Thema des Monats: Studienabbrecher

Eine moderne Volkswirtschaft wie die deutsche braucht gut qualifizierte Akademikerinnen und Akademiker. Darum streben viele Schulabgängerinnen und Schulabgänger einen Hochschulabschluss an. Aber manche Studierende brechen ihr Studium vorzeitig ab - aus den unterschiedlichsten Gründen. Mit mangelnder Leistungsfähigkeit hat dies selten zu tun, im Gegenteil: Sie stellen ein leistungsbereites und vergleichsweise gut ausgebildetes Nachwuchspotenzial für alle Unternehmen dar, die Fachkräfte suchen.

Jedem Ende wohnt ein Anfang inne

Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher nehmen einen neuen Anlauf ins Berufsleben: mit genaueren Vorstellungen von ihrer Zukunft. Sie können ihre Stärken und Schwächen besser einschätzen und haben an persönlicher Reife gewonnen.
Unternehmen können ihnen eine Perspektive für den beruflichen Einstieg bieten und können  sich so Nachwuchskräfte sichern:

  • Auszubildende gewinnen: Viele, die das Studium abbrechen, sind noch jung, Anfang bis Mitte 20. Für diese Gruppe bietet sich eine duale Berufsausbildung an. Und tatsächlich ist das für die Mehrheit die Alternative zur akademischen Laufbahn. Für Unternehmen stehen damit motivierte, mit mehr Lebenserfahrung ausgestattete Auszubildende zur Verfügung. Sie eignen sich besonders für anspruchsvolle Ausbildungsgänge. Diejenigen, denen das reine akademische Studium zu theorielastig war, könnten eventuell auch an einem dualen Studium interessiert sein.
  • Fachkräfte einstellen: Einige Studienabbrecherinnen und -abbrecher haben bereits vor dem Studium einen Berufsabschluss erworben, sie können gleich als Fachkräfte bei Ihnen einsteigen.
  • Weiterbildung anbieten: In einigen Branchen spielen formale Abschlüsse eine untergeordnete Rolle. Hier können Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher ihre Qualifikationen nach und nach über gezielte Weiterbildungsmaßnahmen oder ein berufsbegleitendes Studium erwerben. Sie stehen sofort als Arbeitskräfte zur Verfügung.

Die Möglichkeiten sind vielfältig. Unternehmen berichten, dass die Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher den Neustart engagiert angehen. Durch die Rekrutierung von Personal mit abgebrochenem Studium profitieren somit beide Seiten: Die Unternehmen gewinnen Nachwuchs mit Entwicklungspotenzial. Und die Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher können sich neu beweisen.

Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher finden und einstellen

Kommen Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher grundsätzlich für Ihre offenen Stellen infrage? Dann sollten Sie das in den entsprechenden Stellenausschreibungen mitteilen. Auch wenn Sie ihr Unternehmen auf einem Hochschulcampus präsentieren, können Sie signalisieren, dass Sie zwar vor allem Absolventinnen und Absolventen suchen, aber auch für Personen ohne Abschluss offen sind.

Die Arbeitsagenturen sind eine gute Adresse, wenn Sie gezielt nach Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern suchen möchten. Einige Arbeitsagenturen arbeiten bereits mit Kammern und Hochschulen eng zusammen, um Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher in Ausbildung zu vermitteln. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat dazu in Hessen ein erfolgreiches Pilotprojekt durchgeführt. Fragen Sie nach, ob es bei Ihrer Kammer schon so eine Zusammenarbeit gibt wie beispielsweise in Darmstadt.

Mehr zu den möglichen Rekrutierungswegen und zum Vorgehen finden Sie in der Handlungsempfehlung Rekrutierung von Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern.

Persönlichkeit entscheidet

Arbeitgeber können bei Bewerbungen von Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern möglicherweise schwer beurteilen, welche Kompetenzen sie oder er mitbringt, weil die entsprechenden Zertifikate fehlen. Hier kommt es darauf an, die Anforderungen an die gewünschten Kompetenzen sehr genau zu beschreiben und sich zu fragen, ob es dafür formaler Bildungsabschlüsse bedarf. Auch persönliche oder soziale Kompetenzen haben viele Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher während ihres Studiums erworben.

Die Erfahrung hat gezeigt: Beruflicher Erfolg hängt keineswegs alleine vom akademischen Abschluss ab. Dafür stehen berühmte Studienabbrecher wie Bill Gates oder Günter Jauch.

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