Thema des Monats: Jedes Alter zählt - auch im Unternehmen

Der demografische Wandel verändert das Land. Die Deutschen werden immer älter und immer weniger. Um diese Herausforderung zu meistern, hat die Bundesregierung eine Demografiestrategie verabschiedet. 
Damit sollen Wohlstand und nachhaltiges Wachstum trotz der alternden und schrumpfenden Bevölkerung gesichert werden. Mitte Mai 2013 diskutierten Politiker und Experten beim Zweiten Demografiegipfel der Bundesregierung in Berlin über Vorschläge dazu.

Unternehmen trifft der demografische Wandel unmittelbar – teilweise schon heute. Und je besser Sie sich darauf vorbereiten, desto erfolgreicher können Sie die Fachkräftebasis in Ihrem Unternehmen sichern. Vor allem eine Vielfalt der Generationen in Ihrer Belegschaft kann die Innovationsfähigkeit und den Erfolg Ihres Unternehmens fördern.

Erfolgsfaktor Alter

Erfreulich ist, dass ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer heute länger erwerbstätig bleiben. 2012 waren 1,3 Millionen mehr Menschen über 55 Jahre in Lohn und Brot als noch 2005. Die Beschäftigungsquote stieg von 45,5 auf 61,5 Prozent.

Das ist auch die Folge eines Umdenkens in den Unternehmen. Sie haben das Potenzial der Älteren erkannt und rekrutieren Fachkräfte in der Generation 50plus. Dennoch stellen Älterer nach wie vor ein besonderes Potenzial dar, um Stellen zu besetzen.
Die besonderen Stärken der Generation Erfahrung liegen im Planen, Beraten, Kontrollieren und Unterweisen. Oft tragen sie dank ihrer Erfahrungen und Kontakte erheblich zum Unternehmenserfolg bei. Damit das so bleibt, ergreifen vorausschauende Arbeitgeber Maßnahmen, die älteren Beschäftigten erlauben, gesund und motiviert bis zur Rente mit 67 zu arbeiten. Von angepassten Arbeitszeiten, kontinuierlicher Weiterbildung bis hin zu neuen Aufgaben können die Maßnahmen reichen. Einen Überblick möglicher Maßnahmen finden Sie auch auf der Website Alternsgerechte Arbeit des Sozialnetzes Hessen.

Die Altersmischung macht’s

Gerade in kleinen Unternehmen gehören viele Beschäftigte oft einer Altersgruppe an – und sie altern gemeinsam. In homogenen Altersstrukturen im Unternehmen kann ein Risiko liegen, beispielsweise wenn wichtige Fachkräfte zeitgleich in Rente gehen und das Unternehmen so auf einen Schlag wertvolles Wissen verliert. Auf jeden Fall aber bleiben Chancen ungenutzt. Denn ein Mix von Älteren und Jüngeren, von Berufseinsteigern, erfahrenen Kräften mittleren Alters und bewährten Älteren bringt viele Vorteile:

  • Größeres Leistungsspektrum: Jede Generation verfügt über besondere Fähigkeiten: Beispielsweise bringen die Jüngeren aktuelles Wissen und größere Risikobereitschaft mit, die Personen mittleren Alters haben Routine und gute Netzwerke, die Älteren wägen sorgfältig ab und überblicken die Konsequenzen von Entscheidungen. Werden diese Kompetenzen kombiniert, erweitern Sie das das Leistungsspektrum des Teams. Zudem verbessern Sie durch altersgemischte Teams die Qualität von Entscheidungs- und Problemlösungsprozessen.
  • Höhere Kreativität: Weil jede Altersgruppe eine eigene Sicht auf bestimmte Fragen hat und so verschiedene Perspektiven zur Verfügung stehen, entwickeln sich eher neue Ideen.
  • Gemeinsame Kompetenzentwicklung: In der täglichen Zusammenarbeit können die Generationen voneinander und gemeinsam lernen. Außerdem können die Jüngeren ihr theoretisches Wissen mit der Erfahrung und unter Anleitung der Älteren in der Praxis erproben.
  • Wissens- und Erfahrungstransfer: Mit der Weitergabe von Erfahrungen und praktischem Wissen von den Älteren an die Jüngeren sichern Sie Ihrem Unternehmen das Know-how, das die Einzigartigkeit Ihres Unternehmens auszeichnen kann. Schon in der dualen Berufsausbildung werden die jungen Leute von Älteren angeleitet. Dieser Prozess geht weiter, wenn sie nach Abschluss der Ausbildung im Unternehmen ihre Laufbahn.

Die Vielfalt managen

Fast 80 Prozent der Beschäftigten wünschen sich altersgemischte Teams und immerhin 70 Prozent der Unternehmen praktizieren sie bereits, so eine Studie der Uni Dortmund.
Aber die Vielfalt will auch gemanagt sein. Mit dem bewussten Umgang mit Vielfalt lassen sich Konflikte vermeiden, und die Potenziale der vielfältigen Teams können sich entfalten. Wie Sie dabei vorgehen können, beschreibt die Handlungsempfehlung Diversity Management.

Wie sehr es sich lohnt, von der Vielfalt der Fachkräfte in Bezug auf Alter, Geschlecht, Herkunft und anderen Eigenschaften zu profitieren, zeigen gute Praxisbeispiele:

  • Fachkräfte mit Berufserfahrung: Weil bei einer Stellenausschreibung kaum Bewerbungen von Älteren kamen, hat der Werkzeughersteller Fahrion gezielt um Ingenieurinnen und Ingenieure mit Berufserfahrung geworben und altersgemischte Teams aufgestellt. Mehr...
  • Vielfalt als Teil der Unternehmenskultur: Mit deutlichen Signalen für Fairness und Toleranz hat der Geschäftsführer von Teckentrup den Hersteller von Türen und Toren weiter gebracht: Die Zusammengehörigkeit wächst, der Krankenstand sinkt. Mehr...

Weitere Informationen:

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