschäftigten eine entscheidende Rolle. Wenn Sie also langfristig gesunde und zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen halten möchten, kommen Sie um das BGM nicht herum. Dabei muss die Umsetzung nicht Unsummen kosten oder mit großem Zeitaufwand verbunden sein.

Obst allein führt nicht zum Erfolg

Gesundheitsmanagement ist längst nicht mehr der Obstkorb, der einmal die Woche zur Verfügung gestellt wird oder das reine Fehlzeitenmanagement. Wenn Sie ein wirkungsvolles Gesundheitsmanagement leben wollen, ist es den tatsächlichen Bedürfnissen der Mitarbeiter angepasst und beginnt nicht erst im Reparaturbetrieb. Während Unternehmen früher den Fokus auf die körperliche Gesundheit ihrer Angestellten legten, rückt heutzutage auch die psychische Verfassung der Mitarbeiter in den Mittelpunkt.

Wie bestehen Ihre Mitarbeiter am besten in einer Arbeitswelt, die sie mit ständigen Veränderungen, Herausforderungen und Zeitdruck konfrontiert? Wenn zu den unterschiedlichen Ansprüchen von Kunden, Kollegen und Vorgesetzten auch noch Zielvorgaben oder Umstrukturierungsmaßnahmen kommen, ist der eine oder andere schließlich überfordert. Um dem frühzeitig entgegenzuwirken, macht es Sinn die Resilienz Ihrer Mitarbeiter gezielt zu stärken.

Resilienz, was ist das?

Einfach ausgedrückt: Es geht um die „Stehauf-Kompetenz“, die Qualitäten eines Stehaufmännchens.

Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, mit Belastungen und Krisen wirkungsvoll umzugehen, die innere Widerstandskraft, um aus kritischen Lebensphasen das Beste zu machen. Resiliente Personen sind in der Lage, sich von einer schwierigen Situation erst zu distanzieren, indem sie quasi einen Schritt zurück machen und das Ganze mit etwas Abstand analysieren, und sie dann positiv für sich zu nutzen. Dies gelingt ihnen, indem sie auf ihre inneren Ressourcen zurückgreifen – wie beispielsweise auf ihre Beziehungsfähigkeit, Selbstakzeptanz, Kreativität, ihren Mut, ihr Vertrauen oder ihren Humor.

Ganz nach Max Frisch (1911-1991): "Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen."

Der eine hat es der andere nicht?

Wie kommt es, dass manche Menschen besser mit schwierigen Situationen und Krisen umgehen können als andere? Reines Glück, gute Gene? Die Resilienzforschung hat herausgefunden: Zum Stehaufmännchen muss man nicht geboren sein, sondern die psychische Widerstandskraft hängt auch von den äußeren Umständen ab – und sie lässt sich sogar lernen! Diese Erkenntnisse sind auch für Unternehmen überaus interessant. Und viele machen sie sich inzwischen im betrieblichen Gesundheitsmanagement zunutze.

Auszug eines Interviews mit Karsten von Rabenau, Leiter des betrieblichen Gesundheitsmanagements des Hamburger Versandhandelsunternehmens Otto:

 

Otto hat sich als eines der ersten Unternehmen mit Resilienz beschäftigt. Was versprechen Sie sich davon?

Stress und Burn-out haben in den letzten Jahren sprunghaft zugenommen. Vor zehn Jahren gab es dieses Erkrankungsbild noch gar nicht oder es wurde zumindest nicht so genannt.
Die Ursachen für einen Burn-out sind vielfältig und liegen wahrscheinlich gleichermaßen im privaten wie im beruflichen Umfeld. Aus Unternehmenssicht sind die Folgen schwerwiegend, denn die Therapie ist äußerst langwierig und eine Rückkehr des Mitarbeiters auf seinen alten Arbeitsplatz nur in wenigen Ausnahmefällen problemlos möglich.

Wie gehen Sie das Problem an?

Wir bieten Resilienztrainings an und verfolgen damit einen präventiven Ansatz. Die Mitarbeiter sollen sich gegen die Folgen von Stress wappnen oder besser noch: ihn von vorn herein vermeiden. Jeder soll in die Lage versetzt werden, sich und seine Fähigkeiten richtig einzuschätzen und das individuelle Maß von Be- und Entlastung für sich festzulegen. Dies soll im Beruflichen ebenso wie im Privaten gelt

Quelle: „Resilienz: Wie ein psychologisches Konzept die Arbeitswelt verändert“, Wirtschaft und Unterricht, Ausgabe 10, 2

Resilienz kann trainiert werden

Resilient, also widerstandsfähig zu sein, bedeutet nicht, gegen alle Widrigkeiten immun zu sein. Im Gegenteil: Resiliente Menschen nehmen Niederlagen an, verarbeiten sie und spüren die Gewissheit, dass die damit verbundenen Schmerzen irgendwann vorübergehen – und die Krise sie sogar stärken kann.

Hilfreich für eine solche Sicht auf die Dinge sind Eigenschaften wie positives Denken, ein hohes Selbstwertgefühl, Selbstverantwortung, der Glaube an die Selbstwirksamkeit, Achtsamkeit, Problemlösungsfähigkeit, die Kenntnis von Stressbewältigungsstrategien
und nicht zuletzt soziale Kompetenz. Mit Resilienzkursen können Sie Ihre Mitarbeiter zum Beispiel darin unterstützen, sensibler dafür zu werden, wann das Arbeitspensum zu hoch ist und Gefordert-Sein in Überfordert-Sein umschlägt. Dazu gehört es auch zu lernen, dieser Überforderung dann entgegensteuern zu können.

Im Gegensatz zu anderen vorbeugenden Maßnahmen stützt sich die Resilienzforschung vor allem auf Schutz- statt auf Risikofaktoren: Soziale Unterstützung, eine offene Fehlerkultur ohne Schuldzuweisungen, Lösungsorientierung sowie ein realistischer Optimismus sind wichtige Bausteine.

Resilienz ist trainierbar – nutzen Sie dies für Ihr Unternehmen: Entwickeln und stärken Sie die Handlungskompetenz und innere Widerstandskraft Ihrer Beschäftigten mit Resilienzworkshops, um gemeinsam die Unternehmensziele zu erreichen und Herausforderungen zielorientierter zu bewältigen.

Und was ist mit den Kosten?

Es gibt diverse Studien zum Kosten-Nutzen-Verhältnis (Return on Invest) der Gesundheitsförderung. Die Ergebnisse allerdings unterscheiden sich, denn es ist nicht leicht zu messen, welchen Nutzen letztendlich beispielsweise ein betriebliches Fitnessstudio oder ein Resilienztraining bringt. Doch auch wenn nicht in barer Münze genau festzulegen ist wie hoch das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist: Klar ist, dass sich betriebliches Gesundheitsmanagement lohnt. Unternehmen, die in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben wollen, sind gut beraten ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement aufzubauen.

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